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TextaufgabenSteigung der Normalen

Fünf Sachaufgaben mit Teilaufgaben und vollständigem Erwartungshorizont — von der Stützstrebe am Vordach bis zum begründeten Urteil über zwei Stegvarianten.

1

Die Stützstrebe am Vordach

AFB I

Ein Metallbaubetrieb fertigt das Vordach für einen Fahrradunterstand. In der Seitenansicht (Aufriss) verläuft die Kante des Vordachs geradlinig; Material M1 zeigt sie mit einem eingezeichneten Steigungsdreieck. Eine Stützstrebe soll im rechten Winkel auf dieser Dachkante stehen, damit sie die Last möglichst günstig aufnimmt.

M1Dachkante im Aufriss
012345601234waagerechte Entfernung in mHöhe in m5 m nach rechts2 m nach obenDachkante f

Eine Einheit entspricht auf beiden Achsen einem Meter; die gestrichelten Linien bilden das Steigungsdreieck.

  1. Geben Sie die Steigung \(m_f\) der Dachkante als Bruch und als Dezimalzahl an.
  2. Berechnen Sie die Steigung der Stützstrebe, die senkrecht auf der Dachkante steht.
  3. Geben Sie an, ob die Stützstrebe im Aufriss steigt oder fällt, und erläutern Sie, woran Sie das schon vor dem Rechnen erkennen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Lesen Sie am Steigungsdreieck ab, wie viele Meter die Kante nach rechts und wie viele sie dabei nach oben verläuft. Die Steigung ist der Quotient aus beiden Werten.„Geben Sie an“ verlangt nur das Ergebnis, hier also den Zahlenwert in zwei Schreibweisen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Das Steigungsdreieck führt vom Punkt \((0\,|\,1{,}2)\) aus 5 m nach rechts und dabei 2 m nach oben.

\(m_f=\frac{2\ \text{m}}{5\ \text{m}}=\frac{2}{5}=0{,}4\)

Die Dachkante steigt also je Meter waagerechter Entfernung um 0,4 m.

Hinweis zu Aufgabe b)
Setzen Sie den Wert aus Teilaufgabe a) in die Formel für die Normalensteigung ein. Beim Kehrwert eines Bruchs tauschen Zähler und Nenner die Plätze.„Berechnen“ verlangt den Ansatz und die Rechnung, nicht nur die Zahl.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(m_{\text{Normale}}=-\frac{1}{m_f}=-\frac{1}{\frac{2}{5}}=-\frac{5}{2}=-2{,}5\)

Die Stützstrebe verläuft im Aufriss mit der Steigung \(-2{,}5\): Auf einen Meter nach rechts fällt sie um 2,5 m.

Hinweis zu Aufgabe c)
Achten Sie auf das Minuszeichen in der Formel und darauf, welches Vorzeichen \(m_f\) hat. Überlegen Sie, ob zwei steigende Geraden überhaupt einen rechten Winkel bilden könnten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Stützstrebe fällt. Die Dachkante steigt, es ist also \(m_f>0\); das Minuszeichen in \(m_{\text{Normale}}=-\frac{1}{m_f}\) macht daraus zwangsläufig einen negativen Wert.

Steigung und Normalensteigung liegen immer im Wechsel: Steigt die eine Gerade, so fällt die andere. Zwei steigende Geraden können daher niemals senkrecht aufeinander stehen.

2

Die Zufahrt zum Recyclinghof

AFB II

Eine Gemeinde plant eine gerade Zufahrt zu ihrem neuen Recyclinghof. Im Lageplan (Material M2) entspricht eine Einheit 100 m. Die Landstraße verläuft als Gerade \(g\) mit \(g(x)=0{,}5x+2\). Aus Gründen der Verkehrssicherheit muss die Zufahrt rechtwinklig von der Landstraße abzweigen, und zwar im Punkt \(A(6\,|\,5)\).

Die Einfahrt zum Betriebsgelände liegt im Punkt \(H(8\,|\,1)\).

M2Lageplan von Landstraße und Zufahrt
02468100246810x-Richtung in 100 my-Richtung in 100 mLandstraße gZufahrtAH

Die Zeichnung ist maßstäblich, die gesuchten Werte sind aber rechnerisch zu bestimmen.

