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Typische Fehler

Zwölf Stolperstellen aus dem Kapitel Schwingungen — von der falsch gemessenen Amplitude über die verwechselte Kreisfrequenz bis zur vergessenen Wurzel in der Thomson-Gleichung.

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Kenngrößen, Ablesen und Zeigerbild

Die ersten drei Fehler entstehen schon beim Ablesen: Amplitude und Periodendauer werden falsch abgegriffen, und das Zeigerbild wird zu wörtlich genommen.

1Amplitude von Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt

Falsche Aussage„Die Amplitude ist der Abstand vom oberen bis zum unteren Umkehrpunkt — im Diagramm also die volle Höhe der Kurve.“

Was gemeint ist: Gemeint ist der Gesamthub der Bewegung. Er lässt sich im \(t\)-\(y\)-Diagramm am bequemsten abgreifen, weil man einfach von der tiefsten zur höchsten Stelle misst — und wird deshalb fälschlich als Amplitude notiert.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Die Amplitude \(\hat{y}\) ist die größte Auslenkung aus der Ruhelage. Gemessen wird also nur von der Ruhelage bis zu einem Umkehrpunkt, nicht von einem Umkehrpunkt zum anderen.

Der Abstand zwischen beiden Umkehrpunkten heißt Gesamthub und ist doppelt so groß: \(2\hat{y}\). Wer ihn als Amplitude einsetzt, verdoppelt jedes Ergebnis, das von \(\hat{y}\) abhängt.

BeispielrechnungEine Kurve reicht im Diagramm von \(-4{,}0\,\mathrm{cm}\) bis \(+4{,}0\,\mathrm{cm}\). Gesamthub: \(2\hat{y}=8{,}0\,\mathrm{cm}\). Amplitude: \(\hat{y}=\dfrac{8{,}0\,\mathrm{cm}}{2}=4{,}0\,\mathrm{cm}\).
Mini-Check

Der Gesamthub einer Schwingung beträgt \(9{,}0\,\mathrm{cm}\). Wie groß ist die Amplitude?

cm

2Periodendauer als halbe Schwingung gezählt

Falsche Aussage„Die Periodendauer ist die Zeit, die der Körper von einem Umkehrpunkt zum anderen braucht.“

Was gemeint ist: Beim Stoppen wirkt der Weg vom oberen zum unteren Umkehrpunkt wie ein vollständiger Durchgang — die Rückkehr wird schlicht vergessen. Gemessen wird dadurch nur die Hin-Bewegung.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Die Periodendauer \(T\) ist die Zeit für eine volle Hin- und Her-Bewegung, bis der Körper wieder im selben Bewegungszustand ist. Von Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt vergeht nur \(\tfrac{T}{2}\).

Wer \(T\) halbiert misst, verdoppelt über \(f=\dfrac{1}{T}\) automatisch die Frequenz — der Fehler zieht sich durch die ganze Aufgabe.

Messtrick aus dem Kapitel: nicht eine einzelne Periode stoppen, sondern 20 Perioden und die Zeit durch 20 teilen. Das drückt den Reaktionsfehler auf ein Zwanzigstel.

BeispielrechnungVon Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt: \(0{,}40\,\mathrm s\). Also \(T=2\cdot 0{,}40\,\mathrm s=0{,}80\,\mathrm s\) und \(f=\dfrac{1}{0{,}80\,\mathrm s}=1{,}25\,\mathrm{Hz}\) — nicht \(2{,}5\,\mathrm{Hz}\).
Mini-Check

Ein Körper braucht von einem Umkehrpunkt zum anderen \(0{,}40\,\mathrm s\). Wie groß ist die Periodendauer?

3Gleichmäßiger Zeiger heißt gleichmäßige Bewegung

Falsche Aussage„Der Zeiger dreht sich gleichförmig, also bewegt sich auch der schwingende Körper gleichmäßig auf und ab.“

Was gemeint ist: Im Zeigerformalismus rotiert der Zeiger tatsächlich mit konstanter Winkelgeschwindigkeit. Daraus wird vorschnell auf eine gleichförmige Auf- und Abbewegung geschlossen.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Gleichförmig ist nur die Drehung. Die Schwingung ist die Projektion des Zeigers auf die \(y\)-Achse: \(y=\hat{y}\cdot\sin\varphi\) mit \(\varphi=\omega t\). Diese Projektion läuft ungleichförmig.

