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AbituraufgabenFunktionelle Gruppen

Von der Brenztraubensäure zum Ethanol und von der Ameisen- zur Capronsäure: Gruppen verraten, was ein Molekül kann.

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1

Vom Zucker zum Ethanol

AFB I–II

Hefezellen bauen Glucose bei Sauerstoffmangel zu Ethanol ab (alkoholische Gärung). Im letzten Abschnitt wird aus Brenztraubensäure zunächst Kohlenstoffdioxid abgespalten; das entstehende Ethanal nimmt anschließend Wasserstoff auf und wird zu Ethanol. M1 zeigt die drei Moleküle.

M1Letzte Schritte der alkoholischen Gärung (Skelettformeln)
OHOOBrenztraubensäure− CO₂OEthanal+ 2 HOHEthanol
Im Ethanal trägt das C-Atom der C=O-Gruppe noch ein H-Atom — in der Skelettformel wird es nicht geschrieben.
  1. Nennen Sie die funktionellen Gruppen der drei Moleküle aus M1 und die zugehörigen Stoffklassen.
  2. Zeichnen Sie die Valenzstrichformeln von Brenztraubensäure und Ethanal mit allen freien Elektronenpaaren.
  3. Bestimmen Sie die Oxidationszahl des C-Atoms, das im Ethanal die Carbonylgruppe trägt, vor und nach dem zweiten Schritt, und ordnen Sie den Schritt als Oxidation oder Reduktion ein.
  4. Beschreiben Sie, woran man in Halbstruktur- und Skelettformel eine Aldehydgruppe von einer Ketogruppe unterscheidet.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Brenztraubensäure trägt zwei Gruppen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Jedes O-Atom hat zwei freie Elektronenpaare; jedes C-Atom vier Bindungen.
Hinweis zu Aufgabe c)
H zählt +I, O −II; Bindungen zwischen C-Atomen zählen nicht (Kapitel 4).
Hinweis zu Aufgabe d)
Achten Sie auf die Nachbarn des Carbonyl-C-Atoms.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Brenztraubensäure: Ketogruppe (Alkanon) und Carboxygruppe (Carbonsäure) — eine Ketocarbonsäure. Ethanal: Aldehydgruppe –CHO, Stoffklasse Alkanale. Ethanol: Hydroxygruppe –OH, Stoffklasse Alkanole.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Brenztraubensäure \(\ce{CH3-CO-COOH}\): Methylgruppe mit drei C–H, mittleres C mit C=O, rechtes C mit C=O und O–H; jedes O-Atom mit zwei freien Elektronenpaaren (insgesamt 6).

Ethanal \(\ce{CH3-CHO}\): \(\ce{CH3}\) an C mit C=O und C–H; O mit zwei freien Elektronenpaaren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ethanal: Carbonyl-C mit einer Bindung zu H (−1), einer C=O-Doppelbindung (+2), einer C–C-Bindung (0): OZ = +I. Ethanol: zwei C–H (−2), eine C–O (+1): OZ = −I.

Die OZ sinkt von +I auf −I: Reduktion (Aufnahme von 2 Elektronen bzw. 2 H).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Aldehydgruppe: C=O am Kettenende, das C-Atom trägt ein H-Atom (–CHO); in der Skelettformel endet die Linie am Carbonyl-C, das O hängt am Linienende.

Ketogruppe: C=O innerhalb der Kette, das C-Atom hat zwei C-Nachbarn (–CO–); in der Skelettformel sitzt das =O an einem Knick zwischen zwei Linien.

2

Von der Ameisen- zur Capronsäure

AFB II–III

Die unverzweigten Carbonsäuren tragen oft Trivialnamen nach ihrem Vorkommen: Ameisensäure (Methansäure), Essigsäure (Ethansäure), Buttersäure (Butansäure) oder Capronsäure (Hexansäure, riecht nach Ziege). M2 zeigt die ersten sechs Glieder der homologen Reihe.

M2Homologe Reihe der Alkansäuren (1013 hPa; GESTIS)
NameHalbstrukturformelSiedetemperatur in °C
Methansäure\(\ce{HCOOH}\)101
Ethansäure\(\ce{CH3COOH}\)118
Propansäure\(\ce{C2H5COOH}\)141
Butansäure\(\ce{C3H7COOH}\)164
Pentansäure\(\ce{C4H9COOH}\)186
Hexansäure\(\ce{C5H11COOH}\)205
  1. Stellen Sie die allgemeine Summenformel der Alkansäuren in Abhängigkeit von der Zahl \(n\) der C-Atome auf und überprüfen Sie sie an Butansäure.
  2. Werten Sie M2 aus: Ermitteln Sie die mittlere Änderung der Siedetemperatur je zusätzlicher CH₂-Gruppe von Ethansäure bis Hexansäure.
  3. Stellen Sie eine begründete Vermutung zur Siedetemperatur der Heptansäure auf.
  4. Diskutieren Sie die Aussage „Methansäure ist zugleich Carbonsäure und Aldehyd“ anhand ihrer Valenzstrichformel.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleichen Sie mit den Alkanen \(\ce{C_nH_{2n+2}}\): Was ändert die Carboxygruppe?
Hinweis zu Aufgabe b)
Bilden Sie die Differenz der Siedetemperaturen und teilen Sie durch die Zahl der Schritte.
Hinweis zu Aufgabe c)
Setzen Sie den Trend aus b) fort; nennen Sie die Grundlage Ihrer Vermutung.Vermutung aufstellen: begründete Erwartung formulieren.
Hinweis zu Aufgabe d)
Zeichnen Sie Methansäure und suchen Sie eine Gruppe „C=O mit H am C“.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{C_nH_{2n}O2}\) (bzw. \(\ce{C_{n-1}H_{2n-1}COOH}\)). Butansäure: \(n = 4\): \(\ce{C4H8O2}\) — aus \(\ce{C3H7COOH}\): 4 C, 7 + 1 = 8 H, 2 O. ✓

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\dfrac{205 - 118}{4}\,{}^\circ\mathrm{C} \approx 22\,{}^\circ\mathrm{C}\) je CH₂-Gruppe. Die Zunahme wird nach oben etwas kleiner (23, 23, 22, 19 °C).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Erwartet: etwa \(205 + 19 \ldots 22 \approx 225\,{}^\circ\mathrm{C}\) (Literatur: 223 °C). Grundlage: Jede CH₂-Gruppe vergrößert Molekül und Elektronenzahl; die Anziehung zwischen den Molekülen steigt gleichmäßig, die Zunahme wird mit wachsender Kette allmählich kleiner.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Pro: Im Methansäure-Molekül \(\ce{H-COOH}\) trägt das C-Atom ein H-Atom und eine C=O-Gruppe — das ist formal eine Aldehydgruppe. Methansäure verhält sich tatsächlich teilweise wie ein Aldehyd (sie wirkt reduzierend, wird leicht zu \(\ce{CO2}\) oxidiert).

Contra: Das Carbonyl-C trägt zusätzlich die OH-Gruppe; alle drei Gruppen gehören zu einem C-Atom, die Carboxygruppe ist eine eigene funktionelle Gruppe mit eigenen Eigenschaften (sauer).

Fazit: Einordnung als Carbonsäure; die Aussage beschreibt eine Besonderheit des ersten Glieds der homologen Reihe zutreffend.