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Übung — AFB III

Verallgemeinern und reflektieren: Faktoren ohne konkrete Zahlen vorhersagen, fehlerhafte Musterrechnungen entlarven, Messungen planen und die Grenzen der Pendelmodelle benennen.

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Anforderungsbereich III — verallgemeinern und reflektieren

Auf dieser Seite wird kaum noch eingesetzt und ausgerechnet. Gefragt sind die Tätigkeiten, die im Abitur den dritten Anforderungsbereich ausmachen: verallgemeinern (welcher Faktor folgt aus welcher Änderung — ohne konkrete Zahlen), beurteilen (stimmt diese Musterrechnung, stimmt diese Behauptung), übertragen (was in der Mechanik die Masse ist, ist im Schwingkreis die Induktivität) und planen (wie messe ich eine Masse ohne Waage, wie bestimme ich g mit einem Faden und einer Stoppuhr).

Alle zehn Aufgaben stützen sich auf die vier Formeln des Kapitels: \(f=\dfrac{1}{T}\), \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}\), \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{l}{g}}\) und \(T=2\pi\sqrt{L\,C}\). Zu jeder Aufgabe gehört eine ausführliche Auflösung, die nicht nur das Ergebnis nennt, sondern begründet, warum die typischen Gegenargumente nicht tragen. Öffnen Sie sie erst, wenn Sie einen eigenen Begründungssatz notiert haben — bei den reinen Begründungsaufgaben zählt das Aufklappen als erledigt.

1

Verhältnisse, Fehler, Modellgrenzen

A1
Verhältnis-Prüfstand — welcher Faktor folgt?
AFB III

Sagen Sie voraus, mit welchem Faktor sich die Schwingungsdauer \(T\) ändert. In keiner der acht Änderungen ist ein Zahlenwert für \(m\), \(D\), \(l\), \(g\), \(L\) oder \(C\) gegeben — Sie brauchen ihn auch nicht. Entscheidend ist allein, wo die geänderte Größe in der Formel steht: über oder unter dem Bruchstrich und ob sie unter der Wurzel liegt.

Verhältnis-Prüfstand

Wählen Sie den Faktor für \(T\) und prüfen Sie Ihre Vorhersage. Bedienbar mit der Maus oder mit Tabulator und Leertaste; die Balken zeigen nach dem Prüfen das Verhältnis der alten zur neuen Schwingungsdauer.

vorher nachher T ?

Änderung 1 von 8

Wird geladen …

Strategie: Schreiben Sie die Formel hin und ersetzen Sie die geänderte Größe durch k-mal ihren alten Wert. Der Faktor \(k\) lässt sich aus der Wurzel herausziehen: \(\sqrt{k\cdot m}=\sqrt{k}\cdot\sqrt{m}\). Damit steht der Faktor für \(T\) sofort da — ohne dass Sie den Wert von \(m\) kennen müssen.Warum so? Ein Verhältnis ist ein Quotient zweier Rechnungen; alles, was in beiden gleich bleibt, kürzt sich heraus. Übrig bleibt nur der Änderungsfaktor.
Lösungsskizze: Steht die Größe im Zähler unter der Wurzel (\(m\), \(l\), und im Produkt auch \(L\) und \(C\)), so wirkt der Faktor \(k\) als \(\sqrt{k}\). Steht sie im Nenner (\(D\), \(g\)), wirkt er als \(1/\sqrt{k}\). Werden Zähler und Nenner mit demselben Faktor multipliziert, bleibt \(T\) unverändert.
Auflösung anzeigen

Auflösung: Alle acht Zeilen prüfen dieselbe Einsicht in verschiedenen Verkleidungen: Ein Faktor unter der Wurzel wirkt außen nur mit seiner Wurzel. Deshalb braucht man die vierfache Masse für die doppelte Schwingungsdauer, die vierfache Fadenlänge für dieselbe Verdopplung und die vierfache Kapazität, um die Schwingungsdauer des Schwingkreises zu verdoppeln. Wer den Faktor 4 einträgt, behandelt die Wurzel wie eine Klammer und verwechselt proportional mit proportional zur Wurzel.

Die zweite Unterscheidung betrifft die Stellung im Bruch. In \(T=2\pi\sqrt{m/D}\) steht \(m\) im Zähler, \(D\) im Nenner; beide wirken also gleich stark, aber in entgegengesetzte Richtung. Vervierfachte Federhärte halbiert \(T\), vervierfachte Masse verdoppelt es. Genau dasselbe Muster zeigt das Fadenpendel mit \(l\) im Zähler und \(g\) im Nenner: Ein Ort mit einem Viertel der Fallbeschleunigung verdoppelt die Schwingungsdauer. Wer hier auf „kleiner“ tippt, verwechselt „schwächere Anziehung“ mit „schnellerer Schwingung“ — tatsächlich zieht eine schwächere rücktreibende Kraft das Pendel träger in die Ruhelage zurück.

Am lehrreichsten sind die beiden Zeilen, in denen zwei Größen gleichzeitig geändert werden. Werden \(m\) und \(D\) beide verdoppelt, bleibt der Quotient \(m/D\) unverändert — und damit auch \(T\). Beim Schwingkreis dagegen steht ein Produkt unter der Wurzel: Verdoppelt man \(L\) und halbiert gleichzeitig \(C\), bleibt \(L\cdot C\) gleich, \(T\) also ebenfalls. Deshalb lässt sich dieselbe Frequenz mit einer großen Spule und einem kleinen Kondensator ebenso erreichen wie umgekehrt. Merken Sie sich die Kurzform: Quotient beim Pendel, Produkt beim Schwingkreis — die Wurzel gilt für beide.

