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Energie des Feldes

Im Feld eines geladenen Kondensators steckt Energie. Sie lässt sich auf drei gleichwertige Arten berechnen — und ist die Fläche im U-Q-Diagramm.

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Wo die Energie beim Laden bleibt

Einen Kondensator zu laden kostet Arbeit: Je mehr Ladung schon getrennt ist, desto stärker wehrt sich der Kondensator gegen jede weitere Portion. Diese Arbeit verschwindet nicht — sie steckt anschließend im elektrischen Feld zwischen den Platten und lässt sich beim Entladen vollständig zurückholen.

Merke

Der Faktor ½: Die Energie ist \(\tfrac12 QU\) und nicht \(QU\), weil die Spannung während des Ladens erst von null auf \(U\) anwächst. Gerechnet wird also mit der mittleren Spannung.

  • Ausgangspunkt:Am leeren Kondensator ist die Spannung null — die erste Ladungsportion kostet praktisch keine Arbeit.
  • Gegenspannung:Mit jeder verschobenen Portion wächst die Spannung und damit die Kraft, gegen die man arbeitet.
  • Proportionalität:Wegen \(U=\dfrac{Q}{C}\) wächst die Gegenspannung gleichmäßig mit der getrennten Ladung.
  • Endzustand:Erst die letzte Portion wird gegen die volle Spannung geschoben — im Mittel war es nur die Hälfte.
Der Ladevorgang in drei Momentaufnahmen
0 2 4 6 8 10 U in V Schritt 1 — fast leer + − + − Q = 2 mC 2 V nächste Portion: wenig Arbeit Schritt 2 — halb voll + − + − + − + − + − Q = 5 mC 5 V nächste Portion: mehr Arbeit Schritt 3 — voll geladen + − + − + − + − + − + − + − + − Q = 8 mC 8 V nächste Portion: viel Arbeit Derselbe Kondensator (C = 1 mF) zu drei Zeitpunkten desselben Ladevorgangs. Die Spannung wächst gleichmäßig mit der Ladung — deshalb kostet jede weitere Portion mehr Arbeit als die vorige.

Ein Blick zurück auf 1.2.1 verhindert die häufigste Verwechslung dieses Kapitels. Dort wurde die Arbeit an einer Ladung in einem bereits vorhandenen Feld berechnet: \(W=q\cdot U\), ohne Faktor ½, weil die Spannung während der Bewegung konstant bleibt. Hier dagegen wird das Feld erst aufgebaut — die Spannung wächst währenddessen mit, und genau deshalb steht der Faktor ½ davor. Die Frage lautet also immer: Ist das Feld schon da, oder entsteht es gerade?

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Energie als Fläche im U-Q-Diagramm

Weil die Spannung gleichmäßig mit der Ladung steigt, ist das U-Q-Diagramm eine Ursprungsgerade. Die zugeführte Energie ist die Fläche darunter — ein Dreieck mit dem Inhalt \(\tfrac12\cdot Q\cdot U\). Wer stattdessen die Endspannung mit der gesamten Ladung multipliziert, nimmt das ganze Rechteck und erhält doppelt so viel.

Dreieck oder Rechteck — woher der Faktor ½ kommt
richtig: die Fläche unter der Geraden Spannung Ladung U Q Fläche = Energie W = ½ · Q · U falsch gedacht: das ganze Rechteck Spannung Ladung U Q diese Hälfte gab es nie W = Q · U — doppelt so groß Beide Bilder zeigen denselben Ladevorgang — nur die markierte Fläche unterscheidet sich.
  • Warum Fläche:Jede schmale Ladungsportion \(\Delta Q\) kostet die Arbeit \(U\cdot\Delta Q\) — das ist ein schmaler Streifen unter der Geraden. Alle Streifen zusammen ergeben die Fläche.
  • Einheit:Die Fläche hat die Einheit \(\mathrm{V\cdot C}\). Wegen \(1\,\mathrm{V}=1\,\mathrm{\dfrac{J}{C}}\) bleibt \(1\,\mathrm{J}\) übrig — die Fläche ist also eine Energie, \([W]=1\,\mathrm J\).
  • Häufiger Fehler:Das Rechteck \(Q\cdot U\) wäre die Arbeit, wenn die Spannung von Anfang an ihren Endwert hätte. Das ist beim Kondensator nie der Fall.
  • Gilt allgemein:Das Argument nutzt nur die Geradenform des U-Q-Diagramms — also gilt es für jeden Kondensator, unabhängig von Bauform und Dielektrikum.

