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Bewegung im Feld

Setzt man eine Ladung frei beweglich ins Feld, wirkt eine konstante Kraft — sie wird gleichmäßig beschleunigt, ganz wie ein Stein im freien Fall.

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Von der Kraft zur Beschleunigung

Zwischen zwei parallelen Platten ist das Feld homogen: Eine Ladung spürt an jeder Stelle dieselbe Kraft. Und zu einer konstanten Kraft gehört nach \(F=m\,a\) zwingend eine konstante Beschleunigung — genau das macht die ganze Rechnung überschaubar.

  • Feldkraft:Auf eine Ladung \(q\) wirkt \(F=q\,E\), im Plattenkondensator mit \(E=\dfrac{U}{d}\).
  • Richtung:Auf eine positive Ladung längs der Feldlinien, auf ein Elektron entgegengesetzt — also stets zur Plusplatte hin.
  • Betrag:Er ändert sich auf dem ganzen Weg nicht: weder der Ort noch die bereits erreichte Geschwindigkeit spielen eine Rolle.
  • Analogie:Die Feldkraft \(q\,E\) übernimmt die Rolle der Gewichtskraft \(m\,g\).
Merke

Beschleunigung im homogenen Feld: Aus \(F=q\,E=m\,a\) folgt \(a=\dfrac{q\,E}{m}=\dfrac{q\,U}{m\,d}\). Diese Beschleunigung ist auf dem gesamten Weg konstant. Sie hängt von Feldstärke, Ladung und Masse ab — nicht von der bereits erreichten Geschwindigkeit.

Freier Fall und Elektron im Feld — Punkt für Punkt dieselbe Bewegung
Kugel im Schwerefeld135Wegstücke Δst = 0mtm2tm3tmF konstantv wächstF = m · g→a = g ≈ 9,81ms²Elektron im homogenen E-Feld135Wegstücke Δst = 0−t−2t−3t−F konstantv wächst−+EF = q · E→a =q · Em
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Gleichmäßig beschleunigt — wie beim freien Fall

Steht \(a\) fest, liegt der gesamte Bewegungsablauf fest. Es gelten die Zeitgesetze des freien Falls aus der Ruhe — man ersetzt nur \(g\) durch \(a=\dfrac{q\,E}{m}\).

  • Start aus der Ruhe:Das Teilchen beginnt an der Platte mit \(v=0\).
  • Geschwindigkeit:Sie wächst proportional zur Zeit — nach doppelter Zeit ist sie doppelt so groß.
  • Weg:Er wächst quadratisch — nach doppelter Zeit ist der Weg viermal so lang.
  • Gleiche Zeitschritte:Die Wegstücke verhalten sich wie \(1:3:5:\dots\) — dasselbe Muster wie beim fallenden Stein.
Formel

Zeitgesetze der gleichmäßig beschleunigten Bewegung aus der Ruhe

\(v=a\,t\)
\(s=\dfrac{1}{2}\,a\,t^{2}\)
\(t=\sqrt{\dfrac{2\,s}{a}}\)
Die dritte Gleichung entsteht aus der zweiten durch Umstellen nach \(t\); mit \(s=d\) liefert sie die Flugzeit von Platte zu Platte.
Zwei Diagramme zur selben Bewegung: Geschwindigkeit steigt linear, der Weg wächst quadratisch
v-t-DiagrammΔtΔvSteigungΔvΔt= aFläche = Weg svend0vtGerade durch den Ursprung: v wächst proportional zur Zeit.s-t-Diagramm1Δt32Δt53ΔtΔsstParabel: gleiche Zeitschritte, Wegstücke wie 1 : 3 : 5.

Die drei Größen aus Phase 1 und 2 — Beschleunigung, Flugzeit und Endgeschwindigkeit — hängen sehr unterschiedlich von den Einstellungen ab. Im folgenden Applet legst du Spannung, Plattenabstand und Teilchensorte selbst fest. Ein Stroboskop markiert die Bahn in sechs gleichen Zeitabständen; achte darauf, wie die Punkte nach hinten immer weiter auseinanderrücken. Die Bewegung läuft in Zeitlupe — die angezeigten Zeiten sind die echten.

Beschleunigungsstrecke

Spannung, Plattenabstand und Teilchensorte sind frei wählbar. „Start“ lässt das Teilchen aus der Ruhe los.

−+−d = 5,0 cmv0 % der EndgeschwindigkeitStroboskop: gleiche Zeitschritte — die Punkte liegen wie 1 : 3 : 5 : 7 …Elektron
Spannung U
800 V
Abstand d
5,0 cm
Beschleunigung a
2,81·1015 \(\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\)
Flugzeit
5,96 ns
v jetzt
0,00·106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)
Endgeschwindigkeit
16,77·106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)

Das Teilchen ruht an der Startplatte.

