Was Leben ausmacht
Biologie ist die Lehre vom Leben. Wer ein Lebewesen erkennen und untersuchen will, braucht klare Kennzeichen und genaue Arbeitsweisen.
1.1.1Kennzeichen der Lebewesen
- Bewegung aus eigener Kraft (Pflanzen bewegen sich langsam)
- Reizbarkeit: Reize wie Licht, Geräusch oder Berührung wahrnehmen und darauf reagieren
- Stoffwechsel: Nahrung, Wasser und Luft aufnehmen, Energie gewinnen, ausscheiden
- Wachstum (von innen größer) und Entwicklung (Welpe → Hund)
- Fortpflanzung: Nachkommen bekommen
- tot = hat früher gelebt (welkes Blatt) · unbelebt = hat nie gelebt (Stein)
1.1.2Biologisch arbeiten
- Beobachten: genau mit den Sinnen wahrnehmen (Lupe, Fernglas), nichts verändern
- Beschreiben: sachlich, ohne Meinung („Fell grau gestreift“, nicht „süß“)
- Messen: Messwert = Zahl + Einheit (8,4 cm)
- Vergleichen nach einem Kriterium, das bei allen gleich geprüft wird
- Untersuchen: Frage → Vermutung → Überprüfung → Ergebnis, festgehalten im Protokoll
Alle sechs Kennzeichen auf einen Blick
Ein Lebewesen zeigt alle sechs — wenn auch nicht gleichzeitig: Ein Welpe bekommt noch keine Jungen und lebt trotzdem. Fehlt ein Kennzeichen ganz, ist es kein Lebewesen.
Der Hund — ein Haustier
Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen. Seine Abstammung, seine Rassen, seine Sprache und seine Sinne erklären, wie wir ihn richtig halten.
1.2.1Vom Wolf zum Hund
- Stammform des Hundes ist der Wolf
- Belege: gleicher Körperbau, 42 Zähne, ähnliche Laute, gemeinsame fruchtbare Junge
- vor mehr als 15 000 Jahren: wenig scheue Wölfe an den Lagerplätzen der Steinzeitmenschen
- Domestikation: über viele Generationen wird aus einem Wildtier ein Haustier
- Hunde: oft kleiner, Hängeohren, bellen häufiger, suchen Blickkontakt
1.2.2Züchtung durch Auswahl
- Zuchtziel: das Merkmal, das der Züchter erreichen will (Größe, Fell, Verhalten)
- künstliche Auslese: nur Tiere nahe am Zuchtziel werden Eltern
- Welpen ähneln den Eltern, sind aber nicht genau gleich
- Rasse: Gruppe mit gleichen, vererbten Merkmalen — über 350 Hunderassen, alle eine Art
- Qualzucht: übertriebenes Merkmal lässt das Tier leiden (Mops: Atemnot), verboten
1.2.3Verständigung im Rudel
- Rudel: meist eine Wolfsfamilie, die Elterntiere führen
- Rangordnung: jedes Tier kennt seinen Platz, selten ernster Streit
- Körpersprache: Ohren, Rute, Maul, Körperhaltung
- Laute: Heulen (Rudel sammeln), Knurren (Warnung), Winseln (bitten)
- Duftmarken mit Urin: „Hier ist mein Revier“
1.2.4Sinne von Hund und Mensch
- Hund = Nasentier: viel größere Riechschleimhaut, viel mehr Riechzellen
- Hörgrenze Mensch etwa 20 000 Hz, Hund etwa 45 000 Hz; darüber Ultraschall
- Ohrmuscheln einzeln zur Geräuschquelle drehbar
- Hund sieht Bewegung und in der Dämmerung gut, aber weniger Farben (Blau, Gelb)
- Mensch = Augentier: sieht schärfer und mehr Farben
1.2.5Haustiere artgerecht halten
- artgerecht: so leben, wie die Art es braucht
- Nahrung, frisches Wasser, Platz und Bewegung, Rückzugsort
- Artgenossen: Kaninchen und Meerschweinchen nie allein halten
- Beschäftigung, Pflege, Tierarzt und Impfungen
- Verantwortung für viele Jahre: Zeit, Kosten, Urlaub; Aussetzen ist verboten
Die Auswahl wird in jeder Generation wiederholt. Erst nach vielen Generationen haben fast alle Tiere das gewünschte Merkmal. Züchten kann man nur, was vererbt wird — ein gekürzter Schwanz wird nicht vererbt.
Immer den ganzen Hund lesen
Ein Signal allein sagt wenig. Wedelt ein Hund mit hoch und steif gehaltener Rute, knurrt und stellt die Nackenhaare auf, dann droht er — auch wenn der Schwanz sich bewegt.