A2
Fehler im Schülerheft — Musterrechnung prüfen
AFB III

Ein Mitschüler hat die Schwingungsdauer eines Feder-Masse-Pendels berechnet: Eine Masse von 200 g hängt an einer Feder mit \(D=50\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\). Sein Heftauszug enthält drei fehlerhafte Zeilen. Überprüfen Sie die Rechnung Zeile für Zeile und markieren Sie genau die falschen Zeilen. Die richtigen müssen stehen bleiben.

Heftauszug — welche Zeilen sind falsch?

Klicken Sie die fehlerhaften Zeilen an (oder wählen Sie sie mit Tabulator und Leertaste aus) und prüfen Sie anschließend Ihre Auswahl. Nach dem Prüfen erscheint unter jeder falschen Zeile die Richtigstellung.

  • Diese Zeile ist korrekt — sie trennt sauber Gegebenes und Gesuchtes.
  • Richtig wäre: 1 kg = 1000 g, also m = 200 g = 0,20 kg. Der Fehler um den Faktor 10 entsteht durch Verschieben des Kommas um nur eine statt drei Stellen.
  • Diese Zeile ist korrekt — es ist die Formel des Feder-Masse-Pendels.
  • Diese Zeile ist korrekt — auffällig ist nur, dass hier plötzlich mit 0,20 kg gerechnet wird, obwohl Zeile 2 etwas anderes behauptet.
  • Richtig wäre: Erst die Wurzel ziehen: √0,0040 = 0,063. Dann T = 2π · 0,063 = 0,40 s. Hier wurde die Wurzel schlicht weggelassen.
  • Diese Zeile ist korrekt: f = 1 ÷ 0,40 s = 2,5 Hz.
  • Richtig wäre: m steht unter der Wurzel, der Faktor 2 wirkt also nur als √2 ≈ 1,41. Die neue Schwingungsdauer beträgt rund 0,56 s.
Strategie: Gehen Sie nicht nach Gefühl vor, sondern prüfen Sie drei Dinge nacheinander: (1) Sind alle Größen in Grundeinheiten umgerechnet? (2) Wird die Reihenfolge Quotient → Wurzel → mal \(2\pi\) eingehalten? (3) Ist eine behauptete Änderung wirklich proportional?Warum so? Fast alle Fehler bei \(T=2\pi\sqrt{m/D}\) fallen in genau eine dieser drei Kategorien.
Lösungsskizze: Die richtige Rechnung lautet: \(m=0{,}20\,\mathrm{kg}\), \(m/D=0{,}0040\,\mathrm{s^2}\), \(\sqrt{0{,}0040}=0{,}063\,\mathrm s\), \(T=2\pi\cdot0{,}063=0{,}40\,\mathrm s\). Drei Zeilen des Heftauszugs widersprechen dieser Rechnung.
Auflösung anzeigen

Auflösung: Falsch sind die Zeilen 2, 5 und 7 — und sie stehen für die drei Fehlerarten, die in Klausuren gemeinsam den größten Punktverlust verursachen. Zeile 2 ist ein Einheitenfehler: 200 g sind 0,20 kg, nicht 2,0 kg. Er ist besonders tückisch, weil er das Ergebnis nicht offensichtlich unsinnig macht — mit 2,0 kg käme \(T=1{,}26\,\mathrm s\) heraus, ein Wert, den man einem Federpendel ohne Weiteres abnehmen würde. Nur die Größenordnungsprobe hilft: Ein Laborfederpendel schwingt typischerweise ein- bis zweimal pro Sekunde.

Zeile 5 ist ein Reihenfolgefehler. Die Wurzel wurde übersprungen, aus 0,0040 wurde direkt mit \(2\pi\) multipliziert. Man erkennt das ohne Rechnung: Das Ergebnis 0,025 s wäre eine Frequenz von 40 Hz — dafür müsste man die Feder deutlich straffer oder die Masse hundertmal kleiner wählen. Merken Sie sich die feste Abfolge erst \(m/D\), dann die Wurzel, dann mal \(2\pi\); wer \(2\pi\) zu früh einsetzt oder die Wurzel vergisst, landet regelmäßig um eine Zehnerpotenz daneben.

Zeile 7 ist ein Linearitätsfehler, inhaltlich derselbe wie in Aufgabe 1: Doppelte Masse bedeutet Faktor \(\sqrt2\approx1{,}41\), also rund 0,56 s. Bemerkenswert ist schließlich, dass sich die Zeilen 2 und 4 gegenseitig widersprechen — in Zeile 4 wird korrekt mit 0,20 gerechnet. Solche inneren Widersprüche sind das verlässlichste Warnsignal beim Korrekturlesen: Wer beim Nachrechnen mitliest statt nur zu überfliegen, findet sie ohne jede Formelkenntnis.

A3
Zielvorgabe rückwärts — welchen Faktor braucht man?
AFB III

Bei beiden Teilaufgaben ist das Ergebnis vorgegeben und der Eingriff gesucht. Konkrete Zahlenwerte brauchen Sie nicht.

a) Ein Fadenpendel soll die doppelte Schwingungsdauer bekommen; der Ort bleibt derselbe. Mit welchem Faktor muss die Pendellänge \(l\) multipliziert werden?

b) Ein Schwingkreis soll die doppelte Frequenz bekommen. Die Spule ist fest eingebaut, nur der Drehkondensator lässt sich verstellen. Mit welchem Faktor muss die Kapazität \(C\) multipliziert werden?

