MINT lernen

Textaufgaben: Graphen lesen und skizzieren

Fünf Aufgaben von der Verkehrszählung bis zum Graphenvergleich — ablesen, in korrekter Intervallschreibweise notieren, skizzieren und Näherung von Exaktheit unterscheiden.

T

Textaufgaben

In allen fünf Aufgaben liefert der Graph die Information — die Punkte stecken in der Sprache: Steht wirklich ein Intervall da? Ist die Klammer offen? Und ist gekennzeichnet, welche Werte nur abgelesen und damit genähert sind? Zu jeder Teilaufgabe gibt es einen Hinweis und einen Erwartungshorizont — öffne den Erwartungshorizont erst, wenn du deine eigene Lösung aufgeschrieben hast.

1

Verkehrsdichte auf der Autobahn

AFB I

An einer Zählstelle wird 24 Stunden lang die Verkehrsdichte \(d\) in Fahrzeugen je Minute gemessen (Material M1). Die Zeit \(t\) wird in Stunden seit Mitternacht angegeben; die Messpunkte sind der Übersicht halber verbunden.

M1Verkehrsdichte im Tagesverlauf
t in hd in Fz/min4812162024102030Tageshöchstwert

Zwischen den beiden Spitzen fällt die Dichte nicht auf den Nachtwert zurück — es bleibt ein Mittagsniveau.

  1. Lies den Tageshöchstwert und die zugehörige Uhrzeit ab.
  2. Gib alle Intervalle an, auf denen \(d\) streng monoton wächst bzw. fällt.
  3. Deute den Verlauf im Sachzusammenhang und begründe, warum der Wert bei \(t=14\) kein Tageshoch ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Nur Werte, die genau auf einer Gitterlinie liegen, darfst du als exakt notieren; sonst schreibst du \(\approx\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Tageshöchstwert beträgt \(34\,\tfrac{\text{Fz}}{\text{min}}\) und wird um 18:00 Uhr erreicht \((t=18)\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Ein Monotonieintervall endet erst dort, wo der Graph seine Richtung ändert — nicht bei jedem Messpunkt.Zwischen \(t=8\) und \(t=12\) fällt der Graph zweimal hintereinander: Das ist ein Intervall.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Streng monoton fallend auf \(]0;2[\), \(]8;12[\) und \(]18;24[\); streng monoton wachsend auf \(]2;8[\) und \(]12;18[\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Unterscheide sauber zwischen einem lokalen Maximum und dem globalen Tageshoch.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die beiden Anstiege entsprechen dem Berufsverkehr am Morgen und am Nachmittag, der Rückgang dazwischen der ruhigeren Mittagszeit; nachts ist die Dichte am geringsten. Bei \(t=14\) liegt zwar ein Anstieg vor, der Wert \(20\,\tfrac{\text{Fz}}{\text{min}}\) wird aber sowohl um 8 Uhr als auch um 18 Uhr deutlich übertroffen. Antwortsatz: \(t=14\) liegt mitten in einem wachsenden Abschnitt und ist damit nicht einmal ein lokales Maximum.

2

Vom Graphen zur Ableitung

AFB II

Material M2 zeigt den Graphen einer ganzrationalen Funktion \(f\) dritten Grades.

M2Graph der Funktion \(f\)
xf(x)-3-2-112345-16-8816HT

Hoch- und Tiefpunkt liegen genau auf Gitterlinien — ihre Koordinaten dürfen deshalb ausnahmsweise als exakt notiert werden.

  1. Lies die Koordinaten von Hoch- und Tiefpunkt sowie die Anzahl der Nullstellen ab.
  2. Gib das Monotonieverhalten von \(f\) in Intervallschreibweise an.
  3. Beschreibe, wie der Graph von \(f′\) aussieht, und begründe die Lage seiner Nullstellen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Anzahl der Nullstellen liest du an den Schnittpunkten mit der \(x\)-Achse ab.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Hochpunkt \(H(-1\mid 16)\), Tiefpunkt \(T(3\mid -16)\). Der Graph schneidet die \(x\)-Achse dreimal, \(f\) hat also drei Nullstellen.

Hinweis zu Aufgabe b)
Zwischen Hoch- und Tiefpunkt fällt der Graph; außerhalb steigt er. Verwende offene Klammern.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(f\) ist auf \(]-\infty;-1[\) streng monoton wachsend, auf \(]-1;3[\) streng monoton fallend und auf \(]3;\infty[\) streng monoton wachsend.

