Wärme bricht Bindungen im Kristallgitter auf. Dabei entsteht nie nur ein freies Elektron, sondern immer ein Paar: ein Elektron und eine Lücke, die selbst wie ein Teilchen wandert.
Ein Kupferdraht wird beim Erwärmen zum schlechteren Leiter. Ein Stück Silizium zum besseren. Woher kommt dieser Unterschied?
Eigenleitung heißt: Der reine Halbleiter erzeugt seine Ladungsträger selbst — und zwar immer paarweise.
Je wärmer der Kristall, desto heftiger zittern die Atomrümpfe — manchmal stark genug, um eine Elektronenpaarbindung aufzubrechen.
Elektron und Loch entstehen immer gemeinsam, nie einzeln.
Im reinen Halbleiter gilt deshalb stets: Anzahl der Elektronen = Anzahl der Löcher.
Ein Loch ist kein Teilchen — trotzdem bewegt es sich, und man darf mit ihm rechnen wie mit einer positiven Ladung.
Gleichzeitig läuft der Gegenprozess: Trifft ein frei wanderndes Elektron auf ein Loch, fällt es hinein.
Damit ist der Widerspruch vom Anfang gelöst: Im Halbleiter entstehen mit steigender Temperatur sehr schnell immer mehr Ladungsträger, der Widerstand sinkt deshalb stark.
| Metall (z. B. Kupfer) | Halbleiter (z. B. Silizium) | |
|---|---|---|
| Woher kommen die Ladungsträger? | immer vorhanden (Elektronengas) | entstehen erst durch Wärme |
| Anzahl bei höherer Temperatur | bleibt gleich | steigt stark an |
| Wirkung des stärkeren Gitterzitterns | bremst die Elektronen | vorhanden, aber unwichtig dagegen |
| Widerstand bei Erwärmung | steigt | sinkt stark |
| Bauteil-Beispiel | Kaltleiter (PTC) | Heißleiter (NTC) |
Der NTC aus dem Einstieg nutzt genau diese Eigenleitung technisch aus — etwa als Temperaturfühler im Backofen oder im Fieberthermometer.
So beeindruckend die Eigenleitung ist — für die Technik reicht sie nicht.
Der Ausschnitt zeigt 24 Siliziumatome, jedes mit seinen Bindungen zu den Nachbarn. Mit steigender Temperatur brechen Bindungen auf: Jedes Mal erscheinen gleichzeitig ein gelbes Elektron und ein rotes Loch. Rückt ein Nachbarelektron nach, wandert das Loch selbst durch den Kristall.
Zwei Dinge lohnen den genauen Blick. Erstens: Die beiden Zähler für Elektronen und Löcher zeigen bei jeder Temperatur denselben Wert — das ist das Kennzeichen der Eigenleitung. Zweitens: Wenn du ein Loch wandern lässt, bewegt sich in Wirklichkeit ein Elektron in die Gegenrichtung. Das Loch ist nur die Stelle, an der gerade keines ist.
Drei Punkte, die in Klassenarbeiten regelmäßig Punkte kosten.
Ein Loch ist kein positives Teilchen. Es ist eine Fehlstelle und wirkt nur deshalb positiv, weil dort eine negative Ladung fehlt.
Der Kristall bleibt neutral. Elektron und Loch entstehen gemeinsam, ihre Ladungen heben sich auf — egal wie heiß er wird.
Gleich viele Elektronen und Löcher. „Mehr Elektronen als Löcher“ gibt es erst bei der Dotierung, nicht bei der Eigenleitung.