In der Ruhelage ist die Projektion am schnellsten, an den Umkehrpunkten steht sie kurz still. Genau diese Ungleichmäßigkeit erzeugt die Sinusform der Kurve.

Beispielrechnung\(\hat{y}=4{,}0\,\mathrm{cm}\), \(\varphi=30^\circ\): \(y=4{,}0\,\mathrm{cm}\cdot\sin 30^\circ=4{,}0\,\mathrm{cm}\cdot 0{,}5=2{,}0\,\mathrm{cm}\). Nach einem Zwölftel des Umlaufs ist erst die halbe Amplitude erreicht — bei gleichförmiger Bewegung wäre es ein Drittel des Weges in derselben Zeit.
Mini-Check

An welcher Stelle bewegt sich der schwingende Körper am schnellsten?

2

Sinusfunktion und Kreisfrequenz

Hier entscheidet sich, ob die Rechnung überhaupt in die Nähe des richtigen Werts kommt: Der Faktor \(2\pi\) und die Einstellung des Taschenrechners kosten in Klausuren die meisten Punkte.

4Kreisfrequenz und Frequenz verwechselt

Falsche Aussage„Kreisfrequenz und Frequenz sind dasselbe — \(\omega\) und \(f\) sind nur zwei Namen für dieselbe Größe.“

Was gemeint ist: Beide Größen tragen das Wort Frequenz im Namen und werden beide aus \(T\) berechnet. Deshalb wird \(\omega\) beim Einsetzen einfach durch \(f\) ersetzt.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Die Frequenz \(f=\dfrac{1}{T}\) zählt die Schwingungen pro Sekunde, Einheit Hertz mit \(1\,\mathrm{Hz}=\tfrac{1}{\mathrm s}\).

Die Kreisfrequenz \(\omega=\dfrac{2\pi}{T}=2\pi f\) gibt an, welchen Winkel der Zeiger pro Sekunde überstreicht. Sie ist um den Faktor \(2\pi\approx 6{,}28\) größer und wird in \(\tfrac{1}{\mathrm s}\) (rad/s) angegeben.

Ebenfalls falsch ist \(\omega=\dfrac{2\pi}{f}\): Durch \(T\) wird geteilt, mit \(f\) wird multipliziert.

Beispielrechnung\(T=0{,}50\,\mathrm s\) liefert \(f=\dfrac{1}{0{,}50\,\mathrm s}=2{,}0\,\mathrm{Hz}\), aber \(\omega=2\pi\cdot 2{,}0\,\tfrac{1}{\mathrm s}=12{,}57\,\tfrac{1}{\mathrm s}\).
Mini-Check

Eine Schwingung hat \(T=0{,}50\,\mathrm s\). Berechnen Sie die Kreisfrequenz \(\omega\) (zwei Nachkommastellen).

\(\tfrac{1}{\mathrm s}\)

5Frequenz statt Kreisfrequenz in den Sinus eingesetzt

Falsche Aussage„In \(y=\hat{y}\cdot\sin(\omega t)\) darf man auch \(f\) einsetzen, das steht ja für dieselbe Schwingung.“

Was gemeint ist: In der Aufgabe ist meist \(f\) oder \(T\) gegeben, \(\omega\) dagegen nicht. Der Zwischenschritt wird übersprungen und der abgelesene Wert direkt in den Sinus geschrieben.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Im Sinus steht das Argument \(\omega t\) — und \(\omega\) ist um \(2\pi\) größer als \(f\). Setzt man \(f\) ein, fehlt dieser Faktor, das Argument ist rund sechsmal zu klein.

Richtige Reihenfolge: erst \(\omega=\dfrac{2\pi}{T}=2\pi f\) berechnen, dann \(y=\hat{y}\cdot\sin(\omega t)\) auswerten.

