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Kräfteaddition grafisch

Zwei Sachaufgaben, in denen die resultierende Kraft nicht ausgerechnet, sondern im Kräftemaßstab gezeichnet und ausgemessen wird.

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Handwagen auf dem Schulhof

AFB I–II

Auf dem Schulhof ziehen Nele und Jonas einen Handwagen. Beide Zugseile sind am selben Haken vorn am Wagen befestigt, der Haken ist also der gemeinsame Angriffspunkt. Nele zieht mit 60 N, Jonas mit 80 N. Im ersten Versuch ziehen beide genau in dieselbe Richtung nach vorn. Im zweiten Versuch stellt sich Nele vor den Wagen und zieht genau entgegengesetzt zu Jonas. Für die Zeichnungen wird der Kräftemaßstab 1 cm ≙ 20 N festgelegt.

  1. Beschreiben Sie Schritt für Schritt, wie man die resultierende Kraft für den ersten Versuch zeichnerisch bestimmt, und geben Sie ihren Betrag an.
  2. Zeichnen Sie für den zweiten Versuch beide Kraftpfeile im vorgegebenen Kräftemaßstab und tragen Sie die resultierende Kraft als Pfeil ein.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Gehen Sie der Reihe nach vor: Was wird ganz zuerst festgelegt, wo beginnen die beiden Pfeile, und was wird am Ende gemessen? Im ersten Versuch liegen beide Pfeile auf einer Geraden — ein Parallelogramm brauchen Sie dafür nicht.Beschreiben verlangt eine geordnete und vollständige Darstellung in Fachsprache; die Schritte müssen so genau sein, dass jemand anders die Zeichnung danach anfertigen könnte.
Hinweis zu Aufgabe b)
Beide Pfeile starten wieder im selben Punkt, zeigen jetzt aber in entgegengesetzte Richtungen. Überlegen Sie, welcher Teil des längeren Pfeils vom kürzeren aufgehoben wird — und welche Richtung der Rest hat. Denken Sie an den Maßstab neben der Zeichnung.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz: Beide Kräfte greifen am selben Haken an und zeigen in dieselbe Richtung, der Winkel zwischen ihnen ist also 0°. Vorgehen: (1) Kräftemaßstab festlegen und anschreiben, hier 1 cm ≙ 20 N. (2) Den gemeinsamen Angriffspunkt am Haken einzeichnen. (3) Beide Kräfte in Pfeillängen umrechnen: \(60\,\text{N} : 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 3{,}0\,\text{cm}\) und \(80\,\text{N} : 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 4{,}0\,\text{cm}\). (4) Weil die Richtungen gleich sind, die Pfeile aneinanderhängen: Die Spitze des ersten Pfeils ist der Anfang des zweiten. (5) Den Pfeil der Resultierenden vom Angriffspunkt bis zur letzten Spitze ziehen, seine Länge messen und zurückrechnen. Rechnung: \(3{,}0\,\text{cm} + 4{,}0\,\text{cm} = 7{,}0\,\text{cm}\), also \(7{,}0\,\text{cm} \cdot 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 140\,\text{N}\). Ergebnis: \(F_{\text{res}} = 140\,\text{N}\) nach vorn. Antwortsatz: Bei gleicher Richtung addieren sich die Pfeillängen; die resultierende Kraft ist 140 N groß und zeigt in Zugrichtung nach vorn.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: Der Winkel zwischen den Kräften beträgt nun 180°, der Maßstab bleibt 1 cm ≙ 20 N. Rechnung der Pfeillängen: Neles Pfeil \(60\,\text{N} : 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 3{,}0\,\text{cm}\) nach hinten, Jonas’ Pfeil \(80\,\text{N} : 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 4{,}0\,\text{cm}\) nach vorn. Zeichnung: Beide Pfeile vom gemeinsamen Angriffspunkt aus auf einer Geraden, in entgegengesetzte Richtungen. Über 3,0 cm heben sich die Pfeile auf; übrig bleiben \(4{,}0\,\text{cm} - 3{,}0\,\text{cm} = 1{,}0\,\text{cm}\) in Richtung von Jonas’ Kraft. Dieser 1,0 cm lange Pfeil wird vom Angriffspunkt aus als \(F_{\text{res}}\) eingetragen. Ergebnis: \(1{,}0\,\text{cm} \cdot 20\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 20\,\text{N}\). Antwortsatz: Die resultierende Kraft ist 20 N groß und zeigt in Richtung der größeren Kraft, also nach vorn in Jonas’ Zugrichtung.

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Ruderboot am Bootsverleih

AFB II–III

Am Bootsverleih an der Weser wird ein Ruderboot an den Steg gezogen. Am Bug ist eine Öse, an der zwei Seile befestigt sind; zwei Helfer ziehen daran vom Ufer aus. Der eine zieht mit 90 N, der andere mit 120 N. Die beiden Seile schließen dabei einen Winkel von 60° ein. Das Boot ist 4,20 m lang und hat eine Masse von 65 kg; es taucht etwa 12 cm tief ins Wasser ein. Zum Zeichnen liegen ein Blatt DIN A4 (21,0 cm × 29,7 cm), ein Lineal und ein Geodreieck bereit. Der Verleiher schlägt als Kräftemaßstab 1 cm ≙ 30 N vor.

