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Lade- und Entladekurve messen

Umschalter, Voltmeter, Stoppuhr — und ein Stromsensor am Rechner: Aus dem Aufbau entsteht Punkt für Punkt eine Messreihe.

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Aufbau und Material

Ein Umschalter lädt (Stellung 1) und entlädt (Stellung 2) den Kondensator im selben Aufbau.

  • Gemeinsamer Zweig:\(R\) wird in beiden Stellungen durchflossen → gleiche Zeitkonstante \(\tau=R\,C\) (1.3.2).
  • Entladen:Voltmeter parallel zum Kondensator und Stoppuhr — von Hand.
  • Aufladen:Stromsensor in Reihe, Messinterface und Rechner.
  • Kennwerte:\(4{,}7\,\mathrm{k\Omega}\cdot1000\,\mu\mathrm F\) → \(\tau\approx4{,}7\,\mathrm s\), langsam genug zum Ablesen.
Ein Umschalter, zwei Stromkreise
umschalten

Strom in beiden Stellungen durch \(R\) und Sensor, nur in umgekehrter Richtung.

Material
BauteilWert / Funktion
Spannungsquelle\(U_0=10\,\mathrm V\) (Gleichspannung)
Kondensator\(C=1000\,\mu\mathrm F\) (Elektrolytkondensator, auf Polung achten)
Widerstand\(R=4{,}7\,\mathrm{k\Omega}\), im gemeinsamen Zweig — begrenzt den Strom beim Laden und beim Entladen
UmschalterStellung 1 = laden, Stellung 2 = entladen
Voltmeterparallel zum Kondensator, misst \(U(t)\); muss hochohmig sein
Stoppuhrmisst die Zeit \(t\) beim Entladen von Hand
Stromsensorin Reihe im gemeinsamen Zweig, misst \(I(t)\) beim Aufladen
Messinterface + Rechnerdigitalisiert die Sensorwerte und legt die \(t\)-\(I\)-Tabelle an
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Von Hand messen: die Entladung

Erst vollständig laden, dann entladen und messen — sonst ist \(U_0\) unbekannt.

  • Schaltung nach dem Schaltplan aufbauen; Polung des Elektrolytkondensators beachten.
  • Umschalter auf Stellung 1 legen und den Kondensator vollständig laden (bis \(U=U_0=10\,\mathrm V\)).
  • Auf Stellung 2 umschalten und im selben Moment die Stoppuhr starten — der Kondensator entlädt sich über \(R\).
  • Alle \(2\,\mathrm s\) die Spannung am Voltmeter ablesen und notieren.
  • Messung bis etwa \(t=10\,\mathrm s\) fortsetzen, also über gut zwei Zeitkonstanten.

Kritisch ist Schritt 3 (Umschalten und Uhrstart gleichzeitig). Außerdem wird jeder Wert einen Moment zu spät und damit etwas zu klein abgelesen.

Nach \(2\tau\approx10\,\mathrm s\) sind nur noch 13 % übrig — danach lohnt das Ablesen kaum noch.

Sechs Messwerte auf der Entladekurve
Alle zwei Sekunden ein Wertepaar — bis rund 2τ 0 2 4 6 8 10 0 4 8 10 t in s U in V 37 % von U₀ τ ≈ 4,7 s Messende ≈ 2τ 10,0 6,5 4,3 2,8 1,8 1,2

Stelle die Handmessung nach: Alle zwei Sekunden wird abgelesen — mit menschlicher Reaktionszeit.

Entladung von Hand messen

Die Spannung am Voltmeter sinkt, der Taktgeber blinkt alle zwei Sekunden — und im selben Augenblick wird abgelesen und ein Punkt ins Diagramm eingetragen. Die Ablesung erfolgt mit einer kleinen Reaktionszeit, genau wie am echten Messplatz.

Messplatz Voltmeter 10,0 V Stoppuhr 0,0 s 2-s-Takt Deine Messreihe 0 2 4 6 8 10 12 0 2 4 6 8 10 t in s U in V wahrer Verlauf

Bereit — Kondensator ist auf 10,0 V geladen.

