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Übung — AFB III

Zehn Aufgaben aus den Kapiteln 6.1.1 bis 6.2.3 auf der Stufe AFB III: verallgemeinern, Aussagen von Mitschülern beurteilen, Fehler aufspüren und Experimente entwerfen. Hier zählt die Begründung mehr als die Zahl.

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Aufgabenblock — AFB III

Diese Übung deckt alle fünf Unterkapitel 6.1.1 bis 6.2.3 ab. Sie bearbeiten 10 Aufgaben der Anforderungsstufe AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren). Gerechnet wird hier wenig — verlangt sind Urteile: Sie beurteilen Aussagen von Mitschülerinnen und Mitschülern, spüren Fehler in einer Heftlösung auf, folgen einem Entscheidungsbaum, schätzen Größenordnungen ab und entwerfen Experimente samt Entscheidungskriterium. Bei den Auswahlaufgaben sind Distraktoren eingebaut: Aussagen, die für sich genommen richtig sind, aber die gestellte Frage nicht entscheiden. Zu jeder Aufgabe gibt es gestufte Hilfen und eine ausführliche Lösung. Zwischendurch stehen zwei Werkzeuge zum Ausprobieren; sie werden nicht bewertet.

A1
Neles Kugelmodell auf dem Prüfstand
AFB III

Kapitel 6.1.1. In der Auswertung des Versuchs mit der Elektronenbeugungsröhre meldet sich Nele.

Nele„Das ist doch klar: Die Elektronen sind winzige Kugeln und prallen an den Kohlenstoffatomen der Folie ab. Die Ringe auf dem Leuchtschirm sind einfach die bevorzugten Abprallrichtungen — dafür brauche ich gar keine Wellen."

Beurteilen Sie Neles Modell. Wählen Sie alle Aussagen aus, die es tragfähig widerlegen. Aussagen, die zwar zutreffen, aber zwischen Kugel- und Wellenmodell gar nicht unterscheiden, gehören nicht dazu.

So geht’s: Mit Tab von Aussage zu Aussage springen, mit Enter oder Leertaste an- und abwählen. Es sind mehrere Aussagen richtig — such alle. Prüfen zeigt dir jede Zeile einzeln.

Ein Gegenargument taugt nur dann, wenn es die beiden Modelle auseinanderhält. Fragen Sie zu jeder Aussage: Würde Nele mit ihrem Kugelmodell dasselbe vorhersagen? Wenn ja, entscheidet die Aussage nichts.Warum so? Genau das ist der Kern von AFB III — nicht „richtig oder falsch", sondern „trägt das Argument die Entscheidung?"
Helligkeit und Foliendicke sagen etwas über die Menge der Elektronen, nicht über die Geometrie des Musters — beide Modelle vertragen sich damit. Entscheidend sind: die dunklen Zwischenräume, der Vergleich mit Röntgenwellen und die Abhängigkeit r ~ 1/√U.
Lösung und Bewertung anzeigen

Tragfähig sind die Aussagen 1, 3 und 5.

Zu 1: Abprallende Kugeln streuen in alle Richtungen und ergäben einen gleichmäßig nach außen auslaufenden Fleck. Beobachtet werden dagegen scharfe helle Ringe, getrennt durch dunkle Zwischenräume. Dunkle Stellen bedeuten: Hier kommt nichts an, obwohl in der Umgebung sehr viel ankommt. Das ist die Signatur der destruktiven Interferenz und lässt sich mit Abprallen nicht erzeugen.

Zu 3: Die regelmäßig angeordneten Kohlenstoffatome wirken wie ein Gitter. Schickt man Röntgenwellen auf denselben Kristall, entsteht dasselbe Muster. Ein Modell, das für Wellen und für Elektronen dasselbe Bild liefert, spricht dafür, dass beide Male derselbe Mechanismus wirkt — Interferenz.

Zu 5: Die Ringradien hängen systematisch von der Beschleunigungsspannung ab: r ~ 1/√U. Über λ = h/√(2·me·e·U) ist das genau die Abhängigkeit der Wellenlänge. Ein Abprallmodell kennt keine Wellenlänge und liefert für diese Abhängigkeit keinen Grund.

Die Distraktoren: Aussage 2 (Strahlstrom) und Aussage 4 (Foliendicke) sind physikalisch richtig — der Strahlstrom ändert nur die Helligkeit, die dickere Folie hat denselben Gitterabstand und damit dieselbe Geometrie. Aber beide Modelle sagen das voraus; sie entscheiden nichts. Aussage 6 ist zwar wahr, hat mit der Musterbildung aber nichts zu tun.

Antwortsatz: Neles Modell ist nicht haltbar. Die dunklen Zwischenräume, der Vergleich mit der Röntgenbeugung am Kristall und die Abhängigkeit r ~ 1/√U zeigen übereinstimmend, dass die Ringe ein Interferenzmuster sind — ein reines Wellenphänomen.

beobachtet Kugelmodell scharfe Ringe,dunkle Zwischenräume ein Fleck, dergleichmäßig ausläuft Das rechte Bild wird nie beobachtet.
Zwei Vorhersagen — nur eine passt
A2
Fehler im Schülerheft — von 2,5 kV auf 10 kV
AFB III

Kapitel 6.1.1. Gegeben ist die Aufgabe: „An der Elektronenbeugungsröhre misst man bei U1 = 2,5 kV für den inneren Ring den Radius r1 = 2,4 cm. Welchen Radius hat dieser Ring bei U2 = 10 kV, und wie ändert sich dabei die Wellenlänge?"

Aus einem Heft stammt die folgende Lösung. Sie enthält genau drei fehlerhafte Zeilen.

Markieren Sie die fehlerhaften Zeilen und korrigieren Sie sie anschließend im Kopf, bevor Sie die Lösung öffnen.

