MINT lernen

Übung — AFB III

Hier reicht Erkennen nicht mehr: Du sollst Behauptungen beurteilen, Beobachtungen vorhersagen und Fehlvorstellungen mit einem sauberen Argument widerlegen. Alle elf Unterkapitel der Optik kommen bunt gemischt vor.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Aufgabenblock — AFB III

In diesem Block geht es ums Beurteilen, Begründen, Übertragen und Vorhersagen. Du bekommst Behauptungen, Zeitungsmeldungen und Heftauszüge vorgelegt und musst entscheiden: Stimmt das — und warum genau nicht? Die zehn Aufgaben mischen alle elf Themen der Optik bunt durcheinander, so wie in der Klassenarbeit. Bei Aufgaben ohne prüfbares Ergebnis gilt: erst selbst einen Begründungssatz aufschreiben, dann die Musterlösung öffnen — das Aufklappen zählt als erledigt.

A1
Fehlersuche — Jannis' Heftauszug zum Sehen
AFB III

Jannis hat den Merktext zum Licht- und Sehmodell abgeschrieben — dabei sind ihm genau drei Fehler unterlaufen. Klicke die drei falschen Zeilen an und prüfe.

Angeklickt = „diese Zeile ist falsch“. Nochmal klicken hebt die Markierung wieder auf.

Strategie: Gehe jede Zeile mit zwei Prüffragen durch: (1) In welche Richtung läuft hier das Licht? (2) Ist der genannte Körper ein Selbstleuchter oder ein beleuchteter Körper?Warum so? Fast alle Fehler im Sehmodell sind entweder eine falsche Laufrichtung oder eine falsche Einordnung der Lichtquelle.
Lösungsskizze: Zwei Zeilen drehen den Lichtweg um (Sehstrahl-Fehlvorstellung), eine Zeile macht aus einem beleuchteten Körper einen Selbstleuchter. Die anderen drei Zeilen geben den Merktext korrekt wieder.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Zeile 2 ist falsch: Das Auge schickt nichts aus — es ist der Empfänger. Diese „Sehstrahl“-Vorstellung ist der häufigste Fehler überhaupt. Richtig: Licht läuft vom Gegenstand zum Auge.

Zeile 3 ist falsch: Der Mond ist kein Selbstleuchter, sondern ein beleuchteter Körper — er wirft Sonnenlicht zurück. Testfrage: Im völlig dunklen Raum sieht man nur Selbstleuchter.

Zeile 6 ist falsch: Wieder die verkehrte Richtung. Die Buchseite wird von der Lampe beleuchtet, streut das Licht in alle Richtungen, und ein Teil davon gelangt in dein Auge.

Richtig sind 1, 4 und 5. Merke: Ohne Licht ins Auge gibt es keine Information — und damit kein Sehen.

A2
Behauptung prüfen — „Die Taschenlampe ist kaputt“
AFB III

Auf dem Zeltplatz leuchtet Kerem mit seiner Taschenlampe in die klare Nachtluft. Er sieht keinen Lichtstrahl in der Luft und behauptet: „Da kommt ja gar nichts raus — die Lampe ist kaputt.“

Beurteile die Behauptung. Welche der folgenden Sätze sind tragfähige Argumente gegen Kerem? Klicke genau drei an.

Strategie: Frage bei jedem Satz: Erklärt er, warum kein Licht ins Auge kommt? Nur solche Sätze sind Argumente. Sätze, die dem Licht neue Eigenschaften andichten, sind keine.Warum so? Ein Argument muss an die Bedingung fürs Sehen anknüpfen: Licht muss ins Auge gelangen.
Lösungsskizze: Drei Sätze bauen auf „Sehen = Licht ins Auge“ und auf der Streuung an Teilchen auf. Drei andere behaupten etwas über Geschwindigkeit, „Verschlucken“ oder den Lichtstrahl als Gegenstand — das steht so nicht im Modell. Denke daran: Der Lichtstrahl ist eine Zeichenhilfe, real ist das Lichtbündel.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Tragfähig sind A, C und E.

