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Typische FehlerGrundlagen der Mathematik

Elf Denkfehler, die in Klausuren zu Kapitel 1 immer wieder auftauchen — jeweils mit Gegenüberstellung und Merksatz.

Zum NachschlagenZurück zur KapitelübersichtAlle Unterkapitel von 1.1 bis 1.5 mit Erklärungen, Übungen und Textaufgaben.

1Das Minuszeichen vor der Potenz

Ein Minuszeichen wirkt nur dann auf die Basis, wenn es mit in der Klammer steht. Ohne Klammer wird zuerst potenziert und erst danach das Vorzeichen gesetzt — die Potenz hat die höhere Rangstufe.

Der Unterschied ist kein Detail: Bei geraden Exponenten unterscheiden sich beide Ergebnisse im Vorzeichen, bei ungeraden nicht. Deshalb fällt der Fehler bei \(-2^3\) gar nicht auf und schlägt bei \(-2^2\) sofort durch.

Merksatz: Erst potenzieren, dann das Vorzeichen — es sei denn, die Klammer sagt etwas anderes.
So wird es oft gemacht\(-3^2=9\)
So ist es richtig\(-3^2=-\left(3^2\right)=-9\), aber \((-3)^2=9\)

2Gekürzt wird nur, was Faktor ist

Kürzen bedeutet: Zähler und Nenner durch dieselbe Zahl teilen. Das geht nur, wenn diese Zahl in beiden ein Faktor ist — also durch ein Malzeichen verbunden.

Steht sie als Summand da, darf nichts gestrichen werden. Ein schneller Gegentest mit Zahlen entlarvt den Fehler sofort: Für \(x=4\) und \(y=8\) ist \(\tfrac{2+4}{2+8}=\tfrac{6}{10}=0{,}6\), aber \(\tfrac48=0{,}5\).

Merksatz: Aus Summen kürzen nur die Dummen. Erst faktorisieren, dann kürzen.
So wird es oft gemacht\(\dfrac{2+x}{2+y}=\dfrac{x}{y}\)
So ist es richtig\(\dfrac{2x}{2y}=\dfrac{x}{y}\) — hier ist 2 ein Faktor

3Die binomische Formel wird unterschlagen

Beim Quadrieren einer Summe entsteht immer ein gemischtes Glied. Wer die Klammer „gliedweise“ quadriert, lässt \(2ab\) einfach weg.

Auch hier hilft die Zahlprobe: \((3+4)^2=49\), aber \(3^2+4^2=25\). Die Differenz von 24 ist genau \(2\cdot3\cdot4\).

Merksatz: Quadrieren darf man über ein Produkt ziehen, nicht über eine Summe.
So wird es oft gemacht\((a+b)^2=a^2+b^2\)
So ist es richtig\((a+b)^2=a^2+2ab+b^2\)

4Das Minus vor der Klammer erreicht nur das erste Glied

Ein Minuszeichen vor einer Klammer bedeutet Multiplikation mit \(-1\). Diese Multiplikation trifft jedes Glied in der Klammer, nicht nur das erste.

Der Fehler tritt besonders häufig auf, wenn hinten schon ein Minus steht: Aus \(-(2x-5)\) wird dann fälschlich \(-2x-5\), weil das zweite Vorzeichen unverändert übernommen wird.

Merksatz: Minus vor der Klammer: alle Vorzeichen darin umdrehen.
So wird es oft gemacht\(3x-(2x-5)=3x-2x-5=x-5\)
So ist es richtig\(3x-(2x-5)=3x-2x+5=x+5\)

5Brüche werden „über Kreuz“ addiert

Multiplizieren geht zählerweise und nennerweise — Addieren nicht. Vor dem Addieren müssen die Brüche auf denselben Nenner gebracht werden; danach werden ausschließlich die Zähler addiert.

Ein Blick auf die Größenordnung entlarvt den Fehler: \(\tfrac12+\tfrac12\) muss 1 ergeben, die falsche Rechnung liefert aber \(\tfrac24=\tfrac12\).

Merksatz: Gemeinsamer Nenner zuerst — addiert werden nur die Zähler.
So wird es oft gemacht\(\dfrac12+\dfrac13=\dfrac{1+1}{2+3}=\dfrac25\)
So ist es richtig\(\dfrac12+\dfrac13=\dfrac36+\dfrac26=\dfrac56\)

6Wurzel und Logarithmus werden über eine Summe gezogen

Wurzelziehen und Logarithmieren sind mit der Multiplikation verträglich, nicht mit der Addition. \(\sqrt{a\cdot b}=\sqrt a\cdot\sqrt b\) ist richtig, \(\sqrt{a+b}=\sqrt a+\sqrt b\) ist falsch.

Dasselbe gilt für den Logarithmus: \(\log(u\cdot v)=\log u+\log v\) ist ein Gesetz, \(\log(u+v)\) lässt sich dagegen überhaupt nicht zerlegen.