So geht’s: Mit Tab durch die Zeilen gehen, mit Enter oder Leertaste eine Zeile als fehlerhaft markieren (sie wird durchgestrichen). Nochmal drücken hebt die Markierung auf. Es sind genau drei Zeilen fehlerhaft.

Gehen Sie die Zeilen von oben nach unten durch und fragen Sie bei jeder: Folgt sie zwingend aus der vorherigen? Der Zusammenhang lautet r ~ 1/√U — eine Wurzel, kein einfacher Kehrwert.Warum so? Fehler stecken selten im Ergebnis, sondern in dem Schritt, an dem eine Regel falsch angewandt wird.
Aus r ~ 1/√U folgt r2 = r1·√(U1/U2) = 2,4 cm · √(1/4) = 2,4 cm · ½. Auch für λ gilt λ ~ 1/√U. Die erste und die letzte Zeile sind in Ordnung — die Antwort stimmt sogar, obwohl der Rechenweg falsch ist.
Lösung, Korrektur und Fehlernamen anzeigen

Fehlerhaft sind die Zeilen 3, 4 und 5.

Zeile 3 — die Wurzel wird vergessen. Richtig ist: r ~ 1/√U. Bei vierfacher Spannung steht im Nenner √4 = 2, der Radius wird also halbiert, nicht geviertelt. (Wer stattdessen glaubt, schon die doppelte Spannung halbiere den Radius, macht denselben Fehler in die andere Richtung: dort ergibt sich 1/√2 ≈ 71 %.)

Zeile 4 — Folgefehler mit falscher Zahl. Richtig: r2 = r1·√(U1/U2) = 2,4 cm · √(2,5/10) = 2,4 cm · 0,5 = 1,2 cm.

Zeile 5 — dieselbe fehlende Wurzel bei der Wellenlänge. Aus λ = h/√(2·me·e·U) folgt λ ~ 1/√U. Die Wellenlänge sinkt also auf die Hälfte, nicht auf ein Viertel. Genau das ist der Grund für den halbierten Radius: r ~ λ.

Die beiden Fallen: Zeile 1 und Zeile 2 sind korrekt, obwohl Zeile 2 schon den Vervierfachungsfaktor nennt — die Zahl 4 ist richtig, nur der Schluss daraus in Zeile 3 ist falsch. Und Zeile 6 ist inhaltlich richtig: Der Ring ist kleiner. Eine richtige Antwort beweist eben nicht, dass der Weg dorthin stimmt.

Saubere Lösung: U2/U1 = 4 → √4 = 2 → r2 = 2,4 cm : 2 = 1,2 cm, und λ sinkt auf die Hälfte. Zur Kontrolle: Das Produkt r·√U bleibt konstant (2,4·√2,5 = 3,79 und 1,2·√10 = 3,79).

A3
Der Fußball-Einwand — eine Größenordnung entscheidet
AFB III

Kapitel 6.1.2. Nach der Einführung von λ = h/p meldet sich ein Mitschüler.

Einwand aus der Klasse„Die Formel kann nicht allgemein gelten. Ein Fußball hat doch keine Wellenlänge — sonst müsste er sich beim Torschuss um den Pfosten herumbeugen. Also gilt λ = h/p nur für Elektronen."

Nehmen Sie Stellung. Schätzen Sie dazu zuerst die Größenordnung der de-Broglie-Wellenlänge eines Fußballs ab: m = 0,43 kg, v = 25 m/s. Stellen Sie den Regler auf den Zehnerexponenten, den Sie erwarten.

Groessenordnungs-Skala von 10 hoch minus 40 bis 10 hoch 0 Meter mit Vergleichsmarken 10⁻⁴⁰10⁻³⁰10⁻²⁰10⁻¹⁰10⁰ Netzebene 2,1·10⁻¹⁰ m Atomkern Ball 0,22 m 10⁻¹⁰
Geschätzt: λ ≈ 10⁻¹⁰ m

So geht’s: Den Regler mit der Maus ziehen oder mit den Pfeiltasten in Einerschritten des Exponenten bewegen; Pos1 und Ende springen an die Enden. Rechne im Kopf: erst p = m·v, dann λ = h/p — die Zehnerpotenz genügt.

Der Impuls ist rund 10 kg·m/s (genauer: 0,43 · 25 = 10,75). Teilen Sie h = 6,626·10−34 Js durch etwa 101 — nur die Zehnerpotenz zählt.Warum so? Für die Stellungnahme brauchen Sie keine dritte Nachkommastelle, sondern die Größenordnung im Vergleich zu bekannten Längen.
λ = 6,626·10−34 : 10,75 = 6,2·10−35 m. Der Exponent ist also −35. Vergleichen Sie: Ein Atomkern misst rund 10−15 m — der Fußball hat eine Wellenlänge, die noch einmal um zwanzig Zehnerpotenzen darunter liegt.
Rechnung, Vergleich und Stellungnahme anzeigen

Rechnung: p = m·v = 0,43 kg · 25 m/s = 10,75 kg·m/s. Damit λ = h/p = 6,626·10−34 Js : 10,75 kg·m/s = 6,2·10−35 m.

Vergleich: Ein Atomkern hat einen Durchmesser von etwa 10−15 m, der Netzebenenabstand in Graphit beträgt 2,1·10−10 m. Die Wellenlänge des Fußballs ist also rund zwanzig Zehnerpotenzen kleiner als ein Atomkern. Es gibt keine Struktur, an der man eine solche Welle beugen könnte — und keine Messanordnung, die eine Länge dieser Größe auflöst.

