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Textaufgaben: Boxplots vergleichen

Fünf Sachaufgaben auf Abiturniveau — von zwei Buslinien über drei Messstationen bis zum Klinikvergleich, der aus zwei Boxplots mehr herausliest, als in ihnen steckt.

1

Zwei Buslinien im Vergleich

AFB I

Ein Verkehrsbetrieb erfasst an einer Haltestelle die Verspätung \(t\) mit \([t] = \mathrm{min}\) der einfahrenden Busse. Für die Linien 5 und 9 sind die Ergebnisse als zwei Boxplots an einer gemeinsamen Achse dargestellt (Material M1). Die feinen Zwischenstriche stehen im Abstand von einer Minute.

M1Verspätungen der Linien 5 und 9
024681012141618Verspätung (in min)Linie 5Linie 9
  1. Lesen Sie die Fünf-Punkte-Zusammenfassung beider Linien aus dem Diagramm ab.
  2. Berechnen Sie für beide Linien die Boxbreite \(Q_3 - Q_1\) und die Spannweite.
  3. Beschreiben Sie, welche Linie in der Lage und welche in der Streuung besser abschneidet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die fünf Punkte sitzen an festen Stellen: Antennenenden, Boxkanten und Medianstrich. Zähle die feinen Zwischenstriche ab der nächsten beschrifteten Marke.„Ablesen“ verlangt die Werte mit Einheit, ohne Rechnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Linie 5: Minimum \(0\) · \(Q_1 = 2\) · \(x_{\mathrm{Med}} = 4\) · \(Q_3 = 7\) · Maximum \(16\) (in min).

Linie 9: Minimum \(0\) · \(Q_1 = 3\) · \(x_{\mathrm{Med}} = 5\) · \(Q_3 = 6\) · Maximum \(10\) (in min).

Hinweis zu Aufgabe b)
Beide Boxplots stehen an derselben Achse mit derselben Skala — nur deshalb dürfen die abgelesenen Strecken überhaupt verglichen werden.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Ergebnis mit Einheit für beide Linien.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Linie 5: Boxbreite \(7 - 2 = 5\,\mathrm{min}\), Spannweite \(16 - 0 = 16\,\mathrm{min}\).

Linie 9: Boxbreite \(6 - 3 = 3\,\mathrm{min}\), Spannweite \(10 - 0 = 10\,\mathrm{min}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Lage wird am Medianstrich verglichen, die Streuung an Boxbreite, Antennenlänge und Spannweite. Bei Verspätungen ist der kleinere Wert der bessere.„Beschreiben“ verlangt eine geordnete Darstellung in Fachsprache, ohne eigene Wertung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Lage: Der Medianstrich der Linie 5 liegt bei 4 Minuten und damit weiter links als der der Linie 9 bei 5 Minuten. Die Mitte der Verspätungen ist bei der Linie 5 also um eine Minute kleiner; in der Lage schneidet die Linie 5 besser ab.

Streuung: Hier ist es umgekehrt. Die Box der Linie 5 ist mit 5 Minuten breiter als die der Linie 9 mit 3 Minuten, ihre Spannweite ist mit 16 Minuten größer als die 10 Minuten der Linie 9, und vor allem ist ihre rechte Antenne mit \(16 - 7 = 9\,\mathrm{min}\) mehr als doppelt so lang wie die der Linie 9 mit \(10 - 6 = 4\,\mathrm{min}\). Die Linie 9 fährt also gleichmäßiger.

2

Drei Feinstaub-Messstationen

AFB II

Eine Umweltbehörde misst an drei Stationen einer Stadt an je 90 Tagen die Feinstaubkonzentration \(c\) mit \([c] = \dfrac{\mu\mathrm{g}}{\mathrm{m}^3}\). Die Ergebnisse sind als drei Boxplots an einer gemeinsamen Achse dargestellt (Material M1); die zugehörigen fünf Punkte lauten:

Station A: \(8\) · \(14\) · \(18\) · \(22\) · \(40\)  —  Station B: \(10\) · \(16\) · \(24\) · \(28\) · \(34\)  —  Station C: \(12\) · \(20\) · \(22\) · \(24\) · \(46\).

