Zwei Metallkugeln in Kontakt
AFB IZwei gleich große Metallkugeln A und B stehen auf isolierenden Stativen und berühren einander. Ein zuvor an Kunstfell geriebener und dadurch negativ geladener Kunststoffstab wird der Kugel A genähert, ohne sie zu berühren, und dort ruhig gehalten (Material M1).
Der Stab berührt die Kugeln nicht. Beide Kugeln zusammen bilden, solange sie sich berühren, einen einzigen Leiter.
- Beschreiben Sie die Ladungsverteilung in der Anordnung, während der Stab in der gezeichneten Lage gehalten wird.
- Geben Sie an, welche Ladung Kugel A und Kugel B tragen, wenn man die Kugeln bei genähertem Stab voneinander trennt und den Stab erst danach entfernt.
- Nennen Sie die Gesamtladung der beiden Kugeln vor Versuchsbeginn und nach dem Trennen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Der negativ geladene Stab stößt die frei beweglichen Elektronen des Metalls ab. Sie wandern durch beide Kugeln hindurch bis an das vom Stab am weitesten entfernte Ende, also an die rechte Seite von Kugel B. Dort entsteht ein Elektronenüberschuss (negativ), an der linken Seite von Kugel A bleiben unkompensierte Atomrümpfe zurück (positiv). Es wurde keine Ladung zugeführt: Die Ladung wurde nur getrennt, die Gesamtladung bleibt null.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Beim Trennen wird der Weg für die Elektronen unterbrochen; die verschobene Ladung kann nicht zurückfließen. Kugel A bleibt positiv geladen, Kugel B negativ geladen. (Entfernt man den Stab dagegen vor dem Trennen, sind beide Kugeln wieder ungeladen.)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Vor Versuchsbeginn null; nach dem Trennen ebenfalls null, denn die Beträge der Ladungen von A und B sind gleich groß und ihre Vorzeichen entgegengesetzt.
Betankung eines Tankwagens
AFB IIAn einem Tanklager wird Kraftstoff durch einen Schlauch in einen Tankwagen gepumpt. Der Kraftstoff strömt dabei mit hoher Geschwindigkeit an der Schlauchwand entlang. Der Metalltank des Fahrzeugs steht auf Gummireifen. Bevor die Pumpe eingeschaltet werden darf, muss das Fahrzeug über ein Erdungskabel mit dem Erdboden verbunden werden (Material M1). Kraftstoff und Gummi stehen in der triboelektrischen Reihe weit auseinander.
Die Ladungsvorzeichen sind hier so eingezeichnet, wie sie sich bei diesem Materialpaar einstellen. Entscheidend ist: Sie sind getrennt — der Kraftstoff nimmt die eine Sorte mit, die Schlauchwand behält die andere.
- Erklären Sie mithilfe von M1, wie es beim Umpumpen des Kraftstoffs zu einer Ladungstrennung kommt.
- Erläutern Sie, warum sich der Tankwagen ohne Erdungskabel gegenüber seiner Umgebung aufladen kann, obwohl der Tank aus gut leitendem Metall besteht.
- Erklären Sie, wie das Erdungskabel diese Aufladung verhindert.
- Erläutern Sie, warum ein Tank aus Kunststoff statt aus Metall die Gefahr nicht verringern, sondern eher vergrößern würde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Kraftstoff und Schlauchwand sind verschiedene Stoffe und berühren sich beim Strömen auf sehr großer Fläche. Beim ständigen Kontakt und Ablösen werden Elektronen vom Material mit der schwächeren Bindung auf das mit der stärkeren übertragen — dasjenige, das in der triboelektrischen Reihe weiter unten steht. Der abfließende Kraftstoff nimmt die eine Ladungssorte mit in den Tank, die andere bleibt an der Schlauchwand zurück; die Ladungen sind damit räumlich getrennt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Im Metalltank verteilt sich die zugeführte Ladung zwar sofort über die gesamte Oberfläche, sie kann den Tank aber nicht verlassen: Die Gummireifen sind Isolatoren, in ihnen sind keine frei beweglichen Ladungsträger vorhanden. Das gesamte Fahrzeug wirkt daher wie ein isoliert aufgestellter Leiter, dessen Überschussladung mit jeder Minute Pumpbetrieb zunimmt — bis der Ladungsunterschied zur Umgebung so groß ist, dass die Luft an einer engen Stelle leitend wird und ein Funke überspringt.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Das Erdungskabel stellt eine leitende Verbindung zwischen Fahrzeug und Erdboden her. Die zugeführte Überschussladung fließt laufend in die praktisch unbegrenzt aufnahmefähige Erde ab, sodass sich auf dem Fahrzeug gar keine nennenswerte Überschussladung ansammeln und damit auch kein Funke entstehen kann.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Auch in einem Kunststofftank entsteht durch das Strömen dieselbe getrennte Ladung. Da Kunststoff ein Isolator ist, bleibt sie jedoch genau dort sitzen, wo sie entstanden ist, und lässt sich auch durch eine Erdung nicht ableiten. Sie verteilt sich also nicht über die ganze Oberfläche, sondern drängt sich an wenigen Stellen eng zusammen — und genau dort werden Funken besonders wahrscheinlich.
