MINT lernen

Typische Fehler

Zwölf Sätze, die in Klassenarbeiten immer wieder auftauchen — und jedes Mal falsch sind. Zu jedem Fehler gehört ein Mini-Check, mit dem du sofort prüfst, ob du ihn jetzt vermeidest.

0 von 12 Mini-Checks
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Gruppe 1 · Fehler 1–3Licht und Sehen

1Der Sehstrahl: „Ich schicke meinen Blick hin“

So sagt man es oft

„Ich schicke meinen Blick auf das Buch — deshalb sehe ich es.“

Warum das schiefgeht

Im Sender-Empfänger-Modell gibt es drei Stationen: Sender → Übertragungsweg → Empfänger. Dein Auge ist der Empfänger, nicht der Sender. Wenn das Auge Licht aussenden würde, könntest du im völlig dunklen Zimmer lesen — kannst du aber nicht. Kein Licht heißt: keine Information.

So ist es richtig

Die Lampe ist der Sender. Ihr Licht trifft das Buch, das Buch streut es in alle Richtungen zurück und wird dadurch selbst zu einem „zweiten Sender“. Nur der kleine Teil, der wirklich in dein Auge gelangt, macht das Buch sichtbar. Geh bei jeder Sehaufgabe die drei Stationen ab — dann kann dir der Sehstrahl nicht passieren.

Mini-Check 1 · Zwei-Wege-Entscheidung

Du schaust auf dein Heft. In welche Richtung läuft das Licht?

2„Der Rückstrahler leuchtet doch selbst“

So sagt man es oft

„Der Rückstrahler an meinem Fahrrad leuchtet selbst — er ist doch so hell. Und der Mond leuchtet auch.“

Warum das schiefgeht

Hell aussehen ist nicht dasselbe wie Licht erzeugen. Der Rückstrahler wirft nur das Licht des Autoscheinwerfers zurück. Beim Mond ist es genauso: Er ist kein Selbstleuchter, er reflektiert Sonnenlicht. Auch „der Mond hat sich tagsüber aufgeladen“ oder „der Mond glüht“ stimmt nicht.

So ist es richtig

Es gibt eine einfache Testfrage: Sieht man den Körper im völlig dunklen Raum noch? Nur bei Selbstleuchtern lautet die Antwort Ja — Sonne, Sterne, Glühlampe, Kerzenflamme, LED, Bildschirm, Glühwürmchen. Rückstrahler, Mond, Spiegel, Straßenschild und Wand sind beleuchtete Körper: Sie werfen Licht zurück und werden dadurch zu zweiten Sendern.

Mini-Check 2 · Mini-Zuordnung

Sortiere die vier Körper. Klicke eine Karte an, um sie weiterzuschieben — oder drücke bei ausgewählter Karte 1, 2 oder 0.

1Selbstleuchter (Sender)

2Beleuchteter Körper

Tastatur: Karte mit Tab ansteuern, dann 1 oder 2 zum Einsortieren, 0 zum Zurücklegen.

3„Den Lichtstrahl sieht man von der Seite“

So sagt man es oft

„Den Lichtstrahl vom Laserpointer sieht man doch quer durchs Zimmer laufen.“

Warum das schiefgeht

Ein Lichtstrahl ist nur ein Modell — eine Zeichenhilfe, ein gerader Strich mit Pfeilspitze für die Richtung. Er ist kein echter Gegenstand, den man herausgreifen könnte. Real ist das Lichtbündel. Und Licht, das an deinem Auge vorbeifliegt, siehst du nicht.

So ist es richtig

Sichtbar wird der Weg erst, wenn Teilchen — Staub, Rauch, Nebel, Kreidestaub — das Licht seitlich zu deinem Auge streuen. Genau deshalb ist im Weltraum der Himmel neben der Sonne schwarz: Dort gibt es keine Luft und keinen Staub, also nichts, was streut. Der Rauch macht das Licht dabei weder stärker noch lenkt er es in eine Kurve — er verrät nur, wo es entlangläuft.

Mini-Check 3 · Klickfrage

Ein Laserpointer leuchtet quer durch ein sauberes, staubfreies Zimmer auf die Wand. Was siehst du?

