Werkzeug — der Zerfalls-Prüfstand
Das Zerfallsgesetz für sechs reale Nuklide: Der Prüfstand zeigt Restanteil, Aktivität und Zerfallskonstante — die vier Größen aus \(A(t)=A_0\cdot\left(\tfrac12\right)^{t/T_{1/2}}\) und \(\lambda=\tfrac{\ln 2}{T_{1/2}}\).
Bei genau 4 Halbwertszeiten liegt der Restanteil bei 6,25 % — nicht bei 0 %. Nach 10 Halbwertszeiten sind es noch rund 0,1 %.
Aufgabenblock — AFB II
Zehn Aufgaben aus allen neun Unterkapiteln. Jede verlangt mehrere Schritte: bekannte Verfahren auf eine neue Situation anwenden, zwischen Tabelle, Diagramm und Formel wechseln und das Ergebnis begründen. Bei Schwierigkeiten helfen dir die gestuften Tipps.
Rechts siehst du einen Ausschnitt der Nuklidkarte: waagerecht die Neutronenzahl \(N\), senkrecht die Protonenzahl \(Z\). Eingezeichnet sind die sechs ersten Glieder der Uran-Radium-Reihe. Die Farbe verrät die dominante Zerfallsart (gelb \(=\alpha\), blau \(=\beta^-\)).
a) Bringe die sechs Nuklide in die richtige Zerfallsreihenfolge — klicke sie nacheinander an, beginnend beim Mutternuklid \({}^{238}_{\ 92}\mathrm{U}\).
b) Werte die Kette aus — zuerst über die Massenzahl, danach über die Kernladungszahl.
Vollständige Lösung
Begründung — warum nach zwei \(\beta^-\)-Schritten wieder Uran dasteht
Im Praktikum wird alle 75 s die Zählrate \(n\) eines Präparats gemessen. Die Werte sind bereits um den Nulleffekt korrigiert und gerundet:
| \(t\) in s | 0 | 75 | 150 | 225 | 300 | 375 | 450 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| \(n\) in 1/s | 480 | 340 | 240 | 170 | 120 | 85 | 60 |
a) Bestimme die Halbwertszeit aus der Tabelle. b) Berechne, welche Zählrate nach \(t = 900\,\mathrm{s}\) zu erwarten ist. c) Gib die Zerfallskonstante an — trage den Zahlenwert in \(10^{-3}\,\mathrm{s^{-1}}\) ein.
Vollständige Lösung
b) \(900\,\mathrm{s} : 150\,\mathrm{s} = 6\) Halbwertszeiten, also \(n = 480\cdot\left(\tfrac12\right)^6 = \dfrac{480}{64} = 7{,}5\ \tfrac{1}{\mathrm{s}}\) — das sind noch rund 1,6 % der Anfangsrate.
c) \(\lambda = \dfrac{\ln 2}{T_{1/2}} = \dfrac{0{,}693}{150\,\mathrm{s}} = 4{,}62\cdot 10^{-3}\,\mathrm{s^{-1}}\).
Begründung — „Nach 6 Halbwertszeiten ist alles zerfallen"?
Für eine Skelett-Szintigrafie wird \({}^{99\mathrm{m}}\mathrm{Tc}\) gespritzt: \(T_{1/2} = 6{,}0\,\mathrm{h}\), Aktivität bei der Injektion \(A_0 = 600\,\mathrm{MBq}\). Es ist ein reiner \(\gamma\)-Strahler (140 keV), die Kamera steht außerhalb des Körpers.
a) Berechne die Zerfallskonstante in \(\mathrm{s^{-1}}\) — trage den Zahlenwert in \(10^{-5}\,\mathrm{s^{-1}}\) ein. b) Welche Aktivität hat das Präparat 24 h nach der Injektion? c) Wie viele \({}^{99\mathrm{m}}\mathrm{Tc}\)-Kerne wurden gespritzt? Trage den Zahlenwert in \(10^{13}\) Kernen ein.
Vollständige Lösung
b) \(n = 24\,\mathrm{h} : 6{,}0\,\mathrm{h} = 4\), also \(A = 600\,\mathrm{MBq}\cdot\left(\tfrac12\right)^4 = 600\,\mathrm{MBq}/16 = 37{,}5\,\mathrm{MBq}\) — ganz ohne Taschenrechner.
c) \(A_0 = \lambda\cdot N_0 \Rightarrow N_0 = \dfrac{A_0}{\lambda} = \dfrac{6{,}00\cdot 10^{8}\,\mathrm{Bq}}{3{,}2\cdot 10^{-5}\,\mathrm{s^{-1}}} \approx 1{,}9\cdot 10^{13}\) Kerne.