  1. Erklären Sie, warum die beiden Zugkräfte hier nicht einfach zu 210 N zusammengezählt werden dürfen, und geben Sie an, zwischen welchen beiden Grenzwerten die resultierende Kraft liegen muss.
  2. Bestimmen Sie den Betrag der resultierenden Zugkraft zeichnerisch: Fertigen Sie im vorgeschlagenen Kräftemaßstab ein Kräfteparallelogramm an und messen Sie die Diagonale.
  3. Beurteilen Sie den vorgeschlagenen Kräftemaßstab von 1 cm ≙ 30 N für eine Zeichnung auf dem DIN-A4-Blatt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Überlegen Sie, was ein Kraftpfeil außer seiner Länge noch angibt. Prüfen Sie dann die beiden Sonderfälle: Was käme heraus, wenn die Seile in dieselbe Richtung zeigten, und was, wenn sie genau gegeneinander zögen? Zwischen diesen beiden Werten muss das Ergebnis liegen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Legen Sie zuerst den gemeinsamen Angriffspunkt an der Öse fest, rechnen Sie beide Beträge mit dem Maßstab in Zentimeter um und übertragen Sie den Winkel mit dem Geodreieck. Nicht alle Angaben im Text werden für diese Teilaufgabe gebraucht — prüfen Sie, welche Sie wirklich benötigen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Urteilen Sie nach drei Kriterien: Erstens, ob die fertige Figur vollständig auf das Blatt passt. Zweitens, wie viel Newton ein Ablesefehler von 1 mm bedeutet. Drittens, ob sich 90 N und 120 N mit diesem Maßstab bequem in Zentimeter umrechnen lassen. Am Ende gehört zu einem Urteil eine klare Entscheidung.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz: Eine Kraft ist erst durch Betrag und Richtung festgelegt; beim Zusammenfassen zählt die Richtung mit. Begründung: Die beiden Seile schließen 60° ein, ihre Pfeile liegen also nicht auf einer Geraden. Nur im Sonderfall 0° werden die Beträge addiert, dann wäre \(90\,\text{N} + 120\,\text{N} = 210\,\text{N}\). Im Sonderfall 180° werden sie abgezogen, dann wäre \(120\,\text{N} - 90\,\text{N} = 30\,\text{N}\). Bei jedem Winkel dazwischen ist die Diagonale des Kräfteparallelogramms kürzer als die aneinandergehängten Pfeile und länger als ihr Längenunterschied. Ergebnis: \(30\,\text{N} < F_{\text{res}} < 210\,\text{N}\). Antwortsatz: Weil die Kräfte verschiedene Richtungen haben, ergibt ihre Zusammensetzung nicht 210 N; 210 N ist nur die obere Grenze, die erst bei gleicher Richtung erreicht würde, und 30 N die untere Grenze.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: Zeichnerische Bestimmung über das Kräfteparallelogramm mit dem Maßstab 1 cm ≙ 30 N. Umrechnung der Pfeillängen: \(90\,\text{N} : 30\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 3{,}0\,\text{cm}\) und \(120\,\text{N} : 30\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 4{,}0\,\text{cm}\). Zeichnung: gemeinsamer Angriffspunkt an der Öse, beide Pfeile von dort aus mit 60° Zwischenwinkel, dann durch jede Pfeilspitze eine Parallele zum anderen Pfeil, schließlich die Diagonale vom Angriffspunkt zur gegenüberliegenden Ecke. Messung: Die Diagonale ist etwa 6,1 cm lang. Rückrechnung: \(6{,}1\,\text{cm} \cdot 30\,\frac{\text{N}}{\text{cm}} = 183\,\text{N}\). Ergebnis: \(F_{\text{res}} \approx 180\,\text{N}\); der Wert liegt wie erwartet zwischen 30 N und 210 N. Die Angaben zur Bootslänge, zur Masse und zur Eintauchtiefe werden nicht gebraucht. Antwortsatz: Die resultierende Zugkraft beträgt rund 180 N; ihr Pfeil zeigt zwischen den beiden Seilen und liegt näher am stärkeren Seil.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Kriterium 1 — Platz: Mit 1 cm ≙ 30 N werden die Pfeile 3,0 cm und 4,0 cm lang; die ganze Figur ist etwa 5,5 cm breit und 2,6 cm hoch. Sie passt bequem auf DIN A4, nutzt das Blatt aber kaum aus. Kriterium 2 — Genauigkeit: Ein Ablesefehler von 1 mm entspricht 3 N; bei der nur 6,1 cm langen Diagonale sind das rund 2 % des Ergebnisses. Kriterium 3 — Umrechnung: 90 N und 120 N sind ohne Rest durch 30 teilbar, die Umrechnung ist also bequem. Alternative: Mit 1 cm ≙ 10 N werden die Pfeile 9,0 cm und 12,0 cm lang, die Figur etwa 16,5 cm breit und 7,8 cm hoch — sie passt noch auf DIN A4, und 1 mm entspricht nur 1 N. Mögliches Urteil: Der vorgeschlagene Maßstab ist brauchbar, aber unnötig klein gewählt; 1 cm ≙ 10 N ist günstiger, weil die Zeichnung das Blatt ausnutzt und der Messfehler dreimal kleiner ausfällt. Ein umgekehrtes Urteil ist vertretbar, wenn es damit begründet wird, dass 1 cm ≙ 30 N schneller zu zeichnen ist und die geforderte Genauigkeit von etwa 5 N ausreicht. Als vollständige Antwort gilt eine Stellungnahme, die alle drei Kriterien nennt, sie mit konkreten Längen bzw. Newton-Werten belegt und sich am Ende eindeutig festlegt.