Hinweis zu Aufgabe c)
Der Graph von \(f′\) gibt für jede Stelle die Steigung von \(f\) an.Wo \(f\) einen Hoch- oder Tiefpunkt hat, ist die Steigung null — dort schneidet \(f′\) die \(x\)-Achse.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(f′\) ist eine nach oben geöffnete Parabel. Sie verläuft oberhalb der \(x\)-Achse, wo \(f\) steigt, und unterhalb, wo \(f\) fällt. Ihre Nullstellen liegen bei \(x=-1\) und \(x=3\), denn genau dort hat der Graph von \(f\) eine waagerechte Tangente, also die Steigung null. Der Scheitel von \(f′\) liegt bei \(x=1\) — dort fällt \(f\) am steilsten.

3

Vom Text zur Skizze

AFB II

Eine ganzrationale Funktion \(h\) dritten Grades erfüllt die folgenden Bedingungen:

  • Der Graph schneidet die \(x\)-Achse bei \(x=-3\), \(x=0\) und \(x=2\).
  • Es gilt \(h(1)=-4\).
  1. Bestimme die Funktionsgleichung von \(h\) in Produkt- und in Summenform.
  2. Skizziere den Graphen von \(h\) für \(-4\le x\le 3\).
  3. Gib das Monotonieverhalten von \(h\) näherungsweise an.
Hinweis zu Aufgabe a)
Aus den drei Nullstellen folgt der Ansatz \(h(x)=a\,(x+3)\,x\,(x-2)\). Der Wert \(h(1)\) legt \(a\) fest.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz: \(h(x)=a\,(x+3)\,x\,(x-2)\). Aus \(h(1)=a\cdot 4\cdot 1\cdot(-1)=-4a\stackrel{!}{=}-4\) folgt \(a=1\). Also \(h(x)=(x+3)\,x\,(x-2)=x^{3}+x^{2}-6x\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Trage zuerst die Nullstellen ein, dann den Punkt \((1\mid-4)\), und beachte das Globalverhalten einer Funktion dritten Grades mit positivem Leitkoeffizienten.Zwischen zwei benachbarten Nullstellen muss der Graph einen Bogen machen — dort liegen Hoch- bzw. Tiefpunkt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Der Graph verläuft von links unten kommend durch \((-3\mid 0)\), erreicht zwischen \(-3\) und \(0\) einen Hochpunkt, schneidet die Achse im Ursprung, erreicht zwischen \(0\) und \(2\) einen Tiefpunkt (unter anderem durch \((1\mid-4)\)) und steigt nach \((2\mid 0)\) nach rechts oben an.

Hinweis zu Aufgabe c)
Für die Wendestellen der Monotonie genügt hier eine Abschätzung aus der Skizze oder die Rechnung \(h′(x)=0\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(h′(x)=3x^{2}+2x-6=0\) liefert \(x_{1,2}=\tfrac{-2\pm\sqrt{4+72}}{6}\), also \(x_1\approx-1{,}79\) und \(x_2\approx 1{,}12\). \(h\) ist streng monoton wachsend auf \(]-\infty;-1{,}79[\) und auf \(]1{,}12;\infty[\), dazwischen streng monoton fallend.

4

Abgelesen oder gerechnet?

AFB III

Material M3 zeigt den Graphen von \(g(x)=x^{3}-3x^{2}-6x+8\). Drei Lernende geben den Tiefpunkt an:

Alina: \(T(3\mid-10)\)  ·  Ben: \(T\approx(2{,}7\mid-10{,}4)\)  ·  Clara: \(T\bigl(1+\sqrt3\mid-6\sqrt3\bigr)\)

M3Graph der Funktion \(g\)
xg(x)-2-11234-10-5510Tiefpunkt

Der Tiefpunkt liegt nicht auf einem Gitterpunkt — abgelesene Werte sind hier nur Näherungen.

