Spektren-Prüfstand
Schalte zwischen den drei Spektrenformen um und verstelle das Auflösungsvermögen des Detektors. Achte darauf, was sich dabei wirklich ändert — und was nur so aussieht. Bedienung mit der Maus (in die Grafik klicken oder ziehen) oder mit der Tastatur: Grafik anfokussieren, dann ←/→ für den Cursor, ↑/↓ für die Auflösung, Enter wechselt die Strahlungsart.
Der Prüfstand rechnet mit den Werten aus dem Kapitel: Alpha-Linien bei 5,30 MeV (24 %) und 5,49 MeV (76 %), Beta-Band bis 0,60 MeV, Gamma-Linien bei 0,14 MeV, 0,662 MeV und 1,17 MeV. Beachte die Energieachse — sie wechselt mit der Strahlungsart. Die angezeigte Peakhöhe ist auf die schärfste Einstellung (10 keV) bezogen; die Peakfläche, also die Zahl der registrierten Teilchen, bleibt dabei unverändert.
Aufgabenblock — AFB III
AFB III heißt: bewerten, beurteilen, verallgemeinern. Es gibt hier Aufgaben ohne Zahl als Ergebnis — verlangt ist ein Begründungssatz, ein abwägendes Urteil oder das Aufdecken einer Fehlerquelle. Formuliere zuerst deine eigene Antwort, öffne danach den Erwartungshorizont: das Aufklappen zählt als bearbeitet.
Ein Präparat liefert im Halbleiterdetektor scharfe Linien, wenn man die \(\alpha\)-Teilchen registriert, aber ein lückenloses Band von nahezu null bis \(W_{\max}\), wenn man die Elektronen des \(\beta^-\)-Zerfalls misst — obwohl bei jedem einzelnen Zerfall dieselbe Energie \(Q\) frei wird.
a) Begründe in vier bis fünf Sätzen, warum die beiden Spektren verschieden aussehen müssen. Führe die Begründung auf die Zahl der beteiligten Teilchen zurück, nicht auf das Messgerät.
b) Im Band gilt \(W_{\max}=0{,}60\;\mathrm{MeV}\). Ein Elektron wird mit \(W_{\mathrm e}=0{,}25\;\mathrm{MeV}\) registriert. Welche Energie trägt das Neutrino?
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a) Beim \(\alpha\)-Zerfall entstehen genau zwei Teilchen: der Tochterkern und das \(\alpha\)-Teilchen. Energie- und Impulserhaltung legen dann fest, wie sich die frei werdende Energie \(Q\) auf beide verteilt — es gibt nur eine einzige Möglichkeit. Jede \(\alpha\)-Gruppe ist deshalb monoenergetisch und erscheint als scharfe Linie. Beim \(\beta^-\)-Zerfall entsteht zusätzlich ein Antineutrino; es ist ein Dreikörperzerfall. Für Elektron und Neutrino gilt zwar in jedem einzelnen Zerfall \(W_{\mathrm e}+W_\nu=W_{\max}=Q\), die Aufteilung ist aber beliebig. Über viele Zerfälle treten daher alle Elektronenenergien von nahezu 0 bis \(W_{\max}\) auf: ein lückenloses Band.
Wichtig: Es geht beim \(\beta\)-Zerfall keine Energie verloren. Das scheinbar fehlende Stück steckt im Neutrino, das praktisch nicht wechselwirkt und deshalb unbemerkt entweicht. Historisch war genau das der Grund für Paulis Neutrino-Vorschlag von 1930 — er rettete die Energieerhaltung, nachgewiesen wurde das Teilchen erst 1956.
b) \(W_\nu=W_{\max}-W_{\mathrm e}=0{,}60\;\mathrm{MeV}-0{,}25\;\mathrm{MeV}=\mathbf{0{,}35\;MeV}\). Das Neutrino trägt hier sogar mehr als das Elektron.
Typischer Fehler: \(W_{\max}\) als mittlere Energie der Elektronen zu lesen. \(W_{\max}\) ist die obere Grenze; das Bandmaximum liegt deutlich weiter links, und \(W_{\max}\) erreicht nur, wer dem Neutrino fast nichts übrig lässt.
In einem Praktikumsprotokoll steht: „\(\alpha\)-Strahlung wird schon von einem Blatt Papier vollständig gestoppt und kommt in Luft nur wenige Zentimeter weit. Sie ist deshalb die ungefährlichste der drei Strahlungsarten.“
a) Beurteile diese Aussage. Nenne die Bedingung, unter der sie zutrifft, und die Bedingung, unter der sie grob falsch ist.
b) Welche Bewertung trifft die Sache am besten?
