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Textaufgaben: Bindungsarten vorhersagen

Zwei Sachaufgaben von den Chloriden der 3. Periode bis zum Grenzgänger Bortrifluorid.

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1

Die Chloride der 3. Periode

AFB I–II

Alle Elemente der 3. Periode — vom Metall Natrium bis zum Nichtmetall Schwefel — bilden Verbindungen mit Chlor. Die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich sich diese Chloride verhalten. EN-Werte: Na 0,9 · Mg 1,3 · Al 1,6 · Si 1,9 · P 2,2 · S 2,6 · Cl 3,2.

Die Chloride der Elemente der 3. Periode
FormelNameSchmelztemperaturbei 20 °C
NaClNatriumchlorid801 °Cfest
MgCl₂Magnesiumchlorid714 °Cfest
AlCl₃Aluminiumchloridsublimiert bei 180 °Cfest
SiCl₄Siliciumtetrachlorid−69 °Cflüssig
PCl₃Phosphortrichlorid−94 °Cflüssig
SCl₂Schwefeldichlorid−122 °Cflüssig
Cl₂Chlor−101 °Cgasförmig
Zustand bei 20 °C und Normaldruck. „Sublimiert“: geht direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.
  1. Berechne für jedes Chlorid ΔEN.
  2. Ordne jedem Chlorid nach der Faustregel eine Bindungsart zu.
  3. Werte die Tabelle im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen ΔEN und Schmelztemperatur aus.
  4. Beurteile, wie gut die Faustregel die Eigenschaften dieser Stoffreihe vorhersagt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Immer EN(Cl) minus EN des anderen Elements.Berechnen: Ansatz, Rechnung, Ergebnis.
Hinweis zu Aufgabe b)
Grenzen 0,5 und 1,7.
Hinweis zu Aufgabe c)
Teile die Reihe in Stoffe mit hoher und mit niedriger Schmelztemperatur. Wo liegt der Sprung?
Hinweis zu Aufgabe d)
Passt die Einteilung aus b) zu den Eigenschaften? Achte besonders auf Aluminiumchlorid.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

NaCl 2,3 · MgCl₂ 1,9 · AlCl₃ 1,6 · SiCl₄ 1,3 · PCl₃ 1,0 · SCl₂ 0,6 · Cl₂ 0.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ionenbindung: NaCl, MgCl₂ (ΔEN über 1,7). Polare Atombindung: AlCl₃, SiCl₄, PCl₃, SCl₂. Unpolare Atombindung: Cl₂.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit sinkendem ΔEN sinkt die Schmelztemperatur. Zwischen MgCl₂ (714 °C) und AlCl₃ (Sublimation bei 180 °C) liegt ein deutlicher Sprung: Links stehen Salze mit Ionengitter, rechts Molekülstoffe, die bei Raumtemperatur flüssig oder gasförmig sind oder leicht verdampfen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Faustregel trifft die Reihe gut: Die beiden Verbindungen mit ΔEN über 1,7 sind hochschmelzende Salze, alle anderen sind Molekülstoffe mit niedrigen Schmelz- bzw. Sublimationstemperaturen.

Einschränkung: Die Grenze liegt nicht scharf bei 1,7 — AlCl₃ (1,6) ist ein Grenzfall zwischen Ionen- und Molekülverbindung. Die Regel eignet sich zur Vorhersage, muss aber durch Eigenschaften geprüft werden.

2

Bortrifluorid — ein Grenzgänger

AFB II–III

Bortrifluorid BF₃ ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das bei −100 °C siedet. Es wird in der Kunststoffherstellung als Hilfsstoff eingesetzt. Bor steht in der III. Hauptgruppe und ist ein Halbmetall; Fluor ist das elektronegativste Element.

  1. Nenne die EN-Werte von Bor und Fluor sowie die Elektronegativitätsdifferenz der B–F-Bindung.
  2. Stelle eine Vermutung auf, welche Bindungsart die Faustregel für BF₃ vorhersagt und welche Eigenschaften man dann erwarten würde.
  3. Überprüfe diese Vorhersage anhand der Angaben im Text.
  4. Im Labor steht ein unbekannter weißer Feststoff. Entwickle ein Vorgehen, mit dem sich prüfen lässt, ob er aus Ionen oder aus Molekülen besteht.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
EN-Werte stehen im Periodensystem.Nennen: ohne Erläuterung angeben.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche ΔEN mit 1,7. Welche Eigenschaften haben Salze?
Hinweis zu Aufgabe c)
Passt ein Gas mit einer Siedetemperatur von −100 °C zu einem Salz?
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Eigenschaften unterscheiden Salze von Molekülstoffen? Denke an Schmelztemperatur und elektrische Leitfähigkeit.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

EN(B) = 2,0; EN(F) = 4,0; \(\Delta\mathrm{EN}=4{,}0-2{,}0=2{,}0\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Da \(2{,}0>1{,}7\), sagt die Faustregel eine Ionenbindung voraus (B³⁺ und F⁻). Dann würde man einen harten, kristallinen Feststoff mit hoher Schmelztemperatur erwarten, dessen Schmelze den elektrischen Strom leitet.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Vorhersage trifft nicht zu: BF₃ ist bei Raumtemperatur ein Gas und siedet bei −100 °C. Ein Stoff mit so niedriger Siedetemperatur besteht aus einzelnen Molekülen, zwischen denen nur schwache Kräfte wirken.

Die B–F-Bindung ist also eine sehr stark polare Atombindung. Bor ist kein typisches Metall; seine drei Valenzelektronen würden zu einem sehr kleinen, hoch geladenen B³⁺-Ion führen — die Elektronenpaare bleiben gemeinsam. Die Faustregel versagt hier.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

1. Schmelztemperatur bestimmen (z. B. im Reagenzglas vorsichtig erhitzen): Schmilzt der Stoff erst über etwa 500 °C, spricht das für ein Ionengitter; schmilzt er leicht, für einen Molekülstoff.

2. Elektrische Leitfähigkeit prüfen: Der Feststoff selbst leitet in beiden Fällen nicht. Leitet die Schmelze (oder eine Lösung in Wasser) den Strom, liegen bewegliche Ionen vor.

3. Ergebnis mit ΔEN vergleichen, sofern die Zusammensetzung bekannt ist. Mehrere übereinstimmende Befunde ergeben eine sichere Entscheidung; Sicherheitsregeln (Schutzbrille, Abzug) beachten.