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Textaufgaben: Daten & Datenschutz in sozialen Netzwerken

Mia wertet die Datenauskunft einer Plattform aus, und eine Klasse wählt einen Messenger für die Klassenfahrt, obwohl nicht alle mitmachen wollen.

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Mias Datenauskunft

AFB I–II

Mia ist 16 und nutzt seit drei Jahren eine Foto-Plattform. Am 12. Februar schreibt sie über das Kontaktformular: „Ich möchte wissen, welche Daten Sie über mich gespeichert haben.“ Am 20. März erhält sie eine Datei zum Herunterladen; eine Verlängerung der Frist hatte die Plattform vorher nicht mitgeteilt. Die Übersicht der Datei enthält die acht Einträge, die die Skizze zeigt.

Beim Lesen erschrickt Mia vor allem über die Einträge 5 und 8. Außerdem stört sie, dass ihr seit Wochen Werbung für Kopfschmerztabletten angezeigt wird.

Übersicht der Datenauskunft
Deine Informationen · Export für mia.k1Name, Geburtsdatum, Schule21 243 Kommentare, 58 Beiträge3Anmeldezeiten: meist 22–24 Uhr4Aufnahmeort und Kameramodell zu 87 Fotos5Vermutete Interessen: Reiten, Kopfschmerzmittel6Verweildauer je Beitrag, auf die Sekunde7412 Direktnachrichten8Stimmung (geschätzt): häufig gestresst
Skizze der ersten Seite; die vollständige Datei umfasst mehrere tausend Zeilen.
  1. Ordnen Sie die acht Einträge den fünf Arten von Daten zu: angegebene, erzeugte, beobachtete, abgeleitete Daten und Metadaten.
  2. Bestimmen Sie den Tag, bis zu dem die Plattform hätte antworten müssen, und ob sie die Frist eingehalten hat.
  3. Geben Sie an, welches Recht Mia nutzen kann, damit die Einträge 5 und 8 entfernt werden, und welches, damit sie keine personalisierte Werbung mehr erhält.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Frage bei jedem Eintrag: Hat Mia das eingetippt, beim Benutzen selbst erstellt, wurde es ohne ihr Zutun gemessen, hängt es an einer Datei — oder hat die Plattform es sich ausgerechnet? Wörter wie „vermutet“ oder „geschätzt“ sind ein starkes Indiz.„Zuordnen“ heißt hier: jeden Eintrag genau einer Art zuweisen und kurz sagen, woran man das erkennt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Welche Frist nennt die DSGVO für die Erfüllung der Rechte? Zähle vom Tag der Anfrage aus weiter.
Hinweis zu Aufgabe c)
Die DSGVO nennt vier Rechte. Eines davon muss man nicht begründen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Angegebene Daten: 1 (Name, Geburtsdatum, Schule — von Mia eingetippt).

Erzeugte Daten: 2 (Kommentare, Beiträge) und 7 (Direktnachrichten) — entstehen beim Benutzen.

Beobachtete Daten: 3 (Anmeldezeiten) und 6 (Verweildauer) — gemessen, ohne dass Mia etwas tut.

Metadaten: 4 (Aufnahmeort, Kameramodell) — hängen automatisch an den Bilddateien.

Abgeleitete Daten: 5 (vermutete Interessen) und 8 (geschätzte Stimmung) — von der Plattform selbst errechnet.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Frist beträgt einen Monat ab Eingang der Anfrage: Anfrage am 12. Februar, also spätestens am 12. März. Die Antwort kam am 20. März und damit 8 Tage zu spät. Da keine Verlängerung mitgeteilt wurde, hat die Plattform die Frist nicht eingehalten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Einträge 5 und 8 entfernen: Recht auf Löschung.

Keine personalisierte Werbung mehr: Recht auf Widerspruch (gegen die Verarbeitung ihrer Daten für Werbung; eine Begründung ist nicht nötig).

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Ein Messenger für die Klassenfahrt

AFB II–III

Die Klasse 10b (28 Schülerinnen und Schüler) plant eine Klassenfahrt und möchte sich in einer Gruppe absprechen. Zur Wahl stehen zwei Apps, die die Tabelle vergleicht. Die meisten nutzen bereits ChatNow; der Schul-Messenger müsste erst eingerichtet werden.