  1. Zeigen Sie, dass der Abzweigpunkt A auf der Landstraße liegt, und bestimmen Sie die Steigung der Zufahrt.
  2. Stellen Sie die Funktionsgleichung der Zufahrt auf und prüfen Sie, ob die Einfahrt H tatsächlich auf dieser Geraden liegt.
  3. Berechnen Sie die Länge der Zufahrt von A bis H in Metern, gerundet auf ganze Meter.
Hinweis zu Aufgabe a)
Für den Nachweis setzen Sie die x-Koordinate von A in die Gleichung von \(g\) ein und vergleichen das Ergebnis mit der y-Koordinate. Die Steigung von \(g\) steht als Zahl vor dem \(x\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Einsetzen von \(x=6\): \(g(6)=0{,}5\cdot 6+2=5\). Das stimmt mit der y-Koordinate von A überein, A liegt also auf \(g\).

Aus \(g(x)=0{,}5x+2\) folgt \(m_g=0{,}5=\frac{1}{2}\). Für die rechtwinklig abzweigende Zufahrt gilt

\(m_Z=-\frac{1}{m_g}=-\frac{1}{\frac{1}{2}}=-2\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Beginnen Sie mit dem Ansatz \(y=mx+b\) und setzen Sie die bereits bekannte Steigung ein. Der noch fehlende y-Achsenabschnitt ergibt sich, wenn Sie den Punkt A einsetzen.„Aufstellen“ heißt: die Gleichung entwickeln und vollständig notieren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(y=-2x+b\). Einsetzen von \(A(6\,|\,5)\):

\(5=-2\cdot 6+b \;\Rightarrow\; 5=-12+b \;\Rightarrow\; b=17\)

Die Zufahrt wird also durch \(z(x)=-2x+17\) beschrieben.

Probe für H: \(z(8)=-2\cdot 8+17=1\). Das ist genau die y-Koordinate von H, die Einfahrt liegt somit auf der Zufahrt.

Hinweis zu Aufgabe c)
Zeichnen Sie gedanklich ein rechtwinkliges Dreieck mit der Zufahrt als Hypotenuse. Die beiden Katheten sind die Unterschiede der x- und der y-Koordinaten; denken Sie am Ende an den Maßstab.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\Delta x=8-6=2\), \(\Delta y=1-5=-4\) (jeweils in Einheiten des Plans).

\(d=\sqrt{2^2+(-4)^2}=\sqrt{20}\approx 4{,}472\)

Eine Einheit entspricht 100 m, also \(4{,}472\cdot 100\ \text{m}\approx 447\ \text{m}\).

Die Zufahrt zum Recyclinghof ist rund 447 m lang.

3

Stäbe im Fachwerk der Fußgängerbrücke

AFB II

Ein Konstruktionsbüro plant das Fachwerk einer Fußgängerbrücke. Im Aufriss lässt sich jeder Stahlstab durch eine lineare Funktion beschreiben; die Werte in Material M3 sind in Metern angegeben. Für die Statik ist entscheidend, welche Stäbe im rechten Winkel aufeinandertreffen.

M3Die vier bereits geplanten Stäbe
StabGleichung im Aufriss
S1\(y=2{,}5x+0{,}5\)
S2\(y=-0{,}4x+3{,}8\)
S3\(y=-2{,}5x+6{,}0\)
S4\(y=0{,}4x+1{,}1\)

Die Stäbe können sich auch dann rechtwinklig kreuzen, wenn sie im Bauwerk nicht denselben Knotenpunkt teilen.

  1. Ermitteln Sie die Steigungen der vier Stäbe und untersuchen Sie, welche Paare senkrecht aufeinander stehen.
  2. Stellen Sie die Gleichung eines fünften Stabes S5 auf, der senkrecht auf S1 steht und durch den Knotenpunkt \(P(2\,|\,4)\) verläuft.
  3. Zeigen Sie, dass ein Stab, der senkrecht auf S2 steht, dieselbe Steigung wie S1 besitzt, und erklären Sie diesen Zusammenhang allgemein.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Steigung ist jeweils die Zahl vor dem \(x\); der y-Achsenabschnitt spielt dabei keine Rolle. Zwei Geraden stehen genau dann senkrecht aufeinander, wenn das Produkt ihrer Steigungen \(-1\) ergibt — prüfen Sie alle sechs Paare.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Steigungen: \(m_1=2{,}5\), \(m_2=-0{,}4\), \(m_3=-2{,}5\), \(m_4=0{,}4\).

\(m_1\cdot m_2=2{,}5\cdot(-0{,}4)=-1\) — S1 und S2 stehen senkrecht aufeinander.

\(m_3\cdot m_4=-2{,}5\cdot 0{,}4=-1\) — S3 und S4 stehen senkrecht aufeinander.