Gegenprobe von der anderen Seite: Damit die Wellenlänge des Balls die Breite eines Fußballtors erreichte (7,3 m), müsste er sich mit v = h/(m·λ) = 2,1·10−34 m/s bewegen. Für einen einzigen Millimeter bräuchte er dann 4,8·1030 s, also etwa 1,5·1023 Jahre — das Universum ist mit rund 1,4·1010 Jahren unvorstellbar viel jünger.

Stellungnahme: Der Einwand verwechselt „nicht messbar" mit „nicht vorhanden". Die Gleichung λ = h/p gilt für jedes Objekt mit Impuls, auch für den Fußball. Weil aber seine Masse und damit sein Impuls riesig sind, wird λ so winzig, dass sich Beugung grundsätzlich nicht beobachten lässt. Der Ball beugt sich nicht um den Pfosten — nicht weil die Formel für ihn ungültig wäre, sondern weil die von ihr vorhergesagte Wellenlänge um dreißig Zehnerpotenzen unter allem liegt, was ein Hindernis in der Welt an Struktur zu bieten hat. Genau deshalb sehen wir Quanteneffekte im Alltag nicht: Nicht die Natur wechselt die Regeln, sondern die Größenordnung.

λ = h/p — drei Objekte Elektron, 1,0·10⁶ m/s7,3·10⁻¹⁰ m so groß wie der Atomabstand — Beugung möglich Fulleren C₆₀, 200 m/s2,8·10⁻¹² m kleiner als das Molekül selbst — noch messbar Fußball, 25 m/s6,2·10⁻³⁵ m 20 Zehnerpotenzen unter dem Atomkern Die Formel gilt überall — messbar ist sie nur ganz links.
Größenordnungen im Vergleich
A4
Jonas’ Laserversuch — ein Entscheidungsbaum
AFB III

Kapitel 6.1.1 mit 6.1.2. Jonas möchte den Versuch vereinfachen.

Jonas„Wir müssen die Elektronen doch gar nicht beschleunigen. Ich nehme einfach unseren roten Laser (λ = 630 nm), leuchte damit durch dieselbe Graphitfolie und wir bekommen dieselben Ringe — nur heller."

Entscheiden Sie, ob Jonas’ Versuch gelingen kann. Arbeiten Sie den Entscheidungsbaum Knoten für Knoten ab; nach jeder Wahl wird der nächste Knoten sichtbar. Am Ende prüfen Sie den ganzen Pfad.

Knoten 1

Welche Größe entscheidet überhaupt darüber, ob an einer regelmäßigen Struktur ein Beugungsbild entstehen kann?

So geht’s: In jedem Knoten mit Tab zwischen den Ästen wechseln und mit Enter oder Leertaste wählen. Der nächste Knoten erscheint danach von selbst — auch wenn der Ast nicht der beste war. Erst „Pfad prüfen" bewertet alle drei Entscheidungen.

Für das Gitter gilt sin α = λ/d. Überlegen Sie, welche Werte ein Sinus überhaupt annehmen kann — und rechnen Sie erst danach.Warum so? Ein Ergebnis, das eine mathematische Schranke sprengt, ist kein „schwer messbarer" Fall, sondern zeigt: Der Vorgang findet gar nicht statt.
630 nm = 6,3·10−7 m. Damit ist λ/d = 6,3·10−7 : 2,1·10−10 = 3,0·103. Zum Vergleich: Ein Elektron bei 4,0 kV hat λ = 1,9·10−11 m, also λ/d = 0,092 und damit α ≈ 5,3°.
Lösung und allgemeines Entscheidungskriterium anzeigen

Knoten 1: Entscheidend ist das Verhältnis λ/d. Leistung und Foliendicke bestimmen nur die Helligkeit des Bildes, nicht seine Geometrie.

Knoten 2: sin α = λ/d = 6,3·10−7 m : 2,1·10−10 m = 3,0·103. Der Wert 0,09 gehört zum Elektron bei 4,0 kV, der Wert 3,3·10−4 entstünde, wenn man versehentlich d/λ rechnet.

Knoten 3: Ein Sinus liegt immer zwischen −1 und 1. Ein Ergebnis von 3000 bedeutet: Es gibt keinen Winkel, der die Gitterbedingung erfüllt. Jonas’ Versuch liefert kein Ringmuster, und daran ändert weder ein stärkerer Laser noch ein weiter entfernter Schirm etwas. Auch sichtbares Licht von 550 nm hilft nicht: dort ist λ/d = 2,6·103.

Das allgemeine Kriterium: Beugung an einer Struktur mit dem Abstand d ist nur beobachtbar, wenn die Wellenlänge höchstens etwa so groß wie d ist. Sichtbares Licht ist rund tausendmal zu langwellig für den Atomabstand im Kristall. Elektronen dagegen erreichen bei einigen Kilovolt Wellenlängen von einigen Zehntel Nanometern bis wenigen Pikometern — genau in der Größenordnung des Netzebenenabstands. Nur deshalb funktioniert die Elektronenbeugung an Graphit, und nur deshalb ist sie überhaupt der Versuch, mit dem sich das Wellenverhalten von Elektronen zeigen lässt.

Antwortsatz: Jonas’ Versuch kann nicht gelingen. Mit λ = 630 nm ergäbe die Gitterbedingung sin α = 3,0·103 > 1, was unmöglich ist. Das Licht ist um mehr als drei Zehnerpotenzen zu langwellig für den Netzebenenabstand des Graphits.

A5
Ein Prüfverfahren entwerfen — geht Beugung mit diesem Objekt?
AFB III

Kapitel 6.1.2. Eine Arbeitsgruppe fragt: „Kann man auch mit C60-Molekülen (Fullerenen) ein Interferenzmuster erzeugen?" Statt zu raten, soll ein allgemein verwendbares Prüfverfahren entstehen.

