Messreihe am Gasthermometer
AFB I–IIIn einem Schulversuch ist eine Luftmenge in einem Glasrohr eingeschlossen; der Druck bleibt während des gesamten Versuchs gleich. Gemessen werden drei Wertepaare: bei 0 °C ein Volumen von 100,0 cm³, bei 50 °C ein Volumen von 118,3 cm³ und bei 100 °C ein Volumen von 136,6 cm³. Im Diagramm liegen die drei Messpunkte auf einer Geraden.
- Bestimmen Sie, um wie viel Kubikzentimeter das Volumen je 1 K Temperaturerhöhung zunimmt.
- Ermitteln Sie durch Extrapolation die Temperatur, bei der das Volumen rechnerisch null wäre.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: \(\dfrac{\Delta V}{\Delta T}\) aus den Randpunkten der Messreihe.
Rechnung: \(\Delta V = 136{,}6\,\text{cm}^3 - 100{,}0\,\text{cm}^3 = 36{,}6\,\text{cm}^3\), \(\Delta T = 100\,\text{K}\)
\(\dfrac{\Delta V}{\Delta T} = \dfrac{36{,}6\,\text{cm}^3}{100\,\text{K}} = 0{,}366\,\dfrac{\text{cm}^3}{\text{K}}\)
Ergebnis: Je 1 K nimmt das Volumen um 0,366 cm³ zu.
Antwortsatz: Pro Kelvin Temperaturerhöhung dehnt sich die Luftmenge um 0,366 cm³ aus — bei jedem Schritt gleich viel, deshalb die Gerade.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: Gesucht ist die Abkühlung \(\Delta T\), bei der das Volumen von 100,0 cm³ auf 0 cm³ sinkt: \(\Delta T = \dfrac{V_0}{\Delta V / \Delta T}\).
Rechnung: \(\Delta T = \dfrac{100{,}0\,\text{cm}^3}{0{,}366\,\text{cm}^3/\text{K}} \approx 273{,}2\,\text{K}\)
Von 0 °C aus um 273,2 K abgekühlt: \(\vartheta = 0\,^\circ\text{C} - 273{,}2\,^\circ\text{C} = -273{,}2\,^\circ\text{C}\)
Ergebnis: \(\vartheta \approx -273\,^\circ\text{C}\)
Antwortsatz: Die verlängerte Gerade trifft die Temperaturachse bei rund −273 °C. Das ist im Rahmen der Messgenauigkeit der absolute Nullpunkt (−273,15 °C = 0 K). Wirklich null wird das Volumen nicht, denn die Luft wird lange vorher flüssig und fest — verlängert wird nur rechnerisch.
Kälterekord im Labor
AFB II–IIIEine Forschungsgruppe kühlt eine Wolke aus Rubidiumatomen auf 450 pK ab; ein Pikokelvin ist ein Billionstel Kelvin, 450 pK sind also 0,000 000 000 45 K. Die Wolke enthält etwa 100 000 Atome, der Versuch dauert 9 Sekunden, und die Apparatur steht in einem Labor bei 21 °C. Am nächsten Tag titelt eine Zeitung: „Forscher erreichen den absoluten Nullpunkt.“
- Deuten Sie im Teilchenmodell, was die Abkühlung auf 450 pK für die Bewegung der Rubidiumatome bedeutet.
- Vergleichen Sie die Temperatur der Atomwolke mit der Labortemperatur, indem Sie beide in Kelvin angeben.
- Widerlegen Sie die Schlagzeile der Zeitung.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: Die Temperatur ist ein Maß für die mittlere Bewegungsenergie der Teilchen.
Deutung: Bei 450 pK ist diese mittlere Bewegungsenergie extrem klein — die Rubidiumatome bewegen sich nur noch unvorstellbar langsam gegeneinander. Null ist sie aber nicht, denn der Kelvin-Wert ist zwar winzig, aber größer als null.
Antwortsatz: Die Atome sind fast, aber eben nicht vollständig zur Ruhe gekommen; es ist noch eine, wenn auch verschwindend geringe, Bewegungsenergie vorhanden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: \(T = \vartheta + 273{,}15\,\text{K}\) für das Labor; die Wolke ist bereits in Kelvin gegeben.
Rechnung: \(T_\text{Labor} = 21 + 273{,}15 = 294{,}15\,\text{K}\), \(T_\text{Wolke} = 4{,}5 \cdot 10^{-10}\,\text{K}\)
\(\dfrac{T_\text{Labor}}{T_\text{Wolke}} = \dfrac{294{,}15}{4{,}5 \cdot 10^{-10}} \approx 6{,}5 \cdot 10^{11}\)
Ergebnis: Der Kelvin-Wert des Labors ist rund 650 Milliarden Mal so groß wie der der Wolke.
Gemeinsamkeit: Beide Werte sind positiv, denn die Kelvin-Skala kennt keine negativen Temperaturen. Unterschied: Die Wolke liegt praktisch am unteren Ende der Skala, das Labor mitten im Alltagsbereich.
Nicht gebraucht werden die Angaben zu Atomzahl und Versuchsdauer.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Gegenargument 1 (Zahlenwert): 450 pK sind \(4{,}5 \cdot 10^{-10}\,\text{K}\) und damit größer als 0 K. Der absolute Nullpunkt ist also nicht erreicht, sondern nur angenähert.
Gegenargument 2 (grundsätzlich): Der absolute Nullpunkt kann nicht erreicht werden. Abkühlen heißt, einem Körper Energie zu entziehen; am Nullpunkt wäre nichts mehr zu entziehen, und jeder weitere Schritt bringt nur noch näher heran, nie ganz hin.
Antwortsatz: Die Schlagzeile ist falsch. Erreicht wurde ein neuer Rekord in unmittelbarer Nähe des absoluten Nullpunkts; der Nullpunkt selbst bleibt unerreichbar. Korrekt wäre eine Formulierung wie „so nah am absoluten Nullpunkt wie nie zuvor“.
Als vollständige Antwort gilt: der Nachweis, dass der angegebene Wert über 0 K liegt, und die Begründung, warum 0 K grundsätzlich nicht erreichbar ist.