Die übrigen Paare erfüllen die Bedingung nicht: \(m_1\cdot m_3=-6{,}25\), \(m_1\cdot m_4=1\), \(m_2\cdot m_3=1\), \(m_2\cdot m_4=-0{,}16\). Insbesondere stehen S1 und S3 nicht senkrecht aufeinander, obwohl ihre Steigungen verschiedene Vorzeichen haben.

Hinweis zu Aufgabe b)
Bestimmen Sie zuerst die gesuchte Steigung aus \(m_{S1}\). Den y-Achsenabschnitt erhalten Sie anschließend, indem Sie die Koordinaten von P in den Ansatz einsetzen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(m_{S5}=-\frac{1}{2{,}5}=-0{,}4\)

Ansatz \(y=-0{,}4x+b\), Einsetzen von \(P(2\,|\,4)\): \(4=-0{,}4\cdot 2+b=-0{,}8+b\), also \(b=4{,}8\).

Der fünfte Stab wird durch \(y=-0{,}4x+4{,}8\) beschrieben. Er hat dieselbe Steigung wie S2 und verläuft daher parallel zu diesem Stab — beide stehen ja senkrecht auf derselben Geraden S1.

Hinweis zu Aufgabe c)
Wenden Sie die Formel auf \(m_{S2}\) an; der Kehrwert einer negativen Zahl ist wieder negativ. Für die allgemeine Begründung stellen Sie \(m_2=-\frac{1}{m_1}\) nach \(m_1\) um.„Zeigen“ verlangt eine lückenlose Rechnung, kein bloßes Behaupten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(-\frac{1}{m_2}=-\frac{1}{-0{,}4}=\frac{1}{0{,}4}=2{,}5=m_1\)

Allgemein: Ist \(m_2=-\frac{1}{m_1}\), so folgt daraus durch Umstellen \(m_1=-\frac{1}{m_2}\). Die Beziehung gilt also in beide Richtungen. Anschaulich ist das klar, denn „senkrecht aufeinander stehen“ ist eine Eigenschaft des Winkels zwischen beiden Geraden und hängt nicht davon ab, welche der beiden man zuerst betrachtet.

4

Jans Regel für die Querstrebe

AFB III

In einer Tischlerei entsteht der Rahmen für ein Pultdach-Gewächshaus. Eine Dachsprosse verläuft im Aufriss geradlinig mit der Steigung \(m_f=0{,}8\). Der Auszubildende Jan soll die Steigung einer Querstrebe bestimmen, die senkrecht auf dieser Sprosse steht, und notiert in sein Heft: „Senkrecht heißt einfach: Vorzeichen umdrehen. Aus 0,8 wird also −0,8.“

Material M4 zeigt beide Geraden durch den gemeinsamen Punkt \(P(2\,|\,2)\) sowie zusätzlich die tatsächlich senkrechte Gerade.

M4Sprosse, Jans Strebe und die korrekte Querstrebe
-10123456-10123456x in my in mSprosse fStrebe nach Jans Regelso wäre es richtigP

Alle drei Geraden gehen durch denselben Punkt P; eine Einheit entspricht einem Meter.

  1. Widerlegen Sie Jans Regel am vorliegenden Beispiel und geben Sie die richtige Steigung der Querstrebe an.
  2. Ermitteln Sie, für welche Steigungen \(m_f\) Jans Regel zufällig doch das richtige Ergebnis liefert.
  3. Nehmen Sie zu der Aussage einer Mitauszubildenden Stellung: „Je steiler die Sprosse verläuft, desto steiler wird auch die Querstrebe.“
  4. Erklären Sie, was Jans Formel für eine waagerechte Sprosse liefert, und deuten Sie das Ergebnis im Sachzusammenhang.
Hinweis zu Aufgabe a)
Nutzen Sie die Bedingung, dass das Produkt der Steigungen zweier zueinander senkrechter Geraden \(-1\) ergeben muss. Rechnen Sie anschließend den korrekten Wert mit der Formel aus.„Widerlegen“ verlangt den Nachweis der Unrichtigkeit, hier durch eine Rechnung am konkreten Zahlenbeispiel.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Zwei Geraden stehen genau dann senkrecht aufeinander, wenn das Produkt ihrer Steigungen \(-1\) ist. Für Jans Wert gilt aber

\(0{,}8\cdot(-0{,}8)=-0{,}64\neq -1\).

Seine Strebe steht also nicht senkrecht auf der Sprosse; im Bild ist der Winkel bei P erkennbar größer als ein rechter Winkel. Richtig ist

\(m_{\text{Normale}}=-\frac{1}{0{,}8}=-1{,}25\).

Jan hat nur das Vorzeichen gedreht und den Kehrwert vergessen.

