Petrosjans Geheimnis: Bevor du deinen eigenen Plan ausführst, fragst du „Was will mein Gegner?“ — und verhinderst es.
Prophylaxe heißt vorbeugendes Denken: Bevor du deinen eigenen Plan spielst, versetzt du dich in den Gegner und fragst „Was würde ich an seiner Stelle wollen?“ — und nimmst es ihm vorweg. Tigran Petrosjan machte diese Kunst zur Weltmeisterschaft.
Stelle dir bei jedem Zug zwei Fragen: 1. Was ist mein Plan? 2. Was ist sein Plan? Wenn seine Drohung gefährlicher ist als dein Plan schnell, entschärfst du sie zuerst.
Bevor Weiß angreift, fragt er: Was will Schwarz? — etwa …e4 oder …Lg4. Diese Stöße bereitet man vor zu verhindern.
Ein Angriff gelingt nur, wenn der Gegner kein Gegenspiel hat. Oft ist der beste Angriffszug ein ruhiger prophylaktischer Zug, der dem Gegner die letzte Aktivität nimmt — dann bricht der Angriff widerstandslos durch.
Vorbeugen heißt nicht abwarten. Es heißt, den eigenen Plan klüger zu timen: erst die gegnerische Idee neutralisieren, dann mit voller Kraft das eigene Spiel durchsetzen. Aktivität mit Voraussicht — das ist Meisterschach.