Beispielrechnung\(\hat{y}=5{,}0\,\mathrm{cm}\), \(T=2{,}0\,\mathrm s\), \(t=0{,}5\,\mathrm s\): \(\omega=\dfrac{2\pi}{2{,}0\,\mathrm s}=\pi\,\tfrac{1}{\mathrm s}\), also \(y=5{,}0\,\mathrm{cm}\cdot\sin\!\left(\tfrac{\pi}{2}\right)=5{,}0\,\mathrm{cm}\) — der Umkehrpunkt. Mit \(f=0{,}50\,\mathrm{Hz}\) statt \(\omega\) käme \(\sin(0{,}25)=0{,}247\) und damit \(1{,}2\,\mathrm{cm}\) heraus.
Mini-Check

Welcher Ansatz beschreibt eine harmonische Schwingung korrekt?

6Taschenrechner im Gradmaß statt im Bogenmaß

Falsche Aussage„Für \(y=\hat{y}\cdot\sin(\omega t)\) muss der Taschenrechner im Gradmaß stehen.“

Was gemeint ist: Wo ein Sinus steht, vermutet man einen Winkel in Grad. Der Rechner bleibt auf DEG — und liefert scheinbar plausible, aber viel zu kleine Werte.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Die Kreisfrequenz hat die Einheit \(\tfrac{1}{\mathrm s}\). Das Produkt \(\omega t\) ist deshalb eine reine Zahl ohne Einheit — und genau so ist ein Winkel im Bogenmaß definiert. Der Rechner muss auf RAD stehen.

Kontrolle: Ein Viertel der Periode entspricht \(\omega t=\tfrac{\pi}{2}\approx 1{,}57\); dort muss \(\sin(\omega t)=1\) herauskommen. Zeigt der Rechner stattdessen \(0{,}027\), steht er im Gradmaß.

Beispielrechnung\(\hat{y}=8{,}0\,\mathrm{cm}\), \(T=2{,}0\,\mathrm s\), \(t=0{,}25\,\mathrm s\): \(\omega t=\pi\cdot 0{,}25=0{,}785\) (entspricht \(45^\circ\)). Im Bogenmaß: \(\sin 0{,}785=0{,}707\), also \(y=5{,}66\,\mathrm{cm}\). Im Gradmaß liefert der Rechner \(0{,}0137\) und damit \(0{,}11\,\mathrm{cm}\) — ein Fehler um mehr als den Faktor 50.
Mini-Check

Das Argument lautet \(\omega t=0{,}785\). Welchen Sinuswert liefert ein richtig eingestellter Taschenrechner?

3

Pendel — wovon \(T\) wirklich abhängt

Bei jeder Pendelaufgabe hilft dieselbe Frage: Welche Größen stehen überhaupt in der Formel für \(T\)? Alles, was dort nicht vorkommt, ist für die Schwingungsdauer belanglos.

7Größere Auslenkung, längere Schwingungsdauer

Falsche Aussage„Wenn man die Masse weiter auslenkt, dauert eine Schwingung länger — der Weg ist ja länger.“

Was gemeint ist: Der zurückgelegte Weg wird tatsächlich größer. Daraus wird auf eine längere Zeit geschlossen, so als bliebe die Geschwindigkeit dieselbe.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

In \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}\) kommt die Amplitude überhaupt nicht vor. Die Schwingungsdauer hängt nur von der Masse \(m\) und der Richtgröße \(D\) ab.

Physikalisch: Nach \(F=-D\cdot y\) ist die rücktreibende Kraft bei größerer Auslenkung genauso viel größer. Der Körper wird stärker beschleunigt und ist entsprechend schneller unterwegs — längerer Weg und höhere Geschwindigkeit heben sich exakt auf.