Das folgende Applet zerlegt genau diesen Ladevorgang in gleich große Portionen. Jede Portion wird zunächst so grob abgerechnet, wie es die falsche Rechnung tut: mit der Spannung, die am Ende dieser Portion herrscht. So entsteht die orange Treppe über der Geraden. Mit mehr Portionen nähert sich die Treppenfläche der violetten Dreiecksfläche an.

Von der Treppe zum Dreieck

Kondensator mit \(C=1{,}0\,\mathrm{mF}\). Der rote Punkt markiert den aktuellen Ladezustand auf der Geraden.

2 4 6 8 10 2 4 6 8 U in V Q in mC Treppe aus 2 Portionen Dreieck = ½·Q·U
Spannung U
6,0 V
Ladung Q
6,0 mC
Treppe (Portionen)
27,0 mJ
Dreieck ½·Q·U
18,0 mJ

Bei einer einzigen Portion liefert die Treppe genau das ganze Rechteck \(Q\cdot U\) — also den doppelten Wert. Mit jeder Verfeinerung schrumpft der Überschuss: Bei \(n\) Portionen ist die Treppe um den Faktor \(1+\dfrac{1}{n}\) zu groß, bei 25 Portionen also nur noch um vier Prozent. Der Grenzwert dieser Verfeinerung ist die Dreiecksfläche — und damit ist der Faktor ½ keine Merkregel, sondern das Ergebnis einer Rechnung.

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Die drei Formen der Energieformel anwenden

Aus der Dreiecksfläche \(W=\tfrac12\,Q\,U\) entstehen die beiden anderen Formen, indem man \(Q=C\,U\) bzw. \(U=\dfrac{Q}{C}\) einsetzt — man muss also nur eine Formel auswendig können. Entscheidend ist die Konsequenz: \(U\) und \(Q\) gehen quadratisch ein, die Kapazität nur linear. Sind alle drei Größen bekannt, ist der Vergleich zweier Rechenwege eine bequeme Selbstkontrolle.

Formel

Energie eines Kondensators

\(W=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\,Q\,U=\dfrac{Q^{2}}{2C}\)
drei gleichwertige Formen — je nachdem, was gegeben ist  ·  \([W]=1\,\mathrm J=1\,\mathrm{F\cdot V^{2}}=1\,\mathrm{C\cdot V}\)
Die passende Form nach den gegebenen Größen wählen
gegebenpassende Formtypische Situation
C und U\(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\)Bauteil mit aufgedruckter Kapazität an bekannter Spannung
Q und U\(W=\tfrac12\,Q\,U\)Ladung und Spannung wurden gemessen
Q und C\(W=\dfrac{Q^{2}}{2C}\)Die Ladung ist bekannt, die Spannung nicht
Stufe 1 — vollständig vorgerechnet

C und U gegeben

Ein Elektrolytkondensator \(C=470\,\mu\mathrm F\) liegt an \(U=9{,}0\,\mathrm V\). Wie viel Energie ist gespeichert?

Formel\(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\) — gegeben sind Kapazität und Spannung.
Einheiten\(470\,\mu\mathrm F=470\cdot10^{-6}\,\mathrm F\); die Spannung steht schon in Volt.
Einsetzen\(W=\tfrac12\cdot470\cdot10^{-6}\,\mathrm F\cdot(9{,}0\,\mathrm V)^{2}\)
Ergebnis\(W\approx1{,}9\cdot10^{-2}\,\mathrm J=19\,\mathrm{mJ}\)
Stufe 2 — Zwischenschritte teilweise offen

Q und C gegeben, U unbekannt

Ein Kondensator \(C=100\,\mu\mathrm F\) trägt die Ladung \(Q=4{,}7\,\mathrm{mC}\). Die Spannung wurde nicht gemessen.

Formel\(W=\dfrac{Q^{2}}{2C}\) — die einzige Form ohne \(U\).
Einheiten\(Q=4{,}7\cdot10^{-3}\,\mathrm C\), \(C=1{,}00\cdot10^{-4}\,\mathrm F\).
Einsetzen\(W=\dfrac{(4{,}7\cdot10^{-3})^{2}}{2\cdot1{,}00\cdot10^{-4}}\,\mathrm J=\;?\)
Ergebnis\(W\approx0{,}11\,\mathrm J=110\,\mathrm{mJ}\)  — zur Kontrolle: \(U=\dfrac{Q}{C}=47\,\mathrm V\) und \(\tfrac12 QU\) liefert denselben Wert.
Stufe 3 — selbst rechnen

Q und U gegeben

An einem Kondensator wurden \(Q=1{,}2\,\mathrm{mC}\) und \(U=25\,\mathrm V\) gemessen. Bestimme die gespeicherte Energie und zusätzlich die Kapazität.

