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Textaufgaben: Siedetemperaturen im Vergleich

Zwei Sachaufgaben von Alkoholen und Alkanen bis zum Frostschutzmittel im Kühlwasser.

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1

Alkohole gegen Alkane

AFB I–II

In der Tabelle stehen drei Alkohole (mit O–H-Gruppe) und drei Alkane (nur C- und H-Atome) mit jeweils ähnlicher molarer Masse.

Siedetemperaturen bei Normaldruck
StoffM in g/molϑ in °C
Methanol CH₃OH3265
Ethanol C₂H₅OH4678
Propan-1-ol C₃H₇OH6097
Ethan C₂H₆30−89
Propan C₃H₈44−42
Butan C₄H₁₀58−0,5
  1. Die Tabelle enthält Paare mit fast gleicher molarer Masse. Entnimm der Tabelle den Unterschied der Siedetemperaturen zwischen Ethanol und Propan.
  2. Stelle beide Stoffreihen in einem Diagramm dar (Siedetemperatur gegen molare Masse).
  3. Erkläre den Anstieg der Siedetemperatur innerhalb jeder Reihe.
  4. Begründe, warum die Alkohole bei gleicher molarer Masse um mehr als 100 °C höher sieden als die Alkane.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Ethanol und Propan unterscheiden sich um nur 2 g/mol.Ablesen: Werte unmittelbar entnehmen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Rechtswert: molare Masse, Hochwert: Siedetemperatur. Zeichne zwei Linien in verschiedenen Farben.
Hinweis zu Aufgabe c)
Was ändert sich von Methanol zu Propan-1-ol bzw. von Ethan zu Butan an den Molekülen?
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Gruppe fehlt den Alkanen, und welche zusätzliche Anziehung ermöglicht sie?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ethanol 78 °C, Propan −42 °C: \(78\ \mathrm{°C} - (-42\ \mathrm{°C}) = 120\ \mathrm{°C}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

x-Achse: \(M\) von 25 bis 65 g/mol, y-Achse: \(\vartheta\) von −100 bis 100 °C. Die Alkohole liegen auf einer steigenden Linie von 65 °C bis 97 °C, die Alkane auf einer steigenden Linie von −89 °C bis −0,5 °C — die Linien verlaufen fast parallel mit rund 100–150 °C Abstand.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit jedem zusätzlichen \(\mathrm{CH_2}\)-Baustein wird das Molekül größer und hat mehr Elektronen. Die Van-der-Waals-Kräfte zwischen den Molekülen werden stärker, zum Trennen der Moleküle ist mehr Energie nötig — die Siedetemperatur steigt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Nur die Alkohole haben ein H-Atom an einem O-Atom \((\Delta\mathrm{EN}=1{,}24)\) und freie Elektronenpaare am O-Atom. Zwischen ihren Molekülen bilden sich zusätzlich Wasserstoffbrücken \(\mathrm{O{-}H\cdots O}\).

Beim Sieden müssen diese Brücken gelöst werden. Bei gleicher Größe (gleichen Van-der-Waals-Kräften) brauchen Alkohole deshalb deutlich mehr Energie, ihre Siedetemperatur liegt weit höher.

2

Frostschutz mit zwei OH-Gruppen

AFB II–III

Dem Kühlwasser von Autos wird Ethylenglykol \((\mathrm{HO{-}CH_2{-}CH_2{-}OH},\ M = 62\ \mathrm{g/mol})\) zugesetzt. Es siedet bei 197 °C und mischt sich in jedem Verhältnis mit Wasser. Propan-1-ol \((\mathrm{CH_3{-}CH_2{-}CH_2{-}OH},\ M = 60\ \mathrm{g/mol})\) siedet bei 97 °C. Ethylenglykol ist giftig und schmeckt süßlich.

  1. Beschreibe den Bau eines Ethylenglykolmoleküls mithilfe seiner Lewis-Formel.
  2. Vergleiche Ethylenglykol und Propan-1-ol im Hinblick auf die Anziehung zwischen ihren Molekülen und ihre Siedetemperaturen.
  3. Glycerin \((\mathrm{C_3H_5(OH)_3},\ M = 92\ \mathrm{g/mol})\) hat drei OH-Gruppen. Stelle eine Vermutung über seine Siedetemperatur auf.
  4. Bewerte den Einsatz von Ethylenglykol als Frostschutzmittel im Kühlwasser unter chemischen und praktischen Gesichtspunkten.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Zwei C-Atome in der Mitte, an jedem Ende eine OH-Gruppe. Denke an die freien Elektronenpaare.Beschreiben: geordnet und fachsprachlich wiedergeben.
Hinweis zu Aufgabe b)
Die molaren Massen sind fast gleich. Zähle die OH-Gruppen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Wie ändert sich die Siedetemperatur von einer zu zwei OH-Gruppen? Setze den Trend fort.
Hinweis zu Aufgabe d)
Mögliche Kriterien: Verdampfen, Mischbarkeit mit Wasser, Sicherheit.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Zwei C-Atome sind durch eine Einfachbindung verbunden; jedes trägt zwei H-Atome und eine OH-Gruppe. Jedes O-Atom hat zwei Bindungen (zu C und H) und zwei freie Elektronenpaare. Alle Atome erreichen die Edelgaskonfiguration.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Beide Moleküle sind fast gleich groß, die Van-der-Waals-Kräfte sind ähnlich. Propan-1-ol hat eine OH-Gruppe (höchstens 3 Wasserstoffbrücken je Molekül), Ethylenglykol zwei (höchstens 6).

Zwischen Ethylenglykolmolekülen wirken also deutlich mehr Wasserstoffbrücken — die Siedetemperatur liegt 100 °C höher (197 °C gegenüber 97 °C).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Vermutung: Mit drei OH-Gruppen (bis zu 9 Brücken je Molekül) und größerer Masse siedet Glycerin noch einmal deutlich höher als Ethylenglykol, etwa bei 250 bis 300 °C. (Tatsächlich: 290 °C.)

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Vorteile: Ethylenglykol verdampft bei Motortemperatur (etwa 90 °C) kaum und bleibt im Kreislauf. Über seine OH-Gruppen bildet es Wasserstoffbrücken mit Wassermolekülen und ist deshalb vollständig mischbar.

Nachteil: Es ist giftig und schmeckt süß — für Kinder und Tiere gefährlich. Fazit: chemisch sehr gut geeignet; beim Nachfüllen und Entsorgen ist Sorgfalt nötig (verschlossen lagern, nicht in den Ausguss).