Beispielrechnung\(m=0{,}20\,\mathrm{kg}\), \(D=20\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\): \(\dfrac{m}{D}=0{,}010\,\mathrm{s^2}\), \(\sqrt{0{,}010\,\mathrm{s^2}}=0{,}10\,\mathrm s\), \(T=2\pi\cdot 0{,}10\,\mathrm s=0{,}63\,\mathrm s\). Ob man \(2{,}0\,\mathrm{cm}\) oder \(4{,}0\,\mathrm{cm}\) auslenkt, ändert daran nichts.
Mini-Check

Ein Feder-Masse-Pendel wird statt \(2{,}0\,\mathrm{cm}\) nun \(4{,}0\,\mathrm{cm}\) ausgelenkt. Ändert sich dadurch die Schwingungsdauer?

8Ein schwererer Pendelkörper schwingt schneller

Falsche Aussage„Die Schwerkraft zieht an einer größeren Masse stärker, also schwingt ein schwereres Fadenpendel schneller.“

Was gemeint ist: Der Antrieb des Fadenpendels ist die Gewichtskraft, und die ist bei größerer Masse tatsächlich größer. Betrachtet wird dabei nur der Antrieb — die Trägheit wird übersehen.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Eine größere Masse wird stärker gezogen, ist aber im selben Maß träger. Beides hebt sich auf: Die Masse kürzt sich heraus und taucht in \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{l}{g}}\) gar nicht mehr auf.

Die Schwingungsdauer des Fadenpendels hängt nur von der Länge \(l\) und der Fallbeschleunigung \(g\) ab — bei kleinen Winkeln bis etwa \(10^\circ\) auch nicht von der Amplitude. Vierfache Länge verdoppelt \(T\).

Genau deshalb lässt sich aus gemessenem \(T\) und bekannter Länge \(l\) umgekehrt die Fallbeschleunigung \(g\) bestimmen.

Beispielrechnung\(l=1{,}0\,\mathrm m\), \(g=9{,}81\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm{s^2}}\): \(\sqrt{\dfrac{1{,}0\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}}=0{,}319\,\mathrm s\), \(T=2\pi\cdot 0{,}319\,\mathrm s=2{,}0\,\mathrm s\) — für \(50\,\mathrm g\) genauso wie für \(500\,\mathrm g\).
Mini-Check

Bei einem Fadenpendel wird die Masse verdoppelt, die Fadenlänge bleibt gleich. Was passiert mit \(T\)?

9Masse und Fallbeschleunigung in der falschen Formel

Falsche Aussage„Beim Fadenpendel setzt man die Masse ein, beim Feder-Masse-Pendel die Fallbeschleunigung \(g\).“

Was gemeint ist: Beide Formeln haben denselben Bauplan \(T=2\pi\sqrt{\;\;}\), und beide Aufbauten hängen an einer Masse. Beim Einsetzen werden die Größen deshalb vertauscht.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Feder-Masse-Pendel: \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}\) — Masse in \(\mathrm{kg}\), Richtgröße in \(\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\). Kein \(g\), denn die Feder liefert den Rücktrieb.

Fadenpendel: \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{l}{g}}\) — Länge in \(\mathrm m\), \(g=9{,}81\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm{s^2}}\). Keine Masse, denn der Rücktrieb kommt aus der Schwerkraft und die Masse kürzt sich heraus.

Merkhilfe ist der gemeinsame Bauplan \(T=2\pi\sqrt{\dfrac{\text{Trägheit}}{\text{Rücktrieb}}}\): Man muss nur entscheiden, wer in diesem Aufbau die Trägheit stellt und wer zurücktreibt.

Beispielrechnung\(m=0{,}20\,\mathrm{kg}\) an \(D=20\,\tfrac{\mathrm N}{\mathrm m}\) ergibt \(T=0{,}63\,\mathrm s\); ein Faden mit \(l=1{,}0\,\mathrm m\) ergibt \(T=2{,}0\,\mathrm s\). Wer hier die Formeln tauscht, rechnet mit Größen, die im Aufbau gar keine Rolle spielen.
Mini-Check

Berechnen Sie die Schwingungsdauer eines Fadenpendels mit \(l=1{,}0\,\mathrm m\) und \(g=9{,}81\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm{s^2}}\) (zwei Nachkommastellen).

