Hefekultur im Gärtank
AFB IIn einem Gärtank vermehrt sich eine Hefekultur so, dass sich die Zellzahl jede Stunde verdoppelt. Der Laborant zählt zum Zeitpunkt \(x=0\) und gibt jede spätere Zellzahl als Vielfaches dieser Startmenge an. Für dieses Vielfache gilt $$f(x)=2^{x},$$ wobei \(x\) die Zeit in Stunden nach der ersten Zählung ist. Negative \(x\) beschreiben Zeitpunkte vor der ersten Zählung.
- Berechne das Vielfache der Startmenge zu den Zeitpunkten \(x=0\), \(x=3\) und \(x=6\).
- Berechne die Funktionswerte \(f(-1)\) und \(f(-3)\) und deute beide im Sachzusammenhang.
- Gib an den Punkt, durch den der Graph jeder Funktion \(f(x)=n^{x}\) verläuft, den Punkt, an dem sich die Basis direkt ablesen lässt, und die Gleichung der Asymptote.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(f(x)=2^{x}\).
\(f(0)=2^{0}=1\), \(f(3)=2^{3}=8\), \(f(6)=2^{6}=64\).
Nach \(3\) Stunden ist die Zellzahl also das 8-Fache, nach \(6\) Stunden das 64-Fache der Startmenge. Bei \(x=0\) ist das Vielfache \(1\) — das ist genau die Startmenge selbst.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(f(-1)=2^{-1}=\frac{1}{2}=0{,}5\) und \(f(-3)=2^{-3}=\frac{1}{8}=0{,}125\).
Deutung: Eine Stunde vor der ersten Zählung enthielt der Tank nur halb so viele Zellen, drei Stunden vorher nur ein Achtel der Startmenge. Beide Werte sind positiv — das Modell liefert an keiner Stelle den Wert \(0\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Wegen \(n^{0}=1\) geht jeder Graph durch den Punkt \((0\,|\,1)\). Wegen \(f(1)=n^{1}=n\) liegt außerdem der Punkt \((1\,|\,n)\) auf dem Graphen; hier lässt sich die Basis direkt ablesen, im Beispiel also \((1\,|\,2)\).
Die Asymptote ist die \(x\)-Achse mit der Gleichung \(y=0\): Für \(x\to-\infty\) geht \(f(x)\to 0\), ohne den Wert \(0\) je zu erreichen. Im Sachzusammenhang heißt das: Die Kultur stirbt in diesem Modell nie vollständig aus.
Verdünnungsreihe im Labor
AFB IIIn einem Chemielabor wird eine Farbstofflösung stufenweise verdünnt: In jeder Stufe wird ein Teil der bisherigen Lösung mit neun Teilen Wasser gemischt, die Lösung ist danach also zehnmal so schwach wie zuvor. Der Verdünnungsfaktor \(f(x)\) gibt an, um welchen Faktor die Lösung nach \(x\) Stufen gegenüber der Ausgangslösung verdünnt ist. Es gilt $$f(x)=10^{x}.$$ Der Wert \(f(x)=100\) steht dabei für die Verdünnung \(1:100\).
- Berechne die Verdünnungsfaktoren nach \(2\), \(4\) und \(6\) Stufen und gib sie zusätzlich in der Schreibweise \(1:\ldots\) an.
- Bestimme die Anzahl der Stufen, die für eine Verdünnung von \(1:100\,000\) nötig sind.
- Begründe warum der Farbstoff nach diesem Modell auch nach sehr vielen Stufen nie vollständig verschwindet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(f(x)=10^{x}\).
\(f(2)=10^{2}=100\), also die Verdünnung \(1:100\). \(f(4)=10^{4}=10\,000\), also \(1:10\,000\). \(f(6)=10^{6}=1\,000\,000\), also \(1:1\,000\,000\).
Jede weitere Stufe verzehnfacht den Verdünnungsfaktor — das ist genau die Wirkung der Basis \(10\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: \(10^{x}=100\,000\). Rechts steht eine Zehnerpotenz: \(100\,000=10^{5}\).
Aus \(10^{x}=10^{5}\) folgt durch Vergleich der Exponenten \(x=5\). Es sind also 5 Verdünnungsstufen nötig.
Probe: \(10^{5}=100\,000\). \(\checkmark\)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Der Farbstoffanteil beträgt nach \(x\) Stufen \(\frac{1}{f(x)}=10^{-x}\) — das ist ein Funktionswert von \(f\) an einer negativen Stelle.
Für die Funktion \(f(x)=10^{x}\) gilt \(f(x)>0\) für alle \(x\); sie hat keine Nullstelle, die \(x\)-Achse ist nur Asymptote. Beispiel: \(10^{-5}=0{,}00001\) — sehr klein, aber positiv.
Der Anteil wird also beliebig klein, erreicht aber nie den Wert \(0\). Modellgrenze: In der Realität besteht der Farbstoff aus endlich vielen Teilchen, sodass ab einer bestimmten Stufe tatsächlich kein einziges Teilchen mehr in der Probe ist.