Tom möchte ChatNow nicht installieren und hat dort kein Konto. Seine Handynummer ist aber bei 24 Mitschülerinnen und Mitschülern im Adressbuch gespeichert — mal als „Tom“, mal als „Tom 10b“, mal als „Tommy Fußball“. Der Klassensprecher meint: „Wer ChatNow nicht nutzen will, ist davon auch nicht betroffen. Tom kann ja einfach draußen bleiben.“

Die beiden Apps im Vergleich
ChatNowSchul-MessengerFinanzierungkostenlos,durch WerbungSchulträger zahlt,werbefreiKontakteAdressbuch-Uploadbeim Start Pflichtnur über dieKlassenlisteStandortFreigabe wirdbeim Start erbetenwird nichtabgefragtFunktionenStorys, Sticker,VideoanrufeText, Bilder,Dateien
Angaben aus den Beschreibungen der beiden Apps.
  1. Erläutern Sie, welche Angaben über Tom bei ChatNow entstehen können, obwohl er dort kein Konto hat.
  2. Überprüfen Sie die Aussage des Klassensprechers mithilfe der Grundsätze der DSGVO.
  3. Nehmen Sie Stellung dazu, welche der beiden Apps die Klasse für die Absprachen zur Fahrt nutzen sollte.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Was steht in einem Adressbuch-Eintrag — und was verrät es, wenn 24 Einträge mit derselben Nummer aus derselben Klasse kommen? Der Fachbegriff für das Ergebnis steht im Erklärtext.
Hinweis zu Aufgabe b)
Wer hat in das Hochladen von Toms Nummer eingewilligt? Denke an die Grundregel der DSGVO: Verarbeiten ist zunächst verboten, außer es gibt einen ausdrücklichen Grund.
Hinweis zu Aufgabe c)
Mögliche Kriterien: Datenminimierung, Betroffenheit von Menschen ohne Konto, Finanzierung über Werbung (Kreislauf aus 3.2.1), Funktionsumfang und Aufwand beim Einrichten. Entscheidend ist nicht, welche App du wählst, sondern dass du die Kriterien gegeneinander abwägst.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Beim Pflicht-Upload der Adressbücher erhält ChatNow Toms Handynummer 24-mal, jeweils mit einem Namen. Aus den Varianten lassen sich sein Vorname, seine Klasse („10b“) und ein Hobby („Fußball“) ablesen. Zusätzlich erkennt die Plattform, wer Toms Nummer gespeichert hat — also seinen Bekanntenkreis und seine Schule. So entsteht ein Schattenprofil: ein Datensatz über eine Person ohne eigenes Konto. Vollständig ist die Antwort mit mindestens zwei konkreten Angaben, dem Weg über die Adressbücher und dem Fachbegriff.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Aussage ist falsch. Toms Nummer ist ein personenbezogenes Datum, denn sie führt eindeutig zu ihm. Nach der DSGVO ist die Verarbeitung nur mit einem ausdrücklichen Grund erlaubt, meist einer Einwilligung. Tom hat nie eingewilligt — eingewilligt haben nur die 24 anderen, und zwar in die Verarbeitung ihrer eigenen Daten, nicht in die von Tom. Auch der Grundsatz der Datenminimierung spricht dagegen: Für eine Gruppe zur Klassenfahrt ist das vollständige Adressbuch nicht nötig. Tom ist also betroffen, obwohl er „draußen bleibt“. Vollständig ist die Antwort mit Urteil (falsch), Bezug auf Einwilligung bzw. Erlaubnisgrund und mindestens einem weiteren Argument.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Für den Schul-Messenger: kein Adressbuch-Upload und keine Standortabfrage (Datenminimierung); keine Daten über Menschen ohne Konto; keine Werbung, also kein Interesse daran, möglichst viel Verweildauer und Profildaten zu sammeln; Tom kann teilnehmen, ohne dass die Klasse seine Daten preisgibt.

Für ChatNow: fast alle nutzen es schon, kein zusätzlicher Aufwand; mehr Funktionen (Videoanrufe, Storys). Gegenargument: Die Daten der Nutzenden und Dritter finanzieren die kostenlose App.

Beide Entscheidungen sind möglich. Eine überzeugende Stellungnahme benennt mindestens zwei Kriterien, wägt Argumente beider Seiten ab und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis — wer ChatNow wählt, muss auch sagen, wie Tom einbezogen wird. Nur Bequemlichkeit als Begründung reicht nicht.