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4

Schwingkreis, Einheiten und Rechenweg

Beim Schwingkreis entscheidet weniger das Verständnis als die Sorgfalt: Vorsätze umrechnen, Wurzel nicht vergessen, Reihenfolge einhalten.

10Im Schwingkreis schwingt angeblich nichts

Falsche Aussage„Im Schwingkreis bewegt sich nichts, also schwingt dort auch nichts — das ist nur ein Vergleich.“

Was gemeint ist: Man sucht die sichtbar bewegte Masse wie beim Pendel. Weil Spule und Kondensator stillstehen, wird die Schwingung für ein bloßes Bild gehalten.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Es schwingen Ladung und Stromstärke: Der geladene Kondensator entlädt sich über die Spule, der Strom wechselt periodisch die Richtung, der Kondensator lädt sich immer wieder um.

Die Energie pendelt dabei zwischen dem elektrischen Feld des Kondensators und dem magnetischen Feld der Spule: Ist der Kondensator voll geladen, steckt die ganze Energie im elektrischen Feld und der Strom ist null; ist der Strom maximal, steckt die ganze Energie im magnetischen Feld und der Kondensator ist leer.

Die Analogie ist mehr als ein Bild: \(m\leftrightarrow L\) (Trägheit), \(D\leftrightarrow \tfrac{1}{C}\) (Rücktrieb), \(y\leftrightarrow q\) (Zustandsgröße). Deshalb steht neben \(T=2\pi\sqrt{\tfrac{m}{D}}\) die Thomson-Gleichung \(T=2\pi\sqrt{L\cdot C}\).

Mini-Check

Welche Größen schwingen im elektromagnetischen Schwingkreis?

11Millihenry und Mikrofarad nicht umgerechnet

Falsche Aussage„\(20\,\mathrm{mH}\) sind \(0{,}20\,\mathrm H\), und \(\mathrm{\mu F}\) kann man direkt einsetzen.“

Was gemeint ist: Die Vorsätze werden im Kopf überschlagen — milli mit dem Faktor \(10^{-2}\) statt \(10^{-3}\), mikro gar nicht. Das Ergebnis sieht danach immer noch nach einer Zahl aus, ist aber um Zehnerpotenzen falsch.

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Es gilt \(1\,\mathrm{mH}=10^{-3}\,\mathrm H\) und \(1\,\mathrm{\mu F}=10^{-6}\,\mathrm F\). Also ist \(20\,\mathrm{mH}=0{,}020\,\mathrm H\), nicht \(0{,}20\,\mathrm H\).

In die Thomson-Gleichung \(T=2\pi\sqrt{L\cdot C}\) gehören \(L\) in Henry und \(C\) in Farad. Wer \(\mathrm{mH}\) und \(\mathrm{\mu F}\) unverändert einsetzt, liegt im Produkt um den Faktor \(10^{9}\) daneben.

Plausibilitätscheck: Schulschwingkreise mit \(\mathrm{mH}\) und \(\mathrm{\mu F}\) landen fast immer im Bereich einiger hundert Hertz bis einiger Kilohertz.

Beispielrechnung\(L=10\,\mathrm{mH}=0{,}010\,\mathrm H\), \(C=1{,}0\,\mathrm{\mu F}=1{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm F\): \(L\cdot C=1{,}0\cdot 10^{-8}\,\mathrm{s^2}\), \(\sqrt{L\cdot C}=1{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm s\), \(T=2\pi\cdot 10^{-4}\,\mathrm s=0{,}63\,\mathrm{ms}\) und \(f=\dfrac{1}{T}\approx 1{,}6\,\mathrm{kHz}\).
Mini-Check

Rechnen Sie um: \(L=20\,\mathrm{mH}\) entspricht wie vielen Henry?

H

12Wurzel vergessen, Reihenfolge vertauscht

Falsche Aussage„\(T=2\pi\cdot L\cdot C\) — die Wurzel kann man weglassen, weil \(L\) und \(C\) ohnehin im Produkt stehen.“

Was gemeint ist: Die Wurzel wird beim Abschreiben übersehen oder zu früh gezogen: erst mit \(2\pi\) multiplizieren und dann die Wurzel nehmen. Dasselbe passiert beim Feder-Masse-Pendel mit \(\tfrac{m}{D}\).