Entwerfen Sie den Ablauf: Bringen Sie die fünf Arbeitsschritte in eine sinnvolle Reihenfolge und benennen Sie anschließend das Entscheidungskriterium. Daten: m = 1,20·10−24 kg, v = 200 m/s, Gitterkonstante d = 100 nm, Abstand Gitter–Detektor L = 1,25 m.

  1. Eine Struktur mit passendem Abstand aussuchen — hier ein Gitter mit d = 100 nm.
  2. Die Messgröße festlegen und abschätzen: Δy = L·λ/d = 35 µm — groß genug für den Detektor?
  3. Den Impuls des Objekts bestimmen: p = m·v = 2,40·10−22 kg·m/s.
  4. Das Verhältnis λ/d bilden und mit dem Kriterium vergleichen.
  5. Daraus die Wellenlänge berechnen: λ = h/p = 2,8·10−12 m.

So geht’s: Mit Tab zu den Pfeiltasten eines Schrittes springen und mit Enter oder Leertaste den Schritt nach oben oder unten schieben. Jede Verschiebung wird angesagt. Überlege zuerst: Welche Größe kannst du ohne alle anderen berechnen?

Fragen Sie bei jedem Schritt: Welche Größen muss ich schon kennen, um ihn ausführen zu können? Für λ brauche ich p, für λ/d brauche ich λ und d, für Δy brauche ich beides plus L.Warum so? Ein Verfahren ist genau dann sinnvoll geordnet, wenn kein Schritt eine Größe benutzt, die erst später entsteht.
Der Anfang ist immer das Objekt selbst: Masse mal Geschwindigkeit. Ganz zum Schluss steht die Frage, ob man das Vorhergesagte auch sehen kann — der Streifenabstand muss größer sein als die Auflösung des Detektors.
Reihenfolge, Kriterium und Gegenbeispiel anzeigen

Reihenfolge:

1. p = m·v = 1,20·10−24 kg · 200 m/s = 2,40·10−22 kg·m/s.
2. λ = h/p = 6,626·10−34 : 2,40·10−22 = 2,8·10−12 m.
3. Struktur wählen: Gitter mit d = 100 nm = 1,0·10−7 m.
4. λ/d = 2,8·10−12 : 1,0·10−7 = 2,8·10−5 — deutlich kleiner als 1, die Gitterbedingung ist erfüllbar.
5. Δy = L·λ/d = 1,25 m · 2,8·10−12 : 1,0·10−7 = 3,5·10−5 m = 35 µm.

Das Entscheidungskriterium besteht aus zwei Teilen. Erstens muss die Wellenlänge höchstens etwa so groß wie der Strukturabstand sein, sonst gibt es überhaupt keine Beugungsrichtung. Zweitens muss der vorhergesagte Streifenabstand Δy größer als die Auflösung des Detektors sein, sonst verschmiert das Muster zu einem einzigen Fleck. Beide Bedingungen sind hier erfüllt: 35 µm lassen sich messen.

Warum der zweite Teil nötig ist — ein Gegenbeispiel: Nimmt man statt des feinen Gitters eine Unterrichtsblende mit d = 0,50 mm und Elektronen mit λ = 1,23·10−11 m, so ist die erste Bedingung glänzend erfüllt, aber Δy = 9,8·10−9 m ≈ 10 nm. Das ist rund tausendmal kleiner als die Detektorauflösung von etwa 0,01 mm — man sieht nur einen hellen Fleck. Ein Versuch kann also an der Geometrie scheitern, obwohl die Physik ihn erlaubt.

Bemerkenswert am Fulleren: Seine Wellenlänge von 2,8·10−12 m ist etwa siebenmal kleiner als die 1,9·10−11 m eines Elektrons bei 4,0 kV und rund vierhundertmal kleiner als das Molekül selbst. Trotzdem interferiert es. Das Verfahren macht sichtbar, dass die Frage „Quantenobjekt oder nicht?" keine Frage der Größe des Objekts ist, sondern eine Frage von λ, d und Auflösung.

Werkzeug 1

Die Leiter der Wellenlängen

Neun Objekte aus dem Kapitel, alle nach derselben Regel λ = h/(m·v) gerechnet, auf einer logarithmischen Achse von 10−36 m bis 100 m. Zwei Marken helfen beim Urteilen: der Netzebenenabstand in Graphit (2,1·10−10 m) und der Durchmesser eines Atomkerns (10−15 m). Wählen Sie ein Objekt und lesen Sie ab, wie weit seine Wellenlänge von der Marke entfernt liegt, an der Beugung überhaupt möglich wird. Dieses Werkzeug wird nicht bewertet.

Logarithmische Achse der de-Broglie-Wellenlaengen mit dem ausgewaehlten Objekt Netzebene d Atomkern Wellenlänge in Metern, logarithmisch links winzig — rechts alltäglich
Elektron

Bedienung: Mit Tab zu den Schaltflächen, mit Enter oder Leertaste auswählen; die Pfeiltasten wechseln direkt zum nächsten oder vorigen Objekt. Nichts wird animiert — jedes Bild erscheint sofort.

A6
Ein Punkt auf dem Schirm — folgt daraus eine feste Bahn?
AFB III

Kapitel 6.2.1. Im Doppelspaltversuch mit einzelnen Elektronen erscheint jedes Mal genau ein Punkt auf dem Leuchtschirm. Zur Auswertung liegen Messwerte vor (je N = 20 000 Elektronen), einmal für einen dunklen Streifen P und einmal für einen hellen Streifen Q:

nur Spalt 1 offen: P 850, Q 900  ·  nur Spalt 2 offen: P 870, Q 880  ·  beide offen: P 35, Q 3520

Beurteilen Sie die vier Aussagen. Ordnen Sie jede genau einer Spalte zu; eine Spalte darf mehrfach vorkommen.