Zwei Einstellungen lohnen den Versuch. Vergrößerst du nur den Plattenabstand \(d\), so sinkt die Beschleunigung und die Flugzeit wächst — die Endgeschwindigkeit bleibt aber exakt dieselbe. Wechselst du dagegen zum Proton, so sieht die Bahn unverändert aus, doch die Uhr zeigt rund das 43-Fache und die Endgeschwindigkeit fällt auf ein Dreiundvierzigstel. Beide Beobachtungen zusammen deuten darauf hin, dass nicht der Weg, sondern eine andere Größe die Endgeschwindigkeit festlegt — die nächste Phase nennt sie.

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Der Energiesatz und die Endgeschwindigkeit

Durchläuft die Ladung \(q\) die Spannung \(U\), verrichtet das Feld an ihr die Arbeit \(W=q\,U\). Im Vakuum landet diese Arbeit vollständig in der Bewegungsenergie. Weder Plattenabstand noch Feldstärke tauchen auf: Ein langer Weg im schwachen Feld liefert dieselbe Energie wie ein kurzer im starken.

Merke

Energiesatz: Beim Durchlaufen der Spannung \(U\) gilt \(q\,U=\tfrac12 m v^{2}\). Daraus folgt die Endgeschwindigkeit \(v=\sqrt{\dfrac{2\,q\,U}{m}}\).

Endgeschwindigkeit über der Spannung: vierfache Spannung, doppelte Geschwindigkeit
Vierfache Spannung — doppelte Geschwindigkeit1001×4002×9003×16004×Beschleunigungsspannung U in VEndgeschwindigkeit vv ∝ √U0

Endgeschwindigkeit eines Elektrons

Beschleunigung durch U = 500 V (\(e=1{,}6\cdot10^{-19}\,\mathrm C\), \(m_e=9{,}11\cdot10^{-31}\,\mathrm{kg}\)).

Energiesatz\(e\,U=\tfrac12 m_e v^{2}\)
Umstellen\(v=\sqrt{\dfrac{2eU}{m_e}}\)
Einsetzen\(v=\sqrt{\dfrac{2\cdot1{,}6\cdot10^{-19}\cdot500}{9{,}11\cdot10^{-31}}}\approx1{,}33\cdot10^{7}\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}\)
Endgeschwindigkeit eines Elektrons bei verschiedenen Beschleunigungsspannungen
Spannung UEndgeschwindigkeit vim Vergleich zu 100 V
100 V5,9 · 106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)1-fach
400 V11,9 · 106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)2-fach
900 V17,8 · 106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)3-fach
1600 V23,7 · 106 \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)4-fach
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Die Energiebilanz an jeder Stelle

Der Energiesatz aus Abschnitt 3 vergleicht nur Anfang und Ende der Strecke. Fragt man dagegen, wie viel Energie das Teilchen unterwegs schon hat, braucht man beide Anteile getrennt: die Energie der Lage im Feld und die Energie der Bewegung. Ihre Summe ändert sich auf dem ganzen Weg nicht — genau das ist die Energiebilanz eines freien geladenen Körpers im Plattenkondensator.

  • Lageenergie:Ein Körper mit der Ladung \(q\) im Abstand \(d-s\) von der Zielplatte besitzt die potentielle Energie \(E_{\mathrm{pot}}=q\,E\,(d-s)\).
  • Bewegungsenergie:Dazu kommt die kinetische Energie \(E_{\mathrm{kin}}=\tfrac12 m v^{2}\), die am Start aus der Ruhe null ist.
  • Bilanz:Das Feld erzeugt keine Energie, es schichtet nur um — die Summe beider Anteile bleibt konstant.
  • „Frei“ heißt hier:Außer der Feldkraft wirkt nichts. Beim Elektron ist die Gewichtskraft rund \(10^{14}\)-mal kleiner als die Feldkraft und darf weggelassen werden.
Formel

Energiebilanz im Plattenkondensator

\(E_{\mathrm{pot}}(s)+E_{\mathrm{kin}}(s)=q\,U=\text{konstant}\)
\(E_{\mathrm{pot}}(s)=q\,E\,(d-s)=q\,U\left(1-\dfrac{s}{d}\right)\)
\(s\) = bereits zurückgelegter Weg, von der Startplatte aus gezählt

Setzt man \(s=d\) ein, verschwindet die Lageenergie und übrig bleibt \(q\,U=\tfrac12 m v^{2}\) — der Energiesatz aus Abschnitt 3 ist also der Sonderfall „ganze Strecke“ dieser Bilanz. Umgekehrt lässt sich jetzt auch der Fall behandeln, in dem ein Körper gegen die Feldkraft anläuft: Dann wächst \(E_{\mathrm{pot}}\) auf Kosten von \(E_{\mathrm{kin}}\), bis die Bewegungsenergie aufgebraucht ist.

Merke

Umkehrpunkt: Läuft ein geladener Körper mit der Anfangsenergie \(E_{\mathrm{kin},0}\) gegen die Feldkraft an, kommt er genau dort zum Stillstand, wo \(E_{\mathrm{pot}}=E_{\mathrm{kin},0}\) ist — bei \(s_{u}=\dfrac{E_{\mathrm{kin},0}}{q\,E}\). Danach wird er wieder zurückbeschleunigt und erreicht den Eintrittsort mit genau derselben Geschwindigkeit wie zuvor.

