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AbituraufgabenFaraday-Käfig

Fünf Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont zur Selbstkontrolle.

1

Gewitter auf der Autobahn

AFB I

Auf einer Autobahn zieht ein Gewitter auf. Die Unterseite der Gewitterwolke ist negativ geladen, der Erdboden darunter wird durch Influenz positiv aufgeladen; zwischen Wolke und Boden bildet sich ein annähernd homogenes elektrisches Feld aus (Material M1). Ein Pkw mit geschlossener Metallkarosserie steht auf dem Standstreifen. Kurz vor einem Blitz wird an der Position P dicht über dem Autodach die Feldstärke \(E_\text{P} = 2{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) gemessen. Zur Kontrolle wird an den Positionen P und Q jeweils eine Probeladung \(q = 5{,}0\,\mathrm{nC}\) an einem Kraftsensor angebracht.

M1Pkw im Feld zwischen Gewitterwolke und Erdboden
Gewitterwolke (Unterseite negativ geladen)−−−−−−−−−−−−−+++++++++++++Erdboden (positiv influenziert)+++++++−−−−−−−PQ

Die Feldlinien verlaufen vom positiv influenzierten Boden senkrecht nach oben zur negativen Wolkenunterseite. An der Karosserie enden sie bzw. beginnen neu — im Innenraum gibt es keine Feldlinien.

  1. Geben Sie an, welche Feldstärke im Innenraum des Pkw herrscht, und nennen Sie zwei Bedingungen, die die Karosserie dafür erfüllen muss.
  2. Beschreiben Sie anhand von Material M1, wie sich die Ladungen auf der Karosserie verteilen.
  3. Berechnen Sie den Betrag der Kraft auf die Probeladung an der Position P und an der Position Q.
Hinweis zu Aufgabe a)
Überlege, was der Begriff „Faraday-Käfig“ über das Feld im Hohlraum aussagt. Die Bedingungen betreffen das Material der Hülle und ihre Form — nicht ihre Dicke.„Geben Sie an“ und „Nennen Sie“ sind AFB-I-Operatoren: Wert bzw. Stichpunkte genügen, eine Begründung wird hier nicht verlangt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Bestimme zuerst die Richtung des äußeren Feldes in M1 (von + nach −). Auf welche Ladungsträger im Metall wirkt eine Kraft, und in welche Richtung? Beschreibe dann, wo im Blech ein Überschuss und wo ein Mangel an Elektronen entsteht.„Beschreiben“ heißt: den Sachverhalt mit Fachbegriffen (Influenz, Elektronenüberschuss, Elektronenmangel) wiedergeben — ohne die Ursache tief zu erklären.
Hinweis zu Aufgabe c)
Nutze \(F = E\cdot q\) und rechne \(1\,\mathrm{nC}=10^{-9}\,\mathrm C\). Für Q brauchst du das Ergebnis aus a).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Im Innenraum gilt \(E_\text{innen}=0\); der Innenraum ist feldfrei. Bedingungen: Die Karosserie muss elektrisch leitend sein (frei bewegliche Elektronen, hier Metall) und sie muss den Innenraum geschlossen umhüllen (keine großen Öffnungen; Fensterflächen und kleine Spalte sind klein gegenüber der Hülle). Dicke des Blechs, Metallsorte und eine Erdung spielen für die Abschirmung keine Rolle.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Das äußere Feld zeigt in M1 vom positiv geladenen Boden nach oben zur negativen Wolke. Auf die frei beweglichen Elektronen der Karosserie wirkt eine Kraft entgegen der Feldrichtung, also nach unten. Durch Influenz sammeln sich Elektronen am Bodenblech und an der Unterseite des Fahrzeugs (Elektronenüberschuss, negativ geladen); auf dem Dach entsteht ein Elektronenmangel (positiv geladen). Die Gesamtladung der Karosserie bleibt dabei null. Die Feldlinien enden von unten kommend auf dem negativen Bodenblech und beginnen auf dem positiven Dach neu — durch den Innenraum verläuft keine Feldlinie.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Umrechnung: \(q = 5{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C\). Position P: \(F_\text{P}=E_\text{P}\cdot q = 2{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\cdot 5{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C = 1{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm N = 0{,}10\,\mathrm{mN}\). Position Q: Im Innenraum ist \(E=0\), also \(F_\text{Q}=E\cdot q=0\) — der Kraftsensor zeigt nichts an.