Deine Messreihe — Entladung (R = 4,7 kΩ, C = 1000 µF, U₀ = 10 V)
Zeit t in sabgelesene Spannung U in V
— noch keine Messwerte —

Nach dem Durchlauf erscheint der wahre Verlauf zum Vergleich: Die Messpunkte liegen fast alle unter der Kurve, weil jede Ablesung ein wenig zu spät erfolgt und die Spannung in dieser Zeit schon weiter gefallen ist. Der Fehler ist klein, aber er zeigt immer in dieselbe Richtung — er streut nicht, er verschiebt. Bei mehreren Durchläufen wandern die einzelnen Punkte jedes Mal etwas, das systematische Unterschätzen bleibt.

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Digital messen: der Aufladevorgang

Beim Aufladen fällt der Strom anfangs am schnellsten — zu schnell für die Hand. Ein digitales Messwerterfassungssystem übernimmt.

  • Kette:Stromsensor in Reihe → Messinterface → Software; die \(t\)-\(I\)-Tabelle entsteht von selbst.
  • Warum I?Der Sensor in Reihe stört kaum; ein Voltmeter öffnet einen zweiten Weg für die Ladung. Aus \(I(t)\) folgen \(\tau\) und die geflossene Ladung.
  • Stromsensor in Reihe in den gemeinsamen Zweig einbauen, Interface mit dem Rechner verbinden.
  • In der Software die Messrate auf 20 Werte pro Sekunde und die Messdauer auf \(15\,\mathrm s\) stellen.
  • Den Kondensator über Stellung 2 vollständig entladen — sonst ist der Startstrom kleiner als \(I_0=\dfrac{U_0}{R}\).
  • Aufzeichnung starten und auf Stellung 1 umschalten; die Software setzt \(t=0\), sobald der Strom einsetzt.
  • Mindestens \(3\tau\) lang messen und die Tabelle anschließend als Datei sichern.
  • Zeitauflösung:20 Werte pro Sekunde erfassen auch den steilen Anfang.
  • Trigger:das Messsignal startet die Zeitmessung — kein Reaktionsfehler.
  • Viele Wertepaare:hunderte Punkte statt sechs, direkt als Datei für Tabellenkalkulation oder GTR.
Auszug aus der Messreihe — Aufladen (R = 4,7 kΩ, C = 1000 µF, U₀ = 10 V)
Zeit t in sStromstärke I in mA
02,13
11,72
21,39
31,12
40,91
60,59
80,39
100,25
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Bauteile für die Messung auswählen

Vorher planen: Der Startstrom muss für den Sensor groß genug sein, und der Vorgang muss ins Messfenster passen.

Merke

Zwei Bedingungen, zwei Stellschrauben. Der Widerstand legt über \(I_0=\dfrac{U_0}{R}\) den Startwert der Stromkurve fest — er entscheidet, ob der Sensor überhaupt etwas sieht. Wie lange die Messung dauert, hängt dagegen vom Produkt \(\tau=R\,C\) ab; nach \(3\tau\) ist der Vorgang praktisch beendet.

Bauteile auswählen für eine geplante Messdauer

Die Messung soll nach rund \(6\,\mathrm s\) beendet sein, also \(\tau\approx2\,\mathrm s\) betragen. Der Sensor misst zuverlässig ab \(0{,}5\,\mathrm{mA}\); die Quelle liefert \(U_0=10\,\mathrm V\).

Bedingung Startwert\(I_0=\dfrac{U_0}{R}\) soll deutlich über \(0{,}5\,\mathrm{mA}\) liegen — mit \(R=4{,}7\,\mathrm{k\Omega}\) wird \(I_0\approx2{,}1\,\mathrm{mA}\).
Bedingung Dauer\(C=\dfrac{\tau}{R}=\dfrac{2\,\mathrm s}{4700\,\Omega}\approx4{,}3\cdot10^{-4}\,\mathrm F=430\,\mu\mathrm F\)
EntscheidungDer nächstgelegene verfügbare Wert ist \(470\,\mu\mathrm F\); damit wird \(\tau=2{,}2\,\mathrm s\) — nach \(3\tau\approx6{,}6\,\mathrm s\) ist die Messung beendet.
KontrolleNach \(3\tau\) beträgt der Strom noch \(2{,}1\,\mathrm{mA}\cdot e^{-3}\approx0{,}11\,\mathrm{mA}\) — unterhalb der Messgrenze, die Kurve ist also vollständig erfasst.