Strategie: Arbeiten Sie von außen nach innen. Wenn außerhalb der Wurzel der Faktor 2 stehen soll, muss unter der Wurzel der Faktor \(2^2=4\) stehen. Bei b) kommt ein Zwischenschritt dazu: Eine doppelte Frequenz bedeutet eine halbe Schwingungsdauer, denn \(f=\dfrac1T\).Warum so? \(f\) und \(T\) sind Kehrwerte — jede Aussage über \(f\) muss zuerst in eine Aussage über \(T\) übersetzt werden, bevor man die Formel benutzt.
Lösungsskizze: a) \(2=\sqrt{k}\Rightarrow k=4\). b) Doppeltes \(f\) heißt halbes \(T\); \(\tfrac12=\sqrt{k}\Rightarrow k=\tfrac14=0{,}25\).
Auflösung anzeigen

a) Faktor 4. Aus \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) wird bei vervierfachter Länge \(T'=2\pi\sqrt{4l/g}=\sqrt4\cdot2\pi\sqrt{l/g}=2\,T\). Das ist der Grund, warum man in der Schule das Sekundenpendel mit \(l=1{,}0\,\mathrm m\) und \(T=2{,}0\,\mathrm s\) benutzt: Für \(T=4{,}0\,\mathrm s\) bräuchte man bereits einen 4 m langen Faden, für \(T=8{,}0\,\mathrm s\) sogar 16 m. Die Wurzel bremst jeden Fortschritt — sie ist auch der Grund, warum Standuhren nicht beliebig langsam ticken können.

b) Faktor 0,25 (ein Viertel). Hier lauert eine zusätzliche Umkehrung. Verdoppelt sich \(f\), so halbiert sich \(T\), denn \(f=\dfrac1T\). Aus \(T=2\pi\sqrt{LC}\) folgt: Damit \(T\) auf die Hälfte sinkt, muss das Produkt \(L\cdot C\) auf ein Viertel sinken. Da \(L\) fest ist, muss \(C\) auf ein Viertel verkleinert werden. Wer den Zwischenschritt über \(T\) auslässt und direkt „doppeltes \(f\) also vierfaches \(C\)“ schließt, dreht die Richtung um und verstellt den Empfänger genau in die falsche Richtung.

Beide Teilaufgaben zeigen dasselbe Vorgehen: Zuerst die Zielgröße in eine Aussage über \(T\) übersetzen, dann den geforderten Faktor außerhalb der Wurzel quadrieren, um den Faktor unter der Wurzel zu erhalten, und erst zum Schluss klären, welche der beteiligten Größen man überhaupt verstellen darf.

l T 4 l 2 T vierfache Länge, doppelte Dauer
Faktor 4 innen, Faktor 2 außen
A4
Transfer — dasselbe Pendel auf dem Mond
AFB III

Ein Sekundenpendel (\(l=1{,}00\,\mathrm m\)) schwingt auf der Erde mit \(T=2{,}0\,\mathrm s\). Dasselbe Pendel wird zum Mond gebracht, wo \(g_{\mathrm{Mond}}\approx1{,}6\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s^2}\) beträgt.

a) Berechnen Sie die dortige Schwingungsdauer.

s

b) Bestimmen Sie den Faktor, um den die Schwingungsdauer gegenüber der Erde größer wird — ohne die beiden Ergebnisse zu dividieren, sondern direkt aus dem Verhältnis der Fallbeschleunigungen.

c) Beurteilen Sie die Behauptung: „Auf dem Mond ist alles leichter, also schwingt das Pendel dort schneller.“ (Die Begründung finden Sie in der Auflösung.)

Strategie: Für a) setzen Sie in \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) den Mondwert ein — erst \(l/g\), dann die Wurzel, dann mal \(2\pi\). Für b) genügt \(\sqrt{g_{\mathrm{Erde}}/g_{\mathrm{Mond}}}\), denn \(l\) ist in beiden Fällen dasselbe und kürzt sich heraus.Warum so? Bei Verhältnissen darf man alles weglassen, was sich nicht ändert — das spart Rechenschritte und Rundungsfehler.
Lösungsskizze: a) \(1{,}00/1{,}6=0{,}625\); \(\sqrt{0{,}625}=0{,}79\); \(T=2\pi\cdot0{,}79=4{,}97\,\mathrm s\). b) \(\sqrt{9{,}81/1{,}6}=\sqrt{6{,}13}=2{,}48\).
Auflösung anzeigen

a) \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{1{,}00\,\mathrm m}{1{,}6\,\mathrm{m/s^2}}}=2\pi\cdot0{,}79\,\mathrm s=4{,}97\,\mathrm s\approx5{,}0\,\mathrm s\). b) Weil \(l\) unverändert bleibt, gilt \(\dfrac{T_{\mathrm{Mond}}}{T_{\mathrm{Erde}}}=\sqrt{\dfrac{g_{\mathrm{Erde}}}{g_{\mathrm{Mond}}}}=\sqrt{\dfrac{9{,}81}{1{,}6}}=\sqrt{6{,}13}\approx2{,}48\). Die Probe stimmt: \(2{,}48\cdot2{,}0\,\mathrm s\approx5{,}0\,\mathrm s\).

c) Die Behauptung ist falsch, und zwar in der Richtung. Sie verwechselt zwei verschiedene Dinge: die Gewichtskraft, die auf dem Mond tatsächlich rund sechsmal kleiner ist, und die Schwingungsdauer, die eine Zeitangabe ist. In \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) steht \(g\) im Nenner: Ein kleineres \(g\) macht den Bruch größer und damit auch \(T\). Physikalisch ist \(g\) das Maß für die rücktreibende Wirkung — auf dem Mond wird der Pendelkörper schwächer in die Ruhelage zurückgezogen, er braucht für denselben Weg also länger.

Aufschlussreich ist der Vergleich der beiden Faktoren: \(g\) ist rund sechsmal kleiner, \(T\) aber nur rund 2,5-mal größer, denn \(\sqrt6\approx2{,}45\). Auch hier dämpft die Wurzel den Effekt. Und noch eine Falle steckt in der Aufgabe: Die Masse des Pendelkörpers kommt in der Formel überhaupt nicht vor. Ein Pendelkörper aus Blei und einer aus Holz schwingen am selben Ort exakt gleich schnell — auf der Erde wie auf dem Mond. Wer beim Ortswechsel an „leichter“ denkt, argumentiert über die Masse; die spielt aber gerade keine Rolle.

