MINT lernen

Abituraufgaben: Das Löslichkeitsprodukt

Nierensteine und Magnesium aus dem Meer — zweimal entscheidet das Ionenprodukt über Lösen oder Fällen.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Nierensteine aus Calciumoxalat

AFB I–II

Rund drei Viertel aller Nierensteine bestehen aus Calciumoxalat \(\ce{CaC2O4}\) (\(M = 128{,}1\,\text{g/mol}\), \(K_L = 2{,}3 \cdot 10^{-9}\,\text{mol}^2/\text{L}^2\) bei 25 °C). In einer Harnprobe werden gemessen:

Ionc in mmol/L
Ca²⁺2,5
C₂O₄²⁻ (Oxalat)0,30

Die Patientin scheidet 1,5 L Harn pro Tag aus. Ärzte raten zu so viel Flüssigkeit, dass es 2,5 L pro Tag werden.

  1. Formulieren Sie das Löslichkeitsgleichgewicht und den Ausdruck für \(K_L\).
  2. Berechnen Sie die Löslichkeit von Calciumoxalat in reinem Wasser in mol/L und mg/L.
  3. Beurteilen Sie mithilfe des Ionenprodukts, ob die Harnprobe zur Steinbildung neigt.
  4. Erläutern Sie rechnerisch die Wirkung der ärztlichen Empfehlung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Phasenangaben nicht vergessen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Typ AB: L = √K_L.
Hinweis zu Aufgabe c)
Q mit K_L vergleichen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Gleiche Ionenmenge, größeres Volumen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{CaC2O4(s)} \rightleftharpoons \ce{Ca^2+(aq) + C2O4^2-(aq)}\); \(K_L = c(\ce{Ca^2+}) \cdot c(\ce{C2O4^2-})\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(L = \sqrt{2{,}3 \cdot 10^{-9}} \approx 4{,}8 \cdot 10^{-5}\,\text{mol/L}\); \(4{,}8 \cdot 10^{-5}\,\tfrac{\text{mol}}{\text{L}} \cdot 128{,}1\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} \approx 6{,}1\,\text{mg/L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(Q = 2{,}5 \cdot 10^{-3} \cdot 0{,}30 \cdot 10^{-3} = 7{,}5 \cdot 10^{-7}\,\text{mol}^2/\text{L}^2 \gg K_L\). Der Harn ist stark übersättigt; Calciumoxalat kann auskristallisieren. (Dass nicht sofort alles ausfällt, liegt an Hemmstoffen im Harn, z. B. Citrat.)

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Beide Konzentrationen sinken um den Faktor 1,5/2,5 = 0,6, Q also um 0,6² = 0,36: \(Q \approx 2{,}7 \cdot 10^{-7}\,\text{mol}^2/\text{L}^2\). Das Risiko sinkt deutlich, der Harn bleibt aber übersättigt — Trinken allein verhindert Steine nicht sicher.

2

Magnesium aus Meerwasser

AFB II–III

Magnesium wird industriell aus Meerwasser gewonnen: Man versetzt es mit Kalkmilch (Suspension von Calciumhydroxid), Magnesiumhydroxid fällt aus und wird abfiltriert.

Größe (25 °C)Wert
c(Mg²⁺) im Meerwasser0,053 mol/L
\(K_L(\ce{Mg(OH)2})\)\(5{,}6 \cdot 10^{-12}\,\text{mol}^3/\text{L}^3\)
\(K_L(\ce{Ca(OH)2})\)\(5{,}5 \cdot 10^{-6}\,\text{mol}^3/\text{L}^3\)
  1. Berechnen Sie die Hydroxid-Konzentration, ab der Magnesiumhydroxid auszufallen beginnt.
  2. Ermitteln Sie c(OH⁻) in einer gesättigten Calciumhydroxid-Lösung.
  3. Werten Sie aus, welcher Anteil des Magnesiums gefällt wird, wenn im Gemisch \(c(\ce{OH-}) = 1{,}0 \cdot 10^{-2}\,\text{mol/L}\) herrscht.
  4. Beurteilen Sie, weshalb sich gerade Kalkmilch als Fällungsmittel eignet, und diskutieren Sie einen Nachteil.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Q = K_L setzen und nach c(OH⁻) auflösen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Typ AB₂: K_L = 4L³.
Hinweis zu Aufgabe c)
Rest-c(Mg²⁺) aus K_L.
Hinweis zu Aufgabe d)
Löslichkeiten der beiden Hydroxide vergleichen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(c(\ce{OH-}) = \sqrt{K_L / c(\ce{Mg^2+})} = \sqrt{5{,}6 \cdot 10^{-12} / 0{,}053} \approx 1{,}0 \cdot 10^{-5}\,\text{mol/L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(L = \sqrt[3]{5{,}5 \cdot 10^{-6}/4} \approx 1{,}1 \cdot 10^{-2}\,\text{mol/L}\), \(c(\ce{OH-}) = 2L \approx 2{,}2 \cdot 10^{-2}\,\text{mol/L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(c(\ce{Mg^2+}) = 5{,}6 \cdot 10^{-12} / (1{,}0 \cdot 10^{-2})^2 = 5{,}6 \cdot 10^{-8}\,\text{mol/L}\); Anteil in Lösung \(5{,}6 \cdot 10^{-8}/0{,}053 \approx 10^{-6}\) — praktisch 100 % werden gefällt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Ca(OH)₂ ist viel besser löslich als Mg(OH)₂ und liefert c(OH⁻) ≈ 10⁻² mol/L — weit über der Fällungsgrenze von 10⁻⁵ mol/L. Ungelöstes Ca(OH)₂ löst sich nach, sobald OH⁻ verbraucht wird (Le Chatelier). Kalk ist billig (aus Kalkstein/Muschelschalen). Nachteil: Überschüssiges Ca(OH)₂ kann den Niederschlag verunreinigen; Kalkbrennen setzt CO₂ frei und benötigt viel Energie.