Beurteilung von vier Aussagen zum punktförmigen Treffer im Doppelspaltversuch
Aussagetrifft zutrifft nicht zurichtig beobachtet, aber falsch gedeutet
Jedes einzelne Elektron wird als punktförmiger Fleck nachgewiesen, nie als verschmierter Streifen.
Weil der Treffer punktförmig ist, muss das Elektron auf einer festen Bahn durch genau einen der beiden Spalte geflogen sein.
Gäbe es feste Bahnen, müsste das Bild bei zwei offenen Spalten die Summe der beiden Einzelspaltbilder sein — an P also etwa 1720 statt der gemessenen 35 Treffer.
In P fehlen fast alle erwarteten Treffer — dort müssen die Elektronen also vernichtet worden sein.

So geht’s: Mit Tab in eine Zeile springen, mit den Pfeiltasten die Spalte wählen. Die dritte Spalte ist für Aussagen gedacht, deren Beobachtung stimmt, deren Schlussfolgerung aber nicht.

Zerlegen Sie jede Aussage in zwei Teile: Was wurde gemessen, und was wird daraus geschlossen? Erst dann entscheiden Sie über die Spalte.Warum so? In der Quantenphysik sind die Messwerte selten strittig — gestritten wird über die Deutung.
Prüfen Sie die letzte Zeile mit der Erhaltung der Gesamtzahl: Bei beiden offenen Spalten fehlen in P rund 1700 Treffer, in Q kommen dafür rund 1700 zusätzlich an (1780 erwartet, 3520 gemessen). Nichts geht verloren.
Beurteilung und Begründung anzeigen

Zeile 1 — trifft zu. Der Nachweis ist immer punktförmig: ein einzelner Fleck, nie ein verschmiertes Muster. Ein einzelnes Elektron erzeugt keine Streifen; das Muster ist stets die Summe sehr vieler Ereignisse. Bei 10 Elektronen sieht man scheinbar zufällige Punkte, bei 1000 lässt sich das Streifenmuster erahnen, bei 100 000 ist es klar ausgeprägt — und die Lage der Streifen ändert sich dabei nie.

Zeile 2 — trifft nicht zu. Aus dem punktförmigen Nachweis folgt nur, wo das Elektron registriert wurde, nicht, wie es dorthin gelangte. Der Schluss auf eine feste Bahn durch einen bestimmten Spalt ist eine Zusatzannahme, die die Messung nicht hergibt.

Zeile 3 — trifft zu. Das ist genau die Gegenprobe zu Zeile 2: Wären die Bahnen fest, wäre jedes Elektron entweder ein Spalt-1- oder ein Spalt-2-Elektron, und das Gesamtbild müsste die Summe der Einzelbilder sein. An P erwartete man 850 + 870 = 1720 Treffer, gemessen werden 35 — rund 2 %. Minima wären bei festen Bahnen gar nicht möglich. Die Amplitudenaddition trifft dagegen: An Q ergibt (√900 + √880)2 ≈ 3560, gemessen wurden 3520.

Zeile 4 — richtig beobachtet, aber falsch gedeutet. Dass in P fast alle erwarteten Treffer fehlen, ist korrekt abgelesen. Der Schluss auf Vernichtung ist falsch: Die Gesamtzahl der Elektronen bleibt gleich. An Q kommen statt der klassisch erwarteten 1780 gleich 3520 an — die fehlenden Treffer aus den Minima tauchen in den Maxima wieder auf. Interferenz ist Umverteilung von Intensität, nie Vernichtung; die Energieerhaltung bleibt gewahrt.

Antwortsatz: Der punktförmige Treffer zeigt, dass Elektronen stets als Ganzes und an einem Ort nachgewiesen werden. Er erlaubt aber keinen Schluss auf eine Bahn durch genau einen Spalt — die Messwerte widerlegen diese Annahme sogar, denn sonst dürfte es keine Minima geben.

Klassische Summe gegen Messung 172035 17803520 Streifen PStreifen Q (dunkel)(hell) gestrichelt = erwartet · gefüllt = gemessen
Umverteilung, nicht Verlust
A7
Experiment entwerfen — stoßen sich die Elektronen gegenseitig?
AFB III

Kapitel 6.2.1. Eine verbreitete Erklärung für das Streifenmuster lautet:

Behauptung„Die Streifen entstehen nur, weil im Strahl sehr viele Elektronen unterwegs sind und sich gegenseitig stoßen. Die Stöße lenken sie in bestimmte Richtungen — daher die Streifen."

Entwerfen Sie ein Experiment, das diese Behauptung entscheidet, und benennen Sie das Entscheidungskriterium. Wählen Sie alle Bausteine aus, die der Versuch dafür braucht.

So geht’s: Mit Tab zur Aussage, mit Enter oder Leertaste an- und abwählen. Frag dich bei jedem Baustein: Bringt er die Entscheidung näher — oder arbeitet er ihr sogar entgegen?

Ein Versuch entscheidet eine Behauptung nur, wenn er genau die Ursache ausschaltet, die die Behauptung nennt. Was müsste also fehlen, damit ein Stoß gar nicht mehr möglich ist?Warum so? Das ist das Grundmuster jedes Kontrollversuchs: eine Größe gezielt entfernen und schauen, ob der Effekt bleibt.
Ein Elektron braucht für s = 0,45 m bei v = 3,0·107 m/s die Zeit t = 1,5·10−8 s = 15 ns. Bei einer Rate von 1,0·103 Elektronen pro Sekunde liegen im Mittel 1,0 ms zwischen zwei Elektronen. Alles, was die Rate erhöht, zerstört gerade die Aussagekraft des Versuchs.
Versuchsplan, Kriterium und Ergebnis anzeigen

Nötig sind die Bausteine 1, 2, 4 und 6.

