MINT lernen

AbituraufgabenGrundgrößen des Stromkreises

Zwei Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — ohmsches Gesetz, Messschaltung und Kennlinien mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Vorwiderstand einer LED-Rückleuchte

AFB I

Eine LED-Rückleuchte am Fahrrad wird aus einem Akku mit der Spannung \(U = 6{,}0\ \mathrm{V}\) betrieben. Damit durch die Leuchtdiode nicht zu viel Strom fließt, ist ein Vorwiderstand mit \(R = 240\ \Omega\) eingebaut. Zur Kontrolle wird die Schaltung aus Material M1 aufgebaut; der Widerstand wird dabei als ohmsches Bauteil bei gleichbleibender Temperatur betrachtet.

M1Messschaltung mit Amperemeter und Voltmeter
I technische Stromrichtung

Der blaue Pfeil zeigt die technische Stromrichtung. Die Innenwiderstände der Messgeräte werden vernachlässigt.

  1. Geben Sie an, wie Amperemeter und Voltmeter in M1 geschaltet sind, und begründen Sie den Anschluss des Voltmeters.
  2. Berechnen Sie die Stromstärke \(I\) im Stromkreis und geben Sie das Ergebnis zusätzlich in Milliampere an.
  3. Der Vorwiderstand wird bei unveränderter Spannung durch einen mit \(R' = 120\ \Omega\) ersetzt. Erklären Sie, wie sich die Stromstärke dadurch ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Spannung liegt zwischen zwei Punkten an, die Stromstärke fließt durch eine Stelle. Daraus folgt der Anschluss von selbst.Aus dem, was eine Größe beschreibt, ergibt sich zwingend, wie das zugehörige Messgerät eingebaut wird.
Hinweis zu Aufgabe b)
Gesucht ist \(I\), gegeben sind \(U\) und \(R\) — das Formeldreieck liefert die passende Umstellung. Beachte: \(1\ \mathrm{A} = 1000\ \mathrm{mA}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Die Spannung bleibt fest. Sieh dir \(I = \dfrac{U}{R}\) an: Was geschieht mit dem Quotienten, wenn der Nenner halbiert wird?Ein Plausibilitätstest hilft: Kleinerer Widerstand bedeutet weniger Hemmung, also größere Stromstärke.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Das Amperemeter ist in Reihe in den Stromkreis geschaltet, das Voltmeter parallel zum Widerstand. Begründung für das Voltmeter: Die Spannung ist ein Unterschied zwischen zwei Punkten des Stromkreises. Ein Messgerät kann diesen Unterschied nur erfassen, wenn es gleichzeitig an beiden Punkten angeschlossen ist — also parallel zum Bauteil. (Das Amperemeter misst dagegen den Durchfluss an einer einzigen Stelle; der Strom muss durch das Gerät hindurchfließen, deshalb steht es in Reihe.)

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(I = \dfrac{U}{R}\).
\(I = \dfrac{6{,}0\ \mathrm{V}}{240\ \Omega} = 0{,}025\ \mathrm{A}\).
Das entspricht \(I = 25\ \mathrm{mA}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Bei fester Spannung gilt \(I = \dfrac{U}{R}\): Stromstärke und Widerstand sind zueinander umgekehrt proportional. Wird der Widerstand halbiert, verdoppelt sich die Stromstärke. Rechnerisch: \(I' = \dfrac{6{,}0\ \mathrm{V}}{120\ \Omega} = 0{,}050\ \mathrm{A} = 50\ \mathrm{mA}\). Das passt zur Erwartung, dass ein kleinerer Widerstand den Ladungsfluss weniger stark hemmt.

2

Kennlinie eines Konstantandrahts

AFB II

Ein Kurs nimmt an einem Konstantandraht eine Messreihe auf: Die Spannung \(U\) wird schrittweise erhöht und jeweils die Stromstärke \(I\) gemessen (Material M2). Anschließend wird dieselbe Messreihe an einer Glühlampe wiederholt und beides in ein gemeinsames U-I-Diagramm eingetragen (Material M3).

M2Messwerte am Konstantandraht
Stromstärke I in Abhängigkeit von der angelegten Spannung U
\(U\) in V1,02,03,04,05,0
\(I\) in mA4080121159200

Der Draht wurde zwischen den Messungen abgekühlt, seine Temperatur blieb also nahezu konstant.

