Die 12 häufigsten Fehler
1Die Gewichtskraft wird in Kilogramm angegeben — und beim Umrechnen von Tonnen rutscht eine Null weg
So wird oft gerechnet: Ein Kleinwagen hat die Masse m = 1,5 t, gesucht ist seine Gewichtskraft. Gerechnet wird: „1,5 t = 150 kg, also FG = 150 kg.“
Richtig ist: Erst die Einheitenleiter, dann die Formel. Jede Stufe hat den Faktor 1000: 1,5 t = 1500 kg. Damit ist FG = m · g = 1500 kg · 9,81 N/kg = 14 715 N, also rund 14,7 kN. Die Masse bleibt 1500 kg, die Gewichtskraft steht in Newton.
Masse in kg, Kraft in N — nie dieselbe Einheit für beides. Und von t über kg zu g geht es jeweils mal 1000, nicht mal 100.
2Ein Körper soll im Weltall oder auf dem Mond seine Masse verlieren
So wird oft gerechnet: Ein Astronaut hat auf der Erde m = 60 kg. Zum Mond heißt es: „Dort ist alles leichter, also hat er keine Masse mehr, m = 0.“
Richtig ist: Die Masse ist ortsunabhängig, sie ist das Maß für die Stoffmenge: auf dem Mond ist m ebenfalls 60 kg. Nur der Ortsfaktor wechselt. Erde: FG = 60 kg · 9,81 N/kg = 588,6 N. Mond: FG = 60 kg · 1,6 N/kg = 96 N, also etwa ein Sechstel. Leichter wird nur die Gewichtskraft.
Ein Ortswechsel ändert g, niemals m. Eine Balkenwaage vergleicht Massen und zeigt überall dasselbe; ein Federkraftmesser misst die Gewichtskraft und zeigt auf dem Mond weniger an.
3Eine Bewegung soll ständig eine Kraft brauchen, um weiterzugehen
So wird oft gerechnet: Ein Eishockeypuck gleitet nach dem Schlag mit 8 m/s über das Eis. Begründet wird: „Die Kraft des Schlägers wirkt weiter und schiebt ihn vorwärts.“
Richtig ist: Der Schläger wirkt nur während des kurzen Stoßes. Danach greift in Bewegungsrichtung keine antreibende Kraft mehr an, sondern nur noch die Reibung, die den Puck langsam abbremst. Nach dem Trägheitsprinzip gilt: Fres = 0 bedeutet Ruhe oder gleichförmige Bewegung. Auf einer reibungsfreien Bahn würde der Puck ohne jede Kraft mit 8 m/s weitergleiten.
Kräfte ändern Bewegungen, sie erhalten sie nicht. Wer eine Bewegung erklären will, fragt nicht „Was schiebt?“, sondern „Was ändert sich?“
4Kraft und Gegenkraft werden als Kräftegleichgewicht behandelt, obwohl sie an zwei Körpern angreifen
So wird oft gerechnet: Ein Pferd zieht einen Wagen. Begründet wird: „Der Wagen zieht mit gleich großer Kraft zurück, die Kräfte heben sich auf, also kann der Wagen nie anfahren.“
Richtig ist: Kraft und Gegenkraft greifen an zwei verschiedenen Körpern an: die eine am Wagen, die andere am Pferd. Zwei Kräfte an verschiedenen Körpern können sich nicht aufheben. Für den Wagen zählt nur, was an ihm selbst angreift: Zugkraft 400 N nach vorn, Reibung 250 N nach hinten, also Fres = 150 N nach vorn. Mit m = 300 kg folgt a = 150 N : 300 kg = 0,5 m/s² — der Wagen fährt an.
Kräftegleichgewicht: zwei Kräfte an einem Körper, Summe null. Wechselwirkung: zwei Kräfte an zwei Körpern, die sich nie aufheben. Die erste Frage lautet immer: Wo greift die Kraft an?