  1. Berechne die exakte Lage des Tiefpunkts.
  2. Beurteile die drei Angaben und begründe deine Bewertung.
  3. Erläutere, unter welcher Bedingung ein abgelesener Wert ohne das Zeichen \(\approx\) notiert werden darf.
Hinweis zu Aufgabe a)
Setze \(g′(x)=0\) an und löse die quadratische Gleichung exakt — ohne Runden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(g′(x)=3x^{2}-6x-6=3\,(x^{2}-2x-2)\). Aus \(x^{2}-2x-2=0\) folgt \(x_{1,2}=1\pm\sqrt{3}\). Wegen \(g″(x)=6x-6\) und \(g″(1+\sqrt3)=6\sqrt3>0\) liegt bei \(x=1+\sqrt3\) ein Tiefpunkt. Einsetzen liefert \(g(1+\sqrt3)=-6\sqrt3\approx-10{,}39\), also \(T\bigl(1+\sqrt3\mid-6\sqrt3\bigr)\approx(2{,}73\mid-10{,}39)\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche jede Angabe mit dem exakten Wert und achte auf das Zeichen \(\approx\).Ein gerundeter Wert ohne \(\approx\) behauptet Genauigkeit, die er nicht hat.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Claras Angabe ist als einzige exakt und damit uneingeschränkt richtig. Bens Angabe ist eine korrekt gerundete Näherung und durch das Zeichen \(\approx\) sauber gekennzeichnet — sie ist zulässig. Alinas Angabe ist doppelt zu beanstanden: Der \(x\)-Wert 3 ist falsch (dort gilt \(g(3)=-10\), aber \(g′(3)=3\neq 0\)), und sie behauptet ohne \(\approx\) eine Genauigkeit, die ein abgelesener Wert nicht liefert.

Hinweis zu Aufgabe c)
Denke an die Gitterlinien: Was gilt für Punkte, die genau auf einem Gitterpunkt liegen?
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ohne \(\approx\) darf ein Wert nur dann notiert werden, wenn der Punkt genau auf einem Gitterpunkt liegt und die Lage durch eine Rechnung bestätigt ist. Antwortsatz: Ablesen liefert grundsätzlich Näherungswerte; exakte Koordinaten entstehen erst durch Rechnung.

5

Welcher Graph gehört zu welcher Funktion?

AFB III

In Material M4 sind zwei Graphen in ein gemeinsames Koordinatensystem gezeichnet. Bekannt ist: Einer der beiden gehört zu einer Funktion \(f\), der andere zu deren Ableitung \(f′\). Ein Schüler behauptet: „Graph B gehört zu \(f\), denn er ist einfacher.“

M4Zwei Graphen — \(f\) und \(f′\)
xy-3-2-1123-4-2246Graph AGraph B

Die Nullstellen des einen Graphen liegen genau unter den Extrempunkten des anderen.

  1. Entscheide, welcher Graph zu \(f\) und welcher zu \(f′\) gehört.
  2. Begründe deine Entscheidung mit zwei voneinander unabhängigen Argumenten.
  3. Nimm zur Begründung des Schülers Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Suche zuerst die Nullstellen des einen Graphen und schau nach, was der andere Graph dort tut.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Graph A gehört zu \(f\), Graph B zu \(f′\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Ein zweites Argument liefert der Grad: Die Ableitung einer ganzrationalen Funktion hat immer einen Grad weniger.Aus einer Funktion dritten Grades wird beim Ableiten eine Parabel — nie umgekehrt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Argument 1 (Nullstellen und Extrempunkte): Graph B schneidet die \(x\)-Achse bei \(x\approx-1{,}4\) und \(x\approx1{,}4\). Genau dort hat Graph A einen Hoch- bzw. einen Tiefpunkt, also die Steigung null. Das ist die Beziehung zwischen \(f\) und \(f′\).

Argument 2 (Vorzeichen und Monotonie): Links von \(-1{,}4\) verläuft Graph B oberhalb der Achse, und Graph A steigt dort; zwischen \(-1{,}4\) und \(1{,}4\) liegt Graph B unterhalb der Achse, und Graph A fällt. Das Vorzeichen von B passt also überall zur Monotonie von A.

Hinweis zu Aufgabe c)
„Einfacher“ ist kein mathematisches Kriterium. Prüfe, ob die Behauptung mit den Graphen vereinbar ist.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Begründung ist nicht haltbar. „Einfacher“ ist kein mathematisches Kriterium, und das Ergebnis ist zudem falsch: Wäre Graph B der Graph von \(f\), so müsste Graph A die Ableitung einer Parabel sein — also eine Gerade. Graph A ist aber deutlich gekrümmt. Antwortsatz: Entscheidend ist nicht die Gestalt, sondern der Zusammenhang zwischen Nullstellen von \(f′\) und Extrempunkten von \(f\).