Warum: Sichtbar wird ein Lichtweg erst, wenn Teilchen (Staub, Rauch, Nebel) einen Teil des Lichts seitlich zum Auge streuen. In klarer Nachtluft passiert das kaum — genau deshalb ist der Himmel im Weltraum neben der Sonne schwarz: dort ist gar nichts, was streuen könnte. Kerems Beweis für eine heile Lampe ist der helle Fleck auf dem Zeltdach: Das Zeltdach ist eine raue Fläche, wird zum „zweiten Sender“ und schickt Licht in alle Richtungen, also auch in Kerems Auge.

Warum die anderen nicht: B — Geschwindigkeit spielt hier keine Rolle; auch langsames Licht sähe man seitlich nicht. D — die Luft schluckt das Licht nicht, es fliegt geradlinig weiter. F — der Lichtstrahl ist nur ein Modell, eine Zeichenhilfe; real ist das Lichtbündel, und auch das sieht man nur über Streuung.

Antwortsatz: Die Lampe ist nicht kaputt. Man sieht den Lichtweg nur nicht, weil in klarer Luft nichts da ist, das Licht zu Kerems Auge streut.

A3
Vorhersagen — Der Schatten auf der Turnhallenwand
AFB III

Für die Zirkus-AG hängt eine sehr kleine LED als punktförmige Lichtquelle vor der Turnhallenwand. Dazwischen hängt ein Ball an einer Schnur. An der Wand ist ein Schatten zu sehen. Sage Schritt für Schritt voraus, was passiert — und begründe jede Antwort für dich selbst, bevor du klickst.

Schritt 1: Der Ball wird näher an die Wand geschoben, die LED bleibt stehen. Was passiert mit dem Schatten?
Strategie: Zeichne dir im Kopf die zwei Randstrahlen von der Lampe an den Kanten des Balls vorbei. Wo treffen sie die Wand? Bei zwei Lampen machst du das zweimal — einmal pro Lampe.Warum so? Jeder Schattenrand entsteht durch einen geradlinigen Strahl, der genau die Kante streift.
Lösungsskizze: Der Vergrößerungsfaktor ist (Abstand Lampe–Wand) : (Abstand Lampe–Ball). Rückt der Ball zur Wand, wird der Nenner größer, der Faktor kleiner. Zwei Lampen = zwei Schattenbilder; Kernschatten nur in der Überlappung. Und: dunkler als „gar kein Licht“ geht nicht.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Schritt 1 — kleiner. Der Schatten wird um den Faktor (Abstand Lampe–Wand) : (Abstand Lampe–Ball) vergrößert. Beispiel aus dem Unterricht: Lampe–Ball 50 cm, Lampe–Wand 150 cm ergibt Faktor 150 : 50 = 3, ein Ball von 12 cm wirft also 36 cm Schatten. Schiebst du den Ball zur Wand, wird der zweite Abstand größer und der Faktor kleiner — der Schatten schrumpft und nähert sich der wahren Ballgröße.

Schritt 2 — zwei vollständige Schatten. Jede Lampe entwirft ihr eigenes Schattenbild. Wo nur eine Lampe blockiert ist, kommt noch Licht der anderen an: Halbschatten. Nur wo beide blockiert sind, ist echter Kernschatten, und der ist deutlich dunkler.

Schritt 3 — nicht dunkler, aber schärfer. Im Kernschatten kam schon vorher gar kein Licht an, und dunkler als „gar kein Licht“ geht nicht. Weg fällt nur der zweite Schatten mit seinem Halbschatten — der verbleibende Schatten hat jetzt einen messerscharfen Rand, weil eine punktförmige Quelle allein genau einen Schattenbereich erzeugt.

LED Ball Ball näher an die Wand? Wand
Ein Schattenbereich, scharfer Rand
A4
Trickaufgabe — Warum wird der Schatten am Abend weich?
AFB III

Auf dem Schulhof steht ein Fahrradständer. Mittags ist sein Schatten kurz und am Rand messerscharf. Am späten Nachmittag ist derselbe Schatten sehr lang — und sein Rand ist weich und verwaschen.