Merksatz: In der Klammer zuerst zusammenrechnen — danach Wurzel oder Logarithmus.
So wird es oft gemacht\(\sqrt{16+9}=4+3=7\)
So ist es richtig\(\sqrt{16+9}=\sqrt{25}=5\)

7Der Exponent 0 und negative Exponenten

\(a^0\) ist für jedes \(a\neq0\) gleich 1, nicht 0. Das folgt direkt aus dem Potenzgesetz: \(\tfrac{a^n}{a^n}=a^{n-n}=a^0\), und ein Bruch mit gleichem Zähler und Nenner ist 1.

Ein negativer Exponent bedeutet ebenfalls keinen negativen Wert, sondern den Kehrwert: \(2^{-3}=\tfrac{1}{2^3}=\tfrac18\) — eine positive Zahl.

Merksatz: Exponent 0 macht eine 1, ein Minus im Exponenten macht einen Kehrwert.
So wird es oft gemacht\(5^0=0\) und \(2^{-3}=-8\)
So ist es richtig\(5^0=1\) und \(2^{-3}=\dfrac{1}{8}\)

8Die \(p\)-\(q\)-Formel ohne Normieren

Die \(p\)-\(q\)-Formel gilt nur für die Normalform \(x^2+px+q=0\) — also mit dem Faktor 1 vor \(x^2\). Steht dort eine andere Zahl, muss zuerst die ganze Gleichung durch diese Zahl geteilt werden.

Alternativ nimmt man die Mitternachtsformel \(x_{1,2}=\tfrac{-b\pm\sqrt{b^2-4ac}}{2a}\), die den Faktor \(a\) bereits enthält. Beide Wege führen zum selben Ergebnis; falsch ist nur die Mischung aus beiden.

Merksatz: Vor der \(p\)-\(q\)-Formel muss vor dem \(x^2\) eine 1 stehen.
So wird es oft gemacht\(2x^2-8x+6=0\) mit \(p=-8\), \(q=6\)
So ist es richtigErst durch 2 teilen: \(x^2-4x+3=0\), also \(p=-4\), \(q=3\) ⇒ \(x=1\) und \(x=3\)

9Die Scheitelform falsch abgelesen

In \(f(x)=a(x-d)^2+e\) liegt der Scheitel bei \(S(d\,|\,e)\). Weil in der Klammer ein Minus steht, dreht sich das Vorzeichen beim Ablesen um: \((x+2)^2\) gehört zu \(d=-2\).

Der zweite Teil des Fehlers betrifft den \(y\)-Achsenabschnitt. Der ist nicht \(e\), sondern \(f(0)\) — und der muss durch Einsetzen berechnet werden.

Merksatz: Vorzeichen in der Klammer umdrehen — das Vorzeichen hinter der Klammer nicht.
So wird es oft gemacht\(f(x)=2(x+2)^2-8\) hat \(S(2\,|\,-8)\) und den \(y\)-Achsenabschnitt \(-8\)
So ist es richtig\(S(-2\,|\,-8)\); der \(y\)-Achsenabschnitt ist \(f(0)=2\cdot4-8=0\)

10Bei der Normalen wird nur die Hälfte geändert

Damit zwei Geraden senkrecht aufeinander stehen, muss \(m_f\cdot m_N=-1\) gelten. Daraus folgt \(m_N=-\tfrac{1}{m_f}\): Es ändern sich beide Dinge — das Vorzeichen und der Kehrwert.

Die Probe kostet fünf Sekunden: Multiplizieren Sie beide Steigungen; kommt nicht genau \(-1\) heraus, stehen die Geraden nicht senkrecht zueinander.

Merksatz: Kehrwert und Vorzeichenwechsel — und danach die Probe mit \(m_f\cdot m_N=-1\).
So wird es oft gemachtAus \(m_f=-\tfrac23\) folgt \(m_N=\tfrac23\) oder \(m_N=-\tfrac32\)
So ist es richtig\(m_N=-\dfrac{1}{-\tfrac23}=\dfrac32=1{,}5\); Probe: \(-\tfrac23\cdot\tfrac32=-1\) ✓

11\(0=1\) wird als Lösung missverstanden

Beim Lösen eines linearen Gleichungssystems verschwinden manchmal beide Variablen. Was dann übrig bleibt, ist die Antwort: Eine falsche Aussage wie \(0=1\) bedeutet, dass es keine Lösung gibt; eine wahre Aussage wie \(0=0\) bedeutet unendlich viele.

Geometrisch sind das parallele bzw. identische Geraden. Wer stattdessen \(x=0\) notiert, verwechselt das Ergebnis einer Umformung mit einer Lösung.

Merksatz: Verschwinden beide Variablen, entscheidet die übrige Aussage über die Lösungsmenge.
So wird es oft gemacht\(0=1\) ⇒ also ist \(x=0\) und \(y=1\)
So ist es richtig\(0=1\) ist falsch ⇒ \(\mathbb{L}=\{\;\}\); bei \(0=0\) dagegen unendlich viele Lösungen
✓

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✓Vier Fehler in acht ZeilenAFB II

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