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Zutreffender Kern: Die physikalischen Angaben stimmen. \(\alpha\)-Teilchen tragen die Ladung \(+2e\), sind rund 7000-mal schwerer als ein Elektron und langsam. Sie erzeugen sehr viele Ionenpaare je Zentimeter, verlieren ihre Energie dadurch sehr schnell und haben in Luft nur wenige Zentimeter Reichweite; ein Blatt Papier oder die Hautoberfläche stoppt sie vollständig.
Der Fehler liegt im Schluss: Aus kleiner Reichweite folgt nicht kleine Gefahr. Ionisierungsvermögen und Reichweite sind gegenläufig: Gerade weil \(\alpha\)-Teilchen so stark ionisieren, ist ihre Reichweite klein. Gelangt der Strahler durch Einatmen von Staub oder über die Nahrung in den Körper, gibt es keine schützende Hautschicht mehr — die gesamte Energie wird auf wenigen Zellschichten deponiert. Auf der Gefährdungsskala des Kapitels steht der eingeatmete Staub eines \(\alpha\)-Strahlers deshalb auf der höchsten Stufe, ein verschlossenes \(\alpha\)-Präparat in der Bleikassette im Nebenraum auf der niedrigsten. Derselbe Strahlertyp besetzt beide Enden der Skala.
Urteil: Die Aussage ist als allgemeine Regel nicht haltbar. Richtig formuliert lautet die Faustregel des Strahlenschutzes: Außerhalb des Körpers ist \(\gamma\) das Problem, innerhalb des Körpers \(\alpha\). Eine physikalische Aussage muss ihren Gültigkeitsbereich mitnennen.
Anschlussfehler aus derselben Familie: „Stark abschirmbar heißt vollständig abschirmbar.“ \(\gamma\)-Strahlung folgt \(I(d)=I_0\cdot e^{-\mu d}\) und wird für keine endliche Dicke exakt null — „abgeschirmt“ heißt im Strahlenschutz stets „unter einem festgelegten Grenzwert“, nie „null“.
Eine um den Nulleffekt korrigierte Zählrate wurde alle 100 s gemessen. Für die Auswertung wird \(\ln(n\cdot\mathrm{s})\) gegen \(t\) aufgetragen.
| \(t\) in s | 0 | 100 | 200 | 300 | 400 | 500 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| \(n\) in 1/s | 800 | 566 | 400 | 283 | 200 | 141 |
| \(\ln(n\cdot\mathrm{s})\) | 6,68 | 6,34 | 5,99 | 5,65 | 5,30 | 4,95 |
a) Bestimme aus zwei möglichst weit auseinanderliegenden Punkten die Steigung und daraus \(\lambda\) und \(T_{1/2}\).
b) Beurteile die Güte dieser Auswertung: Woran erkennst du, dass der exponentielle Ansatz zu den Daten passt? Welche Kontrollrechnung sichert dein Ergebnis ab? Warum nimmt man nicht zwei benachbarte Punkte?
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a) \(m=\dfrac{4{,}95-6{,}68}{500\;\mathrm{s}-0\;\mathrm{s}}=\dfrac{-1{,}73}{500\;\mathrm{s}}=-3{,}5\cdot10^{-3}\;\mathrm{s^{-1}}\) ⇒ \(\lambda=3{,}5\cdot10^{-3}\;\mathrm{s^{-1}}\) ⇒ \(T_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{\lambda}=\dfrac{0{,}693}{3{,}5\cdot10^{-3}\;\mathrm{s^{-1}}}\approx 2{,}0\cdot10^{2}\;\mathrm{s}\).
b) Nachweis, dass der Ansatz passt: Die Differenzen der Logarithmen für jeweils \(\Delta t=100\;\mathrm{s}\) lauten −0,34; −0,35; −0,34; −0,35; −0,35. Sie sind im Rahmen der Rundung konstant. Konstante Differenzen von \(\ln n\) bedeuten: \(\ln n\) ist linear in \(t\), die halblogarithmische Auftragung ergibt eine Gerade — und genau das ist das Kennzeichen eines exponentiellen Verlaufs. In gleichen Zeitschritten wird mit demselben Faktor multipliziert (\(e^{-0{,}347}\approx0{,}71\) je 100 s), nicht derselbe Betrag abgezogen.
