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AbituraufgabenMeso- und Xerophyten

Ein Dünengras, das sein Blatt zur Röhre rollt, und Blätter mit unterschiedlich dicker Wachsschicht: Wie viel Wasser spart der Blattbau?

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Strandhafer auf der Düne

AFB I–II

Der Strandhafer (Ammophila arenaria) besiedelt die Weißdünen an Nord- und Ostsee. Der Sand speichert kaum Wasser, heizt sich in der Sonne stark auf, und fast ständig weht Wind. Bei feuchtem Wetter sind die Blätter flach ausgebreitet; bei Trockenheit verlieren große, dünnwandige Zellen am Grund der Furchen (Gelenkzellen) Wasser, und das Blatt rollt sich zu einer Röhre ein (M1). M2 zeigt Messwerte zur Transpiration von Blattstücken.

M1Querschnitt durch ein eingerolltes Strandhaferblatt (Schema)
Kutikula (dick)FestigungsgewebeLeitbündel in einer RippeFurche mit Spaltöffnungenund HaarenHohlraum (fast geschlossen)Blattränderaußen: Blattunterseite · innen: Blattoberseite (Schema)
M2Transpiration von Strandhafer-Blattstücken bei 25 °C und leichtem Wind (Modellwerte)
Zustand des Blattesrelative Luftfeuchte der UmgebungTranspiration in mg Wasser je g Blatt und Stunde
flach ausgebreitet80 %60
flach ausgebreitet30 %150
eingerollt30 %45
  1. Beschreiben Sie den Bau des eingerollten Blattes anhand von M1.
  2. Entnehmen Sie M2, um wie viel Prozent die Transpiration eines Blattes in trockener Luft durch das Einrollen sinkt.
  3. Erläutern Sie drei Merkmale aus M1 als Struktur-Funktions-Beziehungen.
  4. Vergleichen Sie das Strandhaferblatt mit dem Laubblatt eines Mesophyten hinsichtlich Kutikula, Lage der Spaltöffnungen und Blattfläche.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Gehen Sie von außen nach innen vor und nennen Sie auch, wo die Spaltöffnungen fehlen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleichen Sie die beiden Zeilen mit 30 % Luftfeuchte. Relative Änderung = Differenz : Ausgangswert.
Hinweis zu Aufgabe c)
Verknüpfen Sie jedes Merkmal mit der Wirkung auf das Konzentrationsgefälle für Wasserdampf oder auf die kutikuläre Transpiration.
Hinweis zu Aufgabe d)
Legen Sie die drei Kriterien fest und stellen Sie beide Blätter je Kriterium gegenüber.Vergleichen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede nach Kriterien darstellen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Das Blatt ist zu einer fast geschlossenen Röhre eingerollt; nur zwischen den Blatträndern bleibt ein schmaler Spalt. Die Außenseite ist die Blattunterseite: Sie trägt eine dicke Kutikula, darunter liegt eine Schicht Festigungsgewebe; Spaltöffnungen fehlen hier. Die Innenseite (Blattoberseite) ist in Rippen und Furchen gegliedert. In den Rippen verlaufen die Leitbündel, in den Furchen liegen die Spaltöffnungen, umgeben von Haaren. Im Inneren liegt ein Hohlraum.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Bei 30 % Luftfeuchte sinkt die Transpiration von 150 auf 45 mg je g und h, also um 105 mg je g und h. Das entspricht \(105 : 150 = 0{,}70\), also einer Abnahme um 70 %.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Einrollen/Hohlraum: Der Wasserdampf, der aus den Spaltöffnungen austritt, sammelt sich im fast geschlossenen, windgeschützten Hohlraum. Die Luft dort ist feucht, das Konzentrationsgefälle zwischen Interzellularen und Luft wird klein — die stomatäre Transpiration sinkt (M2: um 70 %).

Spaltöffnungen in Furchen mit Haaren: Die Furchen und die Haare halten zusätzlich eine ruhende, feuchte Luftschicht direkt vor den Spaltöffnungen fest; Wind kann sie nicht fortblasen.

Dicke Kutikula ohne Spaltöffnungen außen: Die dem Wind und der Sonne zugewandte Außenseite gibt kaum Wasser ab, weil die dicke Wachsschicht die kutikuläre Transpiration verringert. Das Festigungsgewebe stabilisiert das Blatt, sodass es beim Austrocknen nicht welkt oder vom Sand beschädigt wird.

Ein Merkmal mit Wirkung und Begründung genügt jeweils; auch die Gelenkzellen (Einrollen bei Wasserverlust) sind als Merkmal zulässig.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Kutikula: beim Mesophyten dünn, beim Strandhafer außen dick. Spaltöffnungen: beim Mesophyten frei auf Höhe der Epidermis, meist auf der Blattunterseite und damit direkt der Außenluft ausgesetzt; beim Strandhafer nur auf der Oberseite, eingesenkt in Furchen mit Haaren und beim Einrollen im Inneren der Röhre. Blattfläche: beim Mesophyten groß, dünn und flach ausgebreitet; beim Strandhafer schmal und durch das Einrollen stark verkleinert.

Gemeinsam ist beiden, dass sie Spaltöffnungen mit Schließzellen, chloroplastenhaltiges Gewebe und Leitbündel besitzen und CO₂ nur über die Spaltöffnungen aufnehmen. Der Mesophyt fördert den Gasaustausch, der Strandhafer begrenzt den Wasserverlust.

2

Wie dick muss die Wachsschicht sein?

