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AbituraufgabenNachweis von Doppelbindungen

Speiseöle im Test und Gase aus dem Crackrohr: Die Bromwasserprobe liefert Indizien, keine Namen.

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Speisefette im Test

AFB I–II

Eine Schülergruppe untersucht Speisefette. Je 0,20 g Fett werden in 5 mL Hexan gelöst und im abgedunkelten Abzug tropfenweise mit Bromwasser versetzt, bis die orange Färbung nach dem Schütteln bestehen bleibt. M1 zeigt die Mittelwerte aus drei Messungen.

M1Bromwasserverbrauch von Speisefetten (je 0,20 g)
Kokosfett2Olivenöl14Rapsöl19Sonnenblumenöl23Tropfen Bromwasser bis zur bleibenden Färbung
Fettsäurereste enthalten 0 bis 3 C=C-Doppelbindungen je Rest.
  1. Beschreiben Sie die Ergebnisse aus M1.
  2. Ordnen Sie die Fette nach ihrem Gehalt an C=C-Doppelbindungen und begründen Sie die Reihenfolge.
  3. Stellen Sie die Reaktionsgleichung für die Reaktion eines Ölsäurerests \(\ce{R1-CH=CH-R2}\) mit Brom auf.
  4. Erläutern Sie, warum die Versuche im Dunkeln durchgeführt werden und warum Kokosfett trotzdem eine kleine Tropfenzahl zeigt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Nennen Sie die Werte und den Trend.
Hinweis zu Aufgabe b)
Jede Doppelbindung addiert ein Brom-Molekül.
Hinweis zu Aufgabe c)
Addition: Die Reste R¹ und R² bleiben unverändert.
Hinweis zu Aufgabe d)
Wie verhalten sich gesättigte Fettsäurereste im Licht gegenüber Brom?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Kokosfett verbraucht nur 2 Tropfen, Olivenöl 14, Rapsöl 19, Sonnenblumenöl 23 Tropfen Bromwasser bei gleicher Fettmasse.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Kokosfett < Olivenöl < Rapsöl < Sonnenblumenöl. Bei gleicher Masse bedeutet ein höherer Verbrauch mehr Doppelbindungen, weil jede C=C-Doppelbindung genau ein \(\ce{Br2}\) addiert (1 : 1).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\ce{R1-CH=CH-R2 + Br2}\) \(\ce{-> R1-CHBr-CHBr-R2}\)

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Im Licht würden auch gesättigte Fettsäurereste langsam mit Brom reagieren (Substitution unter HBr-Bildung) und den Verbrauch verfälschen. Kokosfett enthält überwiegend gesättigte Fettsäurereste, aber einen kleinen Anteil ungesättigter (z. B. Ölsäure); hinzu kommt der Tropfen, der für die bleibende Färbung nötig ist.

2

Cracken im Reagenzglas

AFB II–III

Paraffinöl (ein Gemisch langkettiger Alkane, vereinfacht Decan \(\ce{C10H22}\)) wird in einem Reagenzglas verdampft und über stark erhitzte Perlkatalysator-Kügelchen geleitet (Cracken). Das entstehende Gas wird über Wasser aufgefangen, eine flüssige Fraktion kondensiert in einem gekühlten Glas.

M2Beobachtungen
ProbeBeobachtung mit Bromwasser (ohne Licht)
Paraffinöl (vor dem Versuch)keine Entfärbung, obere Phase orange
aufgefangenes Gasrasche Entfärbung
flüssiges Kondensatrasche Entfärbung
  1. Deuten Sie die Beobachtungen aus M2.
  2. Formulieren Sie eine Reaktionsgleichung für das Cracken von Decan zu Octan und Ethen sowie für die Reaktion des Ethens mit Brom.
  3. Begründen Sie, warum die Untersuchung des Paraffinöls vor dem Versuch notwendig ist.
  4. Bewerten Sie die Aussage: „Die Entfärbung beweist, dass beim Cracken Ethen entstanden ist.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Was zeigt eine Entfärbung an, was ihr Ausbleiben?
Hinweis zu Aufgabe b)
Beim Cracken bleibt die Zahl der C- und H-Atome erhalten.
Hinweis zu Aufgabe c)
Welche Frage beantwortet der Blindversuch?
Hinweis zu Aufgabe d)
Wie spezifisch ist die Bromwasserprobe?Bewerten: Aussage an Kriterien messen und begründet urteilen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Paraffinöl ist gesättigt (keine Entfärbung). Gas und Kondensat entfärben Bromwasser rasch: Beim Cracken sind ungesättigte Verbindungen (Alkene) entstanden. Die langen Alkanketten wurden gespalten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\ce{C10H22 -> C8H18 + C2H4}\)

\(\ce{CH2=CH2 + Br2 -> CH2Br-CH2Br}\) (1,2-Dibromethan)

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nur der Vergleich zeigt, dass die Doppelbindungen erst durch das Cracken entstanden sind und nicht schon im Ausgangsstoff (z. B. als Verunreinigung) vorlagen. Außerdem zeigt er das Aussehen einer negativen Probe.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Probe weist nur allgemein C=C- (oder C≡C-)Mehrfachbindungen nach. Beim Cracken entsteht ein Gemisch, z. B. Ethen, Propen, Butene; die Entfärbung kann von jedem dieser Alkene stammen. Die Aussage ist daher zu weitgehend: Bewiesen ist die Bildung ungesättigter Verbindungen, nicht die von Ethen. Zur Identifizierung wären weitere Verfahren nötig (z. B. Gaschromatografie).