Tonerteilchen im Laserdrucker
AFB IIn einem Laserdrucker wird das fertige Tonerbild von der Bildtrommel auf das Papier übertragen. Dazu lädt eine Übertragungswalze die Rückseite des Papiers positiv auf. Im schmalen Spalt zwischen Papier und Bildtrommel entsteht dadurch ein annähernd homogenes elektrisches Feld (Material M1). Die Tonerteilchen auf der Trommel sind negativ geladen; ein einzelnes Teilchen trägt die Ladung \(q = 1{,}2\,\mathrm{nC}\). Am Ort der Teilchen beträgt die Feldstärke \(E = 4{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\).
Im Spalt verlaufen die Feldlinien parallel und gleich dicht vom positiv geladenen Papier zur negativ geladenen Bildtrommel — das Feld ist dort in guter Näherung homogen.
- Geben Sie die Definitionsgleichung der elektrischen Feldstärke an und benennen Sie alle darin auftretenden Größen mit ihren Einheiten.
- Berechnen Sie den Betrag der elektrischen Kraft auf ein Tonerteilchen.
- Begründen Sie mithilfe der Festlegung der Feldrichtung, in welche Richtung diese Kraft zeigt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\displaystyle E=\frac{F}{q}\). Dabei ist \(E\) die elektrische Feldstärke mit der Einheit \(\mathrm{\frac{N}{C}}\) (gleichwertig \(\mathrm{\frac{V}{m}}\)), \(F\) der Betrag der Kraft auf die Probeladung in Newton (N) und \(q\) die Probeladung in Coulomb (C).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Umrechnung: \(q=1{,}2\,\mathrm{nC}=1{,}2\cdot 10^{-9}\,\mathrm C\). Ansatz: \(F=E\cdot q=4{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\cdot 1{,}2\cdot 10^{-9}\,\mathrm C\). Ergebnis: \(F=4{,}8\cdot 10^{-4}\,\mathrm N = 0{,}48\,\mathrm{mN}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Feldlinien zeigen vom positiv geladenen Papier nach oben zur negativ geladenen Bildtrommel; die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung festgelegt. Das Tonerteilchen ist negativ geladen, die Kraft wirkt daher entgegengesetzt zur Feldrichtung — also nach unten, zum Papier hin. Genau dadurch wird der Toner auf das Papier übertragen.
Schwebendes Öltröpfchen
AFB IIZwischen zwei waagerechten Metallplatten wird ein feiner Ölnebel eingesprüht. Beim Zerstäuben nehmen die Tröpfchen elektrische Ladung auf. Ein Tröpfchen der Masse \(m = 3{,}2\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}\) bleibt im Feld zwischen den Platten bewegungslos in der Luft stehen (Material M1). Am Ort des Tröpfchens hat das Feld die Stärke \(E = 3{,}9\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Rechnen Sie mit \(g = 9{,}81\,\mathrm{\frac{N}{kg}}\); der Luftauftrieb wird vernachlässigt.
Eingezeichnet ist nur die Gewichtskraft. Welche zweite Kraft am Tröpfchen angreift und wohin sie zeigt, ist Teil der Aufgabe.
- Berechnen Sie den Betrag der Gewichtskraft des Tröpfchens.
- Berechnen Sie den Betrag der Ladung des Tröpfchens.
- Entscheiden Sie, ob das Tröpfchen positiv oder negativ geladen ist, und begründen Sie Ihre Entscheidung anhand von Material M1.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(F_\text{G}=m\cdot g\). Einsetzen: \(F_\text{G}=3{,}2\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{\frac{N}{kg}}=3{,}14\cdot 10^{-14}\,\mathrm N\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Das Tröpfchen schwebt, also gilt \(F_\text{el}=F_\text{G}=3{,}14\cdot 10^{-14}\,\mathrm N\). Umstellen der Definitionsgleichung: \(\displaystyle q=\frac{F_\text{el}}{E}\). Einsetzen: \(\displaystyle q=\frac{3{,}14\cdot 10^{-14}\,\mathrm N}{3{,}9\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}}\). Ergebnis: \(q=8{,}1\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\). (Das entspricht etwa fünf Elementarladungen — ein plausibler Wert für ein Nebeltröpfchen.)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Gewichtskraft zeigt nach unten; damit sich beide Kräfte aufheben, muss die elektrische Kraft nach oben zeigen. In M1 verlaufen die Feldlinien von der positiven oberen zur negativen unteren Platte, die Feldrichtung zeigt also nach unten. Die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung festgelegt. Da die Kraft hier entgegen der Feldrichtung wirkt, ist das Tröpfchen negativ geladen.
