MINT lernen

3.1.2 · Textaufgaben

Textaufgaben: Durchschnittliche Änderungsrate

Sechs Sachaufgaben zur durchschnittlichen Änderungsrate — mit Operatoren, Teilaufgaben, gestuften Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Wetterdienst: die kalte Morgenstunde

AFB I

Ein Wetterdienst hat den Temperaturverlauf eines Frühlingstages aufgezeichnet (Material M1). Um 0 Uhr zeigt die Kurve \(7{,}5\ ^\circ\text{C}\), um 5 Uhr nur noch \(6{,}2\ ^\circ\text{C}\).

M1Temperaturverlauf eines Frühlingstages
0 Uhr | 7,5 °C5 Uhr | 6,2 °C048121620245791113Uhrzeit in hTemperatur in °C
  1. Nennen Sie die beiden Randpunkte des Intervalls \([0;5]\).
  2. Berechnen Sie die durchschnittliche Änderungsrate der Temperatur im Intervall \([0;5]\) in \(\tfrac{^\circ\text{C}}{\text{h}}\).
  3. Erläutern Sie, warum der Temperaturverlauf zwischen 0 Uhr und 5 Uhr für dieses Ergebnis keine Rolle spielt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Gesucht ist die Steigung der Sekante durch die beiden Randpunkte des Intervalls.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(P(0 \mid 7{,}5)\) und \(Q(5 \mid 6{,}2)\).

Hinweis zu Aufgabe b)
\(m=\dfrac{f(5)-f(0)}{5-0}\). Ziehen Sie immer den Anfangswert vom Endwert ab.Das Minuszeichen gehört dazu: Die Temperatur fällt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(m=\dfrac{f(5)-f(0)}{5-0}\). Rechnung: \(m=\dfrac{6{,}2\ ^\circ\text{C}-7{,}5\ ^\circ\text{C}}{5\ \text{h}}=\dfrac{-1{,}3\ ^\circ\text{C}}{5\ \text{h}}=-0{,}26\). Ergebnis: \(-0{,}26\ \tfrac{^\circ\text{C}}{\text{h}}\) — in diesen fünf Stunden kühlt es im Mittel um gut ein Viertelgrad pro Stunde ab.

Hinweis zu Aufgabe c)
Sehen Sie sich an, welche Werte in der Formel des Differenzenquotienten überhaupt vorkommen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die durchschnittliche Änderungsrate vergleicht ausschließlich die beiden Randwerte \(f(0)\) und \(f(5)\). Alles, was dazwischen passiert, geht nicht in die Rechnung ein — zwei ganz unterschiedliche Verläufe mit denselben Randwerten hätten dieselbe mittlere Rate.

2

Heißluftballon über dem Weserbergland

AFB II

Die Höhe eines Heißluftballons wird durch \(f(x)=-0{,}1x^{3}+1{,}5x^{2}+4x+20\) beschrieben. Dabei ist \(x\) die Zeit in Minuten und \(f(x)\) die Höhe in Metern. Der Ballon steigt in den ersten Minuten und sinkt später wieder; Material M1 zeigt den Verlauf.

M1Höhenverlauf des Ballons in den ersten 18 Minuten
Δx = 10 minΔy = 90 mP(0 | 20)Q(10 | 110)036912151804080120Zeit in minHöhe in m
  1. Berechnen Sie die Höhen \(f(0)\) und \(f(10)\).
  2. Berechnen Sie die durchschnittliche Änderungsrate der Höhe im Intervall \([0;10]\) in \(\tfrac{\text{m}}{\text{min}}\).
  3. Erläutern Sie, was dieser Wert über den Höhenverlauf innerhalb der zehn Minuten aussagt — und was nicht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hier gibt es keine abgelesenen Werte, sondern einen Funktionsterm: Setzen Sie 0 und 10 ein.Kontrolle: \(-0{,}1\cdot 10^{3}=-100\), nicht \(-1000\) — die Potenz kommt vor der Multiplikation.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(f(0)=20\) und \(f(10)=-0{,}1\cdot 1000+1{,}5\cdot 100+40+20=-100+150+60=110\), jeweils in Metern.

Hinweis zu Aufgabe b)
Die Formel \(m=\dfrac{f(b)-f(a)}{b-a}\) gilt unverändert, egal ob die Werte aus einem Diagramm, einer Tabelle oder einem Term stammen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(m=\dfrac{f(10)-f(0)}{10-0}=\dfrac{110\ \text{m}-20\ \text{m}}{10\ \text{min}}\). Ergebnis: \(m=\dfrac{90}{10}=9\), also \(9\ \tfrac{\text{m}}{\text{min}}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie den berechneten Wert mit dem Verlauf der Kurve in M1: Ist der Ballon durchgehend gleich schnell gestiegen?
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der Wert sagt: Über die zehn Minuten hinweg gewinnt der Ballon im Mittel 9 Meter Höhe pro Minute. Er sagt nicht, dass er in jedem Augenblick so schnell steigt — in manchen Momenten steigt er schneller, in anderen langsamer. Die Sekante glättet den ganzen Verlauf zu einem einzigen Mittelwert.