Kontrollrechnung: Die Rate fällt von 800 1/s auf 400 1/s zwischen \(t=0\) und \(t=200\;\mathrm{s}\) — genau eine Halbierung in 200 s. Das bestätigt \(T_{1/2}\approx200\;\mathrm{s}\) unabhängig von der Steigungsrechnung. Eine zweite Ablesung an anderer Stelle (400 → 200 zwischen 200 s und 400 s) liefert denselben Wert; dass jede Ablesestelle dasselbe \(T_{1/2}\) ergibt, ist die Kern-Eigenschaft der Zerfallsfunktion.
Warum weit auseinanderliegende Punkte: Jeder abgelesene Wert trägt eine Unsicherheit. Bei zwei benachbarten Punkten ist die Differenz \(\Delta(\ln n)\approx0{,}35\) klein, die Ablesefehler wirken sich also stark aus. Über die volle Messstrecke ist \(\Delta(\ln n)=1{,}73\) — derselbe absolute Ablesefehler fällt fünfmal weniger ins Gewicht. Grenze der Auswertung: Sie ist nur so gut wie die Voraussetzung, dass genau ein Nuklid und ein sauber abgezogener Nulleffekt vorliegen (vergleiche A10).
Mit festem Präparat wurde die Zählrohrcharakteristik aufgenommen (je 60 s, bereits um den Nulleffekt korrigiert):
| \(U\) in V | 280 | 320 | 360 | 400 | 440 | 480 | 520 | 560 | 600 | 640 | 680 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| \(n\) in 1/s | 0 | 4 | 96 | 148 | 151 | 154 | 156 | 158 | 161 | 205 | 470 |
a) Welche Betriebsspannung wählst du? Und um wie viele Impulse pro Sekunde steigt die Rate zwischen 400 V und 600 V insgesamt an?
b) Begründe, warum genau die Plateaumitte der richtige Betriebsbereich ist — und warum der Vorschlag „einfach ganz aufdrehen, dann zählt das Rohr mehr“ physikalisch unhaltbar ist.
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a) Plateaumitte: \(U_{\mathrm B}\approx500\;\mathrm V\). Über die 200 V von 400 V bis 600 V steigt die Rate nur von 148 1/s auf 161 1/s, also um 13 1/s (rund 9 %).
b) Begründung: Das Plateau ist kein „Bestwert“, sondern ein Sicherheitsbereich. Dort ändert sich die Zählrate bei Spannungsschwankungen kaum — die Messung wird also stabil und reproduzierbar, und es gilt die Zählbedingung ein Teilchen = ein Impuls. In der Mitte des Plateaus hat man nach beiden Seiten Puffer: Rutscht die Spannung nach unten, droht der Bereich unter der Einsatzspannung \(U_{\mathrm E}\approx350\;\mathrm V\), wo das Feld für Lawinen zu schwach ist und die Rate auf nahezu null einbricht. Am oberen Rand ist der Puffer weg.
Zum Vorschlag „aufdrehen“: Er ist abzulehnen. Bei 680 V liegt das Rohr im Dauerentladungsbereich: Die 470 1/s stammen nicht von einzelnen Teilchen, sondern von einer selbstständigen Entladung, die auch ohne Präparat weiterläuft. Die Werte sind damit keine gültigen Messwerte mehr, und das Rohr kann Schaden nehmen. Höhere Spannung macht das Rohr also nicht empfindlicher.
Was man stattdessen tut, wenn die Rate zu klein ist: im Plateau bleiben und die Impulszahl erhöhen — länger messen (etwa 30 min statt 60 s), die Probe näher ans Fenster bringen oder mehr Material verwenden, den Nulleffekt unter gleichen Bedingungen lange messen und abziehen, und ihn durch eine Bleiabschirmung senken.
Merke: Einsatzspannung, Plateau und Dauerentladung betreffen das Einstellen des Geräts; Totzeit und Nulleffekt betreffen das Korrigieren der Messung (siehe A7). Beides nicht vermischen.
