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AbituraufgabenKalorimetrie

Eine Kerze unter einer Blechdose und ein Styroporbecher mit Magnesium: Wie genau misst ein Schulkalorimeter?

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Die Kerze unter der Blechdose

AFB I–II

Um den Heizwert von Kerzenwachs (Paraffin) zu bestimmen, wird eine Kerze gewogen, unter eine Blechdose mit 200 g Wasser gestellt und angezündet. Nach 180 s wird die Flamme gelöscht; die Wassertemperatur wird weiter beobachtet (M2). Die Kerze hat danach 0,52 g an Masse verloren. Der Tabellenwert für den Heizwert von Paraffin beträgt etwa \(42\,\mathrm{kJ\,g^{-1}}\).

M2Temperatur des Wassers in der Blechdose
060120180240300182226303438Zeit t in sTemperatur ϑ in °CFlamme gelöscht
Die Messpunkte wurden alle 30 s aufgenommen.
  1. Beschreiben Sie einen geeigneten Versuchsaufbau und die Durchführung.
  2. Entnehmen Sie M2 die Temperaturänderung des Wassers.
  3. Berechnen Sie den experimentellen Heizwert von Paraffin in \(\mathrm{kJ\,g^{-1}}\) (\(c = 4{,}19\,\mathrm{J\,g^{-1}\,K^{-1}}\), Wärmekapazität der Dose vernachlässigt).
  4. Erläutern Sie die Abweichung vom Tabellenwert.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Nennen Sie Geräte (Waage, Dose, Thermometer, Stativ) und die Reihenfolge der Messungen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Maßgeblich ist die höchste erreichte Temperatur.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(Q = c\cdot m\cdot\Delta T\), dann durch die verbrannte Masse teilen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Wohin gelangt die Wärme der Flamme außer ins Wasser?Erläutern: Zusammenhänge mit Beispielen verständlich machen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Kerze wiegen; Blechdose mit abgemessenen 200 g Wasser in ein Stativ klemmen, sodass die Flamme den Dosenboden erreicht; Anfangstemperatur messen; Kerze anzünden und unter die Dose stellen; unter Rühren die Temperatur in festen Zeitabständen notieren; Flamme löschen, Temperatur bis nach dem Maximum weiter messen; Kerze erneut wiegen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Anfangstemperatur 20,0 °C, Höchsttemperatur 34,5 °C (nach 210 s): \(\Delta T = 14{,}5\,\mathrm{K}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(Q = 4{,}19\,\mathrm{J\,g^{-1}\,K^{-1}}\cdot200\,\mathrm{g}\cdot14{,}5\,\mathrm{K} = 12\,151\,\mathrm{J} \approx 12{,}2\,\mathrm{kJ}\).

Heizwert (experimentell): \(12{,}2\,\mathrm{kJ} / 0{,}52\,\mathrm{g} \approx 23\,\mathrm{kJ\,g^{-1}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der Messwert erreicht nur rund 55 % des Tabellenwerts. Ursachen: Ein großer Teil der heißen Verbrennungsgase strömt an der Dose vorbei; Luft, Dose und Stativ werden miterwärmt (Wärmekapazität der Dose vernachlässigt); Wärme wird abgestrahlt; die Verbrennung ist unvollständig (Ruß am Dosenboden); geschmolzenes, aber nicht verbranntes Wachs kann die Massenabnahme verfälschen. Alle Effekte außer dem letzten führen zu einem zu kleinen Wert.

2

Ein kalibriertes Kalorimeter

AFB II–III

In einem Styroporbecher-Kalorimeter soll die Reaktionsenthalpie von \(\ce{Mg(s) + 2 H3O+(aq) -> Mg^2+(aq) + H2(g) + 2 H2O(l)}\) bestimmt werden. Zunächst wird das Kalorimeter elektrisch kalibriert (Versuch 1), danach wird Magnesium in Salzsäure gegeben (Versuch 2). Die Lösungen haben näherungsweise die Dichte und die Wärmekapazität von Wasser (\(c = 4{,}19\,\mathrm{J\,g^{-1}\,K^{-1}}\)).

M1Messwerte der beiden Versuche
Versuch 1: KalibrierenVersuch 2: Reaktion
Inhalt100 g Wasser100 mL Salzsäure (\(c = 1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\), Überschuss)
EnergiezufuhrHeizspirale: 10,0 W für 120 s0,243 g Magnesium (\(M = 24{,}31\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\))
gemessene Temperaturänderung2,6 K9,8 K
  1. Leiten Sie eine Gleichung her, mit der sich die Wärmekapazität \(C_K\) des Kalorimeters aus Versuch 1 berechnen lässt.
  2. Ermitteln Sie \(C_K\).
  3. Bestimmen Sie die molare Reaktionsenthalpie aus Versuch 2.
  4. Bewerten Sie das Ergebnis mit Blick auf den Tabellenwert \(-466{,}9\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) und auf die Bedeutung der Kalibrierung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Die elektrische Energie \(E = P\cdot t\) erwärmt Wasser und Kalorimeter gemeinsam.
Hinweis zu Aufgabe b)
Setzen Sie die Werte aus Versuch 1 ein.
Hinweis zu Aufgabe c)
Die Gesamtwärmekapazität ist \(c\cdot m + C_K\); Magnesium ist der limitierende Stoff.
Hinweis zu Aufgabe d)
Berechnen Sie die relative Abweichung — auch für den Fall, dass \(C_K\) weggelassen worden wäre.Bewerten: an Kriterien messen und ein begründetes Urteil abgeben.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Energieerhaltung: \(P\cdot t = (c\cdot m + C_K)\cdot\Delta T\) \(\Rightarrow\) \(C_K = \dfrac{P\cdot t}{\Delta T} - c\cdot m\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(P\cdot t = 10{,}0\,\mathrm{W}\cdot120\,\mathrm{s} = 1200\,\mathrm{J}\); \(C_K = 1200\,\mathrm{J}/2{,}6\,\mathrm{K} - 419\,\mathrm{J\,K^{-1}} = 461{,}5\,\mathrm{J\,K^{-1}} - 419\,\mathrm{J\,K^{-1}} \approx 42{,}5\,\mathrm{J\,K^{-1}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(n(\ce{Mg}) = 0{,}243\,\mathrm{g}/24{,}31\,\mathrm{g\,mol^{-1}} = 0{,}0100\,\mathrm{mol}\).

\(Q = (419 + 42{,}5)\,\mathrm{J\,K^{-1}}\cdot9{,}8\,\mathrm{K} \approx 4523\,\mathrm{J}\).

\(\Delta_r H = -Q/n = -4{,}52\,\mathrm{kJ}/0{,}0100\,\mathrm{mol} \approx -452\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Abweichung vom Tabellenwert: \((466{,}9 - 452)/466{,}9 \approx 3\,\%\) — für ein Styroporbecher-Kalorimeter ein gutes Ergebnis. Der Betrag ist etwas zu klein (Wärmeverluste, verdunstendes Wasser mit dem entweichenden Wasserstoff).

Ohne Kalibrierung ergäbe sich \(-419\cdot9{,}8/0{,}0100\,\mathrm{J\,mol^{-1}} \approx -411\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\), also rund 12 % Abweichung. Die Kalibrierung verbessert das Ergebnis deutlich und ist daher bei kleinen Wassermengen unverzichtbar.