5In F = m · a wird die Gewichtskraft oder gleich der Wert 9,81 eingesetzt statt der resultierenden Kraft
So wird oft gerechnet: Ein Wagen mit m = 2 kg wird auf der waagerechten Fahrbahn mit 3 N gezogen, die Reibung beträgt 1 N. Gerechnet wird: „a = FG : m = (2 kg · 9,81 N/kg) : 2 kg = 9,81 m/s².“
Richtig ist: In F = m · a steht immer die resultierende Kraft in Bewegungsrichtung. Also erst alle Kräfte am Wagen sammeln: Fres = 3 N − 1 N = 2 N. Dann a = Fres : m = 2 N : 2 kg = 1 m/s². Die Gewichtskraft von 19,62 N zeigt senkrecht nach unten und wird von der Fahrbahn ausgeglichen; sie beschleunigt den Wagen überhaupt nicht.
g = 9,81 N/kg ist der Ortsfaktor und gehört in FG = m · g. Die 9,81 m/s² sind die Beschleunigung beim freien Fall und gelten nur, wenn die Gewichtskraft die einzige Kraft ist.
6Beim hookeschen Gesetz wird die Gesamtlänge der Feder statt der Dehnung eingesetzt
So wird oft gerechnet: Eine Feder ist unbelastet 12 cm lang und unter einer Last von 4 N insgesamt 20 cm lang. Gerechnet wird: „D = F : s = 4 N : 20 cm = 0,2 N/cm.“
Richtig ist: In F = D · s ist s die Dehnung, also Länge unter Last minus Ruhelänge: s = 20 cm − 12 cm = 8 cm. Damit ist D = 4 N : 8 cm = 0,5 N/cm. Kontrolle mit 6 N: s = 6 N : 0,5 N/cm = 12 cm, die Feder wäre dann 24 cm lang.
Ins hookesche Gesetz gehört nur die Verlängerung — Ruhelänge zuerst abziehen. Das F-s-Diagramm ist eine Ursprungsgerade: bei s = 0 muss F = 0 herauskommen, sonst wurde die falsche Länge eingesetzt.
7Die Einheit der Federkonstante wird zwischen N/cm und N/m vertauscht — der Faktor 100 fällt weg
So wird oft gerechnet: Gegeben ist D = 25 N/m, gesucht die Dehnung bei F = 5 N. Gerechnet wird: „s = 5 N : 25 N/m = 0,2 cm.“
Richtig ist: 25 N/m heißt: 25 N je Meter. Also s = 5 N : 25 N/m = 0,2 m = 20 cm — hundertmal mehr als 0,2 cm. Dieselbe Feder hat in der anderen Einheit D = 0,25 N/cm, denn 1 N/cm = 100 N/m.
1 N/cm = 100 N/m. Beim Umschreiben verschiebt sich die Zahl um den Faktor 100: 0,5 N/cm sind 50 N/m. Vor dem Rechnen prüfen, ob D und s dieselbe Längeneinheit benutzen.
8Kräfte mit verschiedenen Richtungen werden einfach addiert, und die Kraftpfeile entstehen ohne Maßstab
So wird oft gerechnet: Am selben Punkt greifen F1 = 30 N nach rechts und F2 = 40 N nach oben an. Gerechnet wird: „Fres = 30 N + 40 N = 70 N“, und die Pfeile werden „ungefähr passend“ lang gezeichnet.
Richtig ist: Beträge darf man nur bei gleicher Richtung addieren. Stehen die Kräfte senkrecht aufeinander, gilt der Satz des Pythagoras: Fres = Wurzel aus ((30 N)² + (40 N)²) = Wurzel aus 2500 N² = 50 N. Bei jedem anderen Winkel wird das Kräfteparallelogramm gezeichnet; Fres ist seine Diagonale. Dazu gehört zuerst ein Kräftemaßstab, zum Beispiel 1 cm für 10 N: dann sind die Pfeile 3 cm und 4 cm lang und die Diagonale misst 5 cm.
Gleiche Richtung: addieren. Entgegengesetzt: subtrahieren. Senkrecht: Pythagoras. Sonst: Parallelogramm zeichnen. Und jede Kraftzeichnung beginnt mit dem Kräftemaßstab, sonst lässt sich kein Betrag ablesen.