Ein Präparat sendet \(\alpha\)-Teilchen mit den eng benachbarten Energien 5,30 MeV und 5,49 MeV aus. Zur Auswahl stehen ein Geiger-Müller-Zählrohr (Zählgas Argon, \(W_{\text{Paar}}\approx30\;\mathrm{eV}\)) und ein Halbleiterdetektor (Silizium, \(W_{\text{Paar}}\approx3{,}6\;\mathrm{eV}\)).
a) Für \(W=1{,}0\;\mathrm{MeV}\) entstehen im Zählgas \(3{,}3\cdot10^{4}\), im Silizium \(2{,}8\cdot10^{5}\) Ladungsträger. Berechne mit \(\Delta N/N=1/\sqrt N\) die relative Schwankung.
b) Entscheide begründet: Welches Gerät kann die beiden Linien trennen — und was ist der entscheidende Grund?
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a) Zählgas: \(\Delta N/N=1/\sqrt{3{,}3\cdot10^{4}}=1/182\approx5{,}5\cdot10^{-3}=\mathbf{0{,}55\;\%}\). Silizium: \(1/\sqrt{2{,}8\cdot10^{5}}=1/527\approx1{,}9\cdot10^{-3}=\mathbf{0{,}19\;\%}\). Weil Silizium nur 3,6 eV statt 30 eV je Paar braucht, entstehen rund 8,3-mal so viele Träger; die relative Schwankung wird um \(\sqrt{8{,}3}\approx2{,}9\), also etwa den Faktor 3 kleiner — die Peaks sind rund dreimal schmaler.
Warum die Schwankung die Peakbreite erzeugt: Die Impulshöhe ist proportional zur Trägerzahl \(N\), und \(N\) streut von Ereignis zu Ereignis wie \(N\pm\sqrt N\). Eine scharfe Energie erscheint deshalb als Peak endlicher Breite. Mehr Träger heißt kleinere relative Streuung heißt schmalerer Peak — genau das nennt man besseres Auflösungsvermögen.
b) Entscheidung: der Halbleiterdetektor. Der entscheidende Grund ist nicht die Statistik, sondern das Messprinzip: Das Zählrohr arbeitet im Plateau als Alles-oder-nichts-Gerät — jede Lawine ist gleich groß, ob ein \(\alpha\)- oder ein \(\beta\)-Teilchen gestartet hat. Der Einzelimpuls enthält gar keine Energieinformation, es entstehen überhaupt keine Peaks. Der Halbleiterdetektor verzichtet bewusst auf eine Verstärkung im Detektor: Die Zahl der Elektron-Loch-Paare ist \(N=W/W_{\text{Paar}}\), die gesammelte Ladung \(Q=N\cdot e\) und damit die Impulshöhe proportional zur Energie.
Einwand „dann messen wir eben länger“ — zurückzuweisen: Eine längere Messzeit verbessert nur die Zählstatistik: Die Peaks werden höher, ihre Flächen genauer bestimmt. Die Breite eines Peaks entsteht dagegen aus der Schwankung eines einzelnen Impulses und hängt nur von \(N\) und vom Material ab — sie schrumpft durch Messdauer nicht. Beim Zählrohr gibt es ohnehin keine Peaks, die schmaler werden könnten.
Falsche Begründungen, die häufig genannt werden: „mehr Teilchen pro Sekunde zählbar“ und „dünneres Eintrittsfenster“ — beides betrifft die Rate bzw. die Nachweiswahrscheinlichkeit, nicht die Auflösung. „Die Lawine verstärkt im Halbleiter“ — die Lawine ist gerade der Grund, warum das Zählrohr keine Energie messen kann.
Ein kalibriertes \(\alpha\)-Spektrum eines einzigen Präparats zeigt zwei scharfe Linien: bei 5,30 MeV (Fläche 2400) und bei 5,49 MeV (Fläche 7600).
a) Deute den Befund mit Hilfe der Kernniveaus des Tochterkerns: Welche Linie gehört zu welchem Zustand, und warum sind beide trotzdem scharf?
b) Welche \(\gamma\)-Energie muss eine zusätzliche Messung dann zeigen? Und wie häufig ist der 5,49-MeV-Übergang?
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a) Beide Linien stammen von demselben Nuklid. Die Linie bei 5,49 MeV gehört zu den Zerfällen, bei denen der Tochterkern im Grundzustand entsteht — das \(\alpha\)-Teilchen erhält dann die gesamte frei werdende Energie, das ist die höchstmögliche \(\alpha\)-Energie. Bei 5,30 MeV entsteht der Tochterkern in einem angeregten Zustand; die Anregungsenergie fehlt dem \(\alpha\)-Teilchen und wird kurz darauf als \(\gamma\)-Quant abgestrahlt.