Der Plan: Man drosselt die Glühkathode so weit, dass sie einzelne Elektronen freisetzt — etwa 60 pro Minute. Jedes Elektron wird beschleunigt, durchläuft den Doppelspalt und erzeugt genau einen Punkt auf dem Leuchtschirm. Dieser Punkt wird gespeichert, dann folgt das nächste Elektron. Nach sehr vielen Durchgängen betrachtet man die Summe aller Punkte.

Der Nachweis der Vereinzelung gehört zwingend dazu, sonst bleibt der Einwand bestehen: Die Flugdauer beträgt t = s/v = 0,45 m : 3,0·107 m/s = 15 ns, der mittlere zeitliche Abstand bei 1,0·103 Elektronen pro Sekunde dagegen Δt = 1,0 ms. Das Verhältnis t/Δt = 1,5·10−5 heißt: Die Apparatur ist nur an etwa 0,0015 % der Zeit überhaupt besetzt und im Mittel rund 67 000-mal so lange leer, wie ein Flug dauert. Ein Stoßpartner ist praktisch nie da.

Das Entscheidungskriterium: Entsteht das Streifenmuster auch bei Vereinzelung — mit denselben Streifenlagen wie im starken Strahl —, so kann es nicht von gegenseitigen Stößen herrühren. Bliebe dagegen ein strukturloser Fleck, wäre die Behauptung gestützt.

Das Ergebnis: Das Muster entsteht. Jedes Elektron interferiert mit sich selbst; man spricht von Selbstinterferenz. Bei 60 Elektronen pro Minute und 50 Minuten Messzeit kommen 3000 Treffer zusammen, in denen sich das Muster gerade erahnen lässt; für ein sauberes Bild braucht man Hunderttausende Ereignisse. Genau deshalb gelang dieser Versuch mit einzelnen Elektronen erst 1989.

Warum die beiden anderen Bausteine schaden: Ein höherer Strahlstrom bringt mehr Elektronen gleichzeitig in die Apparatur — er stellt genau die Bedingung wieder her, die der Versuch ausschließen soll. Zwei gleichzeitig betriebene Quellen tun dasselbe noch deutlicher. Beide Maßnahmen würden das Bild schneller sichtbar machen, aber die Frage unbeantwortet lassen.

A8
Mias Einwand — ist die Wahrscheinlichkeit nur unsere Unwissenheit?
AFB III

Kapitel 6.2.2. Nach der Einführung der stochastischen Deutung sagt Mia:

Mia„Wahrscheinlichkeiten benutzt man doch immer nur dann, wenn man zu wenig weiß — wie beim Würfel. In Wirklichkeit hat das Elektron einen bestimmten Auftreffort, wir kennen ihn bloß noch nicht. Mit besseren Messgeräten könnte man ihn vorhersagen."

Beurteilen Sie Mias Position. Wählen Sie alle Aussagen aus, die sie tragfähig widerlegen. Zwei der Antwortmöglichkeiten sind selbst verbreitete Fehlvorstellungen — die gehören nicht dazu.

So geht’s: Mit Tab zur Aussage, mit Enter oder Leertaste an- und abwählen. Vier Aussagen widerlegen Mia, zwei sind selbst falsch.

Beim Würfel gibt es einen wahren Wert, den wir nicht kennen. Fragen Sie: Gibt es beim Elektron überhaupt einen solchen verborgenen wahren Auftreffort — und welche Beobachtung spräche dagegen?Warum so? Der Unterschied zwischen „unbekannt" und „unbestimmt" ist der Kern der stochastischen Deutung.
Das stärkste Argument liefern die dunklen Streifen: Wo die Amplitude null ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit null. Ein „in Wirklichkeit bestimmter, nur unbekannter" Ort müsste dort gelegentlich vorkommen — er tut es nie. Achtung: Aus der Unbestimmtheit des Einzelfalls folgt nicht, dass gar nichts vorhersagbar wäre.
Beurteilung und Stellungnahme anzeigen

Tragfähig sind die Aussagen 1, 2, 4 und 6.

Zu 1: Helle Streifen entstehen dort, wo ψ eine große Amplitude hat: hohe Wahrscheinlichkeit. In dunklen Streifen ist die Amplitude null, also ist auch die Findewahrscheinlichkeit null — dort landet kein Elektron. Ein bloß unbekannter, aber tatsächlich vorhandener Auftreffort müsste sich dort gelegentlich zeigen.

Zu 2: Die Unbestimmtheit ist grundsätzlicher Natur. Selbst wenn ψ vollständig bekannt ist, bleibt offen, wo das nächste Elektron einschlägt. Bessere Geräte ändern daran nichts, weil das Problem nicht in den Geräten steckt.

Zu 4: ψ ist eine Wahrscheinlichkeitsamplitude, keine Wissenslücke und auch kein verschmiertes Elektron. Sie darf sogar negativ werden; gemessen wird das Quadrat, weshalb Wellenberg und Wellental gleichwertig sind. Nachgewiesen wird immer ein Punkt.

Zu 6: Mia hätte recht, wenn die Theorie nichts vorhersagte. Sie sagt aber die Häufigkeitsverteilung sehr genau voraus: Erwartungswert P·N = 0,12 · 5000 = 600 Treffer, typische Streuung √600 ≈ 25, also rund 4 %. Vorhersagbar ist die Verteilung, unbestimmt der Einzelfall.

Die beiden Fehlvorstellungen: Aussage 3 überzieht in die Gegenrichtung — aus dem zufälligen Einzelfall folgt gerade nicht, dass nichts vorhersagbar wäre. Aussage 5 deutet ψ als „verschmiertes Elektron"; tatsächlich wird stets ein punktförmiger Treffer registriert, und ψ beschreibt nicht das Objekt selbst, sondern die Amplitude, aus deren Quadrat die Findewahrscheinlichkeit folgt.

