MINT lernen

Gesetz von Ohm testen

Zwei Aufgaben dazu, was eine Messreihe verrät — und wo sie an ihre Grenze stößt, sobald sich das Bauteil merklich erwärmt.

1

Eine Messreihe wird ausgewertet

AFB I–II

Lena und Tim untersuchen einen Widerstand aus dem Schulschrank. Sie schließen ihn an ein regelbares Netzgerät an, legen ein Voltmeter parallel zum Widerstand und ein Amperemeter in Reihe. Dann erhöhen sie die Spannung in Schritten und notieren zu jeder Spannung die Stromstärke.

Der Widerstand bleibt während der ganzen Messreihe derselbe — verändert wird nur die Spannung.

Messreihe: derselbe Widerstand bei verschiedenen Spannungen
Spannung U0 V2,0 V4,0 V6,0 V8,0 V10,0 V
Stromstärke I0 A0,20 A0,40 A0,60 A0,80 A1,00 A
  1. Zeichnen Sie das \(U\)-\(I\)-Diagramm zu dieser Messreihe (Spannung nach rechts, Stromstärke nach oben) und beschreiben Sie den Verlauf der Messpunkte.
  2. Werten Sie die Messreihe aus, indem Sie für jedes Wertepaar den Quotienten \(U : I\) bilden, und geben Sie den Widerstand des Bauteils an.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wählen Sie den Maßstab so, dass das Diagramm möglichst groß wird — zum Beispiel 1 cm für 1 V auf der Rechtsachse und 1 cm für 0,1 A auf der Hochachse. Achsen beschriften nicht vergessen: Größe und Einheit.
Hinweis zu Aufgabe b)
Legen Sie eine dritte Zeile unter die Tabelle an und tragen Sie dort \(U : I\) ein. Achten Sie auf die Einheit: V geteilt durch A ergibt genau die Einheit des Widerstands. Das Wertepaar bei 0 V lässt sich nicht verwenden — überlegen Sie, warum.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Erwartet wird ein Diagramm mit beschrifteten Achsen („\(U\) in V“ nach rechts, „\(I\) in A“ nach oben), sinnvoller Skalierung und den sechs eingetragenen Messpunkten.

Verlauf: Alle Messpunkte liegen auf einer Geraden durch den Ursprung. Wird die Spannung verdoppelt (z. B. von 4,0 V auf 8,0 V), so verdoppelt sich auch die Stromstärke (0,40 A auf 0,80 A). Ohne Spannung fließt kein Strom — deshalb geht die Gerade durch den Nullpunkt.

Man sagt: Stromstärke und Spannung sind zueinander proportional.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Quotienten:

\(\dfrac{2{,}0\,\mathrm{V}}{0{,}20\,\mathrm{A}} = 10\,\dfrac{\mathrm{V}}{\mathrm{A}}\); \(\dfrac{4{,}0\,\mathrm{V}}{0{,}40\,\mathrm{A}} = 10\,\dfrac{\mathrm{V}}{\mathrm{A}}\); ebenso 10 V/A bei 6,0 V, 8,0 V und 10,0 V.

Das Wertepaar 0 V / 0 A liefert keinen Quotienten, weil man nicht durch null teilen kann.

Auswertung: Der Quotient \(U : I\) ist für alle Messwerte gleich groß. Genau das ist die Aussage des ohmschen Gesetzes: \(R = \dfrac{U}{I}\) ist für dieses Bauteil konstant.

Antwort: Der Widerstand beträgt \(R = 10\,\Omega\) (denn \(1\,\Omega = 1\,\mathrm{V/A}\)).

Bezug zum Diagramm: Der konstante Quotient ist der Grund dafür, dass die Messpunkte in a) auf einer Ursprungsgeraden liegen. Eine steilere Gerade würde einen kleineren Widerstand bedeuten.

2

Widerstand und Glühlampe im Vergleich

AFB II–III

In der nächsten Stunde wiederholt die Klasse den Versuch mit zwei verschiedenen Bauteilen: einmal mit einem Konstantandraht, einmal mit einer kleinen Glühlampe. Aufbau und Messgeräte bleiben gleich, nur das Bauteil wird ausgetauscht.