Beide Linien sind scharf, weil es sich um Zweikörperzerfälle handelt: Energie- und Impulserhaltung legen die Aufteilung zwischen Tochterkern und \(\alpha\)-Teilchen für jeden der beiden Übergänge eindeutig fest.
b) \(W_\gamma=5{,}49\;\mathrm{MeV}-5{,}30\;\mathrm{MeV}=0{,}19\;\mathrm{MeV}=\mathbf{190\;keV}\). Der erste angeregte Zustand liegt also 190 keV über dem Grundzustand, und eine \(\gamma\)-Messung müsste genau diese Linie zeigen — das ist die Vorhersage, an der sich die Deutung prüfen lässt. Häufigkeit: \(\sum A=2400+7600=10\,000\), also \(h_{\text{rel}}(5{,}49\;\mathrm{MeV})=7600/10\,000=\mathbf{76\;\%}\) gegenüber 24 % für die 5,30-MeV-Linie.
Warum Fläche und nicht Höhe: Die Fläche ist die Gesamtzahl der Impulse und bleibt gleich, wenn sich die Energieauflösung verschlechtert — der Peak wird dann nur breiter und niedriger. Die Höhe hängt dagegen vom Detektor ab.
Zurückzuweisen: „Die Peaks haben eine Breite, also haben \(\alpha\)-Teilchen keine feste Energie.“ Das verwechselt Messgerät und Strahlung. Die Breite entsteht im Detektor (\(N\pm\sqrt N\) Ladungsträger). Prüfbar ist das direkt: Ein besserer Detektor liefert schmalere Peaks an denselben Stellen. Zutreffend ist nur, dass ein Einzelimpuls die Energie mit einer Unsicherheit liefert. Ebenfalls falsch: die Linienenergien zu addieren — jedes Teilchen gehört zu genau einer Gruppe.
Dasselbe Zählrohr, Betriebsspannung 500 V, Totzeit \(\tau=120\;\mathrm{\mu s}\) laut Datenblatt.
| Messung | Situation | Impulse | Dauer |
|---|---|---|---|
| N | kein Präparat | 254 | 600 s |
| A | starkes Präparat, 2 cm vor dem Fenster | 150 000 | 60 s |
| B | schwache Bodenprobe, 2 cm vor dem Fenster | 96 | 60 s |
a) Die Raten betragen \(n_0=0{,}42\;\mathrm{1/s}\), \(n_{\mathrm A}=2500\;\mathrm{1/s}\) und \(n_{\mathrm B}=1{,}6\;\mathrm{1/s}\). Bestimme den Totzeitanteil \(n\cdot\tau\) bei A und die nulleffektkorrigierte Nettorate bei B.
b) Welche Korrektur ist wo unverzichtbar?
c) Diskutiere zusätzlich, wie verlässlich die 96 Impulse der Messung B überhaupt sind, und was man am Aufbau ändern sollte.
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a) \(n_{\mathrm A}\cdot\tau=2500\;\mathrm{1/s}\cdot120\cdot10^{-6}\;\mathrm{s}=\mathbf{0{,}30}\): Das Rohr ist 30 % der Zeit blind. Mit \(n_{\text{wahr}}=n/(1-n\tau)=2500/0{,}70\approx3{,}6\cdot10^{3}\;\mathrm{1/s}\) liegt die wahre Rate rund 43 % über der gemessenen. Nettorate B: \(1{,}6\;\mathrm{1/s}-0{,}42\;\mathrm{1/s}=\mathbf{1{,}18\;1/s}\).
b) Urteil: Bei A ist die Totzeitkorrektur unverzichtbar, der Nulleffekt dagegen mit \(0{,}42/2500\approx0{,}02\;\%\) völlig vernachlässigbar. Bei B ist der Nulleffektabzug unverzichtbar — er macht \(0{,}42/1{,}6\approx26\;\%\) der Anzeige aus; die Totzeit ist mit \(n_{\mathrm B}\tau=1{,}9\cdot10^{-4}\) bedeutungslos. Die Korrekturen wirken außerdem in entgegengesetzte Richtungen: Die Totzeitkorrektur macht den Wert größer (das Rohr kann Teilchen nur verlieren, nicht erfinden), der Nulleffektabzug macht ihn kleiner.
c) Statistische Schwankung: Messung B beruht auf nur 96 registrierten Impulsen. Die Zahl der Zerfälle ist ein Zufallsprozess, sie streut wie \(\Delta N\approx\sqrt N\): \(\sqrt{96}\approx9{,}8\), also rund 10 % rein statistische Unsicherheit — und der abzuziehende Nulleffekt trägt seine eigene Unsicherheit bei. Eine Nettorate von 1,18 1/s auf drei Stellen anzugeben, wäre also scheingenau. Der Zufall verschwindet nicht, er wird nur bei großen Zahlen relativ unwichtig.