2

Messreihe an der Metalldose

AFB II

Im Physikraum wird der Faraday-Käfig experimentell überprüft. Zwischen zwei Kondensatorplatten herrscht ein homogenes Feld, das von der linken zur rechten Platte zeigt. Mittig dazwischen steht eine geschlossene Metalldose mit Deckel; sie reicht von \(x = 3{,}0\,\mathrm{cm}\) bis \(x = 7{,}0\,\mathrm{cm}\) (Material M1). Im Deckel befindet sich nur ein schmaler Schlitz, durch den ein isolierender Faden läuft. An diesem Faden hängt eine Probeladung \(q = 2{,}0\,\mathrm{nC}\), die an einem verschiebbaren Kraftsensor befestigt ist. Der Sensor misst den Betrag der Kraft in Feldrichtung; die Probe wird entlang der Achse durch die Dose geführt.

M1Versuchsaufbau: Metalldose im Plattenkondensator
Sensorverschiebbarer Kraftsensor++++−−−−Schlitz im Deckel−−−−++++Metalldose (geschlossen)Probeladung q012345678910x in cm

Die Feldlinien enden auf der linken Wand der Dose und beginnen auf ihrer rechten Wand neu. Die gestrichelte Linie markiert den Weg der Probeladung; die Skala gibt ihre Position \(x\) an.

M2Messwerte
Kraftbetrag F auf die Probeladung in Abhängigkeit von der Position x
\(x\) in cm1,02,03,55,06,58,09,0
\(F\) in µN61600006062

Der Kraftsensor löst bis auf \(1\,\mathrm{\mu N}\) auf; die Ladung der Probe blieb während der gesamten Messreihe unverändert.