Begründung — warum ausgerechnet sechs Stunden gut passen
Eine Messreihe wurde halblogarithmisch aufgetragen: senkrecht \(\ln N\), waagerecht die Zeit \(t\) in Jahren. Die Messpunkte liegen auf einer fallenden Geraden. Abgelesen werden zwei weit auseinanderliegende Punkte: \(\ln N = 13{,}0\) bei \(t = 0\) und \(\ln N = 9{,}0\) bei \(t = 20\,\mathrm{a}\).
a) Berechne den Betrag der Steigung — er ist die Zerfallskonstante \(\lambda\). b) Bestimme daraus die Halbwertszeit.
Vollständige Lösung
Begründung — warum \(1/\lambda = 5{,}0\,\mathrm{a}\) hier die falsche Antwort ist
Ein Geiger-Müller-Zählrohr registriert mit Präparat 5040 Impulse in 4 min. Anschließend wird das Präparat entfernt und ohne Quelle weitergemessen: 120 Impulse in 5 min.
a) Berechne die gemessene Bruttorate. b) Berechne den Nulleffekt. c) Gib die Nettozählrate des Präparats an.
Vollständige Lösung
Begründung — wann der Nulleffekt wichtig wird und wann die Totzeit
Ein festes Präparat liegt in konstantem Abstand vor dem Zählrohr. Die Spannung \(U\) wird schrittweise erhöht, je 60 s gemessen, die Werte sind bereits nulleffektkorrigiert:
| \(U\) in V | 280 | 320 | 360 | 400 | 440 | 480 | 520 | 560 | 600 | 640 | 680 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| \(n\) in 1/s | 0 | 4 | 96 | 148 | 151 | 154 | 156 | 158 | 161 | 205 | 470 |
a) Ordne jeder Spannung den Bereich der Kennlinie zu, in dem sie liegt.
b) Gib die sinnvolle Betriebsspannung an. c) Berechne, um wie viel Prozent die Zählrate von 400 V bis 600 V ansteigt (auf ganze Prozent gerundet).
Vollständige Lösung
Begründung — warum nicht einfach „mehr Spannung, mehr Anzeige"
Ein Vielkanalanalysator sortiert die Impulse eines Halbleiterdetektors nach ihrer Höhe in Kanäle. Zwei bekannte \(\alpha\)-Linien dienen als Eichmarken: Kanal 120 \(\leftrightarrow\) 4,20 MeV und Kanal 480 \(\leftrightarrow\) 6,00 MeV. Für die Kalibriergerade gilt \(W = m\cdot K + b\).
a) Berechne die Steigung — trage sie in keV je Kanal ein. b) Berechne den Achsenabschnitt \(b\). c) Welche Energie gehört zu Kanal 340? d) In welchem Kanal liegt eine Linie mit 5,49 MeV?
Vollständige Lösung
b) \(b = 4{,}20\,\mathrm{MeV} - 0{,}0050\,\dfrac{\mathrm{MeV}}{\text{Kanal}}\cdot 120 = 4{,}20 - 0{,}60 = 3{,}60\,\mathrm{MeV}\). Kontrolle mit der zweiten Marke: \(0{,}0050\cdot 480 + 3{,}60 = 6{,}00\ \checkmark\).
c) \(W(340) = 0{,}0050\cdot 340 + 3{,}60 = 1{,}70 + 3{,}60 = 5{,}30\,\mathrm{MeV}\).
d) \(K = \dfrac{5{,}49 - 3{,}60}{0{,}0050} = \dfrac{1{,}89}{0{,}0050} = 378\).
Jedes Nuklid sendet \(\alpha\)-Teilchen mit festen Energien aus — die Peaklagen sind sein Fingerabdruck. a) Ordne den gemessenen Linien zu, wozu sie gehören. Achte dabei zuerst auf die Form, dann auf die Energieskala.
Das Spektrum rechts stammt von einem Präparat: Peak P1 bei 5,30 MeV (Fläche 2400), Peak P2 bei 5,49 MeV (Fläche 7600).
b) Berechne die Energie des \(\gamma\)-Quants, das den Höhenunterschied der beiden Kernzustände abtransportiert (in keV). c) Berechne die relative Häufigkeit des 5,30-MeV-Übergangs.
