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3.3.2 · Textaufgaben

Textaufgaben: Die Ableitung von x²

Fünf Sachaufgaben zur allgemeinen Ableitung von \(x^{2}\) — mit Operatoren, Teilaufgaben, gestuften Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Quadratische Grundstücke

AFB I

Ein Landvermesser rechnet mit quadratischen Grundstücken: Zu der Seitenlänge \(x\) (in Metern) gehört der Flächeninhalt \(f(x)=x^{2}\) (in Quadratmetern). Er möchte die Ableitung nicht für jede Seitenlänge einzeln bestimmen, sondern ein für alle Mal an einer beliebigen Stelle \(x_0\).

  1. Geben Sie den Differenzenquotienten von \(f\) an der Stelle \(x_0\) mit dem Abstand \(h\) an.
  2. Zeigen Sie durch Vereinfachen und Kürzen, dass \(f'(x_0)=2x_0\) gilt.
  3. Berechnen Sie damit \(f'(2{,}5)\) und deuten Sie den Wert im Sachzusammenhang.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Differenzenquotient lautet allgemein \(\dfrac{f(x_0+h)-f(x_0)}{h}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\dfrac{f(x_0+h)-f(x_0)}{h}=\dfrac{(x_0+h)^{2}-x_0^{2}}{h}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Verwenden Sie \((x_0+h)^{2}=x_0^{2}+2x_0h+h^{2}\). Nach dem Kürzen durch \(h\) darf \(h\to 0\) betrachtet werden.\(x_0^{2}\) hebt sich weg — genau deshalb bleibt im Zähler der Faktor \(h\) übrig, durch den gekürzt werden kann.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\dfrac{(x_0+h)^{2}-x_0^{2}}{h}=\dfrac{x_0^{2}+2x_0h+h^{2}-x_0^{2}}{h}=\dfrac{2x_0h+h^{2}}{h}=\dfrac{h\,(2x_0+h)}{h}=2x_0+h\).

Für \(h\to 0\) strebt dieser Term gegen \(2x_0\); also gilt \(f'(x_0)=2x_0\) für jede Stelle \(x_0\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Setzen Sie in \(f'(x_0)=2x_0\) ein. Die Einheit ist \(\tfrac{\text{m}^{2}}{\text{m}}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(f'(2{,}5)=2\cdot 2{,}5=5\), also \(5\ \tfrac{\text{m}^{2}}{\text{m}}\). Deutung: Bei einer Seitenlänge von 2,5 m wächst der Flächeninhalt in diesem Moment um rund 5 m² je zusätzlichem Meter Seitenlänge.

2

Wasserstrahl einer Fontäne

AFB II

Eine Fontäne stößt Wasser senkrecht nach oben aus. Für die Höhe eines Wasserteilchens gilt \(h(t)=-5t^{2}+20t\); dabei ist \(t\) die Zeit in Sekunden und \(h(t)\) die Höhe in Metern über der Düse.

  1. Zeigen Sie mit dem Differenzenquotienten und \(h\to 0\), dass \(h'(t)=-10t+20\) gilt.
  2. Berechnen Sie den Zeitpunkt des höchsten Punktes sowie die zugehörige Steighöhe.
  3. Berechnen Sie die Geschwindigkeit beim Auftreffen auf die Düsenhöhe und erläutern Sie das Vorzeichen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Setzen Sie \(t+k\) ein (nennen Sie den Abstand \(k\), damit er nicht mit der Funktion \(h\) verwechselt wird) und kürzen Sie anschließend durch \(k\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(h(t+k)=-5\big(t^{2}+2tk+k^{2}\big)+20t+20k=-5t^{2}-10tk-5k^{2}+20t+20k\).

\(h(t+k)-h(t)=-10tk-5k^{2}+20k\), also \(\dfrac{h(t+k)-h(t)}{k}=-10t-5k+20\). Für \(k\to 0\) folgt \(h'(t)=-10t+20\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Im höchsten Punkt ist die Momentangeschwindigkeit null.Ein Wasserteilchen steigt, solange \(h'>0\), und fällt, sobald \(h'<0\) — dazwischen liegt der Umkehrpunkt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(h'(t)=0 \Leftrightarrow -10t+20=0 \Leftrightarrow t=2\). Steighöhe: \(h(2)=-20+40=20\). Der höchste Punkt wird nach 2 Sekunden in 20 m Höhe erreicht.

