Aufgabenblock — AFB III
Begründen statt nur rechnen: rückwärts arbeiten, Strukturen erkennen und eigene Begründungssätze formulieren, bevor du die Musterlösung aufklappst.
Begründe in 3–4 Sätzen, warum der Widerstand eines Halbleiters beim Erwärmen sinkt, der eines Metalldrahtes aber steigt.
Hinweis: Frage dich bei beiden Stoffen getrennt: Ändert sich die Anzahl der freien Ladungsträger oder nur ihre Beweglichkeit?
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Musterlösung: Im Halbleiter sind bei Zimmertemperatur nur sehr wenige Elektronen frei. Wärme liefert die Energie, um weitere Elektronenpaarbindungen aufzubrechen und die Bandlücke von 1,1 eV zu überwinden; die Zahl der Ladungsträger steigt deshalb stark an und der Widerstand sinkt. Im Metall sind dagegen bereits alle Leitungselektronen frei — ihre Anzahl kann nicht mehr wachsen. Dort wirkt nur noch, dass die Atomrümpfe heftiger schwingen und die Elektronen häufiger stoppen, also steigt der Widerstand.
Erkläre, warum ein einziges Fremdatom auf zehn Millionen Siliziumatome die Leitfähigkeit um mehrere Zehnerpotenzen erhöhen kann.
Hinweis: Vergleiche die Zahl der Ladungsträger vorher mit der Zahl, die die Fremdatome liefern — nicht die Zahl der Atome.
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Musterlösung: Im reinen Siliziumkristall entstehen freie Ladungsträger nur durch Eigenleitung, und dazu muss die Wärmebewegung zufällig 1,1 eV aufbringen — das gelingt nur extrem selten. Ein fünfwertiges Fremdatom bringt dagegen ein Elektron mit, das nur ganz schwach gebunden ist und bei Zimmertemperatur praktisch immer frei ist. Schon wenige Fremdatome liefern deshalb ein Vielfaches der Ladungsträger, die es vorher gab. Weil die Ausgangszahl nahezu null war, bedeutet dieser Zuwachs gleich mehrere Zehnerpotenzen.
Erläutere, warum eine Diode in der einen Richtung leitet und in der anderen sperrt.
Hinweis: Betrachte, was die angelegte Spannung mit der Breite der Sperrschicht macht.
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Musterlösung: Am pn-Übergang bildet sich von selbst eine ladungsträgerarme Sperrschicht. Liegt der Pluspol an der Anode, also am p-Gebiet, werden Löcher und Elektronen zur Grenze gedrängt, die Sperrschicht wird schmal und ab etwa 0,7 V fließt ein deutlicher Strom. Wird umgepolt, zieht die Spannung die beweglichen Ladungsträger von der Grenze weg; die Sperrschicht wird breiter und noch ladungsträgerärmer. Deshalb fließt in Sperrrichtung praktisch kein Strom.
Widerlege, die Aussage eines Mitschülers: „Ein LDR erzeugt aus Licht Strom.“
Hinweis: Überlege, was passiert, wenn du einen hell beleuchteten LDR ohne Spannungsquelle an ein Messgerät anschließt.
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Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Schließt man einen LDR ohne Spannungsquelle an ein Messgerät an und beleuchtet ihn, fließt kein Strom — egal wie hell es ist. Licht erzeugt im LDR zwar zusätzliche freie Ladungsträger, aber es fehlt eine Kraft, die sie in eine Richtung treibt; sein Widerstand sinkt, mehr nicht. Strom aus Licht liefert dagegen die Solarzelle, weil in ihrem pn-Übergang ein eingebautes Feld die erzeugten Elektron-Loch-Paare trennt. Genau dieser pn-Übergang fehlt dem LDR.
Leite her, warum eine blaue LED eine höhere Schleusenspannung benötigt als eine rote.
Hinweis: Verfolge den Weg der Energie: Woher hat das Photon seine Energie, und wer musste sie vorher aufbringen?
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Musterlösung: In der LED fällt ein Elektron vom Leitungsband ins Valenzband und gibt die Energiedifferenz als Photon ab. Diese Differenz ist genau die Bandlücke des Materials. Blaues Licht ist kurzwelliger und damit energiereicher als rotes, also gehört zu einer blauen LED eine größere Bandlücke — etwa 2,8 eV statt 1,9 eV. Die Elektronen müssen diese größere Energie vorher von der Quelle bekommen, und darum liegt die Schleusenspannung bei etwa 2,8 V statt bei 1,9 V.
Nimm Stellung, zu folgendem Vorgehen: Ein Schüler schließt eine rote LED direkt an eine 9-V-Blockbatterie an, weil „die LED sich den Strom schon selbst nimmt“.