Plane die Messung: Wähle \(R\) und \(C\) — das Applet urteilt, ob die Messung brauchbar ist.

Die Messung vorher planen

Die Stromkurve beim Aufladen hängt von \(R\) und \(C\) ab. Der rote Streifen zeigt, wo der Sensor nichts mehr auflöst; die violette Linie markiert das Messende nach \(3\tau\). Die Punkte sind zur Übersicht nur im Sekundentakt eingezeichnet — der Sensor selbst nimmt zwanzig Werte pro Sekunde auf. Die Quellspannung bleibt fest bei \(U_0=10\,\mathrm V\), das Messfenster bei \(15\,\mathrm s\).

Roter Bereich: unter der Auflösungsgrenze 0,5 mA 0 3 6 9 12 15 0 1 2 3 4 5 t in s I in mA Messende 3τ
I₀ = U₀/R
2,13 mA
τ = R·C
4,7 s
Messende 3τ
14,1 s

Brauchbar.

Großes \(R\) drückt \(I_0\) unter die Grenze, großes \(R\,C\) sprengt das Messfenster. Suche eine Einstellung, die beide Bedingungen erfüllt.

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Typische Fehlerquellen

Entscheidend ist zu unterscheiden, ob eine Fehlerquelle die Werte zufällig streuen lässt oder sie systematisch in eine Richtung verschiebt — oft verrät schon die Form der Messkurve, welcher Fall vorliegt.

Fehlerquellen am Messplatz und wie man sie entschärft
FehlerquelleWirkung auf die MessungGegenmaßnahme
Voltmeter zu niederohmigDas Messgerät entlädt den Kondensator mit; \(U\) fällt zu schnell, \(\tau\) wird zu klein (systematisch)Hochohmiges Voltmeter wählen, Innenwiderstand deutlich größer als \(R\)
Stoppuhr zu spät gestartetAlle Zeiten sind um denselben Betrag verschoben (systematisch)Umschalten und Uhrstart koppeln, zu zweit messen
Zu spät abgelesenJeder Wert liegt etwas unter dem wahren Verlauf; die Punkte fallen alle in dieselbe Richtung ab (systematisch)Blick vorher auf das Voltmeter richten, im Takt ablesen statt zu suchen
Messdauer zu kurzNur der steile Anfang wird erfasst; der exponentielle Verlauf wird nicht sichtbarMindestens bis \(2\tau\) messen, hier also rund zehn Sekunden
Ungenaues AblesenDie Werte streuen um den wahren Verlauf (zufällig)Mehrere Durchgänge aufnehmen und mitteln
Zwei typische Fehlerbilder
Voltmeter zu niederohmig erwartet gemessen 0 2 4 6 8 10 0 5 10 t in s U in V τ ≈ 4,7 s τ scheinbar viel kleiner Messdauer zu kurz erwartet gemessen 0 2 4 6 8 10 0 5 10 t in s U in V nur zwei Sekunden gemessen — die Gerade täuscht
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Allgemeine Hinweise

Umschalten und Uhr gleichzeitig

Jede Verzögerung zwischen Stellung 2 und Startknopf verschiebt die gesamte Messreihe um denselben Betrag. Das streut nicht, es verfälscht \(\tau\) systematisch in eine Richtung.

Erst voll laden bzw. entladen

Die Entladereihe darf nur bei \(U_0=10\,\mathrm V\) starten, die Aufladereihe nur am vollständig entladenen Kondensator — sonst ist der Startstrom kleiner als \(I_0=\dfrac{U_0}{R}\).

R und C wirken verschieden

\(R\) legt über \(I_0=\dfrac{U_0}{R}\) fest, ob der Sensor überhaupt etwas sieht; die Messdauer hängt am Produkt \(\tau=R\,C\). Die Kapazität streckt die Kurve nur in die Länge.

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