Antwortsatz: Mias Vergleich mit dem Würfel trägt nicht. Beim Würfel verdeckt Unwissenheit einen bestehenden Wert; beim Elektron gibt es vor der Messung keinen bestimmten Auftreffort. Die Theorie ist deshalb nicht unvollständig — sie sagt exakt das voraus, was überhaupt bestimmt ist: die Verteilung sehr vieler Treffer.

A9
Fehler im Schülerheft — Amplitude, Erwartungswert und Streuung
AFB III

Kapitel 6.2.2. Zu bearbeiten war: „In einem Streifen beträgt die Findewahrscheinlichkeit P = 12 %. Wie viele Treffer erwartet man bei N = 5000 Elektronen? In einem anderen Streifen sagt die Rechnung 500 Treffer voraus, gemessen werden 480 — was folgt daraus? Und was geschieht, wenn die Amplitude von ψ verdoppelt wird?"

Die folgende Heftlösung enthält genau drei fehlerhafte Zeilen. Markieren Sie sie und formulieren Sie die Korrektur.

So geht’s: Mit Tab durch die Zeilen, mit Enter oder Leertaste markieren. Drei Zeilen sind fehlerhaft — je eine bei der Einheit, eine bei der Deutung einer Abweichung und eine beim Quadrat.

Prüfen Sie erstens: Ist P als Anteil oder als Prozentzahl eingesetzt? Zweitens: Wie groß ist die zu erwartende Streuung, bevor man von Widerspruch spricht? Drittens: Wovon hängt die Trefferdichte ab — von ψ oder von |ψ|²?Warum so? Diese drei Fragen decken die häufigsten Fehler dieses Unterkapitels ab.
12 % sind der Anteil 0,12. Die Streuung bei 500 erwarteten Treffern beträgt etwa √500 ≈ 22, die Abweichung ist 20 — kleiner als die Streuung. Und aus P ~ |ψ|² folgt: doppelte Amplitude bedeutet vierfache, halbe Amplitude ein Viertel der Trefferdichte.
Korrektur der drei Zeilen anzeigen

Fehlerhaft sind die Zeilen 2, 4 und 5.

Zeile 2 — Prozent statt Anteil. In P·N muss P als Anteil eingesetzt werden: 12 % = 0,12. Richtig ist 0,12 · 5000 = 600 Treffer. Der Fehler kostet den Faktor 100; ein Blick auf die Plausibilität hätte ihn gefangen — mehr Treffer als Elektronen kann es nicht geben.

Zeile 4 — Streuung als Widerspruch missdeutet. Die typische Streuung beträgt etwa √Nerw = √500 ≈ 22 Treffer. Die gemessene Abweichung von 20 liegt also innerhalb der normalen Schwankung; von einem Widerspruch kann keine Rede sein. Erwartungswerte sind Vorhersagen über Häufigkeiten, keine Garantien für jede einzelne Messung. Je größer N, desto kleiner wird die relative Abweichung: Sie geht wie 1/√N.

Zeile 5 — das Quadrat vergessen. Es gilt P ~ |ψ|². Doppelte Amplitude bedeutet daher vierfache Trefferzahl, halbe Amplitude ein Viertel, ein Viertel der Amplitude ein Sechzehntel und drei Viertel der Amplitude etwa neun Sechzehntel — also gut die Hälfte.

Die korrekten Zeilen: Zeile 1 nennt die richtige Formel, Zeile 3 die richtige Größenordnung der Streuung, und Zeile 6 trifft zu: ψ darf negativ sein, weil gemessen wird das Quadrat — Wellenberg und Wellental sind gleichwertig.

Zur Kontrolle mit anderen Zahlen: Ist die Amplitude an einer Stelle A dreimal so groß wie an B, so treffen dort neunmal so viele Elektronen ein. Werden bei N = 20 000 in B 100 Treffer gezählt, sind es in A 900, entsprechend PA = 0,045 = 4,5 %.

Werkzeug 2

Die Komplementaritäts-Waage

Der Regler bestimmt, für welchen Anteil der Elektronen der Weg bekannt wird. Bei 0 % ist keine Weginformation verfügbar und man sieht das volle Streifenmuster; bei 100 % ist jeder Weg bekannt und es bleiben zwei breite Streifen wie von zwei Einzelspalten. Dazwischen addieren sich beide Bilder — der Übergang ist stetig, nicht sprunghaft. Achten Sie darauf, dass die Gesamtzahl der Treffer dabei unverändert bleibt: Es verschwindet nichts, es wird nur umverteilt. Dieses Werkzeug wird nicht bewertet.

Schirmbild zwischen Interferenzmuster und zwei breiten Streifen Leuchtschirm hinter dem Doppelspalt
Anteil 0 %

Bedienung: Regler mit der Maus ziehen oder mit den Pfeiltasten in 5-Prozent-Schritten verändern; die drei Schaltflächen springen direkt zu den Eckfällen. Es wird nichts animiert — jedes Bild erscheint sofort.

A10
„Rückstoß statt Komplementarität" — die Sichtbarkeitskurve beurteilen
AFB III

Kapitel 6.2.3. Im Fulleren-Interferometer wird die Sichtbarkeit V des Streifenmusters in Abhängigkeit von der Ofentemperatur gemessen: 900 K → V ≈ 0,47 · 2100 K → 0,25 · 2400 K → 0,12 · 3000 K → 0,01. Bis etwa 1500 K bleibt die Kurve nahezu flach, der Halbwert gegenüber 900 K liegt bei rund 2150 K.

