Erklärung — vom Bahnmodell zur Aufenthaltswahrscheinlichkeit
Vom Bahnmodell zur Wahrscheinlichkeitswolke
Bohr ließ das Elektron auf festen Kreisbahnen laufen. Das erklärt die Energieniveaus, widerspricht aber der Quantenphysik:
- Kein Ort vor der Messung:Ein Elektron im Atom hat keine Bahn. Angeben lässt sich nur, mit welcher Wahrscheinlichkeit man es bei einer Messung in einem bestimmten Raumbereich findet.
- Die Wellenfunktion:Zu jedem Zustand gehört eine Funktion \(\psi\). Ihr Betragsquadrat \(|\psi|^2\) ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte.
- Was ein Orbital ist:Das Raumgebiet, in dem sich das Elektron mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit — meist \(90\,\%\) — aufhält. Die gezeichnete „Wolke“ ist genau diese Hülle, keine Bahn.
Die Orbitale bis n = 2
Für die beiden untersten Niveaus des Wasserstoffatoms gibt es insgesamt vier Orbitale:
- 1s:Kugelsymmetrisch. Der wahrscheinlichste Abstand ist \(a_0=53\,\text{pm}\) — genau der Radius, den Bohr für seine erste Bahn berechnet hatte.
- 2s:Ebenfalls kugelsymmetrisch, aber größer. Dazwischen liegt eine Knotenkugel bei \(106\,\text{pm}\): Dort ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit exakt null.
- 2p:Hantelförmig, mit einer Knotenebene durch den Kern. Es gibt drei davon (\(p_x, p_y, p_z\)), die senkrecht aufeinander stehen.
Die Quantenzahlen
Welche Orbitale es gibt, legen drei ganze Zahlen fest — sie ersetzen die Bahnradien des alten Modells:
- Hauptquantenzahl \(n\):\(n=1,2,3,\dots\) — bestimmt beim Wasserstoff allein die Energie \(E_n=-\tfrac{13{,}6\,\text{eV}}{n^2}\) und grob die Größe.
- Nebenquantenzahl \(l\):\(l=0,1,\dots,n-1\) — bestimmt die Form. \(l=0\) heißt s (Kugel), \(l=1\) heißt p (Hantel).
- Magnetquantenzahl \(m\):\(m=-l,\dots,0,\dots,+l\) — bestimmt die Orientierung im Raum. Für \(l=1\) sind das drei Möglichkeiten, daher drei p-Orbitale.
Links siehst du eine Punktwolke — jeder Punkt steht für eine mögliche Ortsmessung des Elektrons. Rechts unten läuft die zugehörige radiale Aufenthaltswahrscheinlichkeit mit: Sie sagt, in welchem Abstand vom Kern das Elektron am häufigsten angetroffen wird.
Das dichteste Gebiet liegt bei 53 pm — genau dort, wo Bohr seine erste Bahn annahm. Der Unterschied: Hier ist es der wahrscheinlichste Abstand, keine feste Bahn.
| Quantenzahlen \(n,\ l\) | – |
| Form | – |
| Wahrscheinlichster Abstand | – |
| Knoten | – |
| Orientierungen | – |
\(|\psi|^2=\text{Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte}\qquad n=1,2,3,\dots\qquad l=0,\dots,n-1\qquad m=-l,\dots,+l\)
\(\psi\) ist die Wellenfunktion des Zustands; \(|\psi|^2\,\Delta V\) gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Elektron im Volumen \(\Delta V\) gefunden wird. Zu jedem Paar \((n,l)\) gehören \(2l+1\) Orientierungen, zu jedem \(n\) insgesamt \(n^2\) Orbitale. Der Bohrsche Radius beträgt \(a_0=53\,\text{pm}\).
So zählst du die Orbitale einer Schale
Wie viele Orbitale gehören zu \(n=2\)?
So liest du eine Radialverteilung
Warum ist die radiale Aufenthaltswahrscheinlichkeit beim 1s-Orbital am Kern null, obwohl \(|\psi|^2\) dort am größten ist?
Allgemeine Hinweise
Orbital ist keine Bahn
Die Hantelform des 2p-Orbitals ist kein Flugweg. Das Elektron „fliegt“ nicht auf einer Acht herum — die Form gibt nur an, wo eine Messung es wahrscheinlich antrifft.
Dichte und Radialverteilung unterscheiden
\(|\psi|^2\) ist am Kern maximal, die radiale Verteilung dagegen null. Beide Aussagen stimmen — sie beantworten verschiedene Fragen.
Knoten zählen statt auswendig lernen
Ein Orbital mit \(n\) und \(l\) hat \(n-l-1\) Knotenkugeln und \(l\) Knotenebenen. Für 2s: \(2-0-1=1\) Kugel; für 2p: eine Ebene.
Vertiefung
In den folgenden Angeboten kannst du die Orbitale dreidimensional drehen und die Radialverteilungen nebeneinanderlegen. Vergleiche dabei immer wieder mit dem Applet oben.
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