Die Aufgabe sieht aus wie eine Frage nach der Helligkeit. Sie ist aber eine Frage nach der Größe der Lichtquelle im Vergleich zur Entfernung. Wähle die einzige tragfähige Erklärung — und schreibe dir vorher auf, warum du die anderen ausschließt.

Strategie: Prüfe zuerst, was sich zwischen Mittag und Abend überhaupt ändert: die Sonne bleibt dieselbe ausgedehnte Scheibe — geändert hat sich nur der Weg vom Hindernis bis zum Schattenrand.Warum so? Bei Trickaufgaben hilft es, alles auszusortieren, was gleich geblieben ist.
Lösungsskizze: Eine ausgedehnte Quelle wirkt wie viele Punktquellen nebeneinander. Jede entwirft ihren eigenen Schatten, leicht versetzt — der Überlappungsbereich ist der Kernschatten, der Randstreifen der Halbschatten. Alles auf dem Weg zur Auffangfläche wird gestreckt: Je länger der Weg, desto breiter auch dieser Randstreifen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Richtig ist die zweite Erklärung. Die Sonne ist eine ausgedehnte Lichtquelle — eine Scheibe, keine Punktquelle. Sie wirkt wie viele Punktquellen nebeneinander, und jede entwirft ein leicht versetztes Schattenbild. Dadurch entsteht an der Auffangfläche immer die Reihenfolge hell — Halbschatten — Kernschatten — Halbschatten — hell. Abends steht die Sonne flach, der Schatten wird sehr lang, und alles wird auf dem langen Weg mit gestreckt — auch der Halbschatten-Streifen am Rand. Deshalb ist der Rand weich. Mittags ist der Weg kurz, der Randstreifen schmal, der Schatten wirkt scharf.

Warum die anderen falsch sind:

  • „Sonne strahlt schwächer“ — Helligkeit und Schärfe sind zwei verschiedene Dinge. Ein schwächeres Licht macht den Schatten nicht unschärfer.
  • „Sonne wirkt wie eine Punktquelle“ — genau umgekehrt: Eine Punktquelle erzeugt einen Schattenbereich mit messerscharfem Rand und gar keinen Halbschatten.
  • „Licht geht um das Hindernis herum“ — Licht breitet sich geradlinig aus, nie in Bögen. Genau deshalb gibt es überhaupt Schatten.

Merksatz: Entscheidend ist nicht die echte Größe der Quelle, sondern ihre Größe im Vergleich zur Entfernung.

mittags: kurz + scharf abends: lang + weicher Rand
Gleiche Sonne, anderer Weg
A5
Beurteilen — Die Meldung in der Schülerzeitung
AFB III

In der Schülerzeitung erscheint dieser Bericht über eine totale Sonnenfinsternis:

„Am Finsternistag lag ganz Mitteleuropa im Kernschatten des Mondes. Bei uns sah die Sonne aus wie eine angebissene Scheibe — ein tolles Bild, das man auch gut mit der Sonnenbrille beobachten konnte. Wirklich dunkel wurde es nur in einem schmalen Streifen weiter südlich.“

Der Bericht wirft Kern- und Halbschatten durcheinander. Entscheide für jede Behauptung, ob sie stimmt oder nicht.

