Zebrastreifen vor der Schule
AFB I–IIEin Auto fährt mit 50 km/h auf einer trockenen Straße auf einen Zebrastreifen zu. Als ein Kind zwischen zwei geparkten Autos hervortritt, ist der Zebrastreifen noch 30 m entfernt. In diesem Augenblick erkennt der Fahrer die Gefahr und tritt anschließend so kräftig wie möglich auf die Bremse. Gerechnet wird mit den beiden Faustformeln: Der Reaktionsweg in Metern ist die Geschwindigkeit in km/h geteilt durch 10 und danach mit 3 multipliziert, der Bremsweg in Metern ist dieselbe Zahl zum Quadrat.
- Geben Sie die beiden Teilwege an, aus denen sich der Anhalteweg zusammensetzt, und dazu jeweils, was das Auto auf diesem Teilweg tut.
- Berechnen Sie mit den Faustformeln den Anhalteweg für 50 km/h und halten Sie in einem Antwortsatz fest, ob das Auto vor dem Zebrastreifen zum Stehen kommt.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: Der Anhalteweg ist die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg, also \( s_{\mathrm{A}} = s_{\mathrm{R}} + s_{\mathrm{B}} \). Reaktionsweg: Solange der Fahrer die Gefahr verarbeitet und den Fuß zum Bremspedal führt, wirkt noch keine Bremskraft — das Auto fährt mit unveränderter Geschwindigkeit weiter. Bremsweg: Erst danach bremst die Haftreibung zwischen Reifen und Straße das Auto ab, bis es steht. Antwortsatz: Der Anhalteweg besteht aus dem Reaktionsweg, auf dem das Auto unverändert weiterfährt, und dem Bremsweg, auf dem es durch die Haftreibung der Reifen zum Stillstand gebracht wird.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: \( s_{\mathrm{A}} = s_{\mathrm{R}} + s_{\mathrm{B}} \) mit den beiden Faustformeln. Zehnerzahl: 50 km/h geteilt durch 10 ergibt 5. Rechnung Reaktionsweg: \( s_{\mathrm{R}} = 5 \cdot 3\ \mathrm{m} = 15\ \mathrm{m} \). Rechnung Bremsweg: \( s_{\mathrm{B}} = 5^2\ \mathrm{m} = 25\ \mathrm{m} \). Anhalteweg: \( s_{\mathrm{A}} = 15\ \mathrm{m} + 25\ \mathrm{m} = 40\ \mathrm{m} \). Vergleich: 40 m sind um 10 m mehr als die 30 m bis zum Zebrastreifen. Antwortsatz: Der Anhalteweg beträgt 40 m; das Auto steht erst 10 m hinter dem Zebrastreifen und erreicht das Kind deshalb noch mit erheblicher Geschwindigkeit.
Auffahrunfall auf der Landstraße
AFB II–IIIEin Kleinwagen mit der Masse 1000 kg fährt mit 54 km/h über eine nasse Landstraße. Auf dem Beifahrersitz sitzt eine Person mit der Masse 60 kg, auf der Rückbank liegt ein Rucksack mit der Masse 8 kg. Hinter einer Kurve steht ein Anhänger auf der Fahrbahn. Der Wagen prallt gegen den Anhänger und wird dabei in 0,050 s vollständig gestoppt. Die Beifahrerin ist angegurtet: Gurt und Airbag verlängern die Zeit, in der ihr Körper abgebremst wird, auf 0,30 s. Der Ortsfaktor beträgt \( g = 9{,}81\ \mathrm{N/kg} \).
- Begründen Sie, warum eine nicht angegurtete Person bei diesem Aufprall nach vorn gegen die Windschutzscheibe geworfen wird, obwohl niemand sie nach vorn stößt.
- Bestätigen Sie durch eine Rechnung, dass Gurt und Airbag die Kraft auf den Körper der Beifahrerin auf ein Sechstel des Wertes senken, der ohne sie auftreten würde.