Was man ändert: nicht die Spannung erhöhen (siehe A4), sondern die Impulszahl: länger messen — 30 min statt 60 s ergeben etwa 2100 Impulse und damit gut 2 % statistische Unsicherheit; die Probe näher ans Fenster bringen oder mehr Material verwenden; den Nulleffekt unter denselben Bedingungen lange messen; eine Bleiabschirmung senkt \(n_0\) und verbessert damit gerade schwache Messungen.
Lebende Organismen tauschen Kohlenstoff mit der Atmosphäre aus und haben deshalb die spezifische Aktivität \(a_0=0{,}25\;\mathrm{Bq}\) je Gramm Kohlenstoff; mit dem Tod endet der Austausch. Für \({}^{14}\mathrm{C}\) gilt \(T_{1/2}=5730\;\mathrm{a}\). Ein Holzbalken liefert \(a=0{,}16\;\mathrm{Bq/g}\) mit einer Unsicherheit von \(\pm0{,}01\;\mathrm{Bq/g}\).
a) Bestimme das Alter des Balkens (auf hundert Jahre gerundet).
b) Ein Mammutknochen ist etwa 100 000 Jahre alt. Wie viele Halbwertszeiten sind das?
c) Ein Museum möchte außerdem einen Granitblock datieren lassen. Wie urteilst du?
d) Beurteile abschließend, mit welcher Genauigkeit das Alter des Balkens angegeben werden darf und wo die Methode grundsätzlich endet.
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a) \(a/a_0=0{,}64\); \(t=5730\;\mathrm{a}\cdot\dfrac{\ln0{,}64}{\ln0{,}5}=5730\;\mathrm{a}\cdot\dfrac{-0{,}446}{-0{,}693}\approx5730\cdot0{,}644\approx\mathbf{3{,}7\cdot10^{3}\;a}\).
d) Genauigkeit: Mit \(a=0{,}17\;\mathrm{Bq/g}\) ergäbe sich \(5730\cdot0{,}556\approx3{,}2\cdot10^{3}\;\mathrm a\), mit \(a=0{,}15\;\mathrm{Bq/g}\) dagegen \(5730\cdot0{,}737\approx4{,}2\cdot10^{3}\;\mathrm a\). Die 4 % Messunsicherheit der Aktivität schlagen also mit rund ±500 Jahren durch. Zulässig ist damit die Angabe „rund 3700 Jahre, Spanne etwa 3200 bis 4200 Jahre“. Ein Wert wie „3690 Jahre“ wäre scheingenau und damit unredlich — die Stellenzahl des Ergebnisses darf die Genauigkeit der Eingangsdaten nicht übertreffen.
b) Grenze der Methode: \(100\,000\;\mathrm a/5730\;\mathrm a\approx\mathbf{17{,}5}\) Halbwertszeiten. Dann ist \(a=0{,}25\;\mathrm{Bq/g}\cdot(\tfrac12)^{17{,}5}\approx1{,}4\cdot10^{-6}\;\mathrm{Bq/g}\). Selbst aus 1 kg Kohlenstoff blieben nur etwa \(1{,}4\cdot10^{-3}\;\mathrm{Bq}\) — weit unter dem Nulleffekt von etwa 0,4 1/s. Das Signal ist vom Untergrund nicht mehr zu trennen; die Datierung ist abzulehnen. Praktisch endet die Methode bei rund 50 000 Jahren. Beachte: Rechnerisch wird die Aktivität nie exakt null (Asymptote) — es ist die Nachweisgrenze, die die Methode begrenzt, nicht die Mathematik.
c) Granit: unanwendbar, und zwar nicht wegen zu geringer Aktivität, sondern weil die Voraussetzung der Methode fehlt: kein Kohlenstoffaustausch, kein definierter Endzeitpunkt. Eine Datierungsmethode braucht eine Halbwertszeit in der Größenordnung des zu messenden Alters — für Gestein etwa die Uran-Blei-Reihe mit \(T_{1/2}=4{,}5\cdot10^{9}\;\mathrm a\) für \({}^{238}\mathrm U\).
