Deckblatt — Physik gA, Kapitel 6 „Quantenobjekte“
Diese Probeklausur deckt die Unterkapitel 6.1.1 bis 6.2.3 ab: Wellenverhalten von Elektronen, De-Broglie-Wellenlänge, Doppelspalt mit einzelnen Elektronen, stochastische Deutung und Komplementarität. Bearbeiten Sie alle zehn Aufgaben. Runden Sie erst am Ende und geben Sie Zahlenwerte in der jeweils geforderten Einheit an — Komma und Punkt sind beide zulässig.
Notenschlüssel (prozentual)
| Punkte | Anteil | Note | Beurteilung |
|---|---|---|---|
| 56 – 60 P | ab 92 % | 1 | sehr gut |
| 48 – 55 P | ab 80 % | 2 | gut |
| 36 – 47 P | ab 60 % | 3 | befriedigend |
| 27 – 35 P | ab 44 % | 4 | ausreichend |
| 15 – 26 P | ab 24 % | 5 | mangelhaft |
| 0 – 14 P | unter 24 % | 6 | ungenügend |
Konstanten (dürfen verwendet werden)
h = 6,626·10−34 Js · e = 1,602·10−19 C · me = 9,11·10−31 kg · mn = 1,675·10−27 kg · Netzebenenabstand Graphit d = 2,1·10−10 m
Wissen und Reproduzieren
15 PunkteKapitel 6.1.2. Ein Elektron bewegt sich frei. Berechnen Sie mit λ = h/(m·v) die gesuchten Größen.
So geht’s: Trag nur die Zahl ein — die Einheit steht schon daneben. Komma oder Punkt sind beide erlaubt.
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)
a) λ = h/(me·v) = 6,626·10−34 / (9,11·10−31 · 1,0·106) = 7,3·10−10 m = 0,73 nm
b) p = me·v = 9,11·10−31 · 2,0·106 = 1,82·10−24 kg·m/s (die zugehörige Wellenlänge wäre 0,36 nm — halbe Wellenlänge bei doppelter Geschwindigkeit).
c) Aus λ = h/(me·v) folgt v = h/(me·λ) = 6,626·10−34 / (9,11·10−31 · 1,0·10−10) = 7,3·106 m/s
Merke: v steht im Nenner — schneller bedeutet kürzere Wellenlänge, nicht längere.
Kapitel 6.1.1. In einer Elektronenbeugungsröhre werden Elektronen durch die Spannung U beschleunigt, treffen auf eine dünne Graphitfolie und erzeugen auf dem Leuchtschirm konzentrische Ringe.
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)
a) Die Kohlenstoffatome der Folie sind regelmäßig angeordnet und wirken wie ein Gitter — genau wie bei Röntgenwellen an einem Kristall. Die Ringe sind Orte konstruktiver Interferenz. Abprallende Kugeln ergäben einen gleichmäßig auslaufenden Fleck ohne dunkle Zwischenräume.
b) Richtig sind: r ~ 1/√U; der Strahlstrom ändert nur die Helligkeit; die Foliendicke ändert die Geometrie nicht.
Falsch: Die doppelte Spannung senkt den Radius nur auf 1/√2 ≈ 71 % — erst die vierfache Spannung halbiert ihn. Abprallende Kugeln erzeugen keine Ringe. Und für sichtbares Licht ist λ/d ≈ 2,6·103, also sinα > 1 — Beugung an Graphit ist damit unmöglich.
Kapitel 6.2.2. Max Born deutet das Interferenzmuster stochastisch. Ordnen Sie zu und rechnen Sie.
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)
a) ψ ist die Wahrscheinlichkeitsamplitude; erst das Betragsquadrat |ψ|² liefert die Findewahrscheinlichkeit. Ein dunkler Streifen bedeutet Amplitude null — dort trifft wirklich kein Elektron auf, nicht nur selten. Der Erwartungswert ist P·N.
Nicht gebraucht: „der Ort, an dem das nächste Elektron einschlägt“ — genau das sagt ψ nicht voraus — sowie Ringradius und Spaltzahl.
b) P · N = 0,15 · 2000 = 300 Treffer. Achtung: P ist ein Anteil, keine Prozentzahl — sonst liegt man um den Faktor 100 daneben.
Anwenden und Übertragen
30 PunkteKapitel 6.1.1. An einer Elektronenbeugungsröhre wird der Radius r des inneren Rings für fünf Beschleunigungsspannungen gemessen (Ablesegenauigkeit ±0,03 cm).
| U in kV | 2,0 | 3,0 | 4,0 | 5,0 | 6,0 |
|---|---|---|---|---|---|
| r in cm | 2,00 | 1,64 | 1,42 | 1,26 | 1,15 |
| r·√U in cm·√kV | 2,83 | ? | 2,84 | 2,82 | ? |
So geht’s: Die Tabelle lässt sich auf dem Handy seitlich schieben. Rechne mit den abgelesenen Werten, runde erst zum Schluss.
