Kugel eines Bandgenerators
AFB IIm Praktikum wird die Metallkugel eines Bandgenerators positiv aufgeladen. Die Ladung verteilt sich gleichmäßig auf der Kugeloberfläche und verändert den Raum um die Kugel: Dort herrscht ein elektrisches Feld (Material M1).
Das Band transportiert laufend Ladung auf die Kugel. Sie verteilt sich gleichmäßig auf der Kugeloberfläche — der Raum um die Kugel wird dadurch verändert.
- Nennen Sie vier Regeln, die jedes physikalisch zulässige Feldlinienbild erfüllt.
- Beschreiben Sie das Feldlinienbild im Außenraum der geladenen Kugel. Gehen Sie dabei auch darauf ein, wie sich die Stärke des Feldes mit wachsendem Abstand von der Kugel ändert und woran man dies im Feldlinienbild erkennt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Vier der folgenden Regeln: Feldlinien beginnen an positiven Ladungen und enden an negativen Ladungen oder im Unendlichen. Die Pfeilrichtung gibt die Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung an. Feldlinien schneiden sich nie, da die Feldrichtung an jedem Ort eindeutig ist. Die Liniendichte ist ein Maß für die Stärke des Feldes.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Es entsteht ein Radialfeld: Die Feldlinien stehen senkrecht auf der Kugeloberfläche und verlaufen geradlinig nach außen; die Pfeile zeigen von der Kugel weg, da sie positiv geladen ist. Mit wachsendem Abstand verteilen sich dieselben Feldlinien auf eine immer größere Fläche — die Liniendichte nimmt ab, das Feld wird also schwächer. Genau daran erkennt man die Abnahme der Feldstärke im Bild.
Gewitterwolke über ebenem Gelände
AFB IIVor einem Gewitter ist die Unterseite einer ausgedehnten Wolke negativ geladen. Durch Influenz sammeln sich im Erdboden unterhalb der Wolke positive Ladungen. Für den Bereich unterhalb der Wolkenmitte lässt sich die Anordnung durch das Modell eines Plattenkondensators beschreiben: Wolkenunterseite und Erdboden übernehmen die Rolle der beiden Platten (Material M1).
Unterhalb der Wolkenmitte verlaufen die Feldlinien parallel, gleich dicht und senkrecht zu Boden und Wolkenunterseite — wie zwischen den Platten eines Kondensators.
- Beschreiben Sie das elektrische Feld zwischen Erdboden und Wolkenunterseite im Modell des Plattenkondensators. Geben Sie dabei auch die Richtung der Feldlinien an.
- Ein positiv geladenes Staubkorn steigt vom Boden senkrecht in Richtung Wolkenunterseite auf. Erläutern Sie anhand des Feldlinienbildes, wie sich Richtung und Betrag der elektrischen Kraft auf das Staubkorn während des Aufstiegs verhalten.
- Am seitlichen Rand der Wolke liefert das Modell keine brauchbaren Ergebnisse mehr. Erläutern Sie, warum das Plattenkondensator-Modell dort an seine Grenzen stößt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Zwischen Boden und Wolkenunterseite herrscht ein homogenes Feld: Die Feldlinien verlaufen parallel, liegen überall gleich dicht und stehen senkrecht auf Boden und Wolkenunterseite. Sie sind vom positiv geladenen Boden nach oben zur negativ geladenen Wolkenunterseite gerichtet.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Richtung: Auf eine positive Ladung wirkt die Kraft in Feldrichtung — also während des gesamten Aufstiegs senkrecht nach oben, zur Wolke hin. Betrag: Da die Liniendichte im homogenen Feld überall gleich ist, ist auch die Feldstärke an jedem Ort gleich groß. Der Betrag der Kraft auf das Staubkorn bleibt daher während des Aufstiegs konstant.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Wolke und geladener Bodenbereich sind endlich ausgedehnt. Am Rand wölben sich die Feldlinien nach außen (Randfeld): Sie sind gekrümmt und liegen nicht mehr überall gleich dicht. Das Feld ist dort also weder parallel noch von konstanter Stärke — die zentrale Annahme des Plattenkondensator-Modells (Homogenität) ist verletzt.