AFB II–III

Auch bei geschlossenen Spaltöffnungen verliert ein Blatt Wasser über die Kutikula. M3 vergleicht Blätter verschiedener Pflanzen. Die kutikuläre Transpiration ist als Anteil der Transpiration angegeben, die dasselbe Blatt bei weit geöffneten Spaltöffnungen zeigt. Sonnen- und Schattenblatt stammen von derselben Hainbuche — das Sonnenblatt aus der äußeren, besonnten Krone, das Schattenblatt aus dem Inneren der Krone.

M3Kutikula und kutikuläre Transpiration (Modellwerte, orientiert an Literaturangaben)
BlattDicke der Kutikula in µmkutikuläre Transpiration in % der Transpiration bei offenen Spaltöffnungen
Hainbuche, Schattenblatt1,515
Hainbuche, Sonnenblatt36
Steineiche (Hartlaubgehölz des Mittelmeerraums)91,0
Säulenkaktus (Sukkulente)140,2
  1. Werten Sie M3 aus.
  2. Erklären Sie den Unterschied zwischen Sonnen- und Schattenblatt derselben Hainbuche.
  3. Entwickeln Sie ein Experiment, mit dem sich prüfen lässt, ob die dicke Kutikula der Steineiche eine Angepasstheit oder eine Modifikation ist.
  4. Eine Mitschülerin behauptet: „Eine möglichst dicke Kutikula wäre für jede Pflanze am besten.“ Nehmen Sie zu dieser Aussage Stellung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Beschreiben Sie den Zusammenhang beider Spalten und ordnen Sie die Blätter Meso- und Xerophyten zu.
Hinweis zu Aufgabe b)
Beide Blätter haben dasselbe Erbgut. Was unterscheidet sich also?
Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie Pflanzen mit gleichem Erbgut unter verschiedenen Bedingungen oder Pflanzen verschiedener Herkunft unter gleichen Bedingungen — und nennen Sie die Erwartung für beide Fälle.
Hinweis zu Aufgabe d)
Denken Sie an den Zielkonflikt: Wann spielt die Kutikula überhaupt eine große Rolle, und was kostet sie die Pflanze?Stellung nehmen: nach Abwägung eine begründete eigene Position beziehen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Je dicker die Kutikula, desto geringer ist die kutikuläre Transpiration: Von 1,5 µm (Schattenblatt) bis 14 µm (Kaktus) sinkt sie von 15 % auf 0,2 % — also auf rund ein Fünfundsiebzigstel. Der Zusammenhang ist nicht proportional: Schon die Verdopplung von 1,5 auf 3 µm senkt den Anteil stark, bei sehr dicken Kutikulas wird die Abnahme kleiner.

Die beiden Hainbuchenblätter (Mesophyt) haben dünne Kutikulas und verlieren über die Kutikula einen merklichen Anteil Wasser. Steineiche und Säulenkaktus (Xerophyten) verlieren bei geschlossenen Spaltöffnungen kaum Wasser — sie können Trockenzeiten mit geschlossenen Spaltöffnungen überdauern. Die Werte sind Modellwerte und keine eigenen Messungen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Sonnen- und Schattenblatt stammen vom selben Baum und haben deshalb dasselbe Erbgut. Der Unterschied ist umweltbedingt, also eine Modifikation: In der besonnten Krone ist es heller, wärmer und windiger, die Blätter verlieren mehr Wasser. Bei ihrer Entwicklung bilden sie im Rahmen der erblichen Reaktionsnorm eine dickere Kutikula aus (und sind insgesamt dicker). Im Kroneninneren ist die Luft feuchter und die Verdunstung geringer; eine dünne Kutikula genügt, spart Baustoff und lässt mehr des schwachen Lichts ins Blatt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Idee: Einfluss der Umwelt und des Erbguts trennen. Steineichen werden aus Samen (oder als Stecklinge einer Mutterpflanze) unter verschiedenen Bedingungen angezogen: eine Gruppe trocken und sonnig, eine Gruppe feucht und schattig; alle anderen Bedingungen (Temperatur, Boden, Licht, Alter) werden gleich gehalten. Zum Vergleich werden Hainbuchen unter denselben beiden Bedingungen angezogen. Mehrere Pflanzen je Gruppe; nach einigen Monaten wird die Kutikuladicke im Querschnitt unter dem Mikroskop gemessen.

Erwartung: Ist die dicke Kutikula eine Angepasstheit, bleibt sie bei der Steineiche auch unter feuchten Bedingungen deutlich dicker als bei der Hainbuche; ein kleiner Unterschied zwischen den Steineichen-Gruppen wäre eine zusätzliche Modifikation. Ist sie eine Modifikation, gleichen sich Steineiche und Hainbuche unter feuchten Bedingungen weitgehend an.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Dafür: Eine dicke Kutikula senkt die kutikuläre Transpiration stark (M3) und schützt bei geschlossenen Spaltöffnungen vor dem Austrocknen.

Dagegen: Die meiste Transpiration läuft bei offenen Spaltöffnungen stomatär ab; beim Mesophyten macht die kutikuläre Transpiration nur einen kleinen Teil aus. Die Kutikula bringt also vor allem dann einen Vorteil, wenn die Spaltöffnungen lange geschlossen bleiben — also an trockenen Standorten. Eine dicke Kutikula kostet Baustoffe und Energie, die für Wachstum fehlen, und sie schwächt das eindringende Licht ab — an schattigen Standorten ein Nachteil (vgl. Schattenblatt). Pflanzen an feuchten Standorten gewinnen durch sie kaum etwas.

Urteil: Die Aussage trifft nicht zu. Die optimale Kutikuladicke hängt vom Standort ab: An trockenen Standorten überwiegt der Nutzen, an feuchten und schattigen Standorten überwiegen die Kosten. Jede begründete Position mit Abwägung ist zulässig.