Erde g = 9,81 T = 2,0 s Mond g = 1,6 T = ?
Gleiches Pendel, anderer Ort
A5
Experiment planen — Masse bestimmen ohne Waage
AFB III

Im Labor soll die unbekannte Masse eines Körpers bestimmt werden. Zur Verfügung stehen eine Schraubenfeder, ein Stativ, ein Lineal, geeichte Gewichtsstücke und eine Stoppuhr — aber keine Waage.

a) Planen Sie das Vorgehen und begründen Sie, warum es zwei Messstufen braucht.

b) Die Kalibrierung hat \(D=20\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\) ergeben. Mit dem unbekannten Körper werden 20 volle Schwingungen in 12,6 s gemessen. Berechnen Sie zuerst die Schwingungsdauer …

s

… und daraus die gesuchte Masse.

kg
Strategie: In \(T=2\pi\sqrt{m/D}\) stecken zwei Unbekannte: \(m\) und \(D\). Eine Messung mit zwei Unbekannten ist nicht lösbar — also muss zuerst eine der beiden mit den geeichten Gewichtsstücken bestimmt werden. Für die Masse selbst stellen Sie die Formel um: \(m=D\left(\dfrac{T}{2\pi}\right)^2\).Warum so? Das ist das Grundmuster jeder indirekten Messung: erst das Messgerät eichen, dann damit messen.
Lösungsskizze: \(T=12{,}6\,\mathrm s:20=0{,}63\,\mathrm s\); \(T/2\pi=0{,}100\,\mathrm s\); quadriert \(0{,}010\,\mathrm{s^2}\); mal \(D=20\): \(m=0{,}20\,\mathrm{kg}\).
Auflösung anzeigen

a) Der Versuchsplan. Stufe 1 — die Feder eichen: Ein geeichtes Gewichtsstück (z. B. 100 g) anhängen und mit dem Lineal die Dehnung messen. Aus \(F=D\cdot y\), also Gewichtskraft geteilt durch Dehnung, ergibt sich die Richtgröße \(D\). Zur Kontrolle wiederholt man das mit mehreren Gewichtsstücken; liegen die Werte auf einer Geraden durch den Ursprung, ist das Kraftgesetz linear und die Feder für die zweite Stufe brauchbar. Stufe 2 — den unbekannten Körper messen: Ihn an dieselbe Feder hängen, leicht auslenken, loslassen und die Zeit für 20 volle Schwingungen stoppen. Aus \(T\) und dem bekannten \(D\) folgt \(m=D\left(\dfrac{T}{2\pi}\right)^2\).

Warum zwei Stufen? Weil eine einzige Schwingungsmessung nur den Quotienten \(m/D\) liefert. Eine dritte Größe steckt nicht in der Formel, also lässt sich \(m\) allein aus \(T\) grundsätzlich nicht bestimmen — man braucht eine unabhängige Information über die Feder. Wichtig ist dabei: Für die Eichung genügt die statische Dehnung. \(D\) ist eine Eigenschaft der Feder allein und hat mit dem Schwingen nichts zu tun.

b) Rechnung. \(T=\dfrac{12{,}6\,\mathrm s}{20}=0{,}63\,\mathrm s\); \(\dfrac{T}{2\pi}=0{,}100\,\mathrm s\); quadriert \(0{,}010\,\mathrm{s^2}\); \(m=20\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\cdot0{,}010\,\mathrm{s^2}=0{,}20\,\mathrm{kg}\). Zwei Details verdienen Beachtung. Erstens die 20 Perioden: Der Reaktionsfehler beim Stoppen von rund 0,2 s verteilt sich auf alle 20 Schwingungen und schrumpft damit auf 0,01 s je Periode — dieselbe Uhr wird durch geschicktes Messen zwanzigmal genauer. Zweitens die Reihenfolge: Das Quadrieren muss vor der Multiplikation mit \(D\) stehen; wer zuerst multipliziert, erhält 2,0 statt 0,20 und damit das Zehnfache.

Übertragung. Das Verfahren ist keine Schulkonstruktion, sondern ein echtes Messprinzip: Auf der Raumstation werden Astronauten genau so „gewogen“, weil eine Waage in der Schwerelosigkeit nichts anzeigen würde. Was dort gemessen wird, ist die träge Masse — und die verschwindet nicht, wenn die Gewichtskraft verschwindet.

A6
Analogie durchdenken — Mechanik und Elektrik
AFB III

Die beiden Formeln \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}\) und \(T=2\pi\sqrt{L\,C}\) sehen sich nicht zufällig ähnlich. Ordnen Sie zu und begründen Sie anschließend die eine Zuordnung, die regelmäßig falsch gemacht wird.

a) Welcher elektrischen Größe entspricht die Auslenkung y des Pendelkörpers? (Ein Wort)

b) Welcher elektrischen Größe entspricht die Geschwindigkeit v des Pendelkörpers? (Ein Wort)

c) Erläutern Sie, warum der Federhärte \(D\) nicht die Kapazität \(C\), sondern deren Kehrwert \(\dfrac{1}{C}\) entspricht.