Hunde sehen nicht schwarz-weiß
Hunde sehen Farben, nur weniger als wir: Blau und Gelb gut, Rot und Grün kaum getrennt. Dafür erkennen sie Bewegungen schnell und sehen in der Dämmerung besser.
Säugetiere und ihr Gebiss
Hund, Rind, Schwein und Mensch gehören zu den Säugetieren. Ihr Gebiss verrät, was sie fressen — und Rind und Schwein sind unsere wichtigsten Nutztiere.
1.3.1Merkmale der Säugetiere
- Fell aus Haaren (auch der Mensch hat Haare)
- Junge werden lebend geboren und mit Milch gesäugt
- gleichwarm: Körper bleibt gleich warm (Mensch etwa 37 °C, Hund etwa 38,5 °C)
- Lungenatmung — auch Wale tauchen zum Atmen auf
- Wirbelsäule aus vielen Wirbeln
- an Land, im Wasser (Wal), in der Luft (Fledermaus)
1.3.2Gebiss und Ernährung
- Hund (Fleischfresser, 42 Zähne): Schneidezähne, 4 Fangzähne, Reißzähne als Brechschere
- Scherengebiss: Unterkiefer bewegt sich nur auf und ab
- Rind (Pflanzenfresser, 32 Zähne): oben keine Schneidezähne, sondern eine Kauplatte
- breite Mahlzähne mit Schmelzfalten, Mahlgebiss: Unterkiefer bewegt sich seitlich
- Schwein (44) und Mensch (32): Allesfresser, alle Zahnarten
1.3.3Nutztiere: Rind und Schwein
- Rind = Wiederkäuer mit vier Mägen: Pansen, Netzmagen, Blättermagen, Labmagen
- Bakterien im Pansen zersetzen das Gras; Futter kommt zurück ins Maul und wird gründlich gekaut
- Rind liefert Milch (erst nach der Geburt eines Kalbes), Fleisch und Leder
- Schwein stammt vom Wildschwein ab, wühlt mit der Rüsselscheibe, suhlt sich zum Abkühlen
- Haltung: Stall, Weide, Freiland; das Siegel zeigt die Haltungsform 1 bis 5
Hat ein Gebiss alle Zahnarten, vorn spitze und hinten breite, höckerige Backenzähne, gehört es einem Allesfresser wie Schwein oder Mensch. Achte darauf, wo ein Zahn sitzt: Der Reißzahn ist ein Backenzahn und sitzt weit hinten.
Die Stufe ist keine Schulnote
Bei der Haltungsform ist 1 nicht die beste, sondern die niedrigste Stufe: Die Tiere werden nur nach den gesetzlichen Mindestregeln gehalten. Mehr Platz und Auslauf gibt es ab Stufe 4.
Die Regeln, an denen die Punkte hängen
Diese Punkte kosten in der Klassenarbeit am häufigsten Punkte — und lassen sich leicht vermeiden.
Regel 1 — Fachbegriffe exakt
Stammform statt „Opa des Hundes“, künstliche Auslese statt „einfach kreuzen“, Fangzahn und Reißzahn auseinanderhalten, domestiziert nicht mit zahm verwechseln.
Regel 2 — Alle Merkmale prüfen
Ein Lebewesen zeigt alle sechs Kennzeichen. Ein Säugetier erkennst du sicher an Haaren und Milch — eine Wirbelsäule oder Lungen allein reichen nicht.
Regel 3 — Beobachtung und Deutung trennen
„Der Hund legt die Ohren an und klemmt die Rute ein“ ist Beobachtung. „Der Hund hat Angst“ ist Deutung. Schreib erst, was du siehst, dann, was es bedeutet.
Regel 4 — Mit „weil“ begründen
Nicht nur die Antwort nennen, sondern den Grund: „Der Hund findet die Spur, weil er viel mehr Riechzellen hat als der Mensch.“ Zahlen immer mit Einheit (38,5 °C, 45 000 Hz).
Selbstcheck vor der Klassenarbeit
- Ich kann die sechs Kennzeichen der Lebewesen nennen und an einem Beispiel prüfen.
- Ich kann erklären, wie aus dem Wolf der Hund wurde und wie Hunderassen entstehen.
- Ich kann Körpersprache und Laute eines Hundes deuten.
- Ich kann Sinne von Hund und Mensch vergleichen.
- Ich kann sagen, was ein Haustier für eine artgerechte Haltung braucht.
- Ich kann ein Tier mit den Merkmalen der Säugetiere einordnen.
- Ich kann aus einem Gebiss auf die Nahrung schließen.
- Ich kann den Weg des Futters beim Rind beschreiben und das Haltungsform-Siegel lesen.