WegSuche in der Tabelle die Form, die genau diese beiden Größen enthält, rechne in Grundeinheiten und nutze anschließend \(C=\dfrac{Q}{U}\) als zweite Angabe.
Lösung anzeigen

\(W=\tfrac12\,Q\,U=\tfrac12\cdot1{,}2\cdot10^{-3}\,\mathrm C\cdot25\,\mathrm V=1{,}5\cdot10^{-2}\,\mathrm J=15\,\mathrm{mJ}\).
\(C=\dfrac{Q}{U}=\dfrac{1{,}2\cdot10^{-3}\,\mathrm C}{25\,\mathrm V}=4{,}8\cdot10^{-5}\,\mathrm F=48\,\mu\mathrm F\). Gegenprobe mit \(W=\tfrac12 CU^{2}\): \(\tfrac12\cdot4{,}8\cdot10^{-5}\cdot625\,\mathrm J=1{,}5\cdot10^{-2}\,\mathrm J\) ✓

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Warum die Energie dem Feld gehört

Bisher hieß es: „Der Kondensator speichert Energie.“ Genauer ist: Die Energie steckt im Feld zwischen den Platten. Das lässt sich zeigen, ohne etwas Neues zu lernen — man setzt nur die beiden bereits bekannten Beziehungen \(C=\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\) aus 1.3.1 und \(U=E\cdot d\) aus 1.2.2 in die Energieformel ein. Am Ende steht rechts keine einzige Bauteilgröße mehr.

Von der Bauteilformel zur Feldformel — zwei Einsetzschritte
Bauteil-Sicht — was auf dem Bauteil steht W = ½ · C · U² W = ½ · ε₀ · Ad · (E · d)² W = ½ · ε₀ · E² · A · d Schritt 1 — einsetzen C = ε₀ · Ad aus 1.3.1 und U = E · d aus 1.2.2 Schritt 2 — kürzen d² im Zähler gegen d im Nenner: ein d bleibt übrig. Feldraum d Plattenfläche A, Abstand d A · d ist das Volumen zwischen den Platten
Es kommt nichts Neues hinzu — es werden nur zwei bereits bekannte Beziehungen eingesetzt. Bemerkenswert ist allein das Ergebnis: Rechts stehen nur noch die Feldstärke und das Volumen, von Ladung und Bauteil ist nichts mehr übrig.
  • Schritt 1:Start bei \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\).
  • Schritt 2:\(C=\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\) und \(U=E\cdot d\) einsetzen: \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\,(E\,d)^{2}\).
  • Schritt 3:Im Zähler steht \(d^{2}\), im Nenner \(d\) — ein \(d\) kürzt sich weg, übrig bleibt \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\cdot A\cdot d\).
  • Die Aussage:Rechts stehen nur noch die Feldstärke und das Volumen \(V=A\cdot d\) — von Ladung und Bauteil ist nichts mehr übrig. Doppeltes Feldvolumen bei gleicher Feldstärke bedeutet doppelte Energie.
Formel

Energiedichte des elektrischen Feldes

\(w=\dfrac{W}{V}=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\)
\(W=w\cdot V=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\cdot A\cdot d\)
\(w\) ist die Energie pro Volumen, \([w]=1\,\mathrm{\dfrac{J}{m^{3}}}\)  ·  \(V=A\cdot d\) ist der Raum zwischen den Platten

Die Energiedichte ist die eigentliche Aussage dieses Abschnitts: Sie hängt nur von der Feldstärke ab, nicht davon, wie groß der Kondensator ist oder wie viel Ladung auf den Platten sitzt. Zwei völlig verschiedene Kondensatoren mit derselben Feldstärke tragen im Zwischenraum dieselbe Energie pro Kubikmeter. Weil \(E\) quadratisch eingeht, ist eine doppelte Feldstärke bereits vier Mal so „energiereich“ — deshalb lohnt es sich technisch, den Plattenabstand klein zu halten, und deshalb ist genau dort auch die Durchschlagsgefahr am größten.

Merke

Zwei Sichtweisen, ein Ergebnis: Zum Rechnen nimmt man \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\) — die Größen stehen auf dem Bauteil. Zum Verstehen nimmt man \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\cdot A\cdot d\) — sie zeigt, dass das Feld selbst der Energieträger ist. Beide Formen liefern immer denselben Wert; sie beschreiben dieselbe Energie, nur einmal über das Bauteil und einmal über den Feldraum.