Warum ist das falsch? — Richtigstellung

Die Wurzel steht über dem gesamten Produkt bzw. Quotienten: \(T=2\pi\sqrt{L\cdot C}\), \(T=2\pi\sqrt{\tfrac{m}{D}}\), \(T=2\pi\sqrt{\tfrac{l}{g}}\). Der Faktor \(2\pi\) steht immer außerhalb.

Feste Reihenfolge: erst Produkt bzw. Quotient ausrechnen, dann die Wurzel ziehen, zuletzt mit \(2\pi\) multiplizieren.

Die Wurzel hat auch Folgen für Änderungen: Verdoppelt man \(C\), so wächst \(T\) nur um den Faktor \(\sqrt{2}\); vervierfachte Masse oder vervierfachte Fadenlänge verdoppeln \(T\).

Beispielrechnung\(L=20\,\mathrm{mH}=0{,}020\,\mathrm H\), \(C=20\,\mathrm{\mu F}=2{,}0\cdot 10^{-5}\,\mathrm F\): \(L\cdot C=4{,}0\cdot 10^{-7}\,\mathrm{s^2}\), \(\sqrt{L\cdot C}=6{,}3\cdot 10^{-4}\,\mathrm s\), \(T=2\pi\cdot 6{,}3\cdot 10^{-4}\,\mathrm s=4{,}0\,\mathrm{ms}\). Ohne Wurzel käme \(2\pi\cdot 4{,}0\cdot 10^{-7}\,\mathrm s=2{,}5\cdot 10^{-6}\,\mathrm s\) heraus — um mehr als den Faktor 1000 zu klein.
Mini-Check

Berechnen Sie \(T\) für \(L=10\,\mathrm{mH}\) und \(C=1{,}0\,\mathrm{\mu F}\) in Millisekunden (zwei Nachkommastellen).

ms

Faustregeln für die Klausur

Sechs Regeln, die alle zwölf Fehler abdecken — vor der Abgabe einmal durchgehen.

  1. 1Kenngrößen sauber abgreifen. Die Amplitude wird immer von der Ruhelage aus gemessen, die Periodendauer immer für eine volle Hin- und Her-Bewegung. Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt bedeutet \(2\hat{y}\) beziehungsweise \(\tfrac{T}{2}\).
  2. 2Vor jedem Sinus die Kreisfrequenz bilden. Erst \(\omega=\dfrac{2\pi}{T}=2\pi f\) berechnen, dann \(y=\hat{y}\cdot\sin(\omega t)\). Im Sinus steht nie \(f\) — und der Taschenrechner steht auf RAD.
  3. 3Bei jeder Frage nach \(T\) zuerst die Formel lesen. Was dort nicht vorkommt, ist irrelevant: die Amplitude nirgends, die Masse beim Fadenpendel nicht, \(g\) beim Feder-Masse-Pendel nicht.
  4. 4Reihenfolge in \(T=2\pi\sqrt{\;\;}\) einhalten. Erst den Quotienten oder das Produkt ausrechnen, dann die Wurzel ziehen, zuletzt mit \(2\pi\) multiplizieren.
  5. 5Einheiten vor dem Einsetzen umrechnen. \(1\,\mathrm{mH}=10^{-3}\,\mathrm H\), \(1\,\mathrm{\mu F}=10^{-6}\,\mathrm F\), Längen in Meter, Massen in Kilogramm. Erst danach in die Formel.
  6. 6Zum Schluss der Plausibilitätscheck. Wurzelgesetz mitdenken (vierfache Masse oder Länge verdoppelt \(T\), doppeltes \(C\) bringt nur \(\sqrt{2}\)) und prüfen, ob die Größenordnung passt — ein Schulschwingkreis mit \(\mathrm{mH}\) und \(\mathrm{\mu F}\) liegt bei einigen hundert Hertz bis einigen Kilohertz.