Vollständige Lösung
b) Beide \(\alpha\)-Gruppen stammen vom selben Zerfall: bei 5,49 MeV entsteht der Tochterkern im Grundzustand (das \(\alpha\) bekommt die gesamte frei werdende Energie), bei 5,30 MeV bleibt der Tochterkern angeregt zurück. Die Differenz \(W_\gamma = 5{,}49 - 5{,}30 = 0{,}19\,\mathrm{MeV} = 190\,\mathrm{keV}\) wird als \(\gamma\)-Quant abgestrahlt — der erste angeregte Zustand liegt also 190 keV über dem Grundzustand.
c) \(\sum A = 2400 + 7600 = 10\,000\); \(h_\mathrm{rel}(\mathrm{P1}) = 2400/10\,000 = 24\ \%\), \(h_\mathrm{rel}(\mathrm{P2}) = 76\ \%\). Der 5,49-MeV-Übergang ist gut dreimal so häufig.
Begründung — warum die Fläche zählt und nicht die Höhe
Zwei Energie-Häufigkeits-Diagramme liegen vor. a) Ordne jedes Merkmal der Strahlungsart zu, zu der es gehört.
b) Ein \(\beta\)-Band endet bei \(W_{\max} = 0{,}60\,\mathrm{MeV}\); gemessen wird ein Elektron mit 0,25 MeV. Welche Energie trägt das Neutrino? c) Für ein anderes Nuklid gilt \(W_{\max} = 1{,}44\,\mathrm{MeV}\), das Elektron hat 0,52 MeV. Wie viel bleibt für das Neutrino?
Vollständige Lösung
b) \(W_\nu = W_{\max} - W_\mathrm{e} = 0{,}60 - 0{,}25 = 0{,}35\,\mathrm{MeV}\) — das unsichtbare Neutrino trägt hier mehr als das gemessene Elektron.
c) \(W_\nu = 1{,}44 - 0{,}52 = 0{,}92\,\mathrm{MeV}\).
Begründung — warum das \(\beta\)-Spektrum überhaupt ein Band ist
Ein unbekanntes Präparat wird untersucht. Abstand und Messdauer bleiben konstant, die Abschirmungen werden nacheinander hinzugefügt — von der schwächsten zur stärksten:
| Abschirmung | nichts | Blatt Papier | + 2 mm Alu | + 4 cm Blei | kein Präparat |
|---|---|---|---|---|---|
| \(n\) in 1/s | 1240 | 430 | 96 | 12 | 0,4 |
a) Wie groß ist der \(\alpha\)-Anteil der Zählrate? b) Wie groß ist der \(\beta\)-Anteil? c) Das Wievielfache des Nulleffekts misst man noch hinter dem Blei?
d) Dasselbe Blei hat für diese \(\gamma\)-Strahlung die Halbwertsdicke \(d_{1/2} = 12\,\mathrm{mm}\). Welche Rate bliebe von \(I_0 = 800\ \tfrac{1}{\mathrm{s}}\) hinter 36 mm Blei übrig?
Vollständige Lösung
b) Die zusätzlichen 2 mm Aluminium stoppen \(\beta\): \(430 - 96 = 334\ \tfrac{1}{\mathrm{s}}\).
c) Hinter dem Blei bleiben 12 1/s, der Nulleffekt beträgt 0,4 1/s: \(12 : 0{,}4 = 30\). Die Restrate ist also das 30-Fache des Nulleffekts — klar messbar und damit der eigentliche \(\gamma\)-Nachweis. Das Präparat sendet alle drei Strahlungsarten aus.
d) \(n = 36\,\mathrm{mm} : 12\,\mathrm{mm} = 3\) Halbwertsdicken, also \(I = 800\cdot\left(\tfrac12\right)^3 = 800/8 = 100\ \tfrac{1}{\mathrm{s}}\). Wer stattdessen durch 3 teilt, erhält 267 1/s — ein klassischer Fehler.
Begründung — warum man von schwach nach stark abschirmt
Reflexion — bevor du weitergehst
Drei Fragen zum Nachdenken — antworte für dich selbst.
- 1. Faktoren statt Differenzen:In A2, A3 und A10 ging es immer um wiederholtes Halbieren. Bei welcher Aufgabe warst du versucht, stattdessen einen festen Betrag abzuziehen oder zu dividieren — und woran hättest du den Fehler sofort erkannt?
- 2. Einheiten und Zehnerpotenzen:\(\lambda\) in \(\mathrm{s^{-1}}\) statt \(\mathrm{h^{-1}}\), keV statt MeV, Impulse statt Impulse pro Sekunde: Welche Umrechnung hat dich am meisten Zeit gekostet? Notiere dir die drei Faktoren, die du dir merken willst.
- 3. Gerät oder Strahlung?Peakbreite, Plateau, Totzeit, Nulleffekt — das sind Eigenschaften des Messgeräts. Linienlage, Bandform und Halbwertszeit gehören zur Strahlung. Bei welcher Aufgabe war diese Trennung der eigentliche Schlüssel zur Begründung?