Hinweis: Sieh dir den Verlauf der LED-Kennlinie oberhalb des Knies an.
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Musterlösung: Das Vorgehen ist falsch und zerstört die LED. Oberhalb der Schleusenspannung von etwa 1,8 V steigt die Kennlinie fast senkrecht an: Schon wenige Zehntelvolt mehr bedeuten ein Vielfaches des zulässigen Stroms von 20 mA. Eine LED begrenzt den Strom also gerade nicht selbst, sie verhält sich oberhalb des Knies fast wie ein Stück Draht. Richtig wäre ein Vorwiderstand, der die überschießenden 7,2 V aufnimmt; bei 20 mA sind das 360 Ω.
Entscheide und begründe, ob der NTC im Spannungsteiler oben oder unten sitzen muss, damit ein Lüfter bei Hitze anläuft. Abgegriffen wird am unteren Widerstand, und der Lüfter startet bei hoher Ausgangsspannung.
Hinweis: Prüfe die beiden Möglichkeiten je einmal für „warm“ und einmal für „kalt“ durch.
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Musterlösung: Der NTC muss oben sitzen. Wird es heiß, sinkt sein Widerstand stark; im Spannungsteiler fällt dann fast die gesamte Spannung am unteren Festwiderstand ab, und die Ausgangsspannung wird groß — der Lüfter läuft an. Mit 10 kΩ als Festwiderstand und 12 V ergibt das bei 25 °C noch 6,0 V, bei 60 °C dagegen 10 V. Säße der NTC unten, würde die Ausgangsspannung bei Hitze sinken und der Lüfter genau falsch herum schalten.
Vergleiche, LED und Solarzelle hinsichtlich Aufbau und Energierichtung.
Hinweis: Beide Bauteile enthalten dasselbe Bauelement im Inneren — nur der Energiefluss ist umgekehrt.
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Musterlösung: Beide Bauteile bestehen im Kern aus demselben pn-Übergang mit seiner Sperrschicht, und beide Male ist die umgesetzte Energie gleich der Bandlücke des Materials. Der Unterschied liegt in der Richtung: In der LED rekombiniert ein Elektron mit einem Loch, fällt auf ein niedrigeres Niveau und gibt die Energie als Photon ab — aus elektrischer Energie wird Licht. In der Solarzelle löst ein ankommendes Photon ein Elektron-Loch-Paar heraus, das vom eingebauten Feld getrennt wird — aus Licht wird elektrische Energie. Entsprechend ist eine LED winzig gebaut, eine Solarzelle dagegen großflächig, damit möglichst viel Licht die Sperrschicht erreicht.
Diskutiere, ob sich eine Photovoltaikanlage lohnt, obwohl nur etwa 20 % der eingestrahlten Energie in Strom umgewandelt werden.
Hinweis: Überlege, was die fehlenden 80 % eigentlich kosten — und vergleiche das mit einem Kraftwerk, das Brennstoff braucht.
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Musterlösung: Der Wirkungsgrad von rund 20 % klingt niedrig, ist hier aber kein starkes Gegenargument: Die nicht genutzten 80 % sind kostenloses Sonnenlicht, während ein fossiles Kraftwerk für seine Verluste teuren Brennstoff verheizt und dabei CO2 freisetzt. Eine 5-kW-Anlage liefert in Norddeutschland etwa 4500 kWh im Jahr und spart damit rund 1350 Euro Stromkosten, sodass sie sich in wenigen Jahren rechnet. Dagegen sprechen der stark schwankende Ertrag, der Speicher oder Netz erfordert, sowie Energie- und Materialaufwand bei der Herstellung. Insgesamt lohnt sich die Anlage: Entscheidend ist nicht der Wirkungsgrad, sondern der Ertrag je eingesetztem Euro und die vermiedene CO2-Emission.
Beurteile, die Aussage: „Ein einziges Staubkorn im Reinraum ist für den Preis eines Chips bedeutungslos.“
Hinweis: Vergleiche die Größe eines Staubkorns mit der Breite einer Leiterbahn von wenigen Nanometern.
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Musterlösung: Die Aussage ist nicht haltbar. Die kleinsten Strukturen auf einem modernen Chip sind nur wenige Nanometer breit, ein Staubkorn ist um ein Vielfaches größer und kann eine Leiterbahn vollständig unterbrechen — der betroffene Chip ist Ausschuss. Da die Kosten eines Wafers nahezu unabhängig davon anfallen, wie viele Chips gelingen, verteilen sie sich bei sinkender Ausbeute auf weniger brauchbare Chips, und der Stückpreis steigt. Genau deshalb wird unter ständig gefilterter Luft, in Schutzanzügen und über Schleusen gearbeitet.
