Rechteck mit festem Flächeninhalt
AFB IEin Rechteck soll stets den Flächeninhalt \(1\ \text{m}^{2}\) haben. Zu der Breite \(x\) (in Metern) gehört dann die Höhe \(f(x)=\dfrac{1}{x}\) (in Metern). Betrachtet wird die Stelle \(x=2\).
- Geben Sie den Differenzenquotienten von \(f\) an der Stelle \(2\) mit dem Abstand \(h\) an.
- Zeigen Sie, dass sich dieser Term zu \(-\dfrac{1}{2\,(2+h)}\) vereinfachen lässt.
- Geben Sie \(f'(2)\) an und deuten Sie das Vorzeichen im Sachzusammenhang.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\dfrac{f(2+h)-f(2)}{h}=\dfrac{\frac{1}{2+h}-\frac{1}{2}}{h}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Hauptnenner: \(\dfrac{1}{2+h}-\dfrac{1}{2}=\dfrac{2-(2+h)}{2\,(2+h)}=\dfrac{-h}{2\,(2+h)}\).
Damit ist \(\dfrac{f(2+h)-f(2)}{h}=\dfrac{-h}{2\,(2+h)}\cdot\dfrac{1}{h}=-\dfrac{1}{2\,(2+h)}\) für alle \(h\neq 0\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Für \(h\to 0\) folgt \(f'(2)=-\dfrac{1}{2\cdot 2}=-\dfrac{1}{4}=-0{,}25\), also \(-0{,}25\ \tfrac{\text{m}}{\text{m}}\).
Das Minuszeichen bedeutet: Wird das Rechteck breiter, so muss es flacher werden. Bei einer Breite von 2 m nimmt die Höhe im Moment um 0,25 m je zusätzlichem Meter Breite ab.
Gasdruck in einer Spritze
AFB IIIn einer verschlossenen Spritze wird Luft zusammengedrückt. Bei konstanter Temperatur gilt das Gesetz von Boyle-Mariotte \(p\cdot V=\text{konstant}\); für die betrachtete Spritze ergibt sich \(p(V)=\dfrac{12}{V}\), wobei \(V\) das Volumen in Litern und \(p(V)\) den Druck in bar angibt.
- Zeigen Sie mit dem Differenzenquotienten und \(h\to 0\), dass \(p'(V)=-\dfrac{12}{V^{2}}\) gilt.
- Berechnen Sie \(p'(3)\) und deuten Sie den Wert.
- Begründen Sie, bei welchen Volumina sich der Druck besonders stark ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(p(V+h)-p(V)=\dfrac{12}{V+h}-\dfrac{12}{V}=\dfrac{12V-12(V+h)}{V\,(V+h)}=\dfrac{-12h}{V\,(V+h)}\).
Also \(\dfrac{p(V+h)-p(V)}{h}=-\dfrac{12}{V\,(V+h)}\), und für \(h\to 0\) folgt \(p'(V)=-\dfrac{12}{V^{2}}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(p'(3)=-\dfrac{12}{9}=-\dfrac{4}{3}\approx-1{,}33\), also rund \(-1{,}33\ \tfrac{\text{bar}}{\ell}\). Deutung: Bei einem Volumen von 3 Litern sinkt der Druck um etwa 1,33 bar, wenn das Volumen um einen Liter vergrößert wird — beim Zusammendrücken steigt er entsprechend.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Der Betrag \(\left|p'(V)\right|=\dfrac{12}{V^{2}}\) wächst, je kleiner \(V\) wird: Bei \(V=6\) sind es nur \(0{,}33\ \tfrac{\text{bar}}{\ell}\), bei \(V=1\) dagegen \(12\ \tfrac{\text{bar}}{\ell}\). Der Druck ändert sich also besonders stark, wenn die Luft bereits stark zusammengedrückt ist — deshalb lässt sich eine fast leere Spritze nur noch schwer weiter eindrücken.
Fahrzeit und Reisegeschwindigkeit
AFB IIFür eine Strecke von 300 km beträgt die reine Fahrzeit \(t(v)=\dfrac{300}{v}\); dabei ist \(v\) die mittlere Reisegeschwindigkeit in \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) und \(t(v)\) die Fahrzeit in Stunden.
- Berechnen Sie \(t(100)\) und \(t(120)\) und geben Sie die eingesparte Zeit in Minuten an.
- Zeigen Sie mit dem Differenzenquotienten und \(h\to 0\), dass \(t'(v)=-\dfrac{300}{v^{2}}\) gilt.
- Berechnen Sie \(t'(100)\), deuten Sie das Ergebnis in Minuten je \(\tfrac{\text{km}}{\text{h}}\) und vergleichen Sie es mit dem Ergebnis aus a).
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(t(100)=3\ \text{h}\) und \(t(120)=2{,}5\ \text{h}\). Die Ersparnis beträgt \(0{,}5\ \text{h}=30\ \text{min}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(t(v+h)-t(v)=\dfrac{300}{v+h}-\dfrac{300}{v}=\dfrac{300v-300(v+h)}{v\,(v+h)}=\dfrac{-300h}{v\,(v+h)}\).