Strategie: Vergleichen Sie die Formeln Stelle für Stelle. Im Pendel steht ein Quotient \(m/D\), im Schwingkreis ein Produkt \(L\cdot C\). Damit beide Formeln denselben Bauplan haben, muss \(C\) an der Stelle stehen, an der beim Pendel \(1/D\) steht.Warum so? Ein Kehrwert im Nenner ist dasselbe wie ein Faktor im Zähler — die Formeln sind identisch, sobald man das erkennt.
Lösungsskizze: \(T=2\pi\sqrt{m/D}=2\pi\sqrt{m\cdot\tfrac1D}\) und \(T=2\pi\sqrt{L\cdot C}\). Der Vergleich liefert \(m\leftrightarrow L\) und \(\tfrac1D\leftrightarrow C\), also \(D\leftrightarrow\tfrac1C\). Zustandsgröße: \(y\leftrightarrow q\); ihre zeitliche Änderung: \(v\leftrightarrow I\).
Auflösung anzeigen

a) und b): Die Auslenkung y entspricht der Ladung q auf dem Kondensator, die Geschwindigkeit v entspricht der Stromstärke I. Beide Zuordnungen hängen zusammen: Die Stromstärke ist die zeitliche Änderung der Ladung, so wie die Geschwindigkeit die zeitliche Änderung der Auslenkung ist. Daraus folgt unmittelbar eine überprüfbare Vorhersage: Beim Pendel ist die Geschwindigkeit in der Ruhelage am größten, wo die Auslenkung null ist — also ist im Schwingkreis der Strom genau dann maximal, wenn der Kondensator leer ist. Genau das beschreibt das Kapitel: Ist der Kondensator voll geladen, steckt die ganze Energie im elektrischen Feld und der Strom ist null; ist der Strom maximal, steckt die ganze Energie im Magnetfeld der Spule.

c) Warum \(D\leftrightarrow\dfrac1C\)? Formal: Schreibt man \(T=2\pi\sqrt{m/D}\) als \(T=2\pi\sqrt{m\cdot\frac1D}\), so steht dort dieselbe Struktur wie in \(T=2\pi\sqrt{L\cdot C}\). Der Vergleich liefert \(m\leftrightarrow L\) und \(\frac1D\leftrightarrow C\), also \(D\leftrightarrow\frac1C\). Inhaltlich: \(D\) misst, wie stark ein System zurücktreibt — eine harte Feder erzeugt bei kleiner Auslenkung schon eine große Kraft. Eine große Kapazität dagegen bedeutet das Gegenteil: Der Kondensator nimmt viel Ladung auf, ohne dass die Spannung stark ansteigt. Ein großes \(C\) ist also eine weiche Feder. Deshalb wirken \(D\) und \(C\) in entgegengesetzte Richtungen: Eine härtere Feder verkürzt \(T\), ein größerer Kondensator verlängert es.

Der gemeinsame Bauplan. Beide Systeme folgen dem Muster \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{\text{Trägheit}}{\text{Rücktrieb}}}\). Die Trägheit ist das, was der Änderung entgegenwirkt — die Masse bremst die Beschleunigung, die Spule bremst die Stromänderung. Der Rücktrieb ist das, was zur Ruhelage zurückzieht — die Federkraft, beziehungsweise die Spannung des geladenen Kondensators. Wer diese beiden Rollen erkennt, kann jede neue Schwingungsformel einordnen, ohne sie auswendig zu lernen. Und die Analogie ist mehr als eine Eselsbrücke: Beide Systeme werden von derselben Art Gleichung beschrieben, deshalb sehen auch die Lösungen gleich aus — in beiden Fällen eine reine Sinusschwingung.

Mechanik Schwingkreis mL D1 / C yq vI TrägheitRücktrieb ZustandÄnderung
Vier Rollen, zwei Sprachen
A7
Empfangskreis abstimmen — Drehkondensator einstellen
AFB III

Ein Empfangsschwingkreis besteht aus einer fest eingebauten Spule mit \(L=10\,\mathrm{mH}\) und einem Drehkondensator, dessen Kapazität sich zwischen \(0{,}05\,\mathrm{\mu F}\) und \(2{,}50\,\mathrm{\mu F}\) verstellen lässt. Zurzeit ist \(C=1{,}00\,\mathrm{\mu F}\) eingestellt; der Kreis schwingt mit rund \(1{,}6\,\mathrm{kHz}\).

Stimmen Sie den Empfänger auf den Zielsender bei \(3{,}2\,\mathrm{kHz}\) ab und begründen Sie anschließend, warum genau dieser Kapazitätswert nötig ist.

Abstimm-Applet — Drehkondensator

Ziehen Sie den Regler mit der Maus, oder wählen Sie ihn mit dem Tabulator an und verstellen Sie ihn mit den Pfeiltasten (Schrittweite \(0{,}05\,\mathrm{\mu F}\); mit Bild auf/Bild ab in Fünferschritten, Pos 1/Ende an den Anfang bzw. das Ende). Der Zeiger oben zeigt die Frequenz des Kreises, das grüne Band den Zielsender.

Frequenz in kHz Zielsender 3,2 Kapazität C in Mikrofarad 0,05 2,50
Kapazität1,00 µF Schwingungsdauer0,63 ms Frequenz1,59 kHz

Der Kreis ist auf 1,59 kHz abgestimmt — der Zielsender liegt höher.

Strategie: Übersetzen Sie die Frequenzangabe zuerst in eine Aussage über \(T\). Die doppelte Frequenz bedeutet die halbe Schwingungsdauer. Danach fragen Sie: Was muss mit dem Produkt \(L\cdot C\) geschehen, damit \(\sqrt{L\,C}\) halb so groß wird?Warum so? Der Drehkondensator verstellt nur \(C\); alle Überlegungen müssen deshalb am Ende auf einen Faktor an \(C\) hinauslaufen.
Lösungsskizze: Halbes \(T\) verlangt \(\sqrt{LC}\) halbiert, also \(L\cdot C\) auf ein Viertel. Da \(L\) fest ist, muss \(C\) auf ein Viertel: \(1{,}00\,\mathrm{\mu F}\rightarrow0{,}25\,\mathrm{\mu F}\).
Auflösung anzeigen

Auflösung: Der richtige Wert ist \(C=0{,}25\,\mathrm{\mu F}\), also ein Viertel des Ausgangswertes. Die Kette der Übersetzungen lautet: doppelte Frequenz \(\rightarrow\) halbe Schwingungsdauer \(\rightarrow\) halbes \(\sqrt{L\,C}\) \(\rightarrow\) Produkt \(L\cdot C\) auf ein Viertel \(\rightarrow\) da \(L\) fest ist, \(C\) auf ein Viertel. Die Probe bestätigt es: \(L\cdot C=0{,}010\,\mathrm H\cdot0{,}25\cdot10^{-6}\,\mathrm F=2{,}5\cdot10^{-9}\,\mathrm{s^2}\), die Wurzel daraus ist \(5{,}0\cdot10^{-5}\,\mathrm s\), mal \(2\pi\) ergibt \(T=3{,}1\cdot10^{-4}\,\mathrm s\) und damit \(f\approx3{,}2\,\mathrm{kHz}\).