Zahlenschloss mit drei Symbolen
AFB IIEin Fahrradschloss besteht aus mehreren Drehrädchen. Auf jedem Rädchen stehen genau drei verschiedene Symbole, und jedes Rädchen lässt sich unabhängig von den anderen einstellen. Für ein Schloss mit \(x\) Rädchen ist die Anzahl der möglichen Codes $$f(x)=3^{x}.$$ Jedes zusätzliche Rädchen verdreifacht also die Anzahl der Einstellungen.
- Berechne die Anzahl der möglichen Codes für Schlösser mit \(2\), \(4\) und \(6\) Rädchen.
- Bestimme die kleinste Anzahl von Rädchen, mit der sich mehr als \(1000\) verschiedene Codes einstellen lassen.
- Überprüfe die Werbeaussage eines Herstellers: „Ein Schloss mit sechs Symbolen je Rädchen und drei Rädchen bietet genauso viele Codes wie eines mit drei Symbolen je Rädchen und sechs Rädchen.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(f(x)=3^{x}\).
\(f(2)=3^{2}=9\) Codes, \(f(4)=3^{4}=81\) Codes, \(f(6)=3^{6}=729\) Codes.
Von \(4\) auf \(6\) Rädchen verneunfacht sich die Anzahl \((81\cdot 9=729)\), denn es kommen zwei Faktoren \(3\) hinzu.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: Gesucht ist das kleinste \(x\in\mathbb{N}\) mit \(3^{x}>1000\).
\(3^{6}=729\), und \(729<1000\) — das reicht noch nicht. \(3^{7}=2187\), und \(2187>1000\).
Es sind also 7 Rädchen nötig. Da \(f\) streng monoton steigend ist, liefert jede größere Rädchenzahl erst recht mehr als \(1000\) Codes.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Schloss A: \(6\) Symbole, \(3\) Rädchen \(\Rightarrow 6^{3}=216\) Codes. Schloss B: \(3\) Symbole, \(6\) Rädchen \(\Rightarrow 3^{6}=729\) Codes.
Wegen \(216<729\) ist die Aussage falsch. Schloss B bietet \(729:216=3{,}375\), also etwa 3,4-mal so viele Codes.
Basis und Exponent lassen sich nicht vertauschen: Der Exponent — also die Anzahl der Rädchen — wirkt viel stärker als die Basis.
Wasserpflanze im Teich
AFB IIIn einem Teich breitet sich eine eingeschleppte Wasserpflanze aus: Die von ihr bedeckte Fläche vervierfacht sich jede Woche. Die Biologin gibt die bedeckte Fläche als Vielfaches der Fläche bei der ersten Zählung an; nach \(x\) Wochen gilt $$f(x)=4^{x}.$$ Eine heimische Art im selben Teich breitet sich dagegen gar nicht aus — für ihr Flächenvielfaches gilt \(g(x)=1^{x}\).
- Berechne das Flächenvielfache der eingeschleppten Art nach \(2\), \(3\) und \(5\) Wochen.
- Bestimme nach wie vielen vollen Wochen die bedeckte Fläche erstmals mehr als das 500-Fache der Anfangsfläche beträgt.
- Überprüfe die Meldung einer Zeitung: „Nach zehn Wochen ist die bedeckte Fläche vierzigmal so groß wie am Anfang.“
- Erkläre welchen Verlauf der Graph von \(g(x)=1^{x}\) hat und was das für die heimische Art bedeutet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(f(x)=4^{x}\).
\(f(2)=4^{2}=16\), \(f(3)=4^{3}=64\), \(f(5)=4^{5}=1024\).
Nach \(2\) Wochen ist die Fläche also das 16-Fache, nach \(3\) Wochen das 64-Fache und nach \(5\) Wochen bereits das 1024-Fache der Anfangsfläche.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: Gesucht ist das kleinste \(x\in\mathbb{N}\) mit \(4^{x}>500\).
\(4^{4}=256\), und \(256<500\). \(4^{5}=1024\), und \(1024>500\).
Nach 5 Wochen ist die Fläche erstmals mehr als das 500-Fache. Weil \(f\) streng monoton steigend ist, bleibt sie danach dauerhaft darüber.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Nach dem Modell gilt \(f(10)=4^{10}=4^{5}\cdot 4^{5}=1024\cdot 1024=1\,048\,576\).
Die Fläche ist also rund eine Million Mal so groß und nicht \(40\)-mal. Die Meldung ist falsch.
Fehlerursache: Die Zeitung hat \(4\cdot 10=40\) gerechnet und damit gleichmäßiges Wachstum angenommen. Bei \(4^{x}\) steht die Wochenzahl aber im Exponenten — jede Woche wird die bisherige Fläche mit \(4\) multipliziert.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Es gilt \(1^{x}=1\) für jedes \(x\), zum Beispiel \(1^{0}=1\), \(1^{3}=1\) und \(1^{-2}=1\). Der Graph ist deshalb eine waagerechte Gerade auf der Höhe \(1\) durch den Punkt \((0\,|\,1)\).
Er steigt und fällt nirgends und ist als einziger Fall achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse; eine Asymptote im eigentlichen Sinn gibt es nicht.