Ein Merksatz aus einem Schülerheft lautet: „Weil \(\alpha\)- und \(\beta^-\)-Zerfälle die Kerne immer weiter nach unten links wandern lassen, endet jede Zerfallsreihe bei Blei.“
a) Rechne für die Uran-Radium-Reihe \({}^{238}\mathrm{U}\rightarrow{}^{206}\mathrm{Pb}\) nach: Wie viele \(\alpha\)- und wie viele \(\beta^-\)-Zerfälle sind es? Beginne mit \(\Delta A\).
b) Begründe, warum es überhaupt genau vier Zerfallsreihen gibt und warum ein Kern seine Reihe niemals wechseln kann.
c) Wie beurteilst du den Merksatz?
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a) \(\Delta A=238-206=32\Rightarrow n_\alpha=32/4=\mathbf{8}\). Acht \(\alpha\)-Zerfälle allein brächten \(Z\) von 92 auf 76; da \({}^{206}\mathrm{Pb}\) aber \(Z=82\) hat, fehlen 6 Einheiten, die jeweils ein \(\beta^-\)-Zerfall liefert: \(n_{\beta^-}=\mathbf{6}\). Kontrolle der Doppelbilanz: \(92-2\cdot8+1\cdot6=82\) ✓ und \(238-4\cdot8=206\) ✓.
b) Warum genau vier Reihen: Der \(\alpha\)-Zerfall ändert \(A\) um \(-4\), der \(\beta\)-Zerfall lässt \(A\) unverändert. Damit bleibt der Rest von \(A\) bei Division durch 4 in jedem einzelnen Schritt erhalten — er ist eine Erhaltungsgröße. Es gibt nur die Reste 0, 1, 2 und 3, also genau vier Familien: \(4n\) (Thorium, \({}^{232}\mathrm{Th}\rightarrow{}^{208}\mathrm{Pb}\)), \(4n+1\) (Neptunium, \({}^{237}\mathrm{Np}\rightarrow{}^{209}\mathrm{Bi}\)), \(4n+2\) (Uran-Radium, \({}^{238}\mathrm{U}\rightarrow{}^{206}\mathrm{Pb}\)) und \(4n+3\) (Uran-Actinium, \({}^{235}\mathrm{U}\rightarrow{}^{207}\mathrm{Pb}\)). Ein Kern kann seine Restklasse deshalb nie verlassen; Start und Endnuklid haben immer denselben Rest (208 → 0, 209 → 1, 206 → 2, 207 → 3).
c) Urteil: Der Merksatz trifft einen richtigen Kern — die drei Reihen, die es in der Natur noch gibt, enden tatsächlich bei \({}^{206}\mathrm{Pb}\), \({}^{207}\mathrm{Pb}\) und \({}^{208}\mathrm{Pb}\). Als allgemeiner Satz ist er aber falsch: Die Neptunium-Reihe endet bei \({}^{209}\mathrm{Bi}\). Sie kommt in der Natur nur deshalb nicht mehr vor, weil \({}^{237}\mathrm{Np}\) mit \(T_{1/2}=2{,}1\cdot10^{6}\;\mathrm a\) gemessen am Erdalter von \(4{,}5\cdot10^{9}\;\mathrm a\) etwa 2100 Halbwertszeiten hinter sich hat — sie ist längst ausgestorben. Auch die Begründung im Zitat trägt nicht: Nicht die Wanderrichtung erzwingt das Ende, sondern das Erreichen eines stabilen Nuklids im Stabilitätsband.
Präzise Formulierung: „Die drei in der Natur noch vorkommenden Zerfallsreihen enden bei Blei.“ Physikalische Aussagen sollten ihren Gültigkeitsbereich mitnennen.
Mira nimmt eine Zerfallskurve auf, zieht den Nulleffekt ab und trägt \(\ln n\) gegen \(t\) auf. Bis etwa 200 s liegen die Punkte sauber auf einer steilen Geraden, danach ebenso sauber auf einer flacheren. In ihrem Protokoll steht:
„Ab 200 s knickt die Gerade ab. Das Zerfallsgesetz sagt aber eine einzige Gerade voraus. Die Werte ab 200 s müssen also Messfehler sein — ich streiche sie und werte nur den vorderen Teil aus.“
a) Nimm Stellung zu Miras Schluss. Woran erkennt man einen Messfehler in einer halblogarithmischen Auftragung — und passt der Befund dazu?
b) Welche Deutung ist die richtige?
c) Beschreibe, wie man die Messreihe stattdessen auswertet — und mit welcher zusätzlichen Messung du deine Deutung prüfst.