- Bewerten Sie die Aussage eines Mitschülers: „Auf den zwei Kilometern zum Sportplatz brauche ich keinen Gurt, da fahre ich sowieso nur 50 km/h.“
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ansatz: Trägheitsprinzip — ein Körper behält seine Geschwindigkeit bei, solange keine Kraft von außen auf ihn wirkt. Beim Aufprall wirkt die Kraft des Anhängers auf den Wagen; der Wagen wird dadurch in 0,050 s gestoppt. Auf den Körper einer nicht angegurteten Person wirkt in diesem Augenblick jedoch keine bremsende Kraft: Der Sitz kann ihn nur nach vorn schieben, nicht zurückhalten, und ohne Gurt besteht keine feste Verbindung zum Fahrzeug. Der Körper behält deshalb seine 54 km/h und bewegt sich gegenüber dem abgebremsten Auto nach vorn, bis Lenkrad oder Windschutzscheibe ihn stoppen. Antwortsatz: Die Person wird nicht von einer Kraft nach vorn geschleudert, sondern sie bewegt sich aus Trägheit mit unveränderter Geschwindigkeit weiter, während das Auto unter ihr zum Stehen kommt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: \( a = \dfrac{\Delta v}{\Delta t} \) und \( F = m \cdot a \), dabei ist \( m = 60\ \mathrm{kg} \) die Masse des abgebremsten Körpers. Umrechnung: \( v = \dfrac{54\ \mathrm{km/h}}{3{,}6} = 15\ \mathrm{m/s} \). Ohne Gurt und Airbag: \( a_1 = \dfrac{15\ \mathrm{m/s}}{0{,}050\ \mathrm{s}} = 300\ \mathrm{m/s}^2 \) und damit \( F_1 = 60\ \mathrm{kg} \cdot 300\ \mathrm{m/s}^2 = 18000\ \mathrm{N} = 18\ \mathrm{kN} \). Mit Gurt und Airbag: \( a_2 = \dfrac{15\ \mathrm{m/s}}{0{,}30\ \mathrm{s}} = 50\ \mathrm{m/s}^2 \) und damit \( F_2 = 60\ \mathrm{kg} \cdot 50\ \mathrm{m/s}^2 = 3000\ \mathrm{N} = 3{,}0\ \mathrm{kN} \). Verhältnis: \( \dfrac{18000\ \mathrm{N}}{3000\ \mathrm{N}} = 6 \). Einheitenprobe: \( \mathrm{kg} \cdot \mathrm{m/s}^2 = \mathrm{N} \). Antwortsatz: Die Kraft sinkt von 18000 N auf 3000 N, also genau auf ein Sechstel — im selben Verhältnis, in dem die Bremszeit von 0,050 s auf 0,30 s verlängert wird. Die Masse des Wagens von 1000 kg und der Rucksack von 8 kg werden dabei nicht gebraucht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Zu prüfen sind drei Punkte. Erstens: Nach \( F = m \cdot a \) hängt die Kraft beim Aufprall nur von der Masse des Körpers und von seiner Verzögerung ab, also von der Geschwindigkeit im Augenblick des Stoßes und von der Bremszeit. Die vorher gefahrene Strecke kommt in der Rechnung überhaupt nicht vor. Zweitens: Schon bei 54 km/h ergibt die Rechnung aus b) ohne Gurt eine Kraft von 18000 N. Zum Vergleich beträgt die Gewichtskraft dieser Person \( F_{\mathrm{G}} = 60\ \mathrm{kg} \cdot 9{,}81\ \mathrm{N/kg} \approx 589\ \mathrm{N} \); die Aufprallkraft ist also etwa das Dreißigfache davon. Bei 50 km/h liegt sie in derselben Größenordnung. Drittens: Kurze Fahrten im Ort sind besonders unfallträchtig, weil dort Kreuzungen, Fußgänger und Radfahrer dicht beieinanderliegen; die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sinkt mit der kurzen Strecke keineswegs auf null. Antwortsatz: Die Aussage ist nicht haltbar — die Länge der Fahrt schützt niemanden, und bereits 50 km/h genügen für Kräfte im Bereich einiger Tausend bis Zehntausend Newton, die ohne Gurt schwere Verletzungen verursachen. Als vollständig gilt die Antwort, wenn alle drei Kriterien geprüft und mit einem eindeutigen eigenen Urteil abgeschlossen werden.