Also \(\dfrac{t(v+h)-t(v)}{h}=-\dfrac{300}{v\,(v+h)}\) und für \(h\to 0\) schließlich \(t'(v)=-\dfrac{300}{v^{2}}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(t'(100)=-\dfrac{300}{10\,000}=-0{,}03\ \tfrac{\text{h}}{\text{km/h}}\); das sind \(-1{,}8\ \tfrac{\text{min}}{\text{km/h}}\). Bei Tempo 100 spart jeder zusätzliche Kilometer pro Stunde also rund 1,8 Minuten Fahrzeit.
Vergleich: Linear hochgerechnet ergäben 20 km/h mehr eine Ersparnis von \(20\cdot 1{,}8=36\ \text{min}\); tatsächlich sind es laut a) nur 30 min. Der Grund: Die Ersparnis je km/h nimmt mit wachsender Geschwindigkeit ab — bei 120 km/h beträgt sie mit \(t'(120)\approx-0{,}0208\ \text{h}\) nur noch rund 1,25 Minuten.
Die Tafel der Grundableitungen
AFB IIIMaterial M1 fasst die Grundableitungen dieses Kapitels zusammen. Zwei Einträge fehlen noch.
| \(f(x)\) | \(c\) | \(x\) | \(x^{2}\) | \(x^{3}\) | \(\dfrac{1}{x}\) | \(\sqrt{x}\) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| \(f'(x)\) | 0 | 1 | \(2x\) | ? | ? | \(\dfrac{1}{2\sqrt{x}}\) |
- Geben Sie die beiden fehlenden Ableitungen an.
- Begründen Sie, dass sich \(f(x)=\dfrac{1}{x}\) mit der Potenzregel \(\big(x^{n}\big)'=n\cdot x^{n-1}\) behandeln lässt.
- Überprüfen Sie mit der Potenzregel die Ableitung von \(\sqrt{x}\) an der Stelle \(4\) und vergleichen Sie sie mit der Steigung der Sekante über \([4;9]\).
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\big(x^{3}\big)'=3x^{2}\) und \(\left(\dfrac{1}{x}\right)'=-\dfrac{1}{x^{2}}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Es gilt \(\dfrac{1}{x}=x^{-1}\). Die Potenzregel liefert \(\big(x^{-1}\big)'=-1\cdot x^{-2}=-\dfrac{1}{x^{2}}\).
Das stimmt mit der Rechnung aus Aufgabe 1 überein: Dort ergab sich \(f'(2)=-\tfrac{1}{4}\), und die Formel liefert \(-\tfrac{1}{2^{2}}=-\tfrac{1}{4}\). Die Potenzregel gilt also nicht nur für natürliche, sondern auch für negative Exponenten.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(\sqrt{x}=x^{1/2}\), also \(\big(x^{1/2}\big)'=\tfrac{1}{2}x^{-1/2}=\dfrac{1}{2\sqrt{x}}\). An der Stelle 4: \(\dfrac{1}{2\sqrt{4}}=\dfrac{1}{4}=0{,}25\).
Sekante über \([4;9]\): \(m=\dfrac{\sqrt{9}-\sqrt{4}}{9-4}=\dfrac{3-2}{5}=0{,}2\). Die Sekantensteigung ist kleiner als die Tangentensteigung im linken Randpunkt — passend dazu, dass die Wurzelkurve nach rechts immer flacher verläuft.
Ist 1/x überall fallend?
AFB IIIMaterial M1 zeigt den Graphen von \(f(x)=\dfrac{1}{x}\) mit dem Definitionsbereich \(D=\mathbb{R}\setminus\{0\}\). Eine Schülerin schreibt: „Weil \(f'(x)\) für jedes \(x\) negativ ist, ist \(f\) auf dem ganzen Definitionsbereich streng monoton fallend. Also gilt \(f(-1)>f(1)\).“
- Berechnen Sie \(f'(0{,}5)\) und \(f'(-0{,}5)\).
- Zeigen Sie, dass \(f'(x)<0\) für alle \(x\in D\) gilt.
- Beurteilen Sie die Aussage der Schülerin.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(f'(0{,}5)=-\dfrac{1}{0{,}25}=-4\) und \(f'(-0{,}5)=-\dfrac{1}{0{,}25}=-4\). Beide Werte sind gleich, weil im Nenner das Quadrat steht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Für alle \(x\neq 0\) ist \(x^{2}>0\), also ist \(\dfrac{1}{x^{2}}>0\) und damit \(f'(x)=-\dfrac{1}{x^{2}}<0\). Die Ableitung nimmt also auf ganz \(D\) ausschließlich negative Werte an.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Rechnung stimmt, der Schluss ist falsch. Es gilt \(f(-1)=-1\) und \(f(1)=1\), also \(f(-1)<f(1)\) — genau umgekehrt zur Behauptung.
Der Fehler liegt im Definitionsbereich: \(D\) besteht aus zwei getrennten Intervallen, und der Monotoniesatz gilt immer nur auf einem zusammenhängenden Intervall. Richtig ist deshalb: \(f\) ist auf \((-\infty;0)\) streng monoton fallend und auf \((0;\infty)\) streng monoton fallend — aber nicht auf \(D\) insgesamt. Zwischen den beiden Ästen liegt die Definitionslücke, über die hinweg sich Funktionswerte nicht vergleichen lassen.