Hinweis zu Aufgabe c)
Bestimmen Sie zuerst den Zeitpunkt mit \(h(t)=0\), \(t\neq 0\), und setzen Sie ihn in \(h'\) ein.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(h(t)=0 \Leftrightarrow t(-5t+20)=0 \Leftrightarrow t=0\) oder \(t=4\). Also \(h'(4)=-40+20=-20\), das Wasserteilchen trifft mit \(20\ \tfrac{\text{m}}{\text{s}}\) wieder auf Düsenhöhe auf.

Das Minuszeichen bedeutet, dass die Höhe abnimmt: Die Bewegung ist nach unten gerichtet. Der Betrag stimmt mit der Anfangsgeschwindigkeit \(h'(0)=20\) überein — ohne Luftwiderstand kommt das Teilchen genauso schnell zurück, wie es gestartet ist.

3

Die Ableitungsfunktion von x² im Überblick

AFB II

Material M1 zeigt eine Wertetabelle zu \(f(x)=x^{2}\). In der zweiten Zeile fehlen die Werte der Ableitungsfunktion.

M1Wertetabelle zu \(f(x)=x^{2}\) und \(f'\)
Die zweite Zeile ist in Teilaufgabe a) zu ergänzen.
\(x\)−2−1012
\(f(x)\)41014
\(f'(x)\)??0??
Nur ein einziger Wert von \(f'\) ist bereits eingetragen.
  1. Berechnen Sie die fehlenden Werte von \(f'\) und geben Sie die vollständige Zeile an.
  2. Beschreiben Sie den Graphen von \(f'\).
  3. Begründen Sie, warum der Graph von \(f'\) eine Ursprungsgerade ist, während der Graph von \(f\) eine Parabel ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Verwenden Sie \(f'(x)=2x\) aus Aufgabe 1.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(f'(-2)=-4\), \(f'(-1)=-2\), \(f'(0)=0\), \(f'(1)=2\), \(f'(2)=4\). Die vollständige Zeile lautet also \(-4\); \(-2\); \(0\); \(2\); \(4\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Achten Sie auf Steigung und Achsenschnittpunkt. Ein Blick auf die Vorzeichen hilft: Wo ist \(f'\) negativ, wo positiv?
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Der Graph von \(f'\) ist eine Gerade durch den Ursprung mit der Steigung 2, also die Gerade \(y=2x\). Sie verläuft für \(x<0\) unterhalb und für \(x>0\) oberhalb der \(x\)-Achse.

Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie den Funktionstyp von \(f\) und den von \(f'\) und beziehen Sie das auf die Tangentensteigungen der Parabel links und rechts vom Scheitel.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(f'(x)=2x\) ist eine lineare Funktion ohne konstantes Glied, ihr Graph geht deshalb durch den Ursprung. Inhaltlich passt das zur Parabel: Links vom Scheitel fällt sie, dort sind alle Tangentensteigungen negativ; im Scheitel ist die Tangente waagerecht, also \(f'(0)=0\); rechts davon steigt sie immer steiler an. Je weiter man sich vom Scheitel entfernt, desto größer wird der Betrag der Steigung — und zwar proportional zum Abstand.

4

Brückenbogen

AFB III

Der Bogen einer Brücke wird im Querschnitt durch \(f(x)=-0{,}02x^{2}+8\) beschrieben; dabei ist \(x\) die waagerechte Entfernung vom Scheitel in Metern und \(f(x)\) die Höhe über der Fahrbahn in Metern (Material M1). Der Bogen reicht von \(x=-20\) bis \(x=20\).

M1Querschnitt des Brückenbogens
Tangente bei x = 15 -20 -15 -10 -5 5 10 15 20 2 4 6 8 x in m y in m
\(x\) wird vom Scheitel aus gemessen, \(y\) ist die Höhe über der Fahrbahn.
  1. Zeigen Sie mit dem Differenzenquotienten und \(h\to 0\), dass für \(g(x)=ax^{2}+c\) allgemein \(g'(x)=2ax\) gilt.
  2. Berechnen Sie die Steigung des Bogens an der Stelle \(x=15\).
  3. Deuten Sie das Ergebnis als Gefälle in Prozent und beurteilen Sie, ob der Bogen am Rand für einen Fußweg begehbar wäre (üblich sind höchstens 6 % Gefälle).
Hinweis zu Aufgabe a)
Der konstante Summand \(c\) taucht in beiden Funktionswerten auf und hebt sich im Zähler weg.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(g(x+h)-g(x)=\big(a(x+h)^{2}+c\big)-\big(ax^{2}+c\big)=a\big(x^{2}+2xh+h^{2}\big)-ax^{2}=2axh+ah^{2}\).