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a) 1,64 · √3,0 = 1,64 · 1,732 = 2,84 · 1,15 · √6,0 = 1,15 · 2,449 = 2,82 (jeweils cm·√kV).
b) Alle fünf Produkte liegen zwischen 2,82 und 2,84 — im Rahmen der Ablesegenauigkeit also konstant. Aus r·√U = const. folgt r ~ 1/√U, und wegen r ~ λ auch λ ~ 1/√U.
c) r = 2,83 / √8,0 = 2,83 / 2,828 = 1,00 cm.
d) Ohne Einfluss auf den Radius sind Strahlstrom (nur die Helligkeit ändert sich) und Foliendicke (der Gitterabstand bleibt gleich). Spannung und Netzebenenabstand gehen dagegen direkt in sinα = λ/d ein.
Kapitel 6.1.2. Ein zunächst ruhendes Elektron wird durch die Spannung U beschleunigt. Ordnen Sie die Herleitung der Wellenlänge in vier Bausteinen und rechnen Sie anschließend.
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a) Schritt 1: die im Feld aufgenommene Energie wird vollständig Bewegungsenergie, e·U = ½·me·v². Schritt 2: v = √(2eU/me). Schritt 3: p = me·v = √(2·me·e·U). Schritt 4: eingesetzt in λ = h/p ergibt sich λ = h/√(2·me·e·U).
b) 2·me·e·U = 2 · 9,11·10−31 · 1,602·10−19 · 104 = 2,92·10−45; die Wurzel ist 5,40·10−23 kg·m/s.
λ = 6,626·10−34 / 5,40·10−23 = 1,23·10−11 m = 12,3 pm — das liegt in der Größenordnung des Atomabstands im Kristall, und nur deshalb funktioniert Elektronenbeugung.
c) Wegen λ ~ 1/√U halbiert sich die Wellenlänge bei vierfacher Spannung. (Bei U = 4,0 kV ergäbe die Formel 1,9·10−11 m, also 19 pm.)
Kapitel 6.2.1. Einzelne Elektronen durchlaufen einen Doppelspalt und erzeugen nach vielen Durchgängen ein Streifenmuster. In der Kleinwinkelnäherung gilt Δy = L·λ/d.
Gegeben: Spaltabstand d = 50 nm · Abstand Blende–Schirm L = 0,40 m · Beschleunigungsspannung U = 10 kV, also λ = 1,23·10−11 m.
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a) Δy = L·λ/d = 0,40 · 1,23·10−11 / 50·10−9 = 9,8·10−5 m ≈ 0,10 mm.
b) Vierfache Spannung ⇒ halbe Wellenlänge ⇒ halber Streifenabstand: 0,049 mm.
c) Δy ist proportional zu λ, und λ ist antiproportional zu √U. Aus √4 = 2 folgt der Faktor ½ — nicht ¼.
d) Δy = 0,40 · 1,23·10−11 / 0,50·10−3 = 9,8·10−9 m ≈ 9,8 nm — rund 1000-mal kleiner als die Detektorauflösung von etwa 0,01 mm. Man sähe nur einen hellen Fleck; die Unterrichtsblende ist für Elektronen völlig ungeeignet.
Kapitel 6.2.2. Der Schirm wird in fünf gleich breite Streifen S1 bis S5 eingeteilt. Zu jedem Streifen ist die aus |ψ|² berechnete Findewahrscheinlichkeit P angegeben; darunter stehen die gemessenen Trefferzahlen für zwei Versuchsläufe.
| Streifen | S1 | S2 | S3 | S4 | S5 |
|---|---|---|---|---|---|
| P | 0,05 | 0,20 | 0,50 | 0,20 | 0,05 |
| Treffer bei N = 200 | 6 | 47 | 96 | 38 | 13 |
| Treffer bei N = 20 000 | 1017 | 3962 | 10 043 | 3971 | 1007 |
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a) P · N = 0,20 · 20 000 = 4000 Treffer.
b) Abweichung 4000 − 3962 = 38; relativ 38/4000 = 0,0095 = 0,95 %.
c) Erwartet 0,20 · 200 = 40, gemessen 47, Abweichung 7; relativ 7/40 = 17,5 %.
d) Das Verhältnis der beiden relativen Abweichungen beträgt etwa 18 — die typische Streuung wächst nur mit √N, die relative Abweichung sinkt daher mit 1/√N. Der Einzelfall bleibt offen, die Häufigkeitsverteilung ist aber sehr genau vorhersagbar. Eine einzelne Abweichung widerlegt nichts.
