Zwei Bilder vom selben Stoff: das Gitter zeigt dir, wo die Elektronen im Kristall genau sitzen — das Bändermodell zeigt dir, wie viel Energie sie zum Loskommen aus dieser Bindung wirklich brauchen.
Du weißt bereits, dass Kupfer leitet, Glas nicht und Silizium irgendwo dazwischen liegt. Jetzt suchen wir eine Darstellung, in der man diesen Unterschied auf einen Blick sieht.
Zwei Modelle desselben Kristalls: Das Gittermodell zeigt den Ort der Elektronen, das Bändermodell ihre Energie.
Vier Außenelektronen sind zu wenig zum Abgeben und zu viele zum Aufnehmen — also teilt das Siliziumatom.
Das ebene Gittermodell vereinfacht die räumliche Anordnung bewusst.
| Eigenschaft | im Modell | in Wirklichkeit |
|---|---|---|
| Zahl der Bindungen pro Atom | 4 | 4 — stimmt überein |
| Elektronen pro Bindung | 2 | 2 — stimmt überein |
| Anordnung der Nachbarn | Quadrat in der Ebene | Tetraeder im Raum |
| Winkel zwischen den Bindungen | 90° | rund 109,5° |
Statt „Wo sitzt das Elektron?“ fragen wir nun: „Wie viel Energie hat es?“ Auf der senkrechten Energieachse gibt es erlaubte Bereiche — die Bänder — und verbotene dazwischen.
Der Unterschied zwischen Kupfer, Silizium und Diamant steckt jetzt nur noch in der Breite der Bandlücke.
| Klasse | Beispiel | Bandlücke | Was das bedeutet |
|---|---|---|---|
| Leiter | Kupfer | keine — die Bänder überlappen | Elektronen sind ohne jede Zusatzenergie frei beweglich |
| Halbleiter | Silizium | etwa 1,1 eV | Wärme bei Zimmertemperatur reicht für einige wenige Elektronen |
| Isolator | Diamant | etwa 5 eV | kein Elektron schafft den Sprung — der Kristall bleibt sperrend |
Valenz- und Leitungsband überlappen — es gibt gar keine Lücke.
Lücke rund 1,1 eV: die Wärmebewegung überbrückt sie gelegentlich.
Lücke rund 5 eV: die Wärme ist chancenlos.
Drei Stoffe, die vorher drei getrennte Erzählungen brauchten, stehen jetzt im selben Diagramm — der Unterschied ist der Abstand zweier Rechtecke.
Hier stehen die drei Materialklassen im selben Diagramm nebeneinander — mit demselben Maßstab auf der Energieachse. Das gelbe Elektron versucht bei jeder Änderung, vom Valenzband ins Leitungsband zu springen. Beobachte, ab welcher Energie das gelingt und wo es aussichtslos bleibt.
Achte darauf, dass sich am Bild des Materials nichts ändert, wenn du die Energie hochdrehst — die Bänder bleiben, wo sie sind. Verändert wird nur, ob ein Elektron die Lücke überwinden kann. Und noch etwas: In echtem Silizium liefert die Wärmebewegung im Mittel viel weniger als 1,1 eV. Es sind einzelne Elektronen, die zufällig deutlich mehr abbekommen als der Durchschnitt — deshalb sind es bei Zimmertemperatur immer nur sehr wenige.
Drei Stellen, an denen das Bändermodell gern missverstanden wird.
Die Achse zeigt Energie, nicht Höhe. Ein Elektron im Leitungsband schwebt nicht über dem Kristall, es ist nur energiereicher.
Die Bandlücke ist verboten, nicht nur unbeliebt. Entweder das Elektron schafft den ganzen Sprung, oder es bleibt im Valenzband — einen halben Sprung gibt es nicht.
Gitter- und Bändermodell widersprechen sich nicht. „Bindung bricht auf“ und „Elektron springt ins Leitungsband“ beschreiben denselben Vorgang.