1. Wer die Sonne nur als angebissene Scheibe sieht, steht im Kernschatten des Mondes.
2. Der Kernschattenfleck des Mondes ist auf der Erde nur etwa 100 bis 270 km breit.
3. Weil die Sonne teilweise verdeckt ist, genügt zum Hinsehen eine normale Sonnenbrille.
4. Eine Mondfinsternis könnte man dagegen von der ganzen Nachtseite der Erde aus sehen.
Strategie: Übersetze jede Behauptung in das Schattenbild: Kernschatten heißt „kein Strahl der Sonne kommt an“, Halbschatten heißt „ein Teil kommt an“. Was passt zu einer angebissenen Sonnenscheibe?Warum so? Die beiden Begriffe sind die häufigste Verwechslung bei Finsternissen.
Lösungsskizze: Angebissene Sonne = partielle Finsternis = Halbschatten. Der Kernschattenfleck ist winzig (100–270 km), deshalb ist eine Sonnenfinsternis lokal. Der Erdschatten dagegen deckt den ganzen Mond ein, deshalb ist die Mondfinsternis global. Und: Der sichtbare Sonnenrest bleibt gefährlich hell.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

1 — stimmt nicht. Eine angebissene Sonnenscheibe ist eine partielle Finsternis, und die sieht man im Halbschatten: Der Mond verdeckt nur einen Teil der Sonnenscheibe, ein Teil des Lichts kommt an. Im Kernschatten ist die Sonne vollständig verdeckt — das ist der schmale Streifen weiter südlich.

2 — stimmt. Der Kernschatten des Mondes trifft die Erde nur als Fleck von rund 100 bis 270 km Breite. Weil sich der Mond weiterbewegt und die Erde sich dreht, zeichnet dieser Fleck die schmale Totalitätszone über die Erdoberfläche. Deshalb ist eine totale Sonnenfinsternis lokal und dauert nur gut zwei Minuten.

3 — stimmt nicht, und das ist gefährlich. Der sichtbare Rest der Sonne ist genauso hell wie sonst. Nur eine geprüfte Finsternisbrille schützt die Netzhaut, niemals eine normale Sonnenbrille. Augenschäden tun nicht weh und fallen oft erst Stunden später auf.

4 — stimmt. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde in der Mitte und wirft ihren großen Schatten auf den Mond. Jeder, der den Mond gerade sehen kann, sieht die Finsternis mit — also die halbe Erde. Merkregel: Der Körper in der Mitte wirft den Schatten.

Sonne Mond Erde Kern Halb Kernschattenfleck ca. 100–270 km
Kern schmal, Halbschatten breit
A6
Widerlegen — Merves Erdschatten-Behauptung
AFB III

Merve sagt: „Die Mondphasen entstehen doch dadurch, dass der Schatten der Erde auf den Mond fällt.“ Du willst das sauber widerlegen. Die sechs Sätze deiner Argumentation sind durcheinandergeraten.

Bringe die Argumentationskette in die richtige Reihenfolge: Behauptung — Beobachtung — Zwischenfolgerung — zweites Argument — Gegenbeleg — Schlusssatz.

Mit den Pfeiltasten ↑ und ↓ verschiebst du den Satz, auf dem der Fokus liegt. Mit der Maus gehen die kleinen Pfeil-Schaltflächen.

  • Tatsächlich gibt es aber nur ein paar Mal im Jahr eine Mondfinsternis, dagegen jeden Monat alle Phasen.
  • Merve behauptet: Die Mondphasen entstehen durch den Schatten der Erde auf dem Mond.
  • Also entstehen die Phasen allein durch unseren Blickwinkel auf die immer halb beleuchtete Mondkugel.
  • Der Schatten des Kopfes kann also nicht der Grund für die Phasen sein.
  • Im Modellversuch mit Lampe, Styroporball und Kopf ist der Ball auch hinter dem Kopf noch voll beleuchtet.
  • Wäre der Erdschatten schuld, müsste es bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis geben.
Strategie: Eine Widerlegung hat immer denselben Bauplan: erst die Behauptung nennen, dann eine Beobachtung dagegenstellen, daraus eine Folgerung ziehen — und erst danach das zweite, unabhängige Argument bringen.Warum so? Wer mit dem Schlusssatz anfängt, hat nichts bewiesen, sondern nur widersprochen.
Lösungsskizze: Das zweite Argument arbeitet mit einer Häufigkeit: „Wäre X der Grund, dann müsste Y jedes Mal passieren.“ Direkt danach kommt der Gegenbeleg, dass Y eben nur selten passiert. Der Blickwinkel-Satz ist der Schluss.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Die richtige Kette:

  1. Merve behauptet: Die Mondphasen entstehen durch den Schatten der Erde auf dem Mond. (Behauptung)
  2. Im Modellversuch mit Lampe, Styroporball und Kopf ist der Ball auch hinter dem Kopf noch voll beleuchtet. (Beobachtung)
  3. Der Schatten des Kopfes kann also nicht der Grund für die Phasen sein. (Zwischenfolgerung)
  4. Wäre der Erdschatten schuld, müsste es bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis geben. (zweites Argument)
  5. Tatsächlich gibt es aber nur ein paar Mal im Jahr eine Mondfinsternis. (Gegenbeleg)
  6. Also entstehen die Phasen allein durch unseren Blickwinkel auf die immer halb beleuchtete Mondkugel. (Schluss)

Das Entscheidende: Die Sonne beleuchtet den Mond immer genau zur Hälfte — auch bei Neumond. Was sich ändert, ist nur, wie viel von dieser hellen Hälfte wir von der Erde aus sehen. Der Erdschatten erklärt die Mondfinsternis, aber nie die Phasen: Das sind zwei völlig verschiedene Vorgänge.

A7
Beurteilen — „Der Spiegel muss so groß sein wie der Mensch“
AFB III

Im Tanzraum soll ein neuer Spiegel aufgehängt werden. Der Hausmeister sagt: „Ein Spiegel muss mindestens so groß sein wie der Mensch, sonst sieht man sich nicht ganz. Und wer weiter weg steht, braucht sowieso einen größeren.“ Nele ist 1,60 m groß.

cm
cm

c) Nimm Stellung zu beiden Teilen der Aussage des Hausmeisters. Schreibe zu jedem Teil einen Begründungssatz, bevor du die Musterlösung öffnest.

Strategie: Zeichne zwei Strahlen: einen von den Schuhen und einen vom Scheitel, jeweils über den Spiegel ins Auge. Wo genau treffen diese beiden Strahlen den Spiegel?Warum so? Nur zwischen diesen beiden Auftreffpunkten wird Spiegelfläche gebraucht — der Rest ist überflüssig.
Lösungsskizze: Der Strahl von den Schuhen trifft den Spiegel auf halber Höhe zwischen Fußboden und Auge, der Strahl vom Scheitel auf halber Höhe zwischen Scheitel und Auge. Dazwischen liegt genau die halbe Körpergröße: 1,60 m : 2 = 0,80 m. Geht Nele zurück, werden die Winkel flacher, die Auftreffpunkte bleiben aber gleich.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Nötige Spiegelhöhe = halbe Körpergröße: 1,60 m : 2 = 0,80 m = 80 cm. Ein 60-cm-Spiegel würde nicht reichen, ein 80-cm-Spiegel genau.

b) Immer noch 80 cm — der Abstand spielt keine Rolle.

c) Beide Teile der Aussage sind falsch.

Teil 1: Nach dem Reflexionsgesetz (Einfallswinkel = Ausfallswinkel, gemessen zum Lot) trifft der Strahl von den Schuhen den Spiegel auf halber Höhe zwischen Fußboden und Auge, der Strahl vom Scheitel auf halber Höhe zwischen Scheitel und Auge. Nur der Streifen dazwischen wird gebraucht — und der ist genau halb so hoch wie der Mensch.

Teil 2: Geht Nele zurück, werden die Strahlen flacher, aber die Auftreffpunkte auf dem Spiegel bleiben dieselben. Die nötige Spiegelhöhe hängt also nicht vom Abstand ab. Richtig ist nur: Die Oberkante des Spiegels muss auf halber Höhe zwischen Auge und Scheitel hängen — sonst sieht man den Kopf nicht.

Antwortsatz: 80 cm genügen — unabhängig davon, wie weit Nele vor dem Spiegel steht.

