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Widerstand: Parallel

Zwei Aufgaben dazu, warum nebeneinander liegende Widerstände zusammen weniger bremsen als jeder für sich.

1

Zwei Widerstände nebeneinander

AFB I–II

An eine Quelle mit \(U = 12\,\mathrm{V}\) werden zwei Widerstände nebeneinander angeschlossen: \(R_1 = 30\,\Omega\) und \(R_2 = 60\,\Omega\). Jeder von beiden hängt mit seinen zwei Enden direkt an den beiden Polen der Quelle.

Zur Erinnerung: Der Ersatzwiderstand ist der eine Widerstand, den man statt der ganzen Schaltung anschließen könnte, ohne dass sich für die Quelle etwas ändert.

Schaltskizze zur Messung
zwei Wege — an beiden liegt dieselbe Spannung
Zwei Widerstände parallel an einer Quelle mit 12 V.
  1. Beschreiben Sie, welche Größe an beiden Widerständen gleich groß ist und welche Größe sich auf die beiden Zweige aufteilt.
  2. Bestimmen Sie die beiden Teilströme, die Gesamtstromstärke und daraus den Ersatzwiderstand der Schaltung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Achten Sie in der Skizze darauf, wo die Enden der Widerstände angeschlossen sind. Zwei Bauteile, die an denselben zwei Punkten hängen, „sehen“ auch dieselbe Spannung. Für den Strom gibt es dagegen zwei Wege.
Hinweis zu Aufgabe b)
Rechnen Sie hier nicht zuerst den Ersatzwiderstand aus, sondern gehen Sie über die Ströme: Jeder Zweig für sich mit \(I = U/R\), dann beide Ströme addieren. Der Ersatzwiderstand ergibt sich am Ende aus \(U\) und dem Gesamtstrom.„Bestimmen“ heißt: Lösungsweg darstellen, nicht nur das Ergebnis nennen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Gleich groß ist die Spannung: Beide Widerstände sind mit ihren Enden an denselben zwei Punkten angeschlossen, also liegen an beiden die vollen 12 V.

Aufteilen muss sich die Stromstärke: An der Verzweigung teilt sich der Gesamtstrom auf die beiden Zweige auf, \(I_\mathrm{ges} = I_1 + I_2\) (Knotenregel). Durch den kleineren Widerstand fließt dabei der größere Teilstrom.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Teilströme (an beiden Zweigen liegen 12 V):

\(I_1 = \dfrac{U}{R_1} = \dfrac{12\,\mathrm{V}}{30\,\Omega} = 0{,}40\,\mathrm{A}\)

\(I_2 = \dfrac{U}{R_2} = \dfrac{12\,\mathrm{V}}{60\,\Omega} = 0{,}20\,\mathrm{A}\)

Gesamtstrom: \(I_\mathrm{ges} = I_1 + I_2 = 0{,}40\,\mathrm{A} + 0{,}20\,\mathrm{A} = 0{,}60\,\mathrm{A}\)

Ersatzwiderstand:

\(R_\mathrm{ges} = \dfrac{U}{I_\mathrm{ges}} = \dfrac{12\,\mathrm{V}}{0{,}60\,\mathrm{A}} = 20\,\Omega\)

Antwort: Es fließen 0,40 A durch den 30-Ω-Widerstand und 0,20 A durch den 60-Ω-Widerstand, zusammen 0,60 A. Der Ersatzwiderstand beträgt 20 Ω.

Kontrolle über die Kehrwerte: \(\dfrac{1}{R_\mathrm{ges}} = \dfrac{1}{30\,\Omega} + \dfrac{1}{60\,\Omega} = \dfrac{3}{60\,\Omega}\), also \(R_\mathrm{ges} = 20\,\Omega\) — dasselbe Ergebnis. Auffällig: 20 Ω ist kleiner als jeder der beiden Einzelwiderstände.

2

Drei Geräte an einer Steckdosenleiste

AFB II–III

In einer Küche hängen Wasserkocher, Heizlüfter und Kaffeemaschine an einer Steckdosenleiste. Alle Steckdosen einer Wohnung sind parallel geschaltet, an jeder liegt die Netzspannung \(U = 230\,\mathrm{V}\). Der Stromkreis ist mit einer Sicherung abgesichert, die bei mehr als \(16\,\mathrm{A}\) auslöst.

Die drei Geräte haben im Betrieb die Widerstände \(R_1 = 23\,\Omega\) (Wasserkocher), \(R_2 = 46\,\Omega\) (Heizlüfter) und \(R_3 = 115\,\Omega\) (Kaffeemaschine).