  1. Berechnen Sie aus den Messwerten außerhalb der Dose die Feldstärke des Kondensatorfeldes.
  2. Werten Sie die Messreihe aus: Beschreiben Sie den Verlauf der Kraft entlang der Achse und geben Sie an, was daraus für die Feldstärke im Inneren der Dose folgt.
  3. Erklären Sie mithilfe von Influenz und Superposition, wie das Messergebnis im Inneren der Dose zustande kommt. Geben Sie dabei Betrag und Richtung des Gegenfeldes im Inneren an.
  4. Die Messreihe wird mit einer gleich großen Dose aus Kunststoff wiederholt. Begründen Sie, welches Ergebnis in ihrem Inneren zu erwarten ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Bilde zuerst den Mittelwert der vier Kraftwerte außerhalb der Dose und rechne dann mit \(E=\frac{F}{q}\). Achte auf die Vorsätze: \(1\,\mathrm{\mu N}=10^{-6}\,\mathrm N\), \(1\,\mathrm{nC}=10^{-9}\,\mathrm C\).Beim Operator „Berechnen“ gehören Ansatz, Einsetzen mit Einheiten und ein gerundetes Ergebnis dazu — hier sinnvoll auf zwei gültige Ziffern.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche die Werte links, innerhalb und rechts der Dose. Wo ändert sich die Kraft sprunghaft? Was bedeutet \(F=0\) für \(E= \frac{F}{q}\) — und gilt das nur in der Mitte oder an jedem gemessenen Ort im Inneren?„Auswerten“ verlangt, die einzelnen Zahlen zu einer Gesamtaussage zusammenzuführen — nicht nur, sie abzulesen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Drei Schritte: (1) Wohin verschiebt das Kondensatorfeld die freien Elektronen der Dose? (2) Welches Feld erzeugen diese Oberflächenladungen im Hohlraum — in welche Richtung? (3) Wie addieren sich beide Felder dort? Überlege auch, warum die Verschiebung genau dann aufhört, wenn beide Felder gleich groß sind.„Erklären“ heißt: die Ursache-Wirkungs-Kette lückenlos angeben — vom äußeren Feld bis zum Messwert null.
Hinweis zu Aufgabe d)
Kunststoff besitzt keine frei beweglichen Elektronen. Welcher Vorgang aus 1.1.3 tritt in einem Isolator im Feld stattdessen auf, und wie stark ist dessen Wirkung im Vergleich zur Influenz?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Mittelwert der Messwerte außerhalb: \(\displaystyle \bar F=\frac{61+60+60+62}{4}\,\mathrm{\mu N}=60{,}75\,\mathrm{\mu N}\approx 61\,\mathrm{\mu N}=6{,}1\cdot 10^{-5}\,\mathrm N\). Ansatz: \(\displaystyle E=\frac{F}{q}=\frac{6{,}1\cdot 10^{-5}\,\mathrm N}{2{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E\approx 3{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Dass die vier Werte im Rahmen der Messgenauigkeit übereinstimmen, bestätigt zugleich, dass das Kondensatorfeld homogen ist.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Verlauf: Links der Dose (\(x=1{,}0\,\mathrm{cm}\) und \(2{,}0\,\mathrm{cm}\)) ist die Kraft konstant etwa \(60\,\mathrm{\mu N}\). Beim Eintritt in die Dose fällt sie sprunghaft auf null und bleibt an allen drei Messorten im Inneren (\(3{,}5\); \(5{,}0\); \(6{,}5\,\mathrm{cm}\)) null — auch dicht an den Wänden, nicht nur in der Mitte. Rechts der Dose springt sie wieder auf etwa \(60\,\mathrm{\mu N}\). Folgerung: Wegen \(E=\frac{F}{q}\) und \(q\neq 0\) ist im gesamten Inneren der Dose \(E=0\); das Kondensatorfeld wird durch die Dose vollständig abgeschirmt, während es außerhalb unverändert vorhanden ist.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Influenz: Das Kondensatorfeld zeigt nach rechts; auf die frei beweglichen Elektronen des Metalls wirkt eine Kraft entgegen der Feldrichtung, also nach links. Elektronen sammeln sich auf der linken Wand (negativ), auf der rechten Wand bleibt ein Elektronenmangel zurück (positiv). Gegenfeld: Diese Oberflächenladungen erzeugen im Hohlraum ein eigenes Feld, das von der positiven rechten zur negativen linken Wand zeigt — also entgegen dem Kondensatorfeld. Superposition: \(\vec E_\text{ges}=\vec E_\text{K}+\vec E_\text{gegen}\). Die Ladungsverschiebung dauert genau so lange an, wie im Inneren noch ein resultierendes Feld auf die Elektronen wirkt; sie endet, wenn sich beide Felder aufheben. Im Gleichgewicht gilt daher \(E_\text{gegen}=E_\text{K}=3{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\), Richtung nach links, und \(E_\text{ges}=0\) — die Probeladung erfährt keine Kraft, der Sensor zeigt null.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

In Kunststoff sind keine Elektronen frei beweglich; eine Influenz mit Ladungstransport zur Oberfläche findet nicht statt. Möglich ist nur Polarisation: Die Ladungsschwerpunkte der Moleküle verschieben sich geringfügig gegeneinander bzw. vorhandene Dipole richten sich aus. Dadurch entstehen an den Wänden zwar ebenfalls Oberflächenladungen, sie sind aber viel kleiner als bei Influenz und ihr Gegenfeld hebt das Kondensatorfeld nicht auf. Erwartung: Im Inneren der Kunststoffdose zeigt der Sensor nahezu denselben Wert wie außerhalb, etwa \(60\,\mathrm{\mu N}\) (allenfalls geringfügig weniger). Ein Isolator schirmt nicht ab — die Abschirmung ist eine Eigenschaft von Leitern.

3

Wartungsöffnung im Schirmraum

AFB II

Ein Messlabor neben einer Hochspannungsanlage ist als Schirmraum aus Metallblech gebaut. Von der Anlage geht am Ort des Labors ein annähernd homogenes äußeres Feld mit \(E_\text{außen}=6{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) aus; es zeigt in \(x\)-Richtung (Material M1). Für Wartungsarbeiten wird in eine Wand eine große Öffnung geschnitten. Anschließend wird mit einer Probeladung an zwei Punkten im Inneren gemessen: Am Punkt P in der Mitte der Öffnung ergibt sich das Gesamtfeld \(E_\text{P}=1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) in \(x\)-Richtung. Am Punkt Q dicht an der Öffnungskante hat das Feld der influenzierten Ladungen den Betrag \(E_\text{gegen,Q}=4{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) und steht senkrecht auf der \(x\)-Richtung (in M1 nach unten gerichtet).