80 cm 1,60 m Schuhe und Scheitel ins Auge
Halbe Körpergröße genügt
A8
Strahlengang-Prüfstand — und die Zielfrage am Beckenrand
AFB III

Teil 1 — Prüfstand. Ein Lichtstrahl (gelb) läuft auf ein Bauteil zu. Drei Strahlen (blau) sind eingezeichnet, aber nur einer läuft richtig weiter. Wähle die Situation und klicke den richtigen Strahl an. Löse alle drei Situationen.

Wähle eine Situation und entscheide dich für einen der drei blauen Strahlen.

Tastatur: Mit Tab springst du auf die Schaltflächen und auf jeden der drei Strahlen, mit Enter oder Leertaste wählst du aus. Mit den Zifferntasten 1, 2, 3 wählst du direkt den ersten, zweiten oder dritten Strahl.

Teil 2 — Zielfrage. Am Beckenrand liegt ein Tauchring auf dem Grund. Yara will mit einem langen Greifstab genau danach greifen. Wohin muss sie zielen?

Strategie: Frage bei jedem Bauteil zuerst: Wechselt das Licht hier den Stoff? Nur dann kommt Brechung infrage. Am Spiegel gilt das Reflexionsgesetz, an der Linse wird zweimal gebrochen.Warum so? Mit dieser einen Frage sortierst du Reflexion, Brechung und geradlinige Ausbreitung sauber auseinander.
Lösungsskizze: Spiegel: Einfallswinkel = Ausfallswinkel, beide zum Lot gemessen. Luft → Wasser: ins optisch dichtere Material, also zum Lot hin gebrochen. Sammellinse: parallel einfallende Strahlen laufen durch den Brennpunkt. Für die Zielfrage: Das Auge verlängert den ankommenden Strahl geradlinig nach hinten — deshalb liegt der scheinbare Ort höher und näher.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Situation 1 — Spiegel: Der Strahl wird zurückgeworfen, und zwar so, dass Einfallswinkel = Ausfallswinkel ist. Beide Winkel misst man zum Lot, nie zur Spiegelfläche. Der Strahl läuft weder in sich selbst zurück noch durch den Spiegel hindurch.

Situation 2 — Wasseroberfläche: Luft ist optisch dünner als Wasser. Beim Eintritt ins optisch dichtere Material wird der Strahl zum Lot hin gebrochen, er läuft im Wasser also steiler weiter. Ohne Knick ginge es nur bei senkrechtem Einfall.

Situation 3 — Sammellinse: Eine Sammellinse ist in der Mitte dicker als am Rand und bündelt parallel einfallende Strahlen im Brennpunkt. Ein Strahl, der einfach parallel weiterläuft, gehört zur Planplatte; ein Strahl, der nach außen wegläuft, zur Zerstreuungslinse.

Teil 2 — die Zielfrage: Das Licht vom Ring wird beim Austritt aus dem Wasser vom Lot weg gebrochen. Yaras Auge kennt keine Brechung: Es verlängert den ankommenden Strahl geradlinig nach hinten und vermutet den Ring deshalb am scheinbaren Ort — höher und näher am Beckenrand. Der wirkliche Ring liegt also tiefer und weiter draußen; genau dorthin muss Yara greifen. (Zur Größenordnung: Wasser lässt Tiefen nur etwa drei Viertel so tief erscheinen — ein 150 cm tiefes Becken wirkt wie rund 113 cm.)

Übertragung auf Badeunfälle: Genau dieselbe Täuschung ist eine häufige Unfallursache. Wer ins Wasser springt, weil es „flach aussieht“, landet deutlich tiefer, als er erwartet hat — und wer auf Grund springt, den er falsch einschätzt, kann sich schwer verletzen. Auch Nichtschwimmerbereiche und Badeseen sind oft tiefer, als sie von oben wirken. Merke: Erst die Tiefe prüfen, nie nach dem Augenschein springen.