Elektrofilter im Kraftwerk
AFB IIIm Abgasstrom eines Kraftwerks reinigt ein Elektrofilter das Rauchgas. In der Mitte eines geerdeten Metallrohrs ist ein dünner Sprühdraht gespannt, der stark negativ geladen ist. Rußteilchen im Rauchgas nehmen in unmittelbarer Drahtnähe zusätzliche Elektronen auf und werden dadurch negativ geladen; anschließend wandern sie zur Rohrwand und werden dort abgeschieden (Material M1).
Die Feldlinien verlaufen radial von der Rohrwand nach innen zum negativ geladenen Draht. Zum Draht hin rücken sie immer enger zusammen.
- Beschreiben Sie das Feldlinienbild zwischen Sprühdraht und Rohrwand.
- Die Aufladung der Rußteilchen gelingt nur in unmittelbarer Nähe des Drahtes. Erläutern Sie mithilfe der Liniendichte, warum die elektrische Kraft auf geladene Teilchen dort am größten ist.
- Begründen Sie mithilfe der Feldrichtung, dass sich ein negativ geladenes Rußteilchen zur Rohrwand hin bewegt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Es liegt ein radiales Feldlinienbild vor: Die Linien verlaufen geradlinig zwischen Rohrwand und Draht und stehen senkrecht auf beiden Oberflächen. Die Pfeile zeigen von der Wand nach innen zum negativ geladenen Draht, denn dorthin würde eine positive Probeladung gezogen. Zum Draht hin nimmt die Liniendichte stark zu.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Dieselbe Anzahl von Feldlinien durchsetzt nahe am Draht einen viel kleineren Umfang als an der Rohrwand — die Linien liegen dort also am dichtesten. Da die Liniendichte ein Maß für die Feldstärke ist, ist das Feld unmittelbar am Draht am stärksten. Entsprechend wirkt dort die größte Kraft auf geladene Teilchen — nur dort reicht sie aus, um die Rußteilchen aufzuladen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Pfeilrichtung einer Feldlinie gibt die Kraftrichtung auf eine positive Probeladung an — hier also nach innen zum Draht. Auf ein negativ geladenes Teilchen wirkt die Kraft entgegengesetzt zur Feldrichtung. Das negativ geladene Rußteilchen wird daher nach außen zur Rohrwand getrieben und dort abgeschieden.
Zwei gleich große positive Ladungen
AFB IIAuf zwei isolierenden Stativen werden zwei kleine Metallkugeln mit gleich großer positiver Ladung in einigen Zentimetern Abstand nebeneinander befestigt (Material M1).
Beide Kugeln tragen gleich große positive Ladungen. M ist der Mittelpunkt ihrer Verbindungslinie — das Feldlinienbild sollst du selbst skizzieren.
- Skizzieren Sie das Feldlinienbild dieser Anordnung.
- Begründen Sie mithilfe der Symmetrie der Anordnung, dass eine positive Probeladung im Mittelpunkt M der Verbindungslinie keine resultierende Kraft erfährt, das Feld dort also verschwindet.