3

Space Shuttle: die letzte Minute des Aufstiegs

AFB II

Material M1 enthält Messdaten eines startenden Space Shuttles der NASA. Für die Umrechnung gilt \(1\ \tfrac{\text{m}}{\text{s}}=3{,}6\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\).

M1Startdaten eines Space Shuttles der NASA
Gemessene Flughöhe in den ersten zwei Minuten nach dem Abheben.
Zeit in s0510204060120
Höhe in m092,53701 4805 92013 32053 280
  1. Entnehmen Sie der Tabelle die Flughöhen \(f(60)\) und \(f(120)\).
  2. Berechnen Sie die Durchschnittsgeschwindigkeit im Zeitabschnitt \([60;120]\) in \(\tfrac{\text{m}}{\text{s}}\).
  3. Rechnen Sie das Ergebnis in \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) um.
Hinweis zu Aufgabe a)
Sie brauchen nur die beiden Spalten an den Rändern des Abschnitts — die Zwischenwerte gehen in den Differenzenquotienten nicht ein.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(f(60)=13\,320\ \text{m}\) und \(f(120)=53\,280\ \text{m}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
\(m=\dfrac{f(120)-f(60)}{120\ \text{s}-60\ \text{s}}\). Rechnen Sie zuerst sauber in Meter je Sekunde.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(m=\dfrac{53\,280\ \text{m}-13\,320\ \text{m}}{120\ \text{s}-60\ \text{s}}=\dfrac{39\,960\ \text{m}}{60\ \text{s}}\). Ergebnis: \(m=666\ \tfrac{\text{m}}{\text{s}}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Erst ganz zum Schluss umrechnen: mit \(3{,}6\) multiplizieren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(666\cdot 3{,}6=2397{,}6\). Das Shuttle steigt in dieser Minute im Mittel mit \(2397{,}6\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) — rund doppelte Schallgeschwindigkeit.

4

Triathlon: das Höhenprofil der Radstrecke

AFB II

Die Radstrecke eines Triathlons ist 19 km lang und führt von der Wechselzone auf 400 m Höhe wieder dorthin zurück. Der höchste Punkt der Runde liegt bei Kilometer 10 auf 590 m (Material M1).

M1Höhenprofil der Radrunde mit den sechs Ortsdurchfahrten
Wechselzone 400 m590 mGerlikonHagenbuchOber-SchneitGündlikonStegenGachnang051015400500600Strecke in kmHöhe in m
  1. Nennen Sie die Randpunkte des Intervalls \([0;10]\) und geben Sie die Einheit der gesuchten Rate an.
  2. Berechnen Sie die durchschnittliche Änderungsrate der Höhe im Intervall \([0;10]\) in \(\tfrac{\text{m}}{\text{km}}\).
  3. Begründen Sie, warum die Rate über die gesamte Runde \([0;19]\) null ist, obwohl die Fahrerin 190 Höhenmeter überwunden hat.
Hinweis zu Aufgabe a)
Auf der Rechtsachse steht hier keine Zeit, sondern eine Strecke.Die Einheit der Rate ergibt sich immer aus den Achsen — sie sagt, wie viele Höhenmeter im Mittel auf einen Streckenkilometer entfallen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(P(0 \mid 400)\) und \(Q(10 \mid 590)\); die Rate hat die Einheit \(\tfrac{\text{m}}{\text{km}}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
\(m=\dfrac{590\ \text{m}-400\ \text{m}}{10\ \text{km}-0\ \text{km}}\). Setzen Sie nicht die Gesamtstrecke von 19 km ein.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(m=\dfrac{590-400}{10-0}\). Rechnung: \(m=\dfrac{190\ \text{m}}{10\ \text{km}}=19\). Ergebnis: \(19\ \tfrac{\text{m}}{\text{km}}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Schauen Sie sich nur den Zähler des Differenzenquotienten an: Welche Höhe hat der Start, welche das Ziel?
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Start und Ziel liegen beide auf 400 m. Damit ist der Zähler \(f(19)-f(0)=400-400=0\) und folglich \(m=\dfrac{0}{19}=0\). Die mittlere Rate misst nur den Unterschied zwischen Anfang und Ende, nicht die Anstrengung dazwischen — genau das ist ihre Grenze.

5

Space Shuttle: der Mittelwert-Trugschluss

AFB III

Wir bleiben beim Shuttle aus Aufgabe 3. Jemand berechnet für die sechs Abschnitte \([0;5]\), \([5;10]\), \([10;20]\), \([20;40]\), \([40;60]\) und \([60;120]\) die Durchschnittsgeschwindigkeiten \(66{,}6\); \(199{,}8\); \(399{,}6\); \(799{,}2\); \(1332\) und \(2397{,}6\) (jeweils in \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\)) und mittelt sie zu \(865{,}8\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\). Er behauptet, das sei die Durchschnittsgeschwindigkeit über die gesamten zwei Minuten.