M1Schirmraum mit Wartungsöffnung im äußeren Feld
Schirmraum (Metallblech)−−−−−++++Eaußen· x-RichtungWartungsöffnungPQInnenraum

Außen enden die Feldlinien auf der negativ influenzierten linken Wand und beginnen auf der positiven rechten Wand neu. Durch die Öffnung dringt ein Teil des Feldes in den Innenraum — dort überlagern sich äußeres Feld und Gegenfeld nicht mehr zu null.

  1. Geben Sie für den Schirmraum vor dem Einbau der Öffnung Betrag und Richtung des Gegenfeldes im Inneren an, und begründen Sie Ihre Angabe.
  2. Berechnen Sie Betrag und Richtung des Gegenfeldes am Punkt P bei geöffneter Wand. Erläutern Sie, was das Ergebnis über die Abschirmwirkung am Punkt P aussagt.
  3. Bestimmen Sie Betrag und Richtung des Gesamtfeldes am Punkt Q. Fertigen Sie dazu eine Skizze der Vektoraddition an.
Hinweis zu Aufgabe a)
Im geschlossenen Käfig ist das Gesamtfeld null. Was muss dann für die Summe aus äußerem Feld und Gegenfeld gelten?
Hinweis zu Aufgabe b)
Beide Felder liegen auf der \(x\)-Achse — die Superposition wird zu einer Addition mit Vorzeichen: \(E_\text{ges}=E_\text{außen}+E_\text{gegen}\). Setze das gemessene Gesamtfeld ein und löse nach \(E_\text{gegen}\) auf. Ein negatives Ergebnis bedeutet: entgegen der \(x\)-Richtung.„Erläutern“ verlangt hier eine Deutung: Vergleiche das Gegenfeld mit dem Wert aus a) und drücke aus, welcher Anteil des äußeren Feldes noch übrig bleibt.
Hinweis zu Aufgabe c)
Zeichne den Vektor des äußeren Feldes (nach rechts) und den Vektor des Gegenfeldes (nach unten) aneinander. Der Betrag der Summe folgt aus dem Satz des Pythagoras, der Winkel zur \(x\)-Richtung aus dem Tangens.„Bestimmen“ heißt: Lösungsweg darstellen und Ergebnis formulieren — hier also Skizze, Rechnung und ein Antwortsatz mit Betrag und Richtung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Vor dem Einbau der Öffnung ist der Schirmraum ein geschlossener Leiter, im Inneren gilt \(\vec E_\text{ges}=\vec E_\text{außen}+\vec E_\text{gegen}=\vec 0\). Daraus folgt \(\vec E_\text{gegen}=-\vec E_\text{außen}\): Das Gegenfeld hat den Betrag \(E_\text{gegen}=6{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) und zeigt entgegen der \(x\)-Richtung. Begründung: Nur wenn beide Felder gleich groß und entgegengesetzt sind, heben sie sich in jedem Punkt des Hohlraums auf; die Influenz endet genau in diesem Zustand, weil dann keine Kraft mehr auf die freien Elektronen wirkt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz (alle Felder auf der \(x\)-Achse, Vorzeichen = Richtung): \(E_\text{ges}=E_\text{außen}+E_\text{gegen}\). Einsetzen: \(1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}=6{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}+E_\text{gegen}\). Ergebnis: \(E_\text{gegen}=-4{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\), also Betrag \(4{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\), Richtung entgegen der \(x\)-Richtung. Erläuterung: Durch die Öffnung fehlt ein Teil der influenzierten Ladungen auf der Wand; das Gegenfeld ist deshalb schwächer als im geschlossenen Raum (\(4{,}5\) statt \(6{,}0\,\mathrm{kN/C}\)). Es kompensiert nur noch 75 % des äußeren Feldes, ein Viertel (\(1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\)) dringt bis P vor — die Abschirmung ist dort unvollständig.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Skizze: Vektor \(\vec E_\text{außen}\) der Länge \(6{,}0\) (Einheit \(10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\)) nach rechts, daran angesetzt \(\vec E_\text{gegen,Q}\) der Länge \(4{,}0\) nach unten; der Summenvektor verläuft vom Anfang des ersten zur Spitze des zweiten Pfeils. Betrag: \(E_\text{Q}=\sqrt{(6{,}0)^2+(4{,}0)^2}\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}=\sqrt{52}\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\approx 7{,}2\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Richtung: \(\tan\alpha=\frac{4{,}0}{6{,}0}\), also \(\alpha\approx 34^\circ\) gegenüber der \(x\)-Richtung, nach unten geneigt. Bemerkenswert: Am Punkt Q ist das Gesamtfeld sogar größer als das äußere Feld — an den Kanten der Öffnung verdichten sich die Feldlinien, das Gegenfeld wirkt dort nicht mehr entgegen, sondern quer zum äußeren Feld.