Beim Frühstück laufen alle drei gleichzeitig. Ein Mitschüler meint dazu: „Das ist kein Problem — bei einer Parallelschaltung teilt sich der Strom ja auf. Je mehr Geräte man einsteckt, auf desto mehr Zweige verteilt er sich, also wird jeder einzelne Strom kleiner.“

Steckdosenleiste hinter der Sicherung
Wasserkocher Heizlüfter Kaffeemaschine
Die drei Geräte liegen parallel; die Sicherung liegt in der gemeinsamen Zuleitung.
  1. Erläutern Sie, warum der Ersatzwiderstand einer Parallelschaltung stets kleiner ist als der kleinste beteiligte Einzelwiderstand.
  2. Weisen Sie rechnerisch nach, dass die Sicherung auslöst, wenn alle drei Geräte gleichzeitig laufen.
  3. Beurteilen Sie die Aussage des Mitschülers.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Denken Sie an das Bild der Fahrspuren: Ein zweiter Zweig nimmt dem ersten nichts weg, sondern kommt hinzu. Argumentieren Sie über den Gesamtstrom — er kann durch einen weiteren Zweig nur größer werden, während die Spannung gleich bleibt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Sie brauchen den Strom in der gemeinsamen Zuleitung, denn dort sitzt die Sicherung. Rechnen Sie jeden Zweig einzeln mit \(I = U/R\) und addieren Sie. Vergleichen Sie erst am Schluss mit den 16 A.
Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfen Sie die Aussage in zwei Teilen getrennt: Stimmt es, dass sich der Strom aufteilt? Und stimmt der Schluss, dass die einzelnen Ströme dadurch kleiner werden? Ihr Urteil sollte sagen, welcher Teil richtig ist, welcher falsch ist und welche Größe der Mitschüler übersieht.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

An jedem Zweig einer Parallelschaltung liegt dieselbe Spannung. Durch den kleinsten Widerstand fließt daher schon allein ein bestimmter Strom. Jeder weitere Zweig zieht zusätzlichen Strom, ohne dem ersten Zweig etwas wegzunehmen — der Gesamtstrom wird also größer.

Da die Spannung dabei unverändert bleibt, muss nach \(R_\mathrm{ges} = U / I_\mathrm{ges}\) der Ersatzwiderstand kleiner werden. Er liegt deshalb immer unter dem kleinsten Einzelwiderstand.

Anschaulich: Jeder zusätzliche Zweig ist eine weitere Fahrspur neben der bestehenden Straße. Mehr Spuren bedeuten mehr Durchlass, also weniger Widerstand — auch dann, wenn die neue Spur schmaler ist als die alte.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Teilströme (an jedem Gerät liegen 230 V):

\(I_1 = \dfrac{230\,\mathrm{V}}{23\,\Omega} = 10\,\mathrm{A}\)

\(I_2 = \dfrac{230\,\mathrm{V}}{46\,\Omega} = 5{,}0\,\mathrm{A}\)

\(I_3 = \dfrac{230\,\mathrm{V}}{115\,\Omega} = 2{,}0\,\mathrm{A}\)

Strom in der Zuleitung: \(I_\mathrm{ges} = 10\,\mathrm{A} + 5{,}0\,\mathrm{A} + 2{,}0\,\mathrm{A} = 17\,\mathrm{A}\)

Vergleich: \(17\,\mathrm{A} > 16\,\mathrm{A}\) — die Sicherung löst aus.

Ergänzend (Ersatzwiderstand der ganzen Küche): \(R_\mathrm{ges} = \dfrac{230\,\mathrm{V}}{17\,\mathrm{A}} \approx 13{,}5\,\Omega\) — kleiner als die 23 Ω des Wasserkochers, obwohl er das „stärkste“ Gerät ist.

Antwort: Laufen alle drei Geräte gleichzeitig, fließen in der Zuleitung 17 A. Das liegt über dem Auslösewert von 16 A, die Sicherung schaltet den Stromkreis ab.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Was richtig ist: Der Strom teilt sich an der Verzweigung tatsächlich auf die Zweige auf, und die Teilströme sind kleiner als der Gesamtstrom (Knotenregel).

Was falsch ist: Der Schluss, dass die Ströme durch weitere Geräte kleiner werden. Der Mitschüler denkt sich den Gesamtstrom als feste Menge, die aufgeteilt wird. Tatsächlich ist es umgekehrt: Fest vorgegeben ist die Spannung von 230 V. Jedes Gerät zieht den Strom, der zu seinem eigenen Widerstand gehört — unabhängig davon, was sonst noch eingesteckt ist. Der Wasserkocher zieht seine 10 A auch dann, wenn Heizlüfter und Kaffeemaschine dazukommen. Die Ströme addieren sich also in der Zuleitung.

Urteil: Die Aussage ist in ihrer Schlussfolgerung falsch und in dieser Situation gefährlich. Gerade weil sich die Teilströme addieren, wird die gemeinsame Zuleitung mit jedem zusätzlichen Gerät stärker belastet — die Rechnung aus b) zeigt das mit 17 A. Ohne Sicherung würde sich die Leitung erwärmen; die Sicherung verhindert genau diesen Fall.

Als vollständig gilt: Zuordnung des richtigen und des falschen Teils der Aussage, die Begründung über die feste Spannung, ein Bezug auf die Rechnung aus b) und ein klar formuliertes Urteil.