Nach dem Versuch sagt Jonas: „Für die Glühlampe gilt das ohmsche Gesetz nicht. Dann kann man dort auch nicht mit \(R = U : I\) rechnen — die Formel ist für die Lampe einfach falsch.“

Beide Messreihen im Vergleich
Spannung U1,0 V2,0 V3,0 V4,0 V5,0 V
I (Konstantandraht)0,10 A0,20 A0,30 A0,40 A0,50 A
I (Glühlampe)0,10 A0,17 A0,22 A0,26 A0,30 A
  1. Vergleichen Sie die beiden Messreihen anhand der Quotienten \(U : I\) und anhand der Form, die die Messpunkte im \(U\)-\(I\)-Diagramm ergeben.
  2. Deuten Sie das Verhalten der Glühlampe mit Hilfe des Teilchenbilds.
  3. Überprüfen Sie die Aussage von Jonas.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Rechnen Sie für beide Zeilen jeweils \(U : I\) aus und legen Sie die Ergebnisse untereinander. Der Unterschied springt dann sofort ins Auge. Vergleichen heißt: Gemeinsamkeit und Unterschied benennen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Überlegen Sie, was mit dem Glühdraht passiert, während die Spannung steigt — sichtbar und unsichtbar. Denken Sie dann an die Atomrümpfe im Metall und daran, wie stark sie schwingen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Zerlegen Sie die Aussage in zwei Behauptungen und prüfen Sie sie einzeln. Achten Sie besonders darauf, ob \(R = U : I\) eine Definition des Widerstands ist oder eine Behauptung über seine Konstanz — das ist der Kern der Sache.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Konstantandraht: \(U : I\) ergibt der Reihe nach 10 Ω, 10 Ω, 10 Ω, 10 Ω, 10 Ω — der Quotient ist konstant.

Glühlampe: 10 Ω, 11,8 Ω, 13,6 Ω, 15,4 Ω, 16,7 Ω — der Quotient wächst mit steigender Spannung.

Gemeinsamkeit: In beiden Fällen wächst die Stromstärke, wenn die Spannung steigt; beide Kurven beginnen im Ursprung.

Unterschied: Beim Konstantandraht liegen die Messpunkte auf einer Geraden durch den Ursprung. Bei der Glühlampe wächst die Stromstärke langsamer als die Spannung, die Messpunkte liegen auf einer nach rechts flacher werdenden, gekrümmten Kurve. Der Widerstand der Lampe nimmt also mit steigender Spannung zu, der des Drahtes bleibt gleich.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Bei steigender Spannung fließt mehr Strom durch den dünnen Glühdraht, er wird heißer und beginnt schließlich zu leuchten.

Im Teilchenbild: Die freien Elektronen bewegen sich zwischen den Atomrümpfen des Metalls hindurch, die um ihre Ruhelage schwingen. Je höher die Temperatur, desto heftiger schwingen die Atomrümpfe und desto mehr Platz nehmen sie dem Elektronenstrom weg. Die Elektronen stoßen häufiger mit ihnen zusammen und werden stärker gebremst.

Folge: Der Widerstand des heißen Glühdrahts ist größer als der des kalten. Deshalb wächst die Stromstärke langsamer als die Spannung, und die Kurve flacht ab.

Beim Konstantandraht ist das anders: Er ist deutlich dicker, erwärmt sich kaum — und sein Material ist gerade so gewählt, dass sich sein Widerstand mit der Temperatur fast nicht ändert. Daher der Name „Konstantan“.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Erster Teil der Aussage — richtig: Für die Glühlampe gilt das ohmsche Gesetz tatsächlich nicht. Denn das ohmsche Gesetz behauptet, dass der Quotient \(U : I\) konstant ist; bei der Lampe wächst er von 10 Ω auf 16,7 Ω. Die Lampe ist kein ohmscher Widerstand.

Zweiter Teil — falsch: Die Formel \(R = \dfrac{U}{I}\) ist trotzdem gültig. Sie definiert, was der Widerstand eines Bauteils ist, und lässt sich für jedes Bauteil und jedes Wertepaar anwenden. Bei der Lampe liefert sie einen Widerstand, der vom Betriebszustand abhängt: bei 1,0 V etwa 10 Ω, bei 5,0 V etwa 16,7 Ω. Das ist kein falsches Ergebnis, sondern eine sinnvolle Aussage über die Lampe bei genau dieser Spannung.

Widerspruch aufgedeckt: Jonas verwechselt „\(R\) ist nicht konstant“ mit „\(R\) lässt sich nicht berechnen“. Das ohmsche Gesetz ist kein Naturgesetz, das immer gelten muss, sondern eine Eigenschaft bestimmter Bauteile.

Richtige Formulierung: „Die Glühlampe ist kein ohmscher Widerstand. Ihr Widerstand lässt sich zu jedem Wertepaar mit \(R = U : I\) angeben, man muss aber immer dazusagen, bei welcher Spannung er gemessen wurde.“