Einwand aus der Klasse„Das ist doch gar keine Komplementarität. Je heißer der Ofen, desto mehr Photonen strahlt das Molekül ab, und jedes gibt ihm einen kleinen Stoß. Es wird also einfach mechanisch aus der Bahn geworfen — deshalb verwischt das Muster."

Nehmen Sie Stellung und beurteilen Sie die vier Aussagen. Eine Spalte darf mehrfach vorkommen.

Beurteilung von vier Aussagen zur Sichtbarkeitskurve des Fulleren-Interferometers
Aussagetrifft zutrifft nicht zurichtig beobachtet, aber falsch gedeutet
Die Sichtbarkeit fällt von 0,47 bei 900 K auf 0,01 bei 3000 K; bei etwa 2150 K ist der Halbwert erreicht.
Bis etwa 1500 K bleibt V nahezu unverändert, obwohl der Ofen bereits deutlich heißer geworden ist.
Der flache Anfangsbereich lässt sich allein mit dem Rückstoß der abgestrahlten Photonen erklären.
Weil die Kurve mit steigender Temperatur abfällt, muss das Molekül mechanisch aus seiner Bahn geworfen werden.

So geht’s: Mit Tab in eine Zeile springen, mit den Pfeiltasten die Spalte wählen. Nutze vorher Werkzeug 2, um den stetigen Übergang zwischen Wellen- und Teilchenbild zu sehen.

Mit der Ofentemperatur ändern sich zwei Dinge: die Anzahl der abgestrahlten Photonen und ihre Wellenlänge. Welche der beiden Größen entscheidet darüber, ob sich die beiden Wege unterscheiden lassen?Warum so? Weginformation entsteht nur, wenn die Strahlung fein genug ist, um die Wege zu trennen.
Schon unterhalb von 1500 K strahlt das Molekül; wäre der bloße Rückstoß entscheidend, müsste V dort bereits merklich sinken. Das tut es nicht. Erst wenn die Wärmestrahlung kurzwellig genug wird, um die beiden Wege unterscheidbar zu machen, fällt die Kurve.
Beurteilung, Deutung und Stellungnahme anzeigen

Zeile 1 — trifft zu. Das ist die reine Beschreibung der Messreihe: 900 K → 0,47, 2100 K → 0,25, 2400 K → 0,12, 3000 K → 0,01. Der Halbwert gegenüber 900 K (V ≈ 0,24) wird bei etwa 2150 K erreicht.

Zeile 2 — trifft zu. Der flache Anfangsbereich bis rund 1500 K ist kein Messfehler, sondern ein Befund, den jede Erklärung leisten muss.

Zeile 3 — trifft nicht zu. Genau daran scheitert die Rückstoß-Erklärung. Auch unterhalb von 1500 K strahlt das heiße Molekül bereits; nach der Rückstoß-Vorstellung müsste die Sichtbarkeit dort schon spürbar abnehmen. Sie tut es nicht. Entscheidend ist nicht der Stoß, sondern die Wellenlänge der Wärmestrahlung: Erst wenn sie kurz genug wird, lassen sich die beiden Wege durch das Gitter unterscheiden, und erst dann geht Interferenz verloren.

Zeile 4 — richtig beobachtet, aber falsch gedeutet. Dass die Kurve abfällt, stimmt. Der Schluss auf einen mechanischen Bahnverlust ist es nicht. Maßgeblich ist die grundsätzliche Verfügbarkeit der Weginformation — unabhängig davon, ob jemand sie tatsächlich abliest. Deshalb ändert auch ein eingebauter, aber ausgeschalteter Welcher-Weg-Detektor nichts am Interferenzbild.

Stellungnahme: Der Einwand beschreibt die Beobachtung korrekt, deutet sie aber falsch. Was hier stetig verschwindet, ist nicht die Bahntreue, sondern die Wellenseite des Quantenobjekts — in dem Maße, in dem die Teilchenseite verfügbar wird. Wird nur etwa jedes zweite Molekül „verraten", so addieren sich halbes Interferenzbild und halbes Teilchenbild und der Kontrast halbiert sich ungefähr. Genau diesen stetigen Übergang zeigt die Messkurve. Welle und Teilchen sind zwei einander ergänzende Seiten desselben Quantenobjekts; welche sichtbar wird, entscheidet der Versuchsaufbau — nie beide zugleich. Das Objekt „verwandelt" sich dabei nicht, und es wird auch nicht aus der Bahn geworfen: Nur die Frage, die das Experiment stellt, hat sich geändert.

Die Ursachenkette Ofen heißer Wärmestrahlung kurzwelliger Wege unterscheidbar Sichtbarkeit V sinkt Der Rückstoß steht in keinem Glied dieser Kette.
Weginformation, nicht Stoß

Reflexion — bevor Sie weitergehen

Drei Fragen zum Nachdenken — beantworten Sie sie für sich selbst.

  • 1. Was entscheidet ein Argument?In A1, A7 und A8 waren Aussagen dabei, die zwar zutreffen, die gestellte Frage aber nicht entscheiden. Woran haben Sie diese Distraktoren erkannt — und welche haben Sie zunächst angeklickt?
  • 2. Beobachtung und Deutung:Die Spalte „richtig beobachtet, aber falsch gedeutet" gab es in A6 und A10 genau einmal. Formulieren Sie zu beiden Fällen in einem Satz, wo die Beobachtung endet und die Deutung beginnt.
  • 3. Größenordnung als Argument:A3, A4 und A5 endeten alle mit demselben Muster: eine Zahl ausrechnen und sie mit einer Schranke vergleichen (λ gegen d, sin α gegen 1, Δy gegen die Auflösung). Welche der drei Schranken würden Sie in einer Klausur am ehesten vergessen?