Zwei Beobachtungen lohnen sich. Erstens: Am Regler merkt man, wie unempfindlich die Frequenz auf kleine Kapazitätsänderungen im oberen Bereich reagiert und wie heftig sie im unteren Bereich springt. Das liegt an der Wurzel im Nenner von \(f=\dfrac{1}{2\pi\sqrt{LC}}\): Für kleine Frequenzänderungen im unteren Frequenzbereich braucht man erstaunlich große Kapazitätsänderungen. Genau deshalb sind Drehkondensatoren in Radios mechanisch aufwendig gebaut und werden oft mit einem Untersetzungsgetriebe fein bedient.

Zweitens: Man hätte dasselbe Ziel auch über \(L\) erreichen können — eine Spule mit einem Viertel der Induktivität hätte es ebenso getan, und ebenso jede Kombination, die das Produkt \(L\cdot C\) viertelt. In der Praxis nimmt man dennoch fast immer den Kondensator, weil sich eine Kapazität mechanisch viel bequemer verstellen lässt als eine Induktivität. Und ein Blick auf die Modellgrenzen gehört dazu: Der reale Empfangskreis hat einen Widerstand, seine Schwingung wäre ohne ständige Anregung gedämpft. Die Thomson-Gleichung liefert die Frequenz des idealen Kreises — für die Senderwahl genügt das, für die Frage, wie lange der Kreis von allein weiterschwingt, nicht.

A8
Grenzen des Modells — wie weit trägt die Formel?
AFB III

Eine Schülerin argumentiert: „Die Amplitude kommt weder in \(T=2\pi\sqrt{m/D}\) noch in \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) vor. Also ist es völlig egal, wie weit ich auslenke — ich kann das Fadenpendel auch um 60° auslenken und bekomme dieselbe Schwingungsdauer.“

a) Nehmen Sie Stellung zu dieser Aussage. Unterscheiden Sie dabei zwischen den beiden Pendeltypen.

b) Erläutern Sie, woran man im Weg-Zeit-Diagramm erkennt, ob eine Schwingung harmonisch ist — und welche Bedingung an die rücktreibende Kraft dahintersteckt.

c) Beurteilen Sie, was die Formeln über den weiteren Verlauf einer realen Schwingung aussagen: Bleibt die Amplitude für immer gleich?

Strategie: Fragen Sie bei jeder Formel: Unter welcher Voraussetzung wurde sie hergeleitet? Beim Feder-Masse-Pendel ist das lineare Kraftgesetz \(F=-D\,y\) exakt erfüllt; beim Fadenpendel gilt es nur näherungsweise — und zwar für kleine Winkel.Warum so? Eine Formel ist nie „einfach wahr“, sondern immer nur so weit gültig, wie ihre Voraussetzungen erfüllt sind.
Lösungsskizze: Federpendel: amplitudenunabhängig, weil Weg und rücktreibende Kraft im selben Verhältnis wachsen. Fadenpendel: amplitudenunabhängig nur für Auslenkungen bis etwa 10°. Harmonisch heißt: reine Sinuskurve im \(t\)-\(y\)-Diagramm, gleichbedeutend mit \(F=-D\,y\).
Auflösung anzeigen

a) Die Aussage ist für das Feder-Masse-Pendel richtig, für das Fadenpendel aber unzulässig verallgemeinert — und der Unterschied liegt nicht in der Formel, sondern in ihrer Herleitung. Beim Feder-Masse-Pendel gilt das lineare Kraftgesetz \(F=-D\,y\) exakt: Lenkt man doppelt so weit aus, muss die Masse zwar den doppelten Weg zurücklegen, die rücktreibende Kraft ist aber ebenfalls doppelt so groß. Beide Effekte heben sich exakt auf, und die Schwingungsdauer bleibt gleich. Beim Fadenpendel ist die rücktreibende Kraft dagegen nur für kleine Auslenkungen näherungsweise proportional zur Auslenkung; das Kapitel nennt dafür die Grenze von etwa 10°. Bei 60° ist diese Voraussetzung deutlich verletzt — die Formel \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) darf dort nicht mehr angewendet werden.

Merkregel: Dass eine Größe in einer Formel nicht vorkommt, ist niemals ein Beweis dafür, dass sie keine Rolle spielt. Es bedeutet nur, dass sie unter den Voraussetzungen der Herleitung keine Rolle spielt. Wer die Voraussetzung verlässt, verlässt auch die Formel.

b) Eine Schwingung heißt harmonisch, wenn ihr \(t\)-\(y\)-Diagramm eine reine Sinuskurve ist, wenn also \(y(t)=\hat y\cdot\sin(\omega t)\) gilt. Das ist gleichbedeutend mit der Bedingung an die Kraft: Die rücktreibende Kraft muss proportional zur Auslenkung und stets zur Ruhelage gerichtet sein, \(F=-D\,y\). Die beiden Formulierungen sind zwei Seiten derselben Sache — die eine beschreibt, was man misst, die andere, was die Ursache ist. Praktisch prüft man es am Diagramm: Sind alle Bögen gleich hoch, gleich breit und symmetrisch, spricht das für eine harmonische Schwingung; sind die Bögen spitz, abgeflacht oder unterschiedlich hoch, nicht.