Hinweis zu Aufgabe b)
Jans Regel liefert \(-m_f\), die Formel dagegen \(-\frac{1}{m_f}\). Setzen Sie beide Ausdrücke gleich und überlegen Sie, für welche Zahlen der Kehrwert mit der Zahl selbst übereinstimmt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: Jans Regel und die Formel sollen dasselbe liefern.

\(-m_f=-\frac{1}{m_f}\;\Big|\;\cdot(-m_f)\quad\Rightarrow\quad m_f^2=1\quad\Rightarrow\quad m_f=1 \ \text{oder}\ m_f=-1\)

Nur für \(m_f=1\) und \(m_f=-1\) stimmt Jans Ergebnis, denn genau diese Zahlen sind ihr eigener Kehrwert. Eine Sprosse mit \(m_f=1\) hat die Normalensteigung \(-1\) — hier fällt Jans Fehler nicht auf. In allen anderen Fällen liefert seine Regel einen falschen Wert.

Hinweis zu Aufgabe c)
Rechnen Sie die Normalensteigung für zwei sehr unterschiedliche Werte aus, etwa für eine flache und für eine sehr steile Sprosse. Vergleichen Sie dann die Beträge der Ergebnisse.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene, fachlich begründete Position.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage ist falsch; es verhält sich genau umgekehrt. Wegen \(m_{\text{Normale}}=-\frac{1}{m_f}\) steht \(m_f\) im Nenner: Je größer der Betrag von \(m_f\), desto kleiner der Betrag der Normalensteigung.

Beispiele: Zu \(m_f=0{,}8\) gehört \(-1{,}25\) (steile Strebe), zu \(m_f=4\) dagegen nur \(-0{,}25\) (flache Strebe).

Für den Rahmenbau bedeutet das: Bei einem sehr flachen Pultdach steht die Querstrebe fast lotrecht, bei einem sehr steilen Dach verläuft sie fast waagerecht. Ich halte die Aussage deshalb für nicht haltbar — richtig wäre: Je steiler die Sprosse, desto flacher die Querstrebe.

Hinweis zu Aufgabe d)
Setzen Sie \(m_f=0\) in die Formel ein und achten Sie darauf, welche Zahl dabei im Nenner steht. Überlegen Sie anschließend, wie eine Strebe im rechten Winkel zu einer waagerechten Sprosse tatsächlich verläuft.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Für eine waagerechte Sprosse ist \(m_f=0\). Dann stünde in \(-\frac{1}{m_f}\) im Nenner eine Null, und die Division durch null ist nicht definiert. Die Formel liefert in diesem Fall also kein Ergebnis.

Das ist kein Widerspruch, sondern der Sonderfall: Eine Strebe im rechten Winkel zu einer waagerechten Sprosse steht lotrecht. Eine solche senkrechte Gerade lässt sich aber gar nicht als \(y=mx+b\) schreiben, weil ihr keine Steigung zugeordnet werden kann. In der Werkstatt ist der Fall der einfachste von allen: Die Strebe wird mit dem Lot ausgerichtet, gerechnet werden muss nichts.

5

Zwei Vorschläge für den Steg am Bootshaus

AFB III

Ein Ruderverein will vom Bootshaus aus einen geraden Steg bis zum Ufer bauen. Im Lageplan (Material M5) entspricht eine Einheit 10 m; die Uferlinie verläuft als Gerade \(u\) mit \(u(x)=0{,}75x+1\), das Bootshaus liegt im Punkt \(B(3\,|\,9)\).

Vorschlag 1 führt den Steg senkrecht zur Uferlinie bis zum Auftreffpunkt F. Vorschlag 2 führt ihn parallel zur y-Achse geradewegs nach Süden bis zum Punkt \(G(3\,|\,3{,}25)\) am Ufer. Der Bau kostet nach Angabe der Firma 340 € je Meter Steg.

M5Lageplan des Vereinsgeländes
024681012024681012x-Richtung in 10 my-Richtung in 10 mBUferlinie uVorschlag 1Vorschlag 2FG

Das kleine Winkelzeichen bei F markiert den rechten Winkel zwischen Steg und Uferlinie.

