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AbituraufgabenDie Polykondensation

Das Nylonseil aus dem Becherglas und das Harz im Lack: Polykondensation im Abiturformat.

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Der Nylonseiltrick

AFB I–II

Beim „Nylonseiltrick“ wird eine Lösung von Hexan-1,6-diamin in verdünnter Natronlauge vorsichtig mit einer Lösung von Decandisäuredichlorid \(\ce{ClOC-(CH2)8-COCl}\) in Heptan überschichtet. An der Grenzfläche der beiden nicht mischbaren Flüssigkeiten bildet sich sofort ein Film, den man mit einer Pinzette als endlosen Faden herausziehen kann. Es entsteht Polyamid 6.10; abgespalten wird Chlorwasserstoff.

M1Versuchsaufbau
Decandisäuredichloridin HeptanGrenzflächeHexan-1,6-diaminin NatronlaugeFaden
  1. Geben Sie die beiden Monomere und die Art der Bindung an, über die sie im Polymer verknüpft sind.
  2. Formulieren Sie die Reaktionsgleichung für die Verknüpfung je eines Moleküls der beiden Monomere.
  3. Erklären Sie, warum sich das Polymer nur an der Grenzfläche bildet und warum die Diamin-Lösung Natronlauge enthält.
  4. Zeichnen Sie einen Ausschnitt aus zwei benachbarten Polyamid-Ketten mit den Wasserstoffbrücken zwischen ihnen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Nennen Sie auch die funktionellen Gruppen, die reagieren.
Hinweis zu Aufgabe b)
Statt \(\ce{H2O}\) wird hier \(\ce{HCl}\) abgespalten: Cl aus dem Säurechlorid, H aus der Aminogruppe.
Hinweis zu Aufgabe c)
Wo treffen die beiden Monomere aufeinander? Chlorwasserstoff ist eine Säure — was macht er mit einer Aminogruppe?
Hinweis zu Aufgabe d)
H-Brücken bilden sich zwischen N–H und C=O verschiedener Ketten.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Hexan-1,6-diamin \(\ce{H2N-(CH2)6-NH2}\) und Decandisäuredichlorid \(\ce{ClOC-(CH2)8-COCl}\); Verknüpfung über Amidbindungen \(\ce{-CO-NH-{}}\) (Polyamid, Polykondensat).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\ce{H2N-(CH2)6-NH2 + ClOC-(CH2)8-COCl}\) \(\ce{-> H2N-(CH2)6-NH-CO-(CH2)8-COCl + HCl}\)

Beide Enden tragen weiterhin reaktive Gruppen; die Kette kann an beiden Seiten weiterwachsen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Das Diamin ist nur in der wässrigen, das Säurechlorid nur in der Heptan-Phase gelöst; die Moleküle treffen nur an der Grenzfläche aufeinander. Zieht man den Film heraus, bildet sich an der frischen Grenzfläche sofort neues Polymer. Der entstehende Chlorwasserstoff würde die Aminogruppen protonieren (\(\ce{R-NH2 + HCl -> R-NH3+ + Cl-}\)); Ammoniumgruppen haben kein freies Elektronenpaar mehr und reagieren nicht. Die Natronlauge neutralisiert den Chlorwasserstoff (\(\ce{HCl + OH- -> H2O + Cl-}\)).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Zwei parallel gezeichnete Ketten mit Amidgruppen –CO–NH– (dazwischen CH₂-Ketten); zwischen dem H-Atom einer N–H-Gruppe der einen Kette und dem O-Atom einer C=O-Gruppe der Nachbarkette jeweils eine gestrichelte Wasserstoffbrücke N–H···O=C.

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Harze für Lacke

AFB II–III

Alkydharze sind Bindemittel in Lacken. Man stellt sie aus Propan-1,2,3-triol (Glycerin) und Benzol-1,2-dicarbonsäure (Phthalsäure) her. Setzt man statt Glycerin Ethan-1,2-diol (Glykol) ein, entsteht dagegen ein linearer Polyester (M2).

M2Zwei Polyester im Vergleich
Glycerin + PhthalsäureEthan-1,2-diol + Phthalsäure
Verhalten beim Erwärmen des Produktshärtet aus, wird nicht mehr weichwird weich, lässt sich ziehen
Löslichkeit des Endprodukts in Lösemittelnunlöslich, quillt nichtlöslich bzw. quellbar
\(M\) in \(\mathrm{g\,mol^{-1}}\)Glycerin \(92{,}09\); Phthalsäure \(166{,}13\)\(\ce{H2O}\): \(18{,}02\)
  1. Erläutern Sie, warum mit Glycerin ein räumlich vernetzter Polyester entsteht.
  2. Vergleichen Sie die beiden Produkte aus M2 im Hinblick auf Struktur und Kunststoffklasse.
  3. Berechnen Sie die Masse an Harz, die bei vollständigem Umsatz aus 1,00 mol Glycerin und 1,50 mol Phthalsäure entsteht.
  4. Beurteilen Sie die Eignung des Alkydharzes als Bindemittel für einen Fensterlack.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wie viele Gruppen kann ein Glycerin-Molekül verestern?
Hinweis zu Aufgabe b)
Linear und unvernetzt oder räumlich engmaschig vernetzt?Vergleichen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten.
Hinweis zu Aufgabe c)
Masse der Edukte minus Masse des abgespaltenen Wassers. Wie viele Esterbindungen je Glycerin?
Hinweis zu Aufgabe d)
Ein Lack soll nach dem Trocknen hart, witterungsbeständig und unlöslich sein.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Glycerin trägt drei Hydroxygruppen, Phthalsäure zwei Carboxygruppen. Jedes Glycerin-Molekül kann daher mit drei Säure-Molekülen Esterbindungen eingehen; die Kette verzweigt sich an jedem Glycerin-Baustein, die Äste verbinden sich wieder mit anderen Ketten — es entsteht ein dreidimensionales Netz aus Atombindungen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gemeinsam: Polyester aus Phthalsäure, gebildet durch Polykondensation unter Wasserabspaltung. Ethan-1,2-diol ist bifunktionell → lineare, unvernetzte Ketten → Thermoplast (wird beim Erwärmen weich, löslich). Glycerin ist trifunktionell → engmaschig vernetzt → Duroplast (härtet aus, unlöslich, nicht schmelzbar).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

1,00 mol Glycerin bildet 3 Esterbindungen → 3,00 mol \(\ce{H2O}\). \(m(\text{Edukte}) = 92{,}09\,\mathrm{g} + 1{,}50\cdot166{,}13\,\mathrm{g} = 341{,}3\,\mathrm{g}\); \(m(\ce{H2O}) = 3{,}00\cdot18{,}02\,\mathrm{g} = 54{,}1\,\mathrm{g}\); \(m(\text{Harz}) \approx 287\,\mathrm{g}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Für: Das vernetzte Harz ist nach dem Aushärten hart, unlöslich und formstabil auch bei Sonneneinstrahlung; es haftet und schützt das Holz. Gegen: Estergruppen können langsam hydrolysiert werden (Feuchtigkeit), ein ausgehärteter Lack ist nicht mehr lösbar und lässt sich nur mechanisch entfernen; Ausgangsstoffe teils aus Erdöl. Urteil: Für einen dauerhaften Fensterlack überwiegen die Vorteile der Vernetzung; der Lack wird im noch nicht vollständig vernetzten Zustand aufgetragen und härtet auf dem Holz aus.