Also \(\dfrac{g(x+h)-g(x)}{h}=2ax+ah\), und für \(h\to 0\) folgt \(g'(x)=2ax\). Der konstante Summand \(c\) hat keinen Einfluss — er verschiebt den Graphen nur nach oben oder unten, ohne die Steigung zu ändern.

Hinweis zu Aufgabe b)
Hier ist \(a=-0{,}02\), also \(f'(x)=-0{,}04x\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Mit \(a=-0{,}02\) gilt \(f'(x)=-0{,}04x\), also \(f'(15)=-0{,}04\cdot 15=-0{,}6\). Zur Kontrolle: \(f(15)=-4{,}5+8=3{,}5\); die Tangente in \(P(15\mid 3{,}5)\) fällt.

Hinweis zu Aufgabe c)
Eine Steigung von \(-0{,}6\) bedeutet: 0,6 m Höhenverlust je Meter waagerechter Strecke. Rechnen Sie das in Prozent um und vergleichen Sie.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Eine Steigung von \(-0{,}6\) entspricht einem Gefälle von \(60\;\%\): Auf einem Meter waagerechter Strecke geht es 60 cm bergab.

Beurteilung: Das ist ein Vielfaches der üblichen 6 % und damit als Fußweg völlig ungeeignet — an dieser Stelle ist der Bogen fast so steil wie eine Treppe. Begehbar wäre nur der Bereich um den Scheitel: Aus \(|-0{,}04x|\le 0{,}06\) folgt \(|x|\le 1{,}5\), also lediglich die mittleren drei Meter.

5

Bremsweg-Faustformel

AFB III

Für den Bremsweg eines Pkw wird in der Fahrschule die Faustformel \(s(v)=\dfrac{v^{2}}{100}\) verwendet; dabei ist \(v\) die Geschwindigkeit in \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) und \(s(v)\) der Bremsweg in Metern. Ein Fahrlehrer sagt: „Wer 10 km/h schneller fährt, braucht ungefähr 10 Meter mehr Bremsweg.“

  1. Zeigen Sie mit dem Differenzenquotienten und \(h\to 0\), dass \(s'(v)=0{,}02v\) gilt.
  2. Berechnen Sie \(s'(50)\) und deuten Sie den Wert im Sachzusammenhang.
  3. Überprüfen Sie die Aussage des Fahrlehrers für den Übergang von 50 auf 60 km/h und beurteilen Sie, ob sie auch bei 150 km/h noch brauchbar ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Schreiben Sie \(s(v)=0{,}01v^{2}\) und gehen Sie wie bei \(x^{2}\) vor.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(s(v+h)-s(v)=0{,}01\big((v+h)^{2}-v^{2}\big)=0{,}01\big(2vh+h^{2}\big)\), also \(\dfrac{s(v+h)-s(v)}{h}=0{,}02v+0{,}01h\). Für \(h\to 0\) folgt \(s'(v)=0{,}02v\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Die Einheit ergibt sich aus den Achsen: Meter je \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(s'(50)=0{,}02\cdot 50=1\), also \(1\ \tfrac{\text{m}}{\text{km/h}}\). Deutung: Bei Tempo 50 wächst der Bremsweg im Moment um etwa einen Meter je zusätzlichem Kilometer pro Stunde.

Hinweis zu Aufgabe c)
Berechnen Sie \(s(60)-s(50)\) exakt und vergleichen Sie mit der Näherung \(10\cdot s'(50)\). Wiederholen Sie die Rechnung anschließend für 150 km/h.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Exakt: \(s(60)-s(50)=36-25=11\ \text{m}\); die lineare Näherung liefert \(10\cdot s'(50)=10\ \text{m}\). Die Faustregel unterschätzt den Zuwachs also um einen Meter — bei Tempo 50 ist sie brauchbar.

Bei 150 km/h ist \(s'(150)=3\ \tfrac{\text{m}}{\text{km/h}}\); exakt gilt \(s(160)-s(150)=256-225=31\ \text{m}\). Statt 10 m kommen also gut 31 m hinzu. Beurteilung: Die Aussage gilt nur in der Nähe von Tempo 50. Weil \(s'\) mit \(v\) wächst, wird der Zuwachs bei hohen Geschwindigkeiten um ein Vielfaches größer — genau das macht Raserei so gefährlich.