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a) Stellungnahme: Miras Beobachtung ist korrekt, ihre Schlussfolgerung nicht. Ein Messfehler ist ein Zufallseffekt und zeigt sich als Streuung um eine Gerade — einzelne Punkte liegen darüber, andere darunter, ohne System. Hier liegen die Punkte aber in beiden Abschnitten sauber auf je einer Geraden, und der Wechsel geschieht an einer bestimmten Stelle. Das ist ein systematischer Steigungswechsel und damit ein physikalischer Befund, kein Fehler. Wer die Werte streicht, wirft genau die Information weg, die die Probe interessant macht. Zusätzlich verstößt das Streichen gegen die Redlichkeit: Man verwirft Daten nicht, weil sie der erwarteten Deutung widersprechen.
b) Deutung: Die Probe enthält zwei Nuklide mit sehr verschiedenen Halbwertszeiten. Die gemessene Rate ist die Summe zweier Exponentialfunktionen. Am Anfang dominiert das kurzlebige Nuklid mit großem \(\lambda\) — daher die steile Gerade. Nach einigen seiner Halbwertszeiten ist es praktisch verschwunden; übrig bleibt die flachere Gerade des langlebigen Nuklids. Die Summe zweier Exponentialfunktionen ist selbst keine Exponentialfunktion — deshalb ist eine einzige Gerade hier gar nicht zu erwarten.
c) Richtige Auswertung: (1) \(\lambda\) des langlebigen Nuklids aus der Steigung des flachen Teilstücks bestimmen, dort möglichst weit auseinanderliegende Punkte wählen. (2) Diese Gerade nach \(t=0\) zurück-extrapolieren und ihre Werte von den gemessenen Raten abziehen. (3) Die Differenzen erneut halblogarithmisch auftragen — sie ergeben die Gerade des kurzlebigen Anteils und liefern dessen Halbwertszeit. Prüfung: die Messung deutlich länger fortsetzen. Bleibt der hintere Teil eine Gerade mit unveränderter Steigung, ist die Zwei-Nuklid-Deutung bestätigt; ein Messfehler oder ein vergessener Untergrundbeitrag würde die Gerade dagegen erneut verbiegen. Ergänzend: Nulleffekt lange und unter denselben Bedingungen nachmessen — ein falsch abgezogener konstanter Untergrund biegt die Kurve am unteren Ende ebenfalls ab.
Die Wendung zum Mitnehmen: Die „störenden“ Messwerte waren die wertvollsten der ganzen Reihe. Ob eine Abweichung ein Fehler oder ein Befund ist, entscheidet nicht ihre Größe, sondern ihr Muster.
Reflexion — worauf es in AFB III ankommt
In der Klausur bringt der Operator die Punkte, nicht die Zahl. Du hast in diesem Block geübt:
- Begründen — eine Beobachtung auf die Gesetzmäßigkeit zurückführen: Linienspektrum und Band folgen aus der Teilchenzahl im Zerfall, nicht aus dem Messgerät (A1, A6).
- Beurteilen — ein Urteil nach fachlichen Kriterien fällen und den Gültigkeitsbereich mitnennen: Reichweite ist kein Maß für Gefährdung, Nachweisgrenzen begrenzen Methoden (A2, A8).
- Messdaten kritisch prüfen — Linearisierung, Kontrollrechnung, weit auseinanderliegende Ablesepunkte, und die Frage, ob eine Abweichung streut oder systematisch ist (A3, A10).
- Fehlerquellen trennen — Gerät einstellen (Einsatzspannung, Plateau, Dauerentladung) gegen Messung korrigieren (Totzeit, Nulleffekt, statistische Schwankung) (A4, A7).
- Verfahren begründet auswählen — nicht das aufwendigere, sondern das prinzipiell geeignete Gerät (A5).
- Verallgemeinern — aus den Verschiebungssätzen folgt eine Erhaltungsgröße und damit genau vier Zerfallsreihen (A9).
Schreibe in der Klausur bei jedem Urteil beide Teile auf: Was ist am Zitat richtig und wo genau bricht es zusammen. Ein Urteil ohne Begründung zählt nicht, eine Begründung ohne Urteil ebenso wenig.