M1Feinstaubwerte an den Stationen A, B und C
05101520253035404550Feinstaub (in µg je m³)Station AStation BStation C
  1. Berechnen Sie für alle drei Stationen die Boxbreite, die Spannweite und die Breite der vier Abschnitte.
  2. Untersuchen Sie für jede Station die Schiefe, also die Lage des Medianstrichs in der Box und das Verhältnis der beiden Antennen.
  3. Werten Sie die Ergebnisse zu einer Gesamtaussage darüber aus, an welcher Station die Belastung am gleichmäßigsten und an welcher sie am höchsten ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die vier Abschnitte sind linke Antenne, linker Boxteil, rechter Boxteil und rechte Antenne. Ihre Summe muss jeweils die Spannweite ergeben — das ist deine Probe.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Ergebnis für jede Station.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Station A: Boxbreite \(22 - 14 = 8\); Spannweite \(40 - 8 = 32\); Abschnitte \(14-8 = 6\), \(18-14 = 4\), \(22-18 = 4\), \(40-22 = 18\); Probe \(6+4+4+18 = 32\).

Station B: Boxbreite \(28 - 16 = 12\); Spannweite \(34 - 10 = 24\); Abschnitte \(6\), \(8\), \(4\), \(6\); Probe \(6+8+4+6 = 24\).

Station C: Boxbreite \(24 - 20 = 4\); Spannweite \(46 - 12 = 34\); Abschnitte \(8\), \(2\), \(2\), \(22\); Probe \(8+2+2+22 = 34\). Alle Angaben in \(\dfrac{\mu\mathrm{g}}{\mathrm{m}^3}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche \(x_{\mathrm{Med}} - Q_1\) mit \(Q_3 - x_{\mathrm{Med}}\) und die linke mit der rechten Antenne. In allen vier Abschnitten liegen jeweils etwa 25 % der Tage.„Untersuchen“ verlangt ein planvolles Vorgehen nach festen Kriterien und die Darstellung des Ergebnisses.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Station A: Die beiden Boxhälften sind mit je 4 Einheiten gleich breit, der Medianstrich sitzt genau mittig. Die Antennen sind dagegen sehr ungleich: 6 links gegen 18 rechts. Innerhalb der mittleren Hälfte ist die Verteilung symmetrisch, an den Rändern deutlich rechtsschief.

Station B: Der linke Boxteil ist mit 8 Einheiten doppelt so breit wie der rechte mit 4; der Medianstrich liegt also rechts von der Boxmitte. Das Viertel unterhalb des Medians streut stärker als das darüber — die Verteilung ist in der Box linksschief. Die Antennen sind mit je 6 Einheiten gleich lang.

Station C: Die beiden Boxhälften sind mit je 2 Einheiten gleich breit, die Antennen mit 8 und 22 Einheiten dagegen extrem ungleich. Die Hälfte aller Tage drängt sich in einem nur 4 Einheiten breiten Band, während das oberste Viertel über 22 Einheiten reicht — die stärkste Rechtsschiefe der drei Stationen.

Hinweis zu Aufgabe c)
„Gleichmäßig“ und „hoch“ sind zwei verschiedene Fragen: Die eine beantworten die Streuungsmaße, die andere der Median. Es kann sein, dass verschiedene Stationen gewinnen.„Auswerten“ verlangt, die Einzelergebnisse zu einer abschließenden Gesamtaussage zusammenzuführen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Fragen nach der Höhe und nach der Gleichmäßigkeit führen zu verschiedenen Stationen.

Am höchsten belastet ist Station B. Ihr Median liegt mit 24 deutlich über denen von A (18) und C (22), vor allem aber ihr oberes Quartil mit 28 gegen 22 bei A und 24 bei C. An der Hälfte der Tage überschreitet B den Wert 24; die mittlere Hälfte ihrer Werte liegt insgesamt am weitesten rechts.