4

Schutzanzug für Arbeiten unter Hochspannung

AFB II

Monteure warten Hochspannungsleitungen zum Teil bei laufendem Betrieb. Sie tragen dabei einen Schutzanzug aus einem Gewebe, in das feine Metallfäden mit Maschenweiten von wenigen Millimetern eingewoben sind; Haube, Handschuhe und Schuhe sind leitend mit dem Anzug verbunden. Am Arbeitsort treten Feldstärken bis \(2{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) auf. Als Modell für den Anzug dient eine leitende Hohlkugel in einem zunächst homogenen Feld (Material M1).

M1Leitende Hohlkugel im homogenen Feld
ohne Kugel: homogenes Feldmit Metallhohlkugel — zum ErgänzenHohlraumBereich um die Kugel bleibt frei zum Zeichnen

Links das ungestörte homogene Feld. Rechts ist die Metallhohlkugel eingebracht; weit entfernt von ihr bleibt das Feld unverändert — der Bereich um die Kugel ist zum Einzeichnen freigelassen.

  1. Erläutern Sie, warum ein Gewebe mit eingewobenen Metallfäden den Körper ebenso abschirmt wie eine geschlossene Metallhülle.
  2. Skizzieren Sie in Material M1 das Feldlinienbild um und in der Hohlkugel einschließlich der influenzierten Ladungen, und begründen Sie, warum die Feldlinien senkrecht auf der Kugeloberfläche enden.
  3. Ein Kollege sagt: „Der Anzug schützt, weil das Gewebe den Körper von der Hochspannung isoliert. Mit dickeren Metallfäden wäre er deshalb noch sicherer.“ Überprüfen Sie diese Aussage.
Hinweis zu Aufgabe a)
Welche Eigenschaft eines Metalls ist für die Influenz entscheidend — und besitzt sie ein dünner Draht genauso wie ein Blech? Überlege, was mit den Maschen gemeint ist, wenn es auf der Erklärseite heißt, sie müssten „klein genug“ sein.
Hinweis zu Aufgabe b)
Zeichne: Von links kommende Feldlinien enden auf der linken Kugelhälfte, auf der rechten Hälfte beginnen neue; im Hohlraum keine Linie. Für die Begründung: Zerlege gedanklich die Kraft auf ein Elektron an der Oberfläche in einen Anteil senkrecht und einen Anteil parallel zur Oberfläche. Was passiert, solange der parallele Anteil nicht null ist?„Skizzieren“ verlangt eine reduzierte, aber physikalisch korrekte Darstellung: Richtung, Anfangs- und Endpunkte der Linien sowie die Ladungsvorzeichen müssen stimmen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfe die Aussage in zwei Teilen: (1) Ist „isolieren“ die richtige Beschreibung für ein leitendes Gewebe? (2) Hängt die Abschirmung von der Dicke der Fäden ab? Ziehe für (2) heran, wovon das Gegenfeld tatsächlich abhängt.„Überprüfen“ heißt: die Aussage an den physikalischen Fakten messen und Widersprüche benennen — nicht nur „richtig/falsch“ sagen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Entscheidend für die Abschirmung ist nicht die geschlossene Fläche aus Metall, sondern dass frei bewegliche Elektronen der Kraft des äußeren Feldes folgen können. In den Metallfäden des Gewebes ist das genauso möglich wie in einem Blech: Das äußere Feld verschiebt Elektronen entlang der Fäden, auf der dem Feld zugewandten Seite des Anzugs entsteht ein Elektronenüberschuss, auf der abgewandten Seite ein Elektronenmangel. Diese