Der Weg gegen die Feldkraft: der Umkehrpunkt und die Energien darauf
Der Körper läuft gegen die Feldkraft anUmkehrpunktt = 0−t−2t−3t−v = 0Der Kraftpfeil bleibt gleich lang, der Geschwindigkeitspfeilschrumpft — die Wegstücke werden immer kürzer.Die Energiebilanz auf diesem WegSumme bleibt konstantEkinEpotsuEkin,00EsAm Umkehrpunkt steckt alles in der Lageenergie.
Dieselbe Bilanz, zwei Felder — Schwerefeld und homogenes elektrisches Feld
GrößeSchwerefeldhomogenes elektrisches Feld
Kraft auf den Körper\(F=m\,g\)\(F=q\,E\)
Lageenergie\(E_{\mathrm{pot}}=m\,g\,h\)\(E_{\mathrm{pot}}=q\,E\,s\)
Bilanz\(m\,g\,h+\tfrac12 m v^{2}=\text{konst.}\)\(q\,E\,s+\tfrac12 m v^{2}=\text{konst.}\)
maßgebliche GrößeHöhenunterschied \(h\)durchlaufene Spannung \(U\)
hängt ab vonMasse \(m\)Ladung \(q\) — nicht von der Masse

Energiebilanz an einer Zwischenstelle

Ein Elektron startet aus der Ruhe an der Minusplatte. Es gilt \(U=500\,\mathrm V\) und \(d=5{,}0\,\mathrm{cm}\); gesucht sind beide Energieanteile und die Geschwindigkeit nach \(s=2{,}0\,\mathrm{cm}\).

Gesamtenergie\(e\,U=500\,\mathrm{eV}\) — dieser Wert bleibt auf dem ganzen Weg gleich
Anteil kinetisch\(E_{\mathrm{kin}}=e\,U\cdot\dfrac{s}{d}=500\,\mathrm{eV}\cdot\dfrac{2{,}0}{5{,}0}=200\,\mathrm{eV}\)
Anteil potentiell\(E_{\mathrm{pot}}=500\,\mathrm{eV}-200\,\mathrm{eV}=300\,\mathrm{eV}\)
Geschwindigkeit\(v=\sqrt{\dfrac{2\cdot200\cdot1{,}6\cdot10^{-19}}{9{,}11\cdot10^{-31}}}\approx8{,}4\cdot10^{6}\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}\)

Im folgenden Applet lässt sich der Ort des Teilchens frei verschieben. Die beiden Energieanteile werden als ein einziger, immer gleich langer Balken dargestellt — sichtbar wandert nur die Grenze zwischen ihnen. Der Umschalter „gegen das Feld“ zeigt zusätzlich den Umkehrpunkt.

Energiebilanz-Schieber

Das Teilchen bewegt sich zwischen den Platten, während sich die Energie zwischen Feld und Bewegung umverteilt. Die Summe bleibt dabei unverändert.

− + Umkehrpunkt − s = 0,0 cm von d = 5,0 cm Bewegungsenergie ½ m v² potentielle Energie im Feld 0 eV 500 eV Die gestrichelte Umrandung zeigt die Gesamtenergie q · U. Nur die Grenze zwischen den Farben wandert — die Summe bleibt gleich.
Ekin
0 eV
Epot
500 eV
Summe
500 eV
Geschwindigkeit
0,0·10⁶ \(\mathrm{\frac{m}{s}}\)

Das Teilchen ruht noch an der Startplatte: Die gesamte Energie steckt im Feld.

Zwei Beobachtungen lohnen den Vergleich. Erstens ändert der Wechsel zwischen Elektron und Proton die Energiewerte überhaupt nicht — beide tragen dieselbe Ladung, also dieselbe Energie pro Volt; verschieden ist allein die Geschwindigkeit, weil dort die Masse eingeht. Zweitens liegt die Geschwindigkeit auf halber Strecke nicht bei der Hälfte des Endwerts, sondern beim \(\tfrac{1}{\sqrt2}\)-fachen, also bei rund 71 %: Halbe Energie bedeutet wegen des Quadrats in \(\tfrac12 m v^{2}\) eben nicht halbe Geschwindigkeit.

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Allgemeine Hinweise

Der Abstand ändert v nicht

Ein größeres \(d\) senkt \(a=\dfrac{qU}{md}\) und verlängert die Flugzeit — die Endgeschwindigkeit bleibt exakt gleich, denn im Energiesatz \(qU=\tfrac12 mv^2\) taucht \(d\) gar nicht auf.

v wächst mit der Wurzel

Aus \(v=\sqrt{\dfrac{2qU}{m}}\) folgt: Vierfache Spannung gibt doppelte Geschwindigkeit, nicht vierfache.

Erst Meter, dann einsetzen

In \(E=\dfrac{U}{d}\) gehört \(d\) in Meter: \(5{,}0\,\mathrm{cm}=0{,}050\,\mathrm m\). Rechne \(a\) und \(t\) nur, wenn sie gefragt sind — für \(v\) genügt der Energiesatz.

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