Verknüpfen und Beurteilen
15 PunkteKapitel 6.2.3. Ein Doppelspaltversuch wird dreimal mit je N = 20 000 Elektronen durchgeführt. Gezählt werden die Treffer an zwei festen Orten des Schirms: P liegt im späteren dunklen, Q im späteren hellen Streifen.
| Aufbau | Treffer bei P | Treffer bei Q |
|---|---|---|
| nur Spalt 1 offen | 850 | 900 |
| nur Spalt 2 offen | 870 | 880 |
| beide Spalte offen | 35 | 3520 |
So geht’s: Erst beide Einzelmessungen addieren, dann mit der Messung bei zwei offenen Spalten vergleichen — der Unterschied ist der eigentliche Befund.
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a) 850 + 870 = 1720 erwartet — gemessen werden aber nur 35, also rund 2 %.
b) 900 + 880 = 1780 erwartet — gemessen werden 3520, also fast das Doppelte.
c) √900 = 30,0 und √880 = 29,7; (30,0 + 29,7)² ≈ 3560. Das passt zum Messwert 3520, die einfache Summe 1780 dagegen überhaupt nicht: Es addieren sich die Amplituden, gemessen wird deren Quadrat.
d) Zulässig sind die ersten beiden Aussagen. Gäbe es feste Bahnen durch je einen Spalt, müsste das Bild die Summe der Einzelspaltbilder sein — dann wären Minima unmöglich. Nichts wird vernichtet: Interferenz ist Umverteilung von Intensität, die Gesamtzahl der Elektronen bleibt erhalten.
Kapitel 6.2.1. Ein Kritiker behauptet, das Streifenmuster entstehe nur, weil sich die Elektronen unterwegs gegenseitig beeinflussen. Prüfen Sie diese Behauptung an den Betriebsdaten der Apparatur.
Gegeben: Weg Quelle–Schirm s = 0,45 m · Geschwindigkeit v = 3,0·107 m/s · Zählrate 1,0·103 Elektronen pro Sekunde.
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a) t = s/v = 0,45 / 3,0·107 = 1,5·10−8 s = 15 ns.
b) Δt = 1 / 1,0·103 s−1 = 1,0·10−3 s = 1,0 ms.
c) t/Δt = 1,5·10−8 / 1,0·10−3 = 1,5·10−5, also nur etwa 0,0015 % der Zeit. Die Apparatur ist im Mittel rund 67 000-mal so lange leer, wie ein Flug dauert — es ist praktisch nie ein zweites Elektron da, mit dem sich das erste beeinflussen könnte.
Das Muster entsteht trotzdem: Jedes Elektron interferiert mit sich selbst. Genau das gelang 1989 im Versuch mit einzelnen Elektronen.
Kapitel 6.2.3. Auch Fulleren-Moleküle C60 aus 60 Kohlenstoffatomen zeigen Interferenz. Schätzen Sie die Größenordnungen ab und beurteilen Sie den Einfluss der Ofentemperatur.
Gegeben: m = 1,20·10−24 kg · v = 200 m/s · Gitterkonstante d = 100 nm · Abstand Gitter–Detektor L = 1,25 m.
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)
a) p = m·v = 1,20·10−24 · 200 = 2,40·10−22 kg·m/s.
b) λ = h/p = 6,626·10−34 / 2,40·10−22 = 2,76·10−12 m, gerundet 2,8 pm — etwa 7-mal kleiner als die 19 pm der Elektronen bei 4,0 kV und rund 400-mal kleiner als das Molekül selbst.
c) Δy = L·λ/d = 1,25 · 2,8·10−12 / 1,0·10−7 = 3,5·10−5 m = 35 µm.
d) Je heißer der Ofen, desto kurzwelliger die abgestrahlte Wärmestrahlung — und desto besser lässt sich prinzipiell unterscheiden, welchen Weg das Molekül genommen hat. Mit wachsender Weginformation sinkt die Sichtbarkeit; der Halbwert V ≈ 0,24 liegt bei rund 2150 K. Bis etwa 1500 K bleibt die Kurve flach, und reiner Rückstoß erklärt diesen flachen Teil gerade nicht — entscheidend ist die Wellenlänge der Strahlung, also die Unterscheidbarkeit der Wege.
Probeklausur auswerten
Wenn Sie alle zehn Aufgaben bearbeitet haben, klicken Sie auf „Auswerten“. Jede Teilaufgabe wird automatisch geprüft — Sie erhalten Punktzahl, Note, die Bilanz nach Anforderungsbereichen und Themen sowie alle Lösungswege.
Ihr Ergebnis
Punkte je Anforderungsbereich
Punkte je Thema
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Aufgabenübersicht
| Aufgabe | AFB | Thema | Punkte |
|---|
Gezielt weiterarbeiten
Bei Aufgaben mit mehreren richtigen Antworten zählt jede richtige Angabe, jede falsch angekreuzte zieht wieder ab. Zahlenwerte werden mit einer Toleranz von 0,5 % geprüft.