  1. Bestimmen Sie die Steigung des Stegs nach Vorschlag 1 und stellen Sie seine Funktionsgleichung auf.
  2. Berechnen Sie die Koordinaten des Auftreffpunktes F und die Länge dieses Stegs in Metern.
  3. Vergleichen Sie die beiden Vorschläge hinsichtlich Baulänge und Baukosten.
  4. Nehmen Sie zu der Aussage des Vorsitzenden Stellung: „Der Steg wird genau dann am kürzesten, wenn er senkrecht auf der Uferlinie steht — das gilt hier aber nur, weil die Uferlinie so flach verläuft.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Steigung der Uferlinie steht als Zahl vor dem \(x\); schreiben Sie sie als Bruch, dann fällt der Kehrwert leichter. Den y-Achsenabschnitt des Stegs erhalten Sie über den Punkt B.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Aus \(u(x)=0{,}75x+1\) folgt \(m_u=0{,}75=\frac{3}{4}\). Für den senkrecht verlaufenden Steg gilt

\(m_S=-\frac{1}{m_u}=-\frac{1}{\frac{3}{4}}=-\frac{4}{3}\).

Ansatz \(y=-\frac{4}{3}x+b\), Einsetzen von \(B(3\,|\,9)\): \(9=-\frac{4}{3}\cdot 3+b=-4+b\), also \(b=13\).

Der Steg nach Vorschlag 1 wird durch \(s(x)=-\frac{4}{3}x+13\) beschrieben.

Hinweis zu Aufgabe b)
Im Auftreffpunkt haben beide Geraden denselben y-Wert — setzen Sie die Funktionsterme gleich. Für die Länge nutzen Sie anschließend die Koordinatenunterschiede von B und F und den Maßstab.„Berechnen“ verlangt den vollständigen Rechenweg, nicht nur das Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gleichsetzen: \(-\frac{4}{3}x+13=\frac{3}{4}x+1\;\Big|\;\cdot 12\)

\(-16x+156=9x+12 \;\Rightarrow\; 144=25x \;\Rightarrow\; x=5{,}76\)

\(y=0{,}75\cdot 5{,}76+1=5{,}32\), also \(F(5{,}76\,|\,5{,}32)\).

\(\Delta x=5{,}76-3=2{,}76\), \(\Delta y=5{,}32-9=-3{,}68\)

\(d=\sqrt{2{,}76^2+3{,}68^2}=\sqrt{7{,}6176+13{,}5424}=\sqrt{21{,}16}=4{,}6\)

Mit dem Maßstab 1 Einheit \(=10\ \text{m}\) ist der Steg nach Vorschlag 1 genau 46 m lang.

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Länge von Vorschlag 2 können Sie ohne Wurzel bestimmen, weil dieser Steg senkrecht verläuft. Stellen Sie beide Längen und beide Preise einander gegenüber.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Vorschlag 2 verläuft senkrecht, seine Länge ist die reine Differenz der y-Koordinaten: \(9-3{,}25=5{,}75\) Einheiten, also 57,5 m.

Kosten: Vorschlag 1: \(46\cdot 340\ €=15\,640\ €\); Vorschlag 2: \(57{,}5\cdot 340\ €=19\,550\ €\).

Vorschlag 1 ist 11,5 m kürzer, das sind rund 20 % der Länge von Vorschlag 2, und spart 3910 €. Der senkrechte Steg ist damit sowohl der kürzeste als auch der günstigste; für Vorschlag 2 spräche allenfalls, dass er in Nord-Süd-Richtung leichter abzustecken ist.

Hinweis zu Aufgabe d)
Trennen Sie die beiden Teile der Aussage: die Behauptung über die kürzeste Verbindung und die angegebene Begründung. Prüfen Sie den zweiten Teil, indem Sie sich eine deutlich steilere Uferlinie vorstellen.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene begründete Position zu beiden Teilen der Aussage.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der erste Teil der Aussage ist richtig, der zweite falsch.

Richtig ist: Die kürzeste Verbindung von einem Punkt zu einer Geraden ist stets das Lot, also die Strecke, die senkrecht auf der Geraden steht. Jede andere Verbindung von B zum Ufer bildet mit diesem Lot und einem Stück der Uferlinie ein rechtwinkliges Dreieck, in dem sie die Hypotenuse ist — und die Hypotenuse ist immer länger als jede Kathete. Genau das zeigt der Vergleich: 46 m gegenüber 57,5 m.

Falsch ist die Begründung: Dieses Argument gilt für jede Uferlinie, unabhängig von ihrer Steigung. Von der Steigung hängt nur ab, wie der Steg gelegt werden muss, nicht ob das Lot der kürzeste Weg ist. Verliefe das Ufer etwa mit \(m_u=3\), so hätte der Steg die Steigung \(-\frac{1}{3}\) und wäre immer noch die kürzeste Verbindung. Ich stimme dem Vorsitzenden also im Ergebnis zu, widerspreche aber seiner Begründung.