c) Die Formeln machen über die Amplitude gar keine Aussage — sie legen nur die Schwingungsdauer fest. Ein reales Pendel wird durch Reibung an Luft und Aufhängung ständig Energie los; seine Amplitude nimmt deshalb ab, während \(T\) praktisch gleich bleibt. Genau das ist der Grund, warum man beim Messen ruhig 20 Perioden lang laufen lassen kann: Die Bögen werden kleiner, der Takt bleibt. Im Schwingkreis entspricht dem der Widerstand der Leitungen; die Energiebilanz „ganze Energie im elektrischen Feld — ganze Energie im magnetischen Feld“ gilt streng nur für den idealen Kreis. Ein Modell ist eben kein Abbild der Wirklichkeit, sondern eine bewusst vereinfachte Beschreibung — nützlich genau so lange, wie man weiß, was man weggelassen hat.

bis 10°: Formel gilt 60°: außerhalb des Modells
Gültigkeitsbereich der Näherung
A9
Messung planen — die Fallbeschleunigung bestimmen
AFB III

Mit einem Faden, einer Kugel, einem Maßband und einer Stoppuhr soll die Fallbeschleunigung \(g\) am Schulstandort bestimmt werden.

a) Beschreiben Sie den Versuchsaufbau und nennen Sie drei Maßnahmen, die das Ergebnis genauer machen.

b) Die Messung ergibt bei \(l=1{,}00\,\mathrm m\) für 20 volle Schwingungen 40,2 s. Berechnen Sie zuerst die Schwingungsdauer …

s

… und daraus die Fallbeschleunigung \(g=\dfrac{4\pi^2\,l}{T^2}\).

m/s²
Strategie: Stellen Sie \(T=2\pi\sqrt{l/g}\) nach \(g\) um: beide Seiten durch \(2\pi\), dann quadrieren, dann nach \(g\) auflösen. Prüfen Sie beim Einsetzen, dass \(T\) die Dauer einer Schwingung ist — nicht die Messzeit für alle zwanzig.Warum so? Der häufigste Fehler dieser Aufgabengattung ist nicht das Umstellen, sondern das Verwechseln von Messzeit und Periodendauer.
Lösungsskizze: \(T=40{,}2\,\mathrm s:20=2{,}01\,\mathrm s\); \(T^2=4{,}04\,\mathrm{s^2}\); \(4\pi^2=39{,}5\); \(g=39{,}5\cdot1{,}00:4{,}04=9{,}77\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s^2}\).
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a) Aufbau und Genauigkeit. Die Kugel an einem dünnen, möglichst unelastischen Faden aufhängen, die Länge \(l\) vom Aufhängepunkt bis zum Mittelpunkt der Kugel messen, um höchstens 10° auslenken und loslassen. Drei Maßnahmen erhöhen die Genauigkeit deutlich: (1) Viele Perioden stoppen. Der Reaktionsfehler von etwa 0,2 s verteilt sich bei 20 Schwingungen auf 0,01 s je Periode — dieselbe Uhr wird zwanzigmal genauer. (2) In der Ruhelage starten und stoppen. Dort ist das Pendel am schnellsten, der Durchgang also am schärfsten zu erkennen; an den Umkehrpunkten steht es kurz still und der Zeitpunkt ist kaum festzulegen. (3) Mehrfach messen und mitteln, außerdem die Länge sorgfältig bestimmen, weil \(l\) linear in das Ergebnis eingeht.

b) Rechnung. \(T=\dfrac{40{,}2\,\mathrm s}{20}=2{,}01\,\mathrm s\). Umgestellt: \(g=\dfrac{4\pi^2\,l}{T^2}=\dfrac{39{,}5\cdot1{,}00\,\mathrm m}{4{,}04\,\mathrm{s^2}}=9{,}77\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s^2}\). Das liegt rund 0,4 % unter dem Tabellenwert \(9{,}81\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s^2}\) — für einen Schulversuch ein sehr gutes Ergebnis.

Warum das Verfahren so gut funktioniert. Eine Beschleunigung direkt zu messen ist schwierig: Man müsste Wege und Zeiten während eines schnellen Vorgangs erfassen. Das Pendel verwandelt die Aufgabe in eine reine Zeitmessung, und Zeiten lassen sich mit einfachen Mitteln sehr genau bestimmen, weil man beliebig viele Perioden aufsummieren darf. Genau deshalb war das Fadenpendel bis ins 20. Jahrhundert das Standardinstrument zur Vermessung von \(g\) an verschiedenen Orten der Erde. Beachten Sie zugleich die Empfindlichkeit: \(T\) geht quadratisch ein. Ein Fehler von 1 % bei der Zeitmessung erzeugt rund 2 % Fehler bei \(g\) — ein weiterer Grund, viele Perioden zu stoppen.

A10
Bewerten — zwei Systeme, dieselbe Zahl
AFB III

Zwei Aufbauten aus dem Kapitel liefern auffällig ähnliche Zahlen:

SystemBauteilwerteSchwingungsdauer
Feder-Masse-Pendel\(m=0{,}20\,\mathrm{kg}\), \(D=20\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\)\(T=0{,}63\,\mathrm s\)
Schwingkreis\(L=10\,\mathrm{mH}\), \(C=1{,}0\,\mathrm{\mu F}\)\(T=0{,}63\,\mathrm{ms}\)

a) Berechnen Sie, um welchen Faktor die Frequenz des Schwingkreises größer ist als die des Federpendels.

b) Beurteilen Sie die Behauptung eines Mitschülers: „Weil beide Formeln gleich aussehen, kann ich die Federpendelformel für den Schwingkreis benutzen — ich ersetze einfach \(m\) durch \(L\) und \(D\) durch \(C\).“

c) Erläutern Sie, was die auffällige Zahl 0,63 in beiden Zeilen bedeutet — Zufall oder nicht?