A9
Beurteilen — „Ein größeres Loch macht ein größeres Bild“
AFB III

Ilyas hat eine Lochkamera aus einem Schuhkarton gebaut. Sein Bild ist ihm zu klein, deshalb sticht er das Loch größer. Er behauptet: „Ein größeres Loch macht ein größeres Bild.“

Ordne jeder Änderung ihre Wirkung zu und beurteile danach Ilyas' Behauptung.

Änderung an der KameraWirkung auf das Bild
Das Loch wird größer gestochen.
Der Schirm wird doppelt so weit vom Loch weg gesetzt.
Statt des Lochs sitzt vorn eine Sammellinse.
Neben dem ersten Loch wird ein zweites gestochen.
Strategie: Trenne sauber drei Fragen: Was macht das Bild größer? Was macht es heller? Was macht es schärfer? Für die Größe gilt nur eine Regel — B : G = b : g.Warum so? Ilyas' Fehler ist, dass er Helligkeit und Größe in einen Topf wirft.
Lösungsskizze: Die Bildgröße hängt nur von Bildweite und Gegenstandsweite ab, nie vom Lochdurchmesser. Ein großes Loch wirkt wie viele kleine Löcher nebeneinander, deren leicht verschobene Bilder sich zu einem verwaschenen Fleck überlagern. Doppelter Schirmabstand: 2-mal größer, 4-mal dunkler.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Ilyas' Behauptung ist falsch. Die Bildgröße folgt allein aus B : G = b : g, also aus Bildweite und Gegenstandsweite — der Lochdurchmesser kommt in dieser Beziehung gar nicht vor. Ein größeres Loch macht das Bild nur heller und unschärfer: Es wirkt wie viele kleine Löcher nebeneinander, deren leicht versetzte Bilder sich zu einem verwaschenen Fleck überlagern. Auf dem Kopf steht das Bild übrigens weiterhin.

Was ihm wirklich hilft: den Schirm weiter nach hinten setzen (längerer Karton) oder näher an den Gegenstand gehen. Doppelter Schirmabstand heißt: doppelt so großes, aber viermal dunkleres Bild — dieselbe Lichtmenge verteilt sich auf die größere Fläche.

Der Zielkonflikt: Bei der Lochkamera gilt immer scharf oder hell. Je kleiner das Loch, desto schärfer, aber auch desto dunkler. Größe kostet ebenfalls Helligkeit. Diesen Kompromiss kann man mit einer Lochblende allein nicht auflösen.

Vergleich mit der Sammellinse: Nur eine Sammellinse hebt den Konflikt auf. Sie vereinigt alle Strahlen eines Gegenstandspunktes wieder in einem Bildpunkt — die Öffnung darf also groß sein (viel Licht) und das Bild bleibt trotzdem scharf. Der Preis: Man muss scharfstellen, was bei der Lochkamera nie nötig ist.

Und beim Auge und beim Fotoapparat? Dort sind die beiden Aufgaben sauber getrennt: Die Pupille (bzw. die Blende) regelt die Lichtmenge, die Linse regelt die Schärfe. Das Auge stellt scharf, indem ein Ringmuskel die Linse verformt (Akkommodation), die Kamera, indem sie das Objektiv verschiebt. Deshalb sind Bilder aus Auge und Kamera hell und scharf — beide stehen auf dem Kopf, das Gehirn bzw. der Prozessor dreht sie um.

G Loch B B : G = b : g
Größe kommt von den Abständen
A10
Übertragen — Vier neue Beobachtungen erklären
AFB III

Vier Beobachtungen aus einem ganz normalen Schultag. Ordne jeder Beobachtung die Ursache und den Ort zu, an dem diese Ursache wirkt. Achtung: Nicht jede Ursache und nicht jeder Ort kommt vor.