- Vergleichen Sie das Feldlinienbild mit dem eines Dipols. Nennen Sie dazu eine Gemeinsamkeit und zwei Unterschiede.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Erwartete Merkmale der Skizze: Die Linien beginnen senkrecht auf beiden Kugeloberflächen, alle Pfeile zeigen von den Kugeln weg. Keine Linie verbindet die beiden Kugeln; im Zwischenraum weichen die Linien einander aus und werden seitlich abgedrängt. Das Bild ist symmetrisch zur Mittelsenkrechten der Verbindungslinie. Keine Linie schneidet eine andere; alle Linien laufen ins Unendliche.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Eine positive Probeladung in M wird von beiden Kugeln abgestoßen. Beide Ladungen sind gleich groß und gleich weit von M entfernt, also sind auch die beiden Kräfte gleich groß. Ihre Richtungen sind einander genau entgegengesetzt, denn jede Kugel stößt die Probeladung von sich weg. Die beiden gleich großen, entgegengesetzt gerichteten Kräfte heben sich auf: Die Probeladung erfährt in M keine resultierende Kraft, das Feld ist dort also null. Im Feldlinienbild zeigt sich das daran, dass durch M keine Feldlinie verläuft.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Gemeinsamkeit, z. B.: In beiden Bildern beginnen Linien senkrecht auf der positiven Ladung, und alle Regeln für Feldlinienbilder (Kreuzungsverbot, Dichte als Maß der Stärke) gelten. Unterschiede, z. B.: Beim Dipol laufen die Linien von der positiven zur negativen Ladung, hier enden alle im Unendlichen. Beim Dipol ist das Feld zwischen den Ladungen besonders stark, hier ist der Mittelpunkt feldfrei.
Wie real sind Feldlinien?
AFB IIIIm Unterricht wird ein Demonstrationsexperiment gezeigt: Grieskörner, die in Öl schwimmen, ordnen sich um zwei geladene Elektroden zu Ketten an (Material M1). Ein Schüler folgert daraus:
„Die Feldlinien existieren wirklich — im Experiment kann man sie ja direkt sehen. Und ein geladenes Teilchen, das man ins Feld bringt, bewegt sich immer genau entlang einer Feldlinie.“
Zwischen den Elektroden ordnen sich die Grieskörner zu Ketten, am Rand der Schale bleiben sie ungeordnet liegen.
- Beurteilen Sie die beiden Teilaussagen des Schülers. Beziehen Sie sich dabei auf den Modellcharakter von Feldlinienbildern sowie auf den Zusammenhang zwischen Feldrichtung und Kraftrichtung.
- Diskutieren Sie abschließend Nutzen und Grenzen des Feldlinienmodells. Führen Sie jeweils zwei Gesichtspunkte an.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Teilaussage 1 ist nicht haltbar: Real ist das elektrische Feld — die Ladungen verändern den Raum um sich herum. Die Feldlinien dagegen sind ein Modell: eine willkürliche Auswahl aus unendlich vielen möglichen Linien, denn das Feld existiert auch zwischen den gezeichneten Linien. Die Grieskörner machen nicht „die“ Feldlinien sichtbar, sondern richten sich am jeweiligen Ort in Feldrichtung aus und bilden dadurch Ketten — sie zeigen die Richtung des Feldes an, nicht vorgezeichnete Bahnen.
Teilaussage 2 ist nur eingeschränkt richtig: Die Feldlinie gibt an jedem Ort die Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung an. Nur ein positives Teilchen, das in Ruhe startet und geraden Feldlinien folgt (z. B. im homogenen Feld), bewegt sich tatsächlich entlang einer Feldlinie. Bewegt sich das Teilchen dagegen schon quer zum Feld oder ist die Feldlinie gekrümmt, weicht die Bahn von der Linie ab: Aus der Mechanik weißt du, dass eine Kraft den Bewegungszustand nur ändert — sie legt die Bahn nicht unmittelbar fest. Negative Teilchen erfahren die Kraft zudem entgegen der Pfeilrichtung.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Nutzen, z. B.: Das Modell macht Richtung und Stärke des Feldes auf einen Blick anschaulich (Pfeile, Liniendichte) und erlaubt qualitative Vorhersagen über Kräfte, ohne zu rechnen. Grenzen, z. B.: Es zeigt nur eine Auswahl von Linien, obwohl das Feld den ganzen Raum erfüllt; die Liniendichte liefert nur Vergleiche („stärker/schwächer“), aber keine Zahlenwerte — und eine ebene Zeichnung bildet das räumliche Feld nur unvollständig ab.