Am gleichmäßigsten ist die Lage nicht eindeutig. Gemessen an der Boxbreite ist Station C mit 4 Einheiten die gleichmäßigste, gemessen an der Spannweite mit 34 Einheiten aber die unruhigste von allen. Station B hat zwar die breiteste Box, dafür mit 24 Einheiten die kleinste Spannweite und die einzigen gleich langen Antennen: Sie schwankt insgesamt am wenigsten, liegt aber auf hohem Niveau.

Gesamtaussage: Station B ist dauerhaft am stärksten belastet, zeigt aber die berechenbarste Belastung. Die Stationen A und C liegen im Mittel niedriger, werden aber immer wieder von einzelnen sehr hohen Tageswerten getroffen — bei C ist das oberste Viertel mit 22 Einheiten über fünfmal so breit wie die ganze Box. Wer Spitzenwerte vermeiden will, muss an A und C ansetzen; wer die Dauerbelastung senken will, an B.

3

Was drei gleiche Boxplots verschweigen

AFB II

Drei Gruppen werden gefragt, wie viele Stunden \(t\) mit \([t] = \mathrm{h}\) sie pro Woche ehrenamtlich arbeiten. Die drei Ranglisten stehen in Material M1. Die Gruppen sind verschieden groß, und in Gruppe Q zerfällt die Datenreihe sichtbar in zwei Gruppierungen.

Werden zu allen drei Reihen Boxplots gezeichnet, so sehen sie identisch aus.

M1Drei Ranglisten der wöchentlichen Ehrenamtsstunden
Ehrenamtsstunden je Woche, \([t] = \mathrm{h}\)
GruppeUmfangRangliste
P\(n = 9\)2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10
Q\(n = 9\)2; 3; 4; 4; 6; 8; 8; 9; 10
R\(n = 21\)2; 2; 3; 3; 3; 4; 4; 5; 5; 5; 6; 7; 7; 8; 8; 8; 9; 9; 9; 10; 10
  1. Bestimmen Sie die Fünf-Punkte-Zusammenfassung aller drei Gruppen und zeigen Sie, dass sie übereinstimmen.
  2. Erklären Sie, welche Eigenschaften der drei Datenreihen im Boxplot verlorengehen.
  3. Entwickeln Sie einen Vorschlag, welche Angaben oder Darstellungen einen Boxplot-Vergleich ergänzen sollten.
Hinweis zu Aufgabe a)
Rechne alle drei getrennt durch. Bei \(n = 9\) und \(n = 21\) ist \(n\) ungerade, der Median wird beim Halbieren also weggelassen; bei \(n = 21\) enthält jede Hälfte zehn Werte, dort wird gemittelt.„Bestimmen“ verlangt den Lösungsweg und das Ergebnis, „Zeigen“ den rechnerischen Beleg der Behauptung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Gruppe P (\(n = 9\), ungerade): Median ist der 5. Wert, \(x_{\mathrm{Med}} = 6\). Untere Hälfte \(2;3;4;5\) mit \(Q_1 = \dfrac{3+4}{2} = 3{,}5\); obere Hälfte \(7;8;9;10\) mit \(Q_3 = \dfrac{8+9}{2} = 8{,}5\); Minimum 2, Maximum 10.

Gruppe Q (\(n = 9\)): Median ist der 5. Wert, \(x_{\mathrm{Med}} = 6\). Untere Hälfte \(2;3;4;4\) mit \(Q_1 = \dfrac{3+4}{2} = 3{,}5\); obere Hälfte \(8;8;9;10\) mit \(Q_3 = \dfrac{8+9}{2} = 8{,}5\); Minimum 2, Maximum 10.