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Gruppe 2 · Fehler 4–7Schatten und Himmel

4Kern- und Halbschatten vertauscht

So sagt man es oft

„Im Halbschatten kommt gar kein Licht an — das ist der dunkelste Teil des Schattens.“

Warum das schiefgeht

Hier sind zwei Bereiche vertauscht. Im Halbschatten kommt ein Teil des Lichts an: Von dort siehst du die Lampe halb hinter dem Hindernis hervorlugen. Im Kernschatten erreicht dich dagegen kein einziger Strahl der Quelle — er ist der dunkelste Bereich.

So ist es richtig

An der Wand liegen die Bereiche immer in dieser Reihenfolge: hell — Halbschatten — Kernschatten — Halbschatten — hell. Der Kernschatten liegt in der Mitte. Einen Halbschatten gibt es nur bei einer ausgedehnten Lichtquelle (Sonne, Leuchtstoffröhre, Fenster). Eine punktförmige Lichtquelle erzeugt genau einen Schattenbereich mit messerscharfem Rand. Und: Licht geht nicht um das Hindernis herum.

Lampe Ball A B C D E
Die Lampe ist ausgedehnt. An der Wand liegen fünf Bereiche A bis E übereinander.
Mini-Check 4 · Klickfrage

Klicke den Bereich an, in dem ein Teil des Lichts ankommt — aber nicht alles. (Es gibt zwei richtige Antworten, eine genügt.)

5„Eine Lampe aus — dann wird der Kernschatten dunkler“

So sagt man es oft

„Auf der Bühne stehen zwei Scheinwerfer. Wenn einer ausgeht, wird der Kernschatten noch dunkler.“

Warum das schiefgeht

Im Kernschatten kommt schon vorher gar kein Licht der Quellen an. Dunkler als „gar kein Licht“ geht nicht. Die Vorstellung, es könne noch dunkler werden, verwechselt „weniger Lampen“ mit „weniger Licht an dieser Stelle“.

So ist es richtig

Zwei getrennte Lampen erzeugen zwei vollständige Schatten. Echter Kernschatten ist nur dort, wo beide Lampen blockiert sind — dieser Bereich ist deutlich dunkler als die Überlappungszonen daneben. Schaltest du eine Lampe aus, verschwindet ihr Schatten. Der Kernschatten wird dadurch nicht dunkler, sondern der Schatten insgesamt schärfer, weil die aufgehellten Zwischenbereiche wegfallen.

Mini-Check 5 · Zwei-Wege-Entscheidung

Von zwei Scheinwerfern wird einer ausgeschaltet. Was passiert mit dem Kernschatten?

6Mondfinsternis bei Neumond?

So sagt man es oft

„Eine Mondfinsternis gibt es bei Neumond — da steht der Mond doch zwischen Sonne und Erde.“

Warum das schiefgeht

Die zweite Hälfte des Satzes beschreibt in Wahrheit die Sonnenfinsternis. Wer die Reihenfolge der drei Himmelskörper nicht sortiert, verwechselt am Ende auch die Mondphase.

So ist es richtig

Merkregel: Der Körper in der Mitte wirft den Schatten.

Sonnenfinsternis: Reihenfolge Sonne – Mond – Erde. Der Mond steht in der Mitte, sein Schatten landet auf der Erde. Das geht nur bei Neumond. Sichtbar ist sie nur in einem schmalen Streifen von etwa 100 bis 270 km Breite.

Mondfinsternis: Reihenfolge Sonne – Erde – Mond. Die Erde steht in der Mitte, ihr Schatten landet auf dem Mond. Das geht nur bei Vollmond. Sie ist global: Jeder, der den Mond gerade sehen kann, sieht sie mit.

Mini-Check 6 · Mini-Zuordnung

Sortiere die sechs Steckbrief-Karten. Klicken schiebt eine Karte weiter — oder drücke 1, 2 beziehungsweise 0.

1Sonnenfinsternis

2Mondfinsternis

Tastatur: Karte mit Tab ansteuern, dann 1 oder 2 zum Einsortieren, 0 zum Zurücklegen.

7Mondphasen durch den Erdschatten

So sagt man es oft

„Die Mondphasen macht der Erdschatten — bei Neumond liegt der Mond komplett im Schatten und wird gar nicht beleuchtet.“

Warum das schiefgeht

Das ist die häufigste Fehlvorstellung des ganzen Kapitels — und sie enthält gleich zwei Fehler. Erstens: Wäre der Erdschatten schuld, müsste es bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis geben. Tatsächlich passiert das nur ein paar Mal im Jahr. Zweitens: Die Sonne beleuchtet den Mond immer, auch bei Neumond.

So ist