Bedeutung: Die heimische Art bedeckt in jeder Woche genau dieselbe Fläche wie am Anfang — sie breitet sich weder aus noch geht sie zurück. Deshalb ist \(n=1\) der Sonderfall, der kein echtes exponentielles Wachstum beschreibt.
Zwei Musikplattformen im Vergleich
AFB IIIZwei junge Musikplattformen vergleichen ihr Nutzerwachstum. Die Plattform „Flowtune“ startet mit \(10\,000\) aktiven Nutzern und gibt ihre Nutzerzahl danach als Vielfaches dieses Startwerts an: nach \(0\), \(1\), \(2\) und \(3\) Monaten das \(1\)-, \(5\)-, \(25\)- und \(125\)-Fache.
Die Plattform „Beatly“ beschreibt ihr eigenes Wachstum mit \(g(x)=3^{x}\), wobei \(x\) ebenfalls die Zeit in Monaten und \(g(x)\) das Vielfache des Startwerts angibt.
- Ermittle aus den Messwerten von „Flowtune“ die Basis \(n\) und gib die zugehörige Funktionsgleichung \(f(x)=n^{x}\) an.
- Vergleiche das Wachstum der beiden Plattformen anhand geeigneter Funktionswerte in den ersten sechs Monaten.
- Beurteile die Aussage eines Bloggers: „Beide Graphen starten im selben Punkt und nähern sich links beide der \(x\)-Achse — die Plattformen wachsen also praktisch gleich schnell.“
- Bewerte ob sich das Modell \(f(x)=5^{x}\) eignet, um die Nutzerzahl von „Flowtune“ für die nächsten zwölf Monate vorherzusagen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Quotienten benachbarter Werte: \(5:1=5\), \(25:5=5\), \(125:25=5\). Der Wachstumsfaktor ist in jedem Monat derselbe, also liegt exponentielles Wachstum vor.
Damit ist \(n=5\); dasselbe liest man direkt am Punkt \((1\,|\,5)\) ab. Die Funktionsgleichung lautet \(f(x)=5^{x}\).
Kontrolle: \(f(0)=5^{0}=1\) \(\checkmark\), \(f(2)=5^{2}=25\) \(\checkmark\), \(f(3)=5^{3}=125\) \(\checkmark\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(f(1)=5\) gegenüber \(g(1)=3\); \(f(3)=125\) gegenüber \(g(3)=27\); \(f(6)=15\,625\) gegenüber \(g(6)=729\).
Gemeinsam: Beide starten bei \((0\,|\,1)\), beide sind streng monoton steigend und beide Funktionswerte sind stets positiv.
Unterschied: Die größere Basis von „Flowtune“ macht den Graphen deutlich steiler. Nach sechs Monaten ist der Vorsprung \(15\,625:729\approx 21{,}4\) — „Flowtune“ hat dann rund das 21-Fache des Vielfachen von „Beatly“ erreicht. In absoluten Zahlen wären das \(10\,000\cdot 15\,625=156\,250\,000\) Nutzer.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Richtig ist: Beide Graphen gehen durch \((0\,|\,1)\), denn \(n^{0}=1\) für jede Basis. Beide haben die \(x\)-Achse als Asymptote, denn für \(x\to-\infty\) geht \(n^{x}\to 0\), ohne \(0\) zu erreichen.
Falsch ist der Schluss. Diese Eigenschaften gelten für jede Basis \(n>1\) und sagen nichts über die Steilheit aus. Die entscheidet allein die Basis, ablesbar an \((1\,|\,n)\): \((1\,|\,5)\) gegenüber \((1\,|\,3)\). Nach sechs Monaten stehen \(15\,625\) gegen \(729\) — ein Faktor von etwa \(21{,}4\).
Links von der \(y\)-Achse ist es sogar umgekehrt: \(f(-1)=\frac{1}{5}=0{,}2\) liegt unter \(g(-1)=\frac{1}{3}\approx 0{,}33\). Die größere Basis schmiegt sich links schneller an die \(x\)-Achse an. Das Urteil des Bloggers ist also nicht haltbar.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Rechnung: \(f(12)=5^{12}=244\,140\,625\). Mit dem Startwert ergibt das \(10\,000\cdot 244\,140\,625=2\,441\,406\,250\,000\), also rund \(2{,}4\cdot 10^{12}\) Nutzer.
Vergleich: Das ist etwa das 300-Fache der Weltbevölkerung von rund \(8\) Milliarden Menschen — eine unmögliche Nutzerzahl.
Urteil: Das Modell ist für zwölf Monate nicht geeignet. Eine Funktion \(n^{x}\) mit \(n>1\) wächst über alle Grenzen, während die Zahl möglicher Nutzer durch den Markt begrenzt ist. Realistisch flacht das Wachstum ab, sobald ein großer Teil der Zielgruppe erreicht ist; ein beschränktes Wachstumsmodell wäre passender.
Für die ersten Monate beschreibt \(f(x)=5^{x}\) die Daten dagegen sehr gut — das Modell ist also nur kurzfristig brauchbar.