influenzierten Ladungen erzeugen im Inneren ein Gegenfeld, das sich mit dem äußeren Feld zu null überlagert. Weil die Maschen mit wenigen Millimetern klein gegenüber dem Anzug sind, reicht das Gegenfeld der Fäden über die Maschen hinweg; das äußere Feld dringt praktisch nicht ein. Ein engmaschiges Gitter wirkt daher wie eine geschlossene Hülle — sofern es ringsum geschlossen ist, was durch die leitend verbundenen Handschuhe, Schuhe und die Haube erreicht wird.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Skizze: Weit links und rechts bleibt das Feld homogen. In Kugelnähe biegen die Feldlinien zur Kugel hin; von links kommende Linien enden senkrecht auf der linken Kugelhälfte, die negativ geladen ist (Elektronenüberschuss, „−“-Symbole), auf der rechten, positiv geladenen Hälfte („+“) beginnen Linien senkrecht und laufen nach rechts weiter. An den beiden Polen der Kugel liegen die Linien dichter als im ungestörten Feld, am oberen und unteren Rand verlaufen sie tangential vorbei. Im Hohlraum ist keine Feldlinie eingezeichnet. Begründung: Solange eine Feldlinie schräg auf die Oberfläche träfe, hätte die Kraft \(\vec F=q\vec E\) auf die freien Elektronen eine Komponente parallel zur Oberfläche. Dann würden die Elektronen entlang der Oberfläche verschoben (Influenz), bis diese Komponente verschwindet. Im Gleichgewicht steht das Feld an der Oberfläche daher überall senkrecht; eine Kraftkomponente senkrecht zur Oberfläche kann die Elektronen nicht aus dem Metall herausbewegen und bleibt bestehen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der erste Teil der Aussage ist physikalisch falsch: Das Gewebe isoliert nicht, es ist ein Leiter. Gerade deshalb schützt es — durch Influenz baut sich ein Gegenfeld auf, das den Innenraum feldfrei macht; bei einer Berührung mit der Leitung fließt der Strom über das Gewebe außen um den Körper herum. Ein Isolator würde weder das Feld abschirmen (vgl. die Kunststoffdose) noch den Strom um den Körper leiten. Der zweite Teil ist eine unbegründete Folgerung: Die Abschirmung hängt weder von der Dicke der Fäden noch von der Metallsorte ab, sondern nur davon, dass das Gewebe leitet und den Körper geschlossen umhüllt; entscheidend ist die Maschenweite, nicht die Fadendicke. Dickere Fäden könnten allenfalls einen größeren Strom tragen, verbessern aber die Feldabschirmung nicht. Die Aussage ist daher in ihrer Begründung falsch und in ihrer Schlussfolgerung nicht haltbar.

5

Zwei Aussagen zum Gewitterschutz

AFB III

Nach einer Unterrichtsstunde zum Faraday-Käfig diskutiert eine Lerngruppe, warum ein Auto bei Gewitter als sicherer Ort gilt. Zwei Schüler äußern die in Material M1 wiedergegebenen Aussagen.

M1Zwei Aussagen aus der Lerngruppe
L Levin Aussage 1 „Im Auto ist man bei Gewitter sicher, weil die Gummireifen das Fahrzeug vom Erdboden isolieren.“ A Amira Aussage 2 „Die Karosserie löscht das äußere Feld aus — direkt neben dem Auto ist deshalb ebenfalls keine Feldstärke messbar.“

Beide Aussagen enthalten einen wahren Kern — und jeweils einen physikalischen Fehler.