Frischhaltefolie an der Fensterscheibe
AFB IIBeim Abrollen von der Rolle lädt sich Frischhaltefolie negativ auf. Drückt man ein solches Stück Folie gegen eine trockene Glasscheibe, so haftet es dort minutenlang, ohne herunterzufallen. Die Glasscheibe ist ungeladen und ein Isolator (Material M1).
Im Glas verlässt kein einziges Elektron sein Atom — die Ladungsschwerpunkte verschieben sich nur um Bruchteile eines Atomdurchmessers gegeneinander.
- Erklären Sie mithilfe von M1, warum die Folie an der Scheibe haftet, obwohl die Scheibe insgesamt ungeladen ist.
- Vergleichen Sie den Vorgang im Glas mit der Influenz in einem Metallstück. Gehen Sie dabei auf die beteiligten Ladungsträger und auf die Reichweite ihrer Verschiebung ein.
- Begründen Sie, warum die Folie bei sehr feuchter Luft deutlich schneller abfällt als bei trockener Luft.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die negative Ladung der Folie wirkt auf jedes Atom des Glases: Der positive Kern wird zur Folie hin angezogen, die negative Elektronenhülle von ihr weggedrängt. Da Glas ein Isolator ist, können sich die Elektronen nicht vom Atom lösen; jedes Atom wird nur geringfügig verformt, bleibt aber als Ganzes ungeladen — man nennt das Polarisation. In der Summe entsteht dadurch an der der Folie zugewandten Oberfläche ein positiver, an der abgewandten ein negativer Ladungsbelag. Die positive Oberflächenladung liegt näher an der Folie als die negative; die Anziehung überwiegt daher die Abstoßung, und es bleibt eine resultierende anziehende Kraft übrig, die die Folie hält.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Gemeinsam ist beiden Vorgängen, dass sich Ladung verschiebt, ohne dass Ladung zugeführt wird; die Gesamtladung bleibt in beiden Fällen null. Im Metall sind die Leitungselektronen frei beweglich und wandern durch den gesamten Körper bis an dessen Ende (Influenz). Im Glas bleiben die Elektronen dagegen an ihre Atome gebunden und verschieben sich nur um einen Bruchteil eines Atomdurchmessers (Polarisation); der Effekt ist deshalb deutlich schwächer.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf Folie und Scheibe ein dünner, leitfähiger Wasserfilm. Über ihn fließt die Überschussladung der Folie allmählich ab; ohne Ladung auf der Folie gibt es keine Polarisation im Glas mehr und damit keine anziehende Kraft — die Folie fällt ab.
Messreihe zur Reibungselektrizität
AFB IIIn einem Schülerlabor werden sechs Probestäbe aus verschiedenen Materialien jeweils zwanzigmal mit einem Wolltuch gerieben. Anschließend wird die auf dem Stab verbliebene Ladung $Q$ mit einem Ladungsmessverstärker bestimmt. Alle Proben sind isoliert aufgestellt, die Luft im Raum ist trocken. Material M1 zeigt die Messwerte.
Positive Werte bedeuten: Der Stab ist nach dem Reiben positiv geladen. Der Reibpartner Wolle ist in allen Messungen derselbe und dient damit als gemeinsamer Bezugspunkt.
- Werten Sie das Diagramm aus, indem Sie die sechs Materialien und die Wolle zu einer triboelektrischen Reihe ordnen. Beginnen Sie mit dem Material, das seine Elektronen am leichtesten abgibt.
- Erklären Sie, welche Aussage das Vorzeichen des Messwertes über die Richtung der Elektronenübertragung zwischen Stab und Wolltuch macht.
- Ermitteln Sie mithilfe des Diagramms, welches Vorzeichen die Ladung eines PTFE-Stabes hätte, wenn er statt an Wolle an Glas gerieben würde, und schätzen Sie den Betrag dieser Ladung ab.