Bisher stehen zwei Rechenwege nebeneinander: der Bauteil-Weg über \(C\) und \(U\) und der Feld-Weg über \(E\) und das Volumen. Im folgenden Applet laufen beide Wege gleichzeitig mit — die beiden Ergebniszahlen unten stimmen dabei immer überein, egal wie die Einstellungen aussehen.

Zwei Wege, ein Ergebnis

Luft zwischen den Platten, also \(\varepsilon_\mathrm{r}=1\). Die Zahl der Feldlinien wächst mit der Feldstärke, die Färbung des Zwischenraums mit der Energiedichte.

+ + + + + + + − − − − − − − d A
Bauteil-Sicht
\(C=\varepsilon_0\cdot\dfrac{A}{d}\)  =  443 pF
\(W=\tfrac{1}{2}\,C\,U^{2}\)
55,3 µJ
Feld-Sicht
\(E=\dfrac{U}{d}\)  =  250 kV/m
\(w=\tfrac{1}{2}\,\varepsilon_0\,E^{2}\)  =  0,277 J/m³
\(W=w\cdot A\cdot d\)  mit  200 cm³
55,3 µJ

Zwei Einstellungen lohnen sich besonders. Halbiere erstens bei fester Spannung den Abstand: In der Bauteil-Sicht verdoppelt sich \(C\), also verdoppelt sich die Energie. In der Feld-Sicht verdoppelt sich die Feldstärke, die Energiedichte wächst damit auf das Vierfache — gleichzeitig halbiert sich aber das Feldvolumen, und übrig bleibt genau derselbe Faktor 2. Verdopple zweitens die Spannung: Beide Ergebniszahlen springen auf das Vierfache, weil \(U\) und \(E\) quadratisch eingehen. Die Energie sitzt also nicht „in den Platten“, sondern im Raum dazwischen — und dieser Raum lässt sich ausmessen.

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Kondensatoren im Einsatz

In fast jedem elektronischen Gerät stecken Kondensatoren — meist mehrere Dutzend. Was sie dort leisten, folgt immer aus einer der vier Beziehungen, die dieses Kapitel und seine Vorgänger geliefert haben: der gespeicherten Energie \(W=\tfrac12 C U^{2}\), der gespeicherten Ladung \(Q=C\cdot U\), der Zeitkonstante \(\tau=R\cdot C\) aus 1.3.2 und dem Zusammenhang zwischen Bauform und Kapazität \(C=\varepsilon_0\varepsilon_r\dfrac{A}{d}\) aus 1.3.1. Wer eine technische Anwendung beschreiben soll, sucht deshalb zuerst die Frage: Welche dieser vier Größen wird hier ausgenutzt?

Der wichtigste Punkt dabei ist eine Unterscheidung, die im Alltag oft verwischt wird: Ein Kondensator speichert im Vergleich zu einem Akku wenig Energie, kann sie aber sehr schnell abgeben. Genau diese Kombination — kleine Energie, riesige Leistung — macht ihn für Impulsanwendungen unersetzlich.