  1. Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch.
  2. Ein Mitschüler meint, ein Cabrio mit geöffnetem Stoffverdeck biete denselben Schutz, „weil die meiste Karosserie doch aus Metall ist“. Diskutieren Sie diese Auffassung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Aussage 1: Wovon hängt die Abschirmung nach 1.1.7 ab — von einer Isolierung nach außen oder von der Hülle selbst? Bedenke auch, dass ein Blitz zuvor Hunderte Meter Luft durchschlagen hat. Aussage 2: Unterscheide zwischen dem Feld im Hohlraum und dem Feld außerhalb — sieh dir dazu die Feldlinien in M1 aus Aufgabe 1 an.„Beurteilen“ verlangt ein begründetes Urteil zu jeder Aussage: Was ist richtig, was falsch, und warum — mit Fachbegriffen wie Influenz, Gegenfeld und Superposition.
Hinweis zu Aufgabe b)
Sammle Argumente dafür (welche Metallteile bleiben, was leisten sie?) und dagegen (welche Bedingung des Faraday-Käfigs ist verletzt, und wie groß ist die Öffnung im Vergleich zur Hülle?). Nutze das Ergebnis aus Aufgabe 3 als Beleg. Komme zu einem klaren Fazit.„Diskutieren“ heißt Pro und Contra gegeneinander abwägen — eine einseitige Aufzählung genügt nicht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Aussage 1 ist in der Begründung falsch. Richtig ist nur, dass man im Auto vergleichsweise sicher ist. Die Gummireifen spielen dafür keine Rolle: Die Abschirmung entsteht durch die geschlossene, leitende Metallkarosserie — das äußere Feld verschiebt durch Influenz Elektronen in der Karosserie, die Oberflächenladungen erzeugen ein Gegenfeld, und im Innenraum überlagern sich beide Felder zu null. Ob das Fahrzeug gegen den Boden isoliert ist, ändert daran nichts; ein Auto auf blanken Metallfelgen wäre genauso geschützt. Auch beim Einschlag selbst „isolieren“ die Reifen nicht: Ein Blitz, der Hunderte Meter Luft durchschlagen hat, überwindet wenige Zentimeter Gummi ohne Weiteres. Der Strom fließt über die Karosserie außen um die Fahrgastzelle herum zur Erde.

Aussage 2 ist ebenfalls falsch. Zutreffend ist, dass im Innenraum keine Feldstärke messbar ist. Die Karosserie „löscht“ das äußere Feld aber nicht aus, sie hält es nur aus ihrem Hohlraum fern: Außerhalb bleibt das Feld bestehen — die Feldlinien enden auf dem Bodenblech und beginnen auf dem Dach neu (vgl. M1 in Aufgabe 1). Direkt an der Karosserie ist die Feldstärke sogar größer als im ungestörten Feld, weil sich die Feldlinien dort verdichten (vgl. Aufgabe 3 c). Das Gegenfeld der influenzierten Ladungen hebt das äußere Feld nur im Inneren auf; außerhalb überlagern sich beide Felder zu etwas anderem als null.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Dafür spricht: Bodenblech, Türen, Motorhaube und Kofferraum sind auch beim Cabrio aus Metall; sie leiten, werden influenziert und bauen ein Gegenfeld auf, das das äußere Feld im Fußraum und hinter den Türen zumindest teilweise schwächt. Ein Einschlag würde meist in die höchsten Metallteile (Windschutzscheibenrahmen, Überrollbügel) treffen und über die Karosserie abfließen. Dagegen spricht: Die zentrale Bedingung des Faraday-Käfigs — eine geschlossene leitende Hülle — ist verletzt. Das Stoffverdeck leitet nicht, die Öffnung ist so groß wie der Innenraum selbst und damit nicht „klein gegenüber der Hülle“. Wie Aufgabe 3 gezeigt hat, ist das Gegenfeld schon bei einer einzelnen Öffnung deutlich schwächer und an den Kanten sogar verstärkt; das äußere Feld dringt in den Innenraum ein, die Köpfe der Insassen ragen in das ungeschirmte Feld und könnten selbst zum Einschlagpunkt werden. Fazit: „Meistens Metall“ genügt nicht — die Abschirmung wirkt nur mit geschlossener Hülle. Ein Cabrio mit offenem Verdeck bietet daher nicht denselben Schutz; bei Gewitter sollte das Verdeck geschlossen (bei Hardtop) oder ein anderes Fahrzeug bzw. Gebäude aufgesucht werden.