  1. Berechnen Sie die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit über den gesamten Zeitraum \([0;120]\) in \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\).
  2. Entscheiden Sie, ob die Behauptung stimmt.
  3. Begründen Sie, warum das schlichte Mitteln der sechs Einzelraten hier zu einem falschen Wert führt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Wenden Sie den Differenzenquotienten direkt auf das große Intervall an: \(a=0\ \text{s}\), \(b=120\ \text{s}\), \(f(0)=0\ \text{m}\), \(f(120)=53\,280\ \text{m}\).Die Rate über \([0;120]\) hängt per Definition nur von den beiden Randwerten ab — sie ist keine Zusammenfassung der sechs Teilergebnisse.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz: \(m=\dfrac{53\,280\ \text{m}-0\ \text{m}}{120\ \text{s}-0\ \text{s}}=444\ \tfrac{\text{m}}{\text{s}}\). Umrechnung: \(444\cdot 3{,}6=1598{,}4\), also \(1598{,}4\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleichen Sie Ihren Wert mit den behaupteten \(865{,}8\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) und formulieren Sie einen klaren Antwortsatz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Behauptung ist falsch: Der tatsächliche Wert ist mit \(1598{,}4\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) fast doppelt so groß wie die behaupteten \(865{,}8\ \tfrac{\text{km}}{\text{h}}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Sehen Sie sich die Längen der sechs Abschnitte an: 5, 5, 10, 20, 20 und 60 Sekunden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die sechs Abschnitte sind unterschiedlich lang: Die letzte Rate gilt für 60 Sekunden, die erste nur für 5. Ein schlichter Mittelwert gewichtet aber alle sechs gleich und zieht das Ergebnis dadurch viel zu weit nach unten. Nur bei gleich langen Teilintervallen dürfte man die Raten direkt mitteln.

6

Luftdruck: wo fällt er am stärksten?

AFB III

Material M1 zeigt, wie der Luftdruck mit zunehmender Höhe abnimmt. Betrachtet werden die beiden gleich breiten Intervalle \([0;1000]\) und \([2000;3000]\).

M1Luftdruck in Abhängigkeit von der Höhe
Mittlere Werte der Standardatmosphäre, gerundet auf volle Hektopascal.
Höhe in m05001000200030005000
Druck in hPa1013955899795701540
  1. Berechnen Sie die durchschnittlichen Änderungsraten in beiden Intervallen in \(\tfrac{\text{hPa}}{\text{m}}\).
  2. Vergleichen Sie beide Raten und geben Sie an, in welchem Intervall der Druck stärker fällt.
  3. Rechnen Sie die Rate mit dem stärkeren Druckabfall in Hektopascal je 100 Höhenmeter um und begründen Sie den Unterschied zwischen beiden Intervallen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Lesen Sie die vier benötigten Druckwerte aus der Tabelle ab: \(m_1=\dfrac{899-1013}{1000-0}\) und \(m_2=\dfrac{701-795}{3000-2000}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(m_1=\dfrac{899\ \text{hPa}-1013\ \text{hPa}}{1000\ \text{m}}=\dfrac{-114}{1000}=-0{,}114\ \tfrac{\text{hPa}}{\text{m}}\) und \(m_2=\dfrac{701\ \text{hPa}-795\ \text{hPa}}{1000\ \text{m}}=\dfrac{-94}{1000}=-0{,}094\ \tfrac{\text{hPa}}{\text{m}}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Beide Raten sind negativ. „Stärker“ heißt hier nicht „größere Zahl“, sondern „weiter von null entfernt“ — vergleichen Sie also die Beträge.Die beiden Intervalle sind bewusst gleich breit (je 1000 m) — nur deshalb darf man die Raten direkt vergleichen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Wegen \(|-0{,}114|>|-0{,}094|\) fällt der Druck im unteren Intervall \([0;1000]\) stärker.

Hinweis zu Aufgabe c)
Multiplizieren Sie die Rate je Meter mit 100. Für die Begründung: Was trägt der Luftdruck eigentlich — und wie viel wiegt eine Luftschicht in großer Höhe?
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(-0{,}114\ \tfrac{\text{hPa}}{\text{m}}\cdot 100\ \text{m}=-11{,}4\), also \(-11{,}4\) Hektopascal je 100 Höhenmeter. Begründung: Der Luftdruck entsteht durch das Gewicht der darüberliegenden Luft. In größerer Höhe ist die Luft dünner, deshalb wiegt jede weitere Luftschicht weniger — der Druck nimmt dort langsamer ab.