Kondensator und Akku: wenig Energie, viel Leistung
Kondensator und Akku im Vergleich gespeicherte Energie je Kilogramm Kondensator rund 0,02Whkg Li-Ionen-Akku rund 200Whkg abrufbare Leistung je Kilogramm Kondensator bis 10 000Wkg Li-Ionen-Akku rund 1500Wkg Balkenlängen schematisch; Werte gerundet für Doppelschichtkondensatoren. Die beiden Diagramme haben unterschiedliche Maßstäbe.
  • Energiespeicher für kurze, kräftige Impulse: Ein Kondensator speichert wenig Energie, gibt sie aber in Millisekunden ab — genau das, was ein Kamerablitz oder ein Defibrillator braucht. Ein Akku hält deutlich mehr Energie, kann sie aber nicht so schnell herausgeben.
  • Glättung einer schwankenden Spannung: Hinter jedem Netzteil kommt zunächst eine stark pulsierende Gleichspannung an. Der Kondensator lädt sich in den Spannungsspitzen und gibt seine Ladung in den Lücken wieder ab; übrig bleibt nur eine kleine Restwelligkeit — die verbleibende Schwankung. Je größer \(C\), desto glatter das Ergebnis.
  • Zeitglied für definierte Verzögerungen: Weil das Laden über einen Widerstand die Zeit \(\tau=R\cdot C\) braucht, lassen sich mit einem Widerstand und einem Kondensator Zeitspannen einstellen: Treppenhauslicht, Blinkerfrequenz, das Ausblenden von Kontaktprellen an einem Taster.
  • Sensor für Berührung, Abstand und Füllstand: Jede Änderung von Fläche, Abstand oder Dielektrikum verändert die Kapazität messbar. Ein Finger auf dem Touchscreen wirkt als zusätzlicher Leiter im Feld, steigender Flüssigkeitsstand in einem Tank vergrößert \(\varepsilon_r\) zwischen zwei Elektroden.
Vier Aufgaben, vier Formeln
Energiespeicher langsam laden blitzartig abgeben Kamerablitz, Defibrillator, Rückgewinnung beim Bremsen W = ½ · C · U² Glättung ohne Kondensator mit Kondensator Der Kondensator lädt in den Spitzen und speist in den Lücken: Netzteil, Ladegerät Q = C · U Zeitglied τ Das Laden über einen Widerstand braucht Zeit: Treppenhauslicht, Blinker, Taster-Entprellung τ = R · C Sensor Finger verändert C Jede Änderung von A, d oder ε wird messbar: Touchscreen, Füllstand, Abstandsmessung C = ε₀ · εᵣ ·Ad
Dieselben vier Beziehungen aus diesem Kapitel — jede davon trägt eine andere technische Anwendung. Wer die ausgenutzte Größe erkennt, kann die Funktion erklären, ohne die Schaltung zu kennen.
Anwendung, ausgenutzte Größe und Auslegung
Anwendungausgenutzt wirdWas ein größeres \(C\) bewirkt
Blitzgerät, Defibrillator, Bremsenergiespeicher\(W=\tfrac12 C U^{2}\)mehr Energie pro Impuls, aber längere Ladezeit
Netzteil, Ladegerät, Versorgung eines Prozessors\(Q=C\cdot U\)kleinere Restwelligkeit, stabilere Spannung
Treppenhauslicht, Blinker, Entprellung\(\tau=R\cdot C\)längere Verzögerung bei gleichem Widerstand
Touchscreen, Füllstands- und Abstandssensor\(C=\varepsilon_0\varepsilon_r\dfrac{A}{d}\)größeres Grundsignal, das die Änderung überdeckt
Merke

Beim Beschreiben einer Anwendung immer zweiteilig antworten: zuerst was das Bauteil im Gerät tut (Energie für einen Impuls bereitstellen, eine Spannung glätten, eine Zeit vorgeben, eine Änderung messbar machen), dann welche Beziehung dahintersteckt. Erst der zweite Teil macht aus einer Aufzählung eine physikalische Erklärung.

Beispiel

Defibrillator: Ein Kondensator mit \(C=100\,\mu\mathrm F\) wird über einige Sekunden auf \(U=2{,}7\,\mathrm{kV}\) geladen und speichert dabei \(W=\tfrac12 C U^{2}=\tfrac12\cdot1{,}00\cdot10^{-4}\,\mathrm F\cdot(2{,}7\cdot10^{3}\,\mathrm V)^{2}\approx3{,}6\cdot10^{2}\,\mathrm J\). Das ist etwa die Energie einer Tafel Schokolade, geteilt durch 6000 — also erstaunlich wenig. Entscheidend ist die Zeit: Der Impuls dauert nur rund \(10\,\mathrm{ms}\), die mittlere Leistung beträgt damit \(P=\dfrac{W}{t}=\dfrac{360\,\mathrm J}{0{,}010\,\mathrm s}=36\,\mathrm{kW}\). Kein Akku dieser Baugröße könnte 36 Kilowatt liefern — der Kondensator kann es, weil er seine Ladung ohne chemische Umwandlung freigibt.

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Allgemeine Hinweise

Der Faktor ein Halb

\(W=\tfrac12 QU\) gilt, wenn das Feld erst aufgebaut wird — die Spannung wächst dabei mit. Für eine Ladung im schon vorhandenen Feld gilt dagegen \(W=q\,U\) ohne den Faktor \(\tfrac12\).

U geht quadratisch ein

In \(W=\tfrac12 CU^{2}\) vervierfacht doppelte Spannung die Energie, doppelte Kapazität verdoppelt sie nur. Und quadriert wird die ganze Spannung, nicht bloß der Vorfaktor.

Form nach Gegebenem wählen

Nimm die Form, die genau die zwei gegebenen Größen enthält — bei bekanntem \(Q\) und unbekanntem \(U\) also \(W=\dfrac{Q^{2}}{2C}\). Sind alle drei bekannt, ist die zweite Form eine kostenlose Gegenprobe.

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