Die anspruchsvollste Stufe: In unbekannten Situationen zu elektrischen Feldern und Kondensatoren analysierst du, begründest und bewertest.
Hier geht es ums Begründen, Verallgemeinern und Bewerten — der anspruchsvollste Teil (Anforderungsbereich III). Es gibt selten eine Zahl als Ziel, sondern eine schlüssige Argumentation. Denk erst selbst nach und formuliere eine Antwort, bevor du die Musterlösung aufklappst. Sobald du alle Lösungen einer Aufgabe geöffnet hast, gilt sie als bearbeitet.
Ein geladener Plattenkondensator wird von der Spannungsquelle getrennt (die Ladung \(Q\) bleibt konstant). Dann zieht man die Platten auf den doppelten Abstand auseinander.
Beurteilen Sie, wie sich Feldstärke \(E\), Spannung \(U\) und gespeicherte Energie \(W\) ändern, und begründen Sie, woher eine eventuelle Energieänderung stammt.
Nun bleibt der Kondensator beim Auseinanderziehen an der Spannungsquelle (\(U\) konstant).
Vergleichen Sie mit Aufgabe 1: Was passiert jetzt mit \(C\), \(Q\), \(E\) und \(W\)?
Begründen Sie allgemein, warum sich zwei elektrische Feldlinien niemals schneiden können.
Die Feldlinienrichtung gibt an jedem Ort die Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung an — und diese ist eindeutig. An einem Schnittpunkt müsste das Feld jedoch gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen (die beiden Tangenten) zeigen. Das ist ein Widerspruch. Also kann es keinen Schnittpunkt geben. (Ausnahme: an Orten mit \(E=0\) existiert gar keine Linie.)
Erklären Sie mithilfe der Influenz, warum das Innere eines geschlossenen Leiters (Faraday-Käfig) im statischen Fall feldfrei ist.
Ein äußeres Feld übt Kräfte auf die frei beweglichen Elektronen im Leiter aus und verschiebt sie (Influenz). Dadurch entstehen an der Oberfläche Influenzladungen, deren eigenes Feld dem äußeren Feld im Inneren entgegengerichtet ist. Die Ladungen verschieben sich genau so lange, bis sich beide Felder im Inneren exakt aufheben. Im Gleichgewicht ist daher \(E_{innen}=0\) — unabhängig von der Stärke des äußeren Feldes.
Modell: Wolkenunterseite und Erdboden bilden einen Plattenkondensator, Abstand \(d\approx1{,}0\,\mathrm{km}\). Luft schlägt bei \(E\approx3{,}0\cdot10^{6}\,\mathrm{\tfrac{V}{m}}\) durch (Blitz).
Schätzen Sie die Spannung \(U\) kurz vor dem Blitz ab (in Gigavolt, GV).
Zwei Vorschläge sollen die Kapazität verdoppeln: A verdoppelt die Plattenfläche, B halbiert den Plattenabstand.
Beurteilen Sie beide Entwürfe hinsichtlich Kapazität und Durchschlagsfestigkeit und geben Sie eine begründete Empfehlung.
Zeigen Sie allgemein, dass sich die im Kondensator gespeicherte Energie auch als \(W=\dfrac{Q^{2}}{2C}\) schreiben lässt.
Start: \(W=\tfrac12 C U^{2}\) und \(Q=C\,U\Rightarrow U=\dfrac{Q}{C}\).
Einsetzen: \(W=\tfrac12 C\left(\dfrac{Q}{C}\right)^{2}=\tfrac12\,\dfrac{Q^{2}}{C}=\dfrac{Q^{2}}{2C}\). \(\;\square\)
Nützlich: Bei konstanter Ladung (Quelle getrennt) sieht man so sofort, dass kleineres \(C\) mehr Energie bedeutet — passt zu Aufgabe 1.
Diskutieren Sie, ob ein Kondensator eine Batterie als Energiespeicher ersetzen kann. Nennen Sie je einen Vor- und Nachteil.