BeobachtungUrsacheOrt der Ursache
Die Fliesen am Beckenboden wirken näher, als sie wirklich sind.
Den Text an der Schultafel kannst du von jedem Platz im Raum lesen.
In einer ganz ruhigen Pfütze siehst du das Schulgebäude als Bild.
Im feinen Sprühnebel des Gartenschlauchs erscheint ein kleiner Regenbogen.
Strategie: Gehe drei Fragen der Reihe nach durch: (1) Wechselt das Licht den Stoff? → Brechung. (2) Ist die Fläche glatt oder rau? → gerichtete Reflexion oder Streuung. (3) Sind Farben zu sehen? → Spektralzerlegung.Warum so? Mit diesen drei Fragen kannst du fast jede Alltagsbeobachtung der Optik einordnen.
Lösungsskizze: Wasser lässt Dinge flacher und näher erscheinen. Eine Tafel ist so rau, dass sie Licht in alle Richtungen verteilt — sichtbar von überall, aber ohne Bild. Nur eine glatte Fläche hält die Ordnung der Strahlen und zeigt ein Bild. Und Regenbogenfarben entstehen an winzigen Wassertropfen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

1 — Brechung, an der Wasseroberfläche. Das Licht wechselt beim Austritt aus dem Wasser den Stoff und wird vom Lot weg gebrochen. Das Auge verlängert den ankommenden Strahl geradlinig nach hinten und vermutet den Beckenboden deshalb höher und näher — scheinbare Tiefe ungefähr drei Viertel der echten.

2 — Streuung, an einer rauen Oberfläche. Die Tafelfläche ist rau. Das Reflexionsgesetz gilt zwar an jeder einzelnen Stelle, aber die Stellen sind unterschiedlich geneigt — das Bündel wird in alle Richtungen zerstreut. Deshalb ist die Tafel von jedem Platz aus zu sehen, zeigt aber kein Bild.

3 — Gerichtete Reflexion, an einer glatten Oberfläche. Eine spiegelglatte Wasserfläche wirft das Licht geordnet zurück; benachbarte Strahlen behalten ihre Anordnung, deshalb entsteht ein Bild. Bei aufgewühltem Wasser wäre es sofort weg — nicht das Material entscheidet, sondern wie glatt die Oberfläche ist.

4 — Spektralzerlegung, an winzigen Wassertropfen. Jeder Tropfen wirkt wie ein kleines Prisma: Rot wird am wenigsten, violett am stärksten abgelenkt, deshalb laufen die Farben auseinander. Der Sprühnebel genügt völlig — man braucht keinen Regen. Bedingung bleibt: Sonne im Rücken, Tropfen vor dir.

Nicht gebraucht: die geradlinige Ausbreitung und der Ort hinter einem Hindernis — das wäre die Erklärung für einen scharf begrenzten Schatten.

Reflexion — was hast du mitgenommen?

AFB III heißt in der Optik: nicht nur wissen, was passiert, sondern begründen, warum es so und nicht anders sein kann. Du hast geübt:

  • Beurteilen — Behauptungen prüfen: die kaputte Taschenlampe, der zu große Spiegel, das größere Loch, die Meldung mit vertauschtem Kern- und Halbschatten.
  • Begründen — eine Widerlegung in der richtigen Reihenfolge aufbauen: Behauptung, Beobachtung, Folgerung, zweites Argument, Gegenbeleg, Schluss.
  • Vorhersagen — was passiert, wenn das Hindernis wandert oder eine zweite Lampe dazukommt; dunkler als „gar kein Licht“ geht nicht.
  • Übertragen — dieselbe Ursache in neuen Situationen wiedererkennen: Brechung am Beckenrand, Streuung an der Tafel, gerichtete Reflexion in der Pfütze, Spektralzerlegung im Sprühnebel.
  • Modelle sauber trennen — Blickwinkel gegen Erdschatten, Helligkeit gegen Schärfe, Lichtstrahl als Zeichenhilfe gegen das reale Lichtbündel.

In der Klassenarbeit zählt der Begründungssatz oft genauso viel wie die richtige Entscheidung. Schreibe immer dazu, welche Regel du benutzt hast — Reflexionsgesetz, geradlinige Ausbreitung, Brechung zum Lot hin, oder „der Körper in der Mitte wirft den Schatten“.