Strategie: Für a) brauchen Sie nur \(f=\dfrac1T\) und den Umgang mit Millisekunden: \(0{,}63\,\mathrm{ms}=0{,}00063\,\mathrm s\). Für b) prüfen Sie die vorgeschlagene Ersetzung an einem Zahlenbeispiel — was käme heraus, und wäre das Ergebnis überhaupt eine Zeit?Warum so? Eine behauptete Analogie prüft man am schnellsten, indem man sie einmal konsequent durchrechnet.
Lösungsskizze: a) \(f_1=\dfrac{1}{0{,}63\,\mathrm s}=1{,}6\,\mathrm{Hz}\), \(f_2=\dfrac{1}{0{,}00063\,\mathrm s}=1{,}6\,\mathrm{kHz}\); Faktor 1000. b) Die richtige Zuordnung lautet \(D\leftrightarrow\dfrac1C\), nicht \(D\leftrightarrow C\).
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a) Faktor 1000. Aus \(f=\dfrac1T\) folgt \(f_{\text{Pendel}}=\dfrac{1}{0{,}63\,\mathrm s}\approx1{,}6\,\mathrm{Hz}\) und \(f_{\text{Kreis}}=\dfrac{1}{6{,}3\cdot10^{-4}\,\mathrm s}\approx1{,}6\cdot10^{3}\,\mathrm{Hz}=1{,}6\,\mathrm{kHz}\). Der Schwingkreis schwingt also tausendmal so schnell — das mechanische Pendel macht rund anderthalb Schwingungen pro Sekunde, der elektrische Kreis rund sechzehnhundert. Das ist kein Zufall der gewählten Zahlen: Mechanische Systeme sind an Massen gebunden, die man bewegen muss, elektrische an Ladungen, die praktisch trägheitsfrei fließen. Deshalb liegen die Schwingungsdauern von Schulschwingkreisen im Millisekundenbereich, die von Schulpendeln im Sekundenbereich.

b) Die Behauptung ist falsch — und zwar nicht ein bisschen daneben, sondern in der Struktur. Richtig ist \(m\leftrightarrow L\), aber die zweite Ersetzung muss \(D\leftrightarrow\dfrac1C\) lauten. Setzt man \(m\) durch \(L\) und \(D\) durch \(C\), so erhält man \(2\pi\sqrt{L/C}\) statt \(2\pi\sqrt{L\cdot C}\) — mit den Werten der Tabelle also \(2\pi\sqrt{0{,}010/10^{-6}}=2\pi\cdot100=630\), und das wäre nicht einmal eine Zeitangabe. Die Kontrolle über die Einheiten entlarvt den Fehler sofort: \(\sqrt{L\cdot C}\) ergibt Sekunden, \(\sqrt{L/C}\) nicht. Merken Sie sich die inhaltliche Begründung, dann müssen Sie die Zuordnung nicht auswendig lernen: Ein großes \(C\) ist eine weiche Feder, weil der Kondensator viel Ladung aufnimmt, ohne dass die Spannung stark steigt — große Kapazität und große Federhärte sind Gegenteile.

c) Die 0,63 ist kein Zufall, sondern der Faktor \(2\pi\) in Verkleidung. In beiden Fällen ist die Wurzel eine glatte Zehnerpotenz: Beim Pendel ist \(\sqrt{m/D}=\sqrt{0{,}010\,\mathrm{s^2}}=0{,}10\,\mathrm s\), beim Schwingkreis ist \(\sqrt{L\,C}=\sqrt{10^{-8}\,\mathrm{s^2}}=10^{-4}\,\mathrm s\). Multipliziert mit \(2\pi\approx6{,}283\) ergibt das \(0{,}63\,\mathrm s\) beziehungsweise \(0{,}63\,\mathrm{ms}\). Die gemeinsame Ziffernfolge stammt also allein aus dem \(2\pi\) — die Physik dahinter steckt in den Zehnerpotenzen. Genau deshalb ist die Größenordnungsprobe so wertvoll: Wer sich merkt, dass Schulpendel im Sekunden- und Schulschwingkreise im Millisekundenbereich liegen, erkennt einen Einheitenfehler, noch bevor er die Rechnung nachprüft.

Reflexion — was AFB III von Ihnen verlangt

Auf dieser Seite wurde selten eine Zahl gesucht und fast immer ein Begründungssatz. Fünf Denkfiguren haben Sie dabei benutzt:

  • Verhältnisse statt Werte — alles, was sich nicht ändert, kürzt sich heraus. Übrig bleibt der Faktor, und unter der Wurzel wird aus dem Faktor \(k\) der Faktor \(\sqrt{k}\).
  • Stellung im Bruch lesen — \(m\) und \(l\) stehen im Zähler, \(D\) und \(g\) im Nenner. Gleicher Faktor in Zähler und Nenner bedeutet: \(T\) bleibt gleich.
  • Rechnungen prüfen statt nachvollziehen — Einheiten in Grundeinheiten, Reihenfolge Quotient beziehungsweise Produkt, dann Wurzel, dann \(2\pi\), zum Schluss die Größenordnungsprobe.
  • Analogien tragen — bis zu einer bestimmten Stelle — \(m\leftrightarrow L\) und \(D\leftrightarrow\dfrac1C\); der gemeinsame Bauplan lautet \(T=2\pi\sqrt{\text{Trägheit}/\text{Rücktrieb}}\).
  • Voraussetzungen mitdenken — kleine Winkel beim Fadenpendel, lineares Kraftgesetz \(F=-D\,y\), idealer Kreis ohne Verluste. Wer die Voraussetzung verlässt, verlässt die Formel.

In der Klausur zählt bei diesen Aufgaben der Weg der Begründung mehr als das Ergebnis. Schreiben Sie den Satz auf, der die Entscheidung trägt — und nennen Sie am Ende immer Zahlenwert und Einheit.