- Begründen Sie, warum die Proben isoliert aufgestellt werden müssen und die Messung trockene Luft erfordert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ordnung vom stärksten Elektronenabgeber zum stärksten Elektronenaufnehmer: Glas (+4,2 nC), Nylon (+2,6 nC), Papier (+0,8 nC), Wolle (0 nC, Bezugsmaterial), Hartgummi (−3,1 nC), PVC (−5,4 nC), PTFE (−6,8 nC). Die Wolle muss dabei an der Stelle 0 in die Reihe eingefügt werden, weil sie in jeder Messung der Bezugspartner war.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ein positiver Messwert bedeutet Elektronenmangel auf dem Stab: Der Stab hat beim Reiben Elektronen an die Wolle abgegeben. Ein negativer Messwert bedeutet umgekehrt Elektronenüberschuss: Der Stab hat der Wolle Elektronen entzogen. In beiden Fällen entsteht keine Ladung neu, sie wird nur zwischen den beiden Körpern verschoben.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Glas steht in der Reihe oberhalb der Wolle, PTFE unterhalb. Beim Reiben von PTFE an Glas gibt daher das Glas Elektronen ab und PTFE nimmt sie auf: Der PTFE-Stab wird negativ geladen. Der Abstand der beiden Materialien auf der Skala beträgt 4,2 nC − (−6,8 nC) = 11,0 nC. Da die übertragene Ladung mit dem Abstand in der Reihe wächst, ist ein Betrag in der Größenordnung von etwa 11 nC zu erwarten — jedenfalls deutlich mehr als die 6,8 nC beim Reiben an Wolle. (Ein Näherungswert zwischen 9 nC und 12 nC ist mit passender Begründung zu akzeptieren.)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Stünden die Proben leitend verbunden mit ihrer Umgebung, so flösse die getrennte Ladung sofort ab und der Messwert wäre viel zu klein oder null. Feuchte Luft bildet auf den Oberflächen einen leitfähigen Wasserfilm und hätte dieselbe Wirkung; die Messwerte wären dann nicht mehr vergleichbar.
Die rollende Aluminiumdose
AFB IIIEin an Wolle geriebener Luftballon wird neben eine leere, liegende Aluminiumdose gehalten, ohne sie zu berühren. Die Dose setzt sich in Bewegung und rollt auf den Ballon zu (Material M1). Zwei Lernende erklären die Beobachtung unterschiedlich:
Lena: „Die Dose rollt, weil der Ballon sie aufgeladen hat. Nach dem Versuch ist die Dose negativ geladen.“
Jonas: „Die Dose rollt, weil die Aluminiumatome polarisiert werden — das ist genau derselbe Vorgang wie beim Papierschnipsel, der am geriebenen Stab hochspringt.“
Der Abstand zwischen Ballon und Dose bleibt während des gesamten Versuchs bestehen — es gibt keinen Kontakt.
- Erklären Sie, warum sich die Dose auf den Ballon zubewegt.
- Beurteilen Sie die beiden Aussagen von Lena und Jonas. Gehen Sie dabei jeweils darauf ein, welcher Teil zutrifft und welcher nicht.
- Planen Sie ein Experiment, mit dem sich Lenas Behauptung über den Ladungszustand der Dose überprüfen lässt, und geben Sie an, welches Messergebnis ihre Behauptung widerlegen würde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Der negativ geladene Ballon stößt die frei beweglichen Elektronen im Aluminium ab; sie wandern an die vom Ballon abgewandte Seite der Dose (Influenz). Die dem Ballon zugewandte Seite bleibt dadurch positiv geladen, die abgewandte negativ. Die anziehende positive Ladung ist näher am Ballon als die abstoßende negative; die Anziehung überwiegt, und die resultierende Kraft reicht aus, um die leichte Dose in Rollbewegung zu versetzen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Lena: Richtig ist, dass Ladungen die Ursache der Bewegung sind. Falsch ist die Behauptung einer Aufladung: Ohne Berührung wird keine Ladung übertragen. Die Dose ist während des Versuchs insgesamt ungeladen — nur die Verteilung ändert sich —, und nach Entfernen des Ballons verteilen sich die Elektronen wieder gleichmäßig.
Jonas: Richtig ist sein Grundgedanke, dass Ladung nur verschoben und nicht zugeführt wird. Falsch ist der Begriff: In einem Leiter wie Aluminium wandern die Elektronen frei durch den gesamten Körper — das ist Influenz. Polarisation tritt nur in Isolatoren wie dem Papierschnipsel auf, wo die Elektronen an ihre Atome gebunden bleiben und sich nur minimal verschieben; der Effekt ist dort deutlich schwächer.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Man entfernt den Ballon weit von der Anordnung und stellt die Dose, ohne sie berührt zu haben, isoliert auf die Platte eines zuvor ungeladenen Elektroskops. Anschließend liest man den Zeigerausschlag ab. Bleibt der Zeiger dauerhaft bei null, trägt die Dose keine Überschussladung und Lenas Behauptung ist widerlegt; nur ein bleibender Ausschlag würde sie stützen.