M3U-I-Diagramm beider Bauteile
U in V I in mA 123456 50100150200250 0 Konstantandraht Glühlampe

Die Punkte des Konstantandrahts liegen auf einer Ursprungsgeraden; die Kennlinie der Glühlampe krümmt sich mit wachsender Spannung zur U-Achse.

  1. Weisen Sie anhand der Messwerte aus M2 nach, dass der Konstantandraht ein ohmsches Bauteil ist, und bestimmen Sie seinen Widerstand.
  2. Berechnen Sie die Stromstärke, die bei \(U = 12\ \mathrm{V}\) zu erwarten ist, wenn die Temperatur des Drahtes gleich bleibt.
  3. Für die Glühlampe in M3 liefert dieselbe Auswertung wachsende Quotienten \(\dfrac{U}{I}\). Ein Schüler folgert daraus: „Für die Glühlampe gilt das ohmsche Gesetz nicht.“ Beurteilen Sie diese Folgerung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Ohmsch heißt: Der Quotient \(\dfrac{U}{I}\) ist für alle Messpunkte gleich. Lege dir dafür eine dritte Tabellenzeile an und rechne die Stromstärken vorher in Ampere um.Der Operator „nachweisen“ verlangt die Rechnung und einen abschließenden Antwortsatz — die Zahlenreihe allein genügt nicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Verwende den in a) bestimmten Widerstand und \(I = \dfrac{U}{R}\). Prüfe das Ergebnis mit einer Überschlagsrechnung: Die Spannung ist etwa doppelt so groß wie der größte Messwert.
Hinweis zu Aufgabe c)
Unterscheide sauber zwei Aussagen: die Definition \(R = \dfrac{U}{I}\), die sich für jeden Messpunkt bilden lässt, und die Proportionalität \(U \sim I\), die nur bei konstantem Widerstand gilt. Was passiert mit dem Glühdraht, wenn die Spannung steigt?„Beurteilen“ verlangt ein begründetes Urteil — hier auch eine präzisere Formulierung der Aussage.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz: Bei einem ohmschen Bauteil ist \(\dfrac{U}{I}\) konstant.
\(\dfrac{1{,}0\ \mathrm{V}}{0{,}040\ \mathrm{A}} = 25{,}0\ \Omega\); \(\dfrac{2{,}0}{0{,}080} = 25{,}0\ \Omega\); \(\dfrac{3{,}0}{0{,}121} = 24{,}8\ \Omega\); \(\dfrac{4{,}0}{0{,}159} = 25{,}2\ \Omega\); \(\dfrac{5{,}0}{0{,}200} = 25{,}0\ \Omega\).
Antwortsatz: Alle fünf Quotienten stimmen im Rahmen der Messgenauigkeit überein, der Quotient ist also konstant und es gilt \(U \sim I\). Der Konstantandraht ist damit ein ohmsches Bauteil mit \(R \approx 25\ \Omega\). Dazu passt, dass die Messpunkte in M3 auf einer Ursprungsgeraden liegen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(I = \dfrac{U}{R}\).
\(I = \dfrac{12\ \mathrm{V}}{25\ \Omega} = 0{,}48\ \mathrm{A} = 480\ \mathrm{mA}\).
Die Spannung ist rund 2,4-mal so groß wie der größte Messwert, die Stromstärke also erwartungsgemäß rund 2,4-mal so groß wie \(200\ \mathrm{mA}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

In dieser Form ist die Folgerung zu ungenau. Der Zusammenhang \(U = R \cdot I\) ist die Definitionsgleichung des Widerstands; der Quotient \(\dfrac{U}{I}\) lässt sich für jeden einzelnen Messpunkt bilden, auch bei der Glühlampe. Was für die Glühlampe nicht gilt, ist die Proportionalität \(U \sim I\): Mit wachsender Spannung wird der Glühdraht heißer, sein Widerstand nimmt zu, deshalb wächst die Stromstärke langsamer als die Spannung und die Kennlinie krümmt sich zur \(U\)-Achse. Präziser wäre also: „Die Glühlampe ist kein ohmsches Bauteil, weil ihr Widerstand von der Temperatur und damit von der Spannung abhängt.“ Für einen einzelnen Betriebspunkt bleibt \(R = \dfrac{U}{I}\) dagegen sinnvoll anwendbar.