Grenzwert in der Chipfertigung
AFB IIIn einem Reinraum werden empfindliche Mikrochips montiert. Eine Kunststoff-Schutzfolie über dem Arbeitsplatz lädt sich beim Abziehen elektrisch auf; zusammen mit der geerdeten Arbeitsplatte entsteht darunter ein elektrisches Feld (Material M1). Für die Bauteile gilt die Werksvorschrift, dass die Feldstärke am Montageplatz den Grenzwert \(E_\text{grenz}=2{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) nicht überschreiten darf.
Zur Kontrolle bringt eine Technikerin eine Probeladung \(q=5{,}0\,\mathrm{nC}\) an einem Kraftsensor an den Montageplatz. Der Sensor zeigt die Kraft \(F=0{,}12\,\mathrm{mN}\) an. Anschließend schaltet sie einen Ionisator ein, der die Folie teilweise entlädt; die Messung mit derselben Probeladung ergibt danach \(F'=0{,}075\,\mathrm{mN}\).
Der Kraftsensor misst den Betrag der Kraft auf die angebrachte Probeladung. Die Feldlinien verlaufen von der positiv influenzierten Arbeitsplatte zur negativ geladenen Folie.
- Berechnen Sie die Feldstärke am Montageplatz vor dem Einschalten des Ionisators.
- Beurteilen Sie, ob die Werksvorschrift vor dem Einschalten des Ionisators eingehalten wird.
- Berechnen Sie die Feldstärke nach dem Einschalten des Ionisators und bewerten Sie, ob die Maßnahme ausreicht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Umrechnung: \(q=5{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C\), \(F=1{,}2\cdot 10^{-4}\,\mathrm N\). Ansatz: \(\displaystyle E=\frac{F}{q}=\frac{1{,}2\cdot 10^{-4}\,\mathrm N}{5{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E=2{,}4\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Vergleich: \(2{,}4\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}} > 2{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Die Vorschrift wird also nicht eingehalten; der Grenzwert ist um 20 % überschritten, die Montage darf so nicht beginnen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Umrechnung: \(F'=7{,}5\cdot 10^{-5}\,\mathrm N\). Ansatz und Einsetzen: \(\displaystyle E'=\frac{7{,}5\cdot 10^{-5}\,\mathrm N}{5{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E'=1{,}5\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Bewertung: Der Wert liegt deutlich unter dem Grenzwert (etwa 75 % davon bzw. rund 63 % des Ausgangswertes); die Maßnahme reicht aus, die Montage kann beginnen.
Ionentriebwerk eines Satelliten
AFB IIEin Nachrichtensatellit hält seine Bahn mit einem Ionentriebwerk. In einer Ionisationskammer werden Xenon-Atome ionisiert; zwischen zwei Gittern beschleunigt ein elektrisches Feld die Ionen nach außen und erzeugt so den Schub (Material M1).
Ein einfach positiv geladenes Xenon-Ion trägt die Ladung \(q_1 = 1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\). Zwischen den Gittern erfährt es die Kraft \(F_1 = 1{,}6\cdot 10^{-14}\,\mathrm N\). Im Betrieb entstehen auch einzelne zweifach geladene Ionen mit \(q_2 = 3{,}2\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\).
Zwischen den Gittern ist das Feld in guter Näherung homogen; die Feldlinien verlaufen vom positiven Gitter 1 zum negativen Gitter 2, also nach außen.
- Berechnen Sie die Feldstärke zwischen den Gittern.
- Begründen Sie anhand von Material M1, dass die Kraft auf das einfach geladene Xenon-Ion nach außen zeigt und den Satelliten dadurch antreibt.
- Berechnen Sie die Kraft auf ein zweifach geladenes Ion und erläutern Sie, warum sich die Feldstärke zwischen den Gittern dadurch nicht ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(\displaystyle E=\frac{F_1}{q_1}\). Einsetzen: \(\displaystyle E=\frac{1{,}6\cdot 10^{-14}\,\mathrm N}{1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E=1{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
In M1 verlaufen die Feldlinien vom positiven Gitter 1 zum negativen Gitter 2, die Feldrichtung zeigt also nach außen. Die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung festgelegt; das Xenon-Ion ist positiv geladen. Die Kraft zeigt daher ebenfalls nach außen, das Ion wird nach außen beschleunigt und verlässt das Triebwerk — nach dem Wechselwirkungsprinzip erfährt der Satellit dabei einen Schub in die Gegenrichtung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ansatz: \(F_2=E\cdot q_2\). Einsetzen und Ergebnis: \(F_2=1{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\cdot 3{,}2\cdot 10^{-19}\,\mathrm C=3{,}2\cdot 10^{-14}\,\mathrm N\) — also die doppelte Kraft. Erläuterung: Die Feldstärke ist als Quotient \(\frac{F}{q}\) definiert. Weil sich mit der doppelten Ladung auch die Kraft verdoppelt, bleibt der Quotient unverändert; die Feldstärke beschreibt das Feld an dieser Stelle und hängt nicht von der eingebrachten Ladung ab.
Zwei Aussagen über die Feldstärke
AFB IIIIn einer Lerngruppe wird über die Bedeutung der Definitionsgleichung \(E=\frac{F}{q}\) diskutiert. Zwei Schülerinnen äußern die in Material M1 wiedergegebenen Aussagen.
Beide Aussagen klingen zunächst plausibel, weil sie sich direkt auf die Definitionsgleichung stützen.
- Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch.
- Ein Mitschüler schlägt vor, statt der Feldstärke einfach immer „die Kraft auf eine Ladung von 1 C“ anzugeben. Diskutieren Sie diesen Vorschlag.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aussage 1 ist falsch. Kraft und Ladung sind zueinander proportional: Verdoppelt man die Probeladung, verdoppelt sich auch die Kraft auf sie. Der Quotient \(\frac{F}{q}\) bleibt dabei unverändert — genau deshalb eignet er sich zur Beschreibung des Feldes. Die Feldstärke hängt daher nur von den felderzeugenden Ladungen und vom betrachteten Ort ab, nicht von der Probeladung.
Aussage 2 ist ebenfalls falsch. Das Feld wird von den felderzeugenden Ladungen (z. B. den Kondensatorplatten) erzeugt und ist auch dann vorhanden, wenn sich keine Probeladung darin befindet. Die Probeladung dient nur dem Nachweis und der Messung; „nicht messbar“ und „nicht vorhanden“ sind nicht dasselbe. Richtig ist an der Aussage lediglich, dass man ohne Probeladung an dieser Stelle keine Kraftwirkung beobachten kann.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Für den Vorschlag spricht: Mit \(q=1\,\mathrm C\) gilt \(E=\frac{F}{1\,\mathrm C}\), der Zahlenwert der Kraft in Newton stimmt also mit dem Zahlenwert der Feldstärke in \(\mathrm{\frac{N}{C}}\) überein — rechnerisch ist der Vorschlag gleichwertig. Dagegen spricht: 1 C ist eine außerordentlich große Ladung, die sich als Probeladung praktisch nicht realisieren lässt. Eine so große Ladung würde die felderzeugenden Ladungen verschieben und das Feld, das gemessen werden soll, selbst verändern. Fazit: Die Quotientendefinition ist vorzuziehen, weil sie mit beliebig kleinen Probeladungen auskommt und trotzdem stets denselben Wert liefert.