9Beim Hebel wird der Abstand von der Balkenmitte statt vom Drehpunkt genommen
So wird oft gerechnet: Ein Balken ist 1,20 m lang, der Drehpunkt liegt 0,30 m vom linken Ende. Am linken Ende hängt F1 = 60 N, am rechten Ende wirkt F2. Gerechnet wird mit den Abständen zur Balkenmitte: „l1 = 0,60 m, l2 = 0,60 m, also F2 = 60 N.“
Richtig ist: Der Hebelarm wird vom Drehpunkt zum Angriffspunkt gemessen: l1 = 0,30 m und l2 = 1,20 m − 0,30 m = 0,90 m. Aus F1 · l1 = F2 · l2 folgt F2 = (60 N · 0,30 m) : 0,90 m = 20 N. Kontrolle: 60 N · 0,30 m = 18 Nm und 20 N · 0,90 m = 18 Nm.
Der Drehpunkt ist der Bezugspunkt, nicht die Mitte des Balkens. Plausibilitätsprüfung: Die kleinere Kraft muss am längeren Arm sitzen.
10Beim Flaschenzug werden die Rollen statt der tragenden Seilstücke gezählt — und der Kraftwandler soll Arbeit sparen
So wird oft gerechnet: Ein Flaschenzug mit einer festen und zwei losen Rollen hält eine Last mit FG = 600 N. Gerechnet wird: „drei Rollen, also F = 600 N : 3 = 200 N — und weil die Kraft kleiner ist, spart man Arbeit.“
Richtig ist: In F = FG : n ist n die Zahl der tragenden Seilstücke. Jede lose Rolle hängt in zwei Seilstücken, die feste Rolle ändert nur die Richtung: n = 4. Also F = 600 N : 4 = 150 N. Der Zugweg ist dafür viermal so lang: um die Last 0,50 m zu heben, zieht man 2,00 m Seil. Goldene Regel der Mechanik: 600 N · 0,50 m = 150 N · 2,00 m.
Rollen zählen hilft nicht, Seilstücke zählen hilft: je lose Rolle zwei. Jeder Kraftwandler tauscht Kraft gegen Weg — gespart wird Kraft, nie Arbeit.
11Die Größe der Auflagefläche wird für die Reibungskraft verantwortlich gemacht
So wird oft gerechnet: Eine Kiste soll über den Boden geschoben werden. Begründet wird: „Wenn man sie auf die kleine Seitenfläche kippt, ist die Auflagefläche kleiner, also ist die Reibung kleiner.“
Richtig ist: Die Reibungskraft hängt von den beiden Materialien und von der Anpresskraft ab — nicht von der Größe der Auflagefläche und nicht von der Geschwindigkeit. Die Anpresskraft ist in beiden Lagen dieselbe Gewichtskraft, bei m = 20 kg also FG = 20 kg · 9,81 N/kg = 196,2 N. Die Gleitreibungskraft bleibt darum praktisch gleich. Wirklich kleiner wird sie erst mit anderem Material oder mit Rollen: Rollreibung ist kleiner als Gleitreibung, und die ist kleiner als Haftreibung.
Reibung lebt von Material und Anpresskraft. Kippen bringt nichts, Räder bringen viel — und das Anschieben ist immer schwerer als das Weiterschieben, weil die Haftreibung am größten ist.
12Der Bremsweg wird als proportional zur Geschwindigkeit angenommen statt quadratisch
So wird oft gerechnet: Bei 50 km/h beträgt der Bremsweg etwa 25 m. Für 100 km/h wird gerechnet: „doppelt so schnell, also doppelt so lang: 50 m.“
Richtig ist: Der Bremsweg wächst quadratisch mit der Geschwindigkeit. Mit der Faustformel „Bremsweg in m = (v in km/h : 10) · (v in km/h : 10)“ ergibt sich für 50 km/h: 5 · 5 = 25 m, für 100 km/h aber 10 · 10 = 100 m — viermal so lang. Der Grund: Dieselbe Bremskraft erzeugt dieselbe Verzögerung, das Bremsen dauert bei doppeltem Tempo doppelt so lange, und in dieser Zeit ist das Auto im Mittel doppelt so schnell unterwegs.
Doppeltes Tempo bedeutet vierfachen Bremsweg. Dazu kommt der Reaktionsweg, den das Auto mit unveränderter Geschwindigkeit zurücklegt: Reaktionsweg plus Bremsweg ergibt den Anhalteweg.