Gruppe R (\(n = 21\), ungerade): Median ist der 11. Wert, \(x_{\mathrm{Med}} = 6\). Untere Hälfte sind die Positionen 1 bis 10, ihr Median ist das Mittel des 5. und 6. Wertes: \(Q_1 = \dfrac{3+4}{2} = 3{,}5\). Obere Hälfte sind die Positionen 12 bis 21, ihr Median ist das Mittel des 5. und 6. Wertes dieser Hälfte, also der Positionen 16 und 17: \(Q_3 = \dfrac{8+9}{2} = 8{,}5\); Minimum 2, Maximum 10.

Alle drei liefern dieselben fünf Punkte \(2\) · \(3{,}5\) · \(6\) · \(8{,}5\) · \(10\) und damit exakt denselben Boxplot.

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche die drei Reihen nicht nur in den fünf Punkten, sondern auch im Umfang und darin, wie sich die Werte innerhalb der vier Viertel verteilen. Sieh dir Gruppe Q genau an.„Erklären“ verlangt die Rückführung auf die Konstruktionsvorschrift des Boxplots, nicht nur die Feststellung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Der Stichprobenumfang geht verloren. Die Gruppen P und Q umfassen neun, Gruppe R einundzwanzig Personen. Der Boxplot zeichnet nur fünf Zahlen; die Anzahl der Werte geht in keine von ihnen ein. Zwei gleich aussehende Boxplots können daher aus sehr verschieden großen Stichproben stammen — und eine Aussage aus 21 Werten ist verlässlicher als eine aus 9.

Die Gestalt innerhalb der Viertel geht verloren. In Gruppe P sind die Werte gleichmäßig über den ganzen Bereich verteilt. In Gruppe Q dagegen ballen sie sich an zwei Stellen: vier Personen bei 2 bis 4 Stunden, vier Personen bei 8 bis 10 Stunden, und dazwischen liegt mit der 6 nur ein einziger Wert. Diese Zweigipfeligkeit ist statistisch höchst bedeutsam — sie deutet auf zwei verschiedene Typen von Ehrenamtlichen hin — und im Boxplot vollständig unsichtbar.

Der Grund liegt in der Konstruktion: Der Boxplot legt nur die vier Viertelgrenzen fest. Solange dieselben Positionen der Rangliste dieselben Werte tragen, darf sich zwischen den Grenzen alles beliebig verschieben, ohne dass sich die Zeichnung ändert.

Hinweis zu Aufgabe c)
Denke daran, was eine Leserin braucht, um deinen Vergleich nachzuprüfen: eine Zahl, eine Zusatzangabe und eine zweite Darstellungsform.„Entwickeln“ verlangt einen begründeten Vorschlag mit den einzelnen Schritten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

1. Den Stichprobenumfang mit angeben. Zu jedem Boxplot gehört die Angabe \(n\), am besten direkt an der Beschriftung des Boxplots. Erst sie erlaubt es, aus den Vierteln Anzahlen zu machen, und erst sie zeigt, ob ein Vergleich überhaupt tragfähig ist.

2. Eine Darstellung der Einzelwerte ergänzen. Ein Histogramm, ein Punktdiagramm oder bei kleinen Datenreihen einfach die abgedruckte Rangliste zeigt Ballungen und Lücken, die der Boxplot verschweigt. Bei Gruppe Q würde ein Histogramm die beiden Gipfel sofort sichtbar machen.

3. Aussagen sprachlich auf das Ablesbare beschränken. Zu einem Boxplot gehören Sätze über Lage, Streuung und Anteile — nicht über Anzahlen, Einzelwerte oder die Form der Verteilung. Wer mehr sagen will, muss mehr zeigen.

4

Welchen Zulieferer soll der Betrieb wählen?

AFB III

Ein Betrieb prüft drei Zulieferer. Für jeden liegen die Lieferzeiten \(t\) mit \([t] = \mathrm{d}\) (Tage) von je 200 Bestellungen des vergangenen Jahres als Fünf-Punkte-Zusammenfassung vor (Material M1). Die Fertigung des Betriebs ist so geplant, dass Material spätestens am siebten Tag nach der Bestellung eintreffen muss; eine spätere Lieferung führt zum Stillstand einer Linie.

M1Lieferzeiten der drei Zulieferer
Lieferzeit in Tagen, je \(n = 200\) Bestellungen
ZuliefererMinimum\(Q_1\)\(x_{\mathrm{Med}}\)\(Q_3\)Maximum
X24569
Y135920
Z45678
  1. Berechnen Sie für alle drei Zulieferer die Boxbreite, die Spannweite und die Länge der rechten Antenne.
  2. Ermitteln Sie für jeden Zulieferer, wie viele der 200 Bestellungen später als sieben Tage nach der Bestellung eintrafen — soweit sich das aus den fünf Punkten überhaupt bestimmen lässt.
  3. Entscheiden Sie begründet, welcher Zulieferer beauftragt werden sollte.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die rechte Antenne reicht von \(Q_3\) bis zum Maximum. Sie beschreibt die Streuung im obersten Viertel, also gerade die späten Lieferungen.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Ergebnis für jeden Zulieferer.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

X: Boxbreite \(6-4 = 2\,\mathrm{d}\); Spannweite \(9-2 = 7\,\mathrm{d}\); rechte Antenne \(9-6 = 3\,\mathrm{d}\).

Y: Boxbreite \(9-3 = 6\,\mathrm{d}\); Spannweite \(20-1 = 19\,\mathrm{d}\); rechte Antenne \(20-9 = 11\,\mathrm{d}\).

Z: Boxbreite \(7-5 = 2\,\mathrm{d}\); Spannweite \(8-4 = 4\,\mathrm{d}\); rechte Antenne \(8-7 = 1\,\mathrm{d}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Ordne den Wert 7 bei jedem Zulieferer in die vier Viertel ein. Fällt er genau auf einen der fünf Punkte, ist der Anteil bekannt; liegt er zwischen zweien, lässt er sich nur nach oben und unten eingrenzen.„Ermitteln“ verlangt, die Lösung mit einem geeigneten Verfahren zu finden und das Ergebnis zu formulieren — auch, wenn es eine Eingrenzung ist.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zulieferer X: Der Wert 7 liegt zwischen \(Q_3 = 6\) und dem Maximum 9, also im obersten Viertel. Oberhalb von 6 Tagen liegen etwa \(0{,}25\cdot 200 = 50\) Bestellungen; wie viele davon über 7 Tagen liegen, ist nicht bestimmbar. Es sind also höchstens etwa 50 Bestellungen, möglicherweise deutlich weniger.

Zulieferer Y: Der Wert 7 liegt zwischen \(x_{\mathrm{Med}} = 5\) und \(Q_3 = 9\). Oberhalb von 5 Tagen liegen etwa 100 Bestellungen, oberhalb von 9 Tagen etwa 50. Später als 7 Tage kamen damit zwischen etwa 50 und etwa 100 Bestellungen — ein sehr breiter Bereich, aber in jedem Fall mindestens rund 50, denn allein das oberste Viertel liegt vollständig über 9 Tagen.

Zulieferer Z: Hier fällt der Wert 7 genau auf \(Q_3\). Oberhalb davon liegt etwa ein Viertel, also rund 50 Bestellungen — und diese alle im engen Bereich zwischen 7 und 8 Tagen.

Hinweis zu Aufgabe c)
Es gibt keine Antwort, die in allen Kriterien gewinnt: Der eine ist im Mittel schneller, der andere zuverlässiger. Bewerte die Kriterien im Licht des Sachzusammenhangs — was kostet den Betrieb mehr, ein Tag Wartezeit oder ein Produktionsstillstand?„Entscheiden“ verlangt eine begründete Festlegung nach Abwägen der Möglichkeiten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Empfehlung: Zulieferer Z.

Zulieferer Y scheidet aus. Sein Median ist zwar mit 5 Tagen so gut wie der von X, doch seine Streuung ist unüberschaubar: Die Box ist dreimal so breit wie bei X und Z, die Spannweite beträgt 19 Tage, und die rechte Antenne reicht bis 20 Tage. Rund 50 Bestellungen kamen später als neun Tage, einzelne erst nach drei Wochen. Für eine Fertigung mit fester Frist ist das nicht tragbar — der Median nützt nichts, wenn das oberste Viertel den Betrieb lahmlegt.

Zwischen X und Z ist abzuwägen. X ist im Mittel schneller: Median 5 statt 6 Tage, \(Q_3 = 6\) statt 7 Tage; drei Viertel aller Lieferungen sind bei X schon nach 6 Tagen da. Dafür reicht die rechte Antenne von X bis 9 Tage — es hat also Lieferungen gegeben, die die Frist um zwei Tage überschritten haben, und das Maximum ist ein tatsächlich aufgetretener Wert.

Z ist im Mittel einen Tag langsamer, aber vollständig berechenbar: Die gesamte Spannweite beträgt nur 4 Tage, das Maximum liegt bei 8 Tagen, und die rechte Antenne ist mit einem Tag die kürzeste von allen. Keine Lieferung dauerte länger als 8 Tage.

Weil eine Überschreitung der Frist einen Produktionsstillstand auslöst, ein zusätzlicher Wartetag aber nur planbare Kosten verursacht, wiegt die Zuverlässigkeit hier schwerer als die Geschwindigkeit. Zu ergänzen ist, dass auch bei Z rund ein Viertel der Lieferungen über sieben Tagen lag; wirklich fristsicher wäre erst ein Zulieferer mit \(Q_3 < 7\) und einem Maximum unter 7 Tagen. Die Entscheidung für Z sollte deshalb mit der Vereinbarung eines Sicherheitspuffers von einem Tag verbunden werden.

5

Eine Schlussfolgerung aus zwei Boxplots prüfen

AFB III

Zwei Kliniken veröffentlichen die Liegedauer \(t\) mit \([t] = \mathrm{d}\) (Tage) ihrer Patientinnen und Patienten nach einer bestimmten Operation als Boxplots an einer gemeinsamen Achse (Material M1). Eine Zeitung schreibt dazu:

(1) „In Klinik A werden mehr Patienten behandelt als in Klinik B.“
(2) „In Klinik A lag niemand länger als zwölf Tage.“
(3) „In Klinik B lag die Hälfte der Patienten zwischen vier und elf Tagen.“
(4) „Klinik A arbeitet effizienter als Klinik B.“

M1Liegedauer in den Kliniken A und B
Liegedauer in Tagen nach der Operation
KlinikMinimum\(Q_1\)\(x_{\mathrm{Med}}\)\(Q_3\)Maximum
A135712
B2461119
  1. Berechnen Sie die Differenz der Mediane, die beiden Boxbreiten und die beiden Spannweiten.
  2. Prüfen Sie die Aussagen (1) bis (3) und begründen Sie jeweils, ob sie aus den Boxplots folgen, ihnen widersprechen oder sich nicht entscheiden lassen.
  3. Nehmen Sie zu Aussage (4) begründet Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Alle drei Maßzahlen entstehen aus den fünf Punkten. Achte darauf, welcher Wert der größere ist, bevor du subtrahierst.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Ergebnis mit Einheit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Differenz der Mediane: \(6\,\mathrm{d} - 5\,\mathrm{d} = 1\,\mathrm{d}\); der Median von B liegt einen Tag höher.

Boxbreiten: Klinik A \(7-3 = 4\,\mathrm{d}\), Klinik B \(11-4 = 7\,\mathrm{d}\).

