Warum der Strom beim Laden nachlässt
Ein Kondensator lädt sich nie schlagartig auf: Ein Widerstand \(R\) begrenzt den Strom.
- Quelle:konstante Spannung \(U_0\).
- Widerstand R:begrenzt den Strom.
- Kondensator C:mit jeder Ladung wächst \(U_C=\dfrac{Q}{C}\) (1.3.1).
- Umschalter:Stellung 1 lädt, Stellung 2 entlädt über denselben Widerstand.
Gleiches \(R\) und \(C\) → Laden und Entladen laufen gleich schnell ab.
- Spannungsbilanz:\(U_0=U_R+U_C\) in jedem Augenblick.
- Start:\(U_C=0\), volle Spannung an \(R\), maximaler Strom \(I=\dfrac{U_R}{R}\).
- Selbstbremsung:\(U_C\) wächst, \(U_R\) und damit \(I\) sinken — der Strom bremst sich selbst aus.
Die Spannungsbilanz \(U_0=U_R+U_C\) ist der Kern der Selbstbremsung — in einem einzigen Standbild lässt sie sich aber schlecht zeigen. Mit fortschreitender Zeit gehen die beiden Anteile ineinander über, während der Strom versiegt.
Die Zeit ist in Vielfachen der Zeitkonstanten \(\tau\) angegeben — dadurch gilt das Bild für jede Kombination aus \(R\) und \(C\). Die beiden farbigen Anteile ergeben zusammen immer die volle Quellenspannung.
Beim Entladen fehlt die Quelle: Dann gilt \(U_R=U_C\), beide fallen gemeinsam auf null.
Der exponentielle Verlauf und τ = R·C
Anfangs viel Strom, später kaum noch: Die Kurven sind am Anfang steil und am Ende fast waagerecht (e-Funktion).
Entladen / Laden
Beide Kurven sind spiegelbildlich, \(\tau\) ist dieselbe.
Zeitkonstante
Die Zeitkonstante: \(\tau=R\cdot C\) ist das Tempomaß jedes Lade- und Entladevorgangs: nach \(\tau\) sind noch \(37\,\%\) übrig, nach \(5\,\tau\) ist er praktisch beendet. \(\tau\) hängt nur von R und C ab — nicht von der Anfangsspannung.
- Einstellen:über \(R\) oder \(C\) — beide gehen als Faktor ein.
- Laden:nach \(\tau\) sind \(63\,\%\) von \(U_0\) erreicht.
Der Strom über die Zeit
Die Stromstärke fällt bei beiden Vorgängen — nach derselben e-Funktion. Am Anfang liegt \(U_0\) ganz an \(R\): \(I_0=\dfrac{U_0}{R}\).
Der t-I-Zusammenhang
Nach \(\tau\) sind noch 37 % von \(I_0\) übrig; beim Entladen fließt der Strom in umgekehrter Richtung durch \(R\).
Vom Bauteilwert zur Stromstärke
Laden über R = 2,0 kΩ auf U₀ = 12 V, Kapazität C = 500 µF.
- Rückwärts:aus einem t-I-Diagramm: \(I_0\) ablesen → \(R=\dfrac{U_0}{I_0}\); Zeit bis 37 % → \(\tau\) → \(C=\dfrac{\tau}{R}\).
Spannung und Stromstärke gehorchen derselben Zeitkonstanten — im Diagramm sieht man das am besten nebeneinander. Der Messcursor zeigt zu einem beliebigen Zeitpunkt, was an \(R\), \(C\) und \(U_0\) wirklich anliegt.
Die Zeitachse passt sich automatisch an: Sie reicht immer bis \(5\tau\), damit der ganze Vorgang sichtbar bleibt. Die gestrichelte Marke sitzt bei \(\tau\), der rote Cursor lässt sich frei verschieben, und die orange Kurve ist die Stromstärke mit eigener Achse rechts.
Modell: widerstandsfreie Zuleitungen, verlustfreier Kondensator. \(U\) und \(I\) haben getrennte Achsen — dass die Kurven aufeinanderliegen, liegt an der gleichen Zeitkonstanten.
Von τ zur Halbwertszeit
Anschaulicher als 37 % ist die Halbwertszeit \(t_{1/2}\): die Zeit, nach der nur noch die Hälfte der Spannung übrig ist.
Herleitung:
Halbwertszeit
Nach jeder Halbwertszeit halbiert sich die Spannung erneut — egal, von welchem Wert man startet.
Zeitkonstante und Halbwertszeit
Entladung über R = 10 kΩ und C = 100 µF.
Zeit gesucht: \(t=\tau\cdot\ln\dfrac{U_0}{U}\) — der Bruch immer „groß durch klein“.
Allgemeine Hinweise
Auch beim Laden fällt I
\(I(t)=I_0e^{-t/RC}\) gilt für beide Vorgänge: Der Strom sinkt auch beim Laden, obwohl \(U_C\) dabei steigt. Nur die Stromrichtung durch \(R\) unterscheidet Laden und Entladen.
τ nur in Grundeinheiten
\(\tau=R\,C\) verlangt Ohm und Farad: \(4{,}7\,\mathrm{k\Omega}\cdot1000\,\mu\mathrm F=4{,}7\,\mathrm s\). Wer \(\mathrm{k\Omega}\) und \(\mu\mathrm F\) direkt multipliziert, verfehlt das Ergebnis um Zehnerpotenzen.
37 Prozent und 63 Prozent
Nach einem \(\tau\) sind beim Entladen noch \(37\,\%\) übrig, beim Laden schon \(63\,\%\) erreicht — und \(\tau\) hängt nur von \(R\) und \(C\) ab, nie von \(U_0\).