Spannweiten: Klinik A \(12-1 = 11\,\mathrm{d}\), Klinik B \(19-2 = 17\,\mathrm{d}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Drei Sorten von Aussagen sind zu unterscheiden: Aussagen über Anteile und Abstände sind ablesbar, Minimum und Maximum sind echte Datenwerte, Aussagen über Anzahlen und über Einzelwerte innerhalb eines Abschnitts sind es nicht.„Prüfen“ verlangt, jede Aussage an den Daten zu messen; „Begründen“ verlangt die Stützung durch Argumente.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

(1) „In Klinik A werden mehr Patienten behandelt.“ — nicht entscheidbar. Ein Boxplot stellt genau fünf Zahlen dar; der Stichprobenumfang geht in keine von ihnen ein. Zwei Boxplots sagen deshalb grundsätzlich nichts über die Anzahl der Werte aus, aus denen sie entstanden sind. Klinik A könnte zehn oder zehntausend Patienten behandelt haben.

(2) „In Klinik A lag niemand länger als zwölf Tage.“ — folgt aus den Boxplots. Das rechte Antennenende ist definitionsgemäß das Maximum der Datenreihe, also der größte tatsächlich aufgetretene Wert. Anders als Quartile ist das Maximum immer ein echter Messwert. Aus \(\text{Maximum} = 12\,\mathrm{d}\) folgt, dass kein Aufenthalt länger dauerte — und zugleich, dass mindestens ein Patient tatsächlich zwölf Tage lag.

(3) „In Klinik B lag die Hälfte der Patienten zwischen vier und elf Tagen.“ — folgt aus den Boxplots. Die Grenzen 4 und 11 sind gerade \(Q_1\) und \(Q_3\) der Klinik B, und zwischen den beiden Quartilen liegen nach der Viertel-Regel etwa 50 % der Werte. Die Aussage gibt genau die Box wieder.

Hinweis zu Aufgabe c)
„Effizient“ ist kein statistischer Kennwert. Frage dich, welche Größen eine kürzere Liegedauer sonst noch erklären könnten und ob eine kurze Liegedauer überhaupt immer wünschenswert ist.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene, abwägende Position — nicht nur eine Fehlerliste.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Aussage (4) lässt sich aus den beiden Boxplots nicht begründen.

Was die Daten hergeben: Klinik A hat den um einen Tag kleineren Median (5 gegen 6 Tage), die schmalere Box (4 gegen 7 Tage) und die kleinere Spannweite (11 gegen 17 Tage). Die Aufenthalte in A sind also im Mittel etwas kürzer und vor allem einheitlicher; besonders das oberste Viertel unterscheidet sich stark, denn es reicht in A von 7 bis 12, in B dagegen von 11 bis 19 Tagen.

Was die Daten nicht hergeben: „Effizienz“ ist kein Kennwert einer Liegedauer, sondern ein Werturteil, das eine Ursache unterstellt. Eine kürzere Liegedauer kann viele Gründe haben, die mit der Arbeitsqualität nichts zu tun haben: Klinik B könnte schwerere Fälle übernehmen, ältere Patienten behandeln oder als Klinik der Maximalversorgung gerade die Komplikationen aus anderen Häusern aufnehmen. Die lange rechte Antenne von B passt genau zu einer solchen Erklärung. Umgekehrt kann eine kurze Liegedauer auch auf zu frühe Entlassungen hindeuten; ohne Angaben zu Wiederaufnahmen und Behandlungsergebnissen ist sie kein Qualitätsmaß.

Hinzu kommt, dass ein Vergleich ohne Stichprobenumfänge nicht auf seine Belastbarkeit geprüft werden kann, und dass ein Unterschied von einem Tag im Median angesichts von Boxbreiten von 4 und 7 Tagen klein ist.

Eigene Position: Zulässig ist die Aussage „Die Liegedauer ist in Klinik A im Mittel etwas kürzer und deutlich einheitlicher als in Klinik B.“ Der Schritt von dieser Beobachtung zur Behauptung „A arbeitet effizienter“ ist dagegen eine Deutung, die die Zeichnung nicht trägt. Wer sie belegen will, bräuchte die Fallzahlen beider Kliniken, Angaben zur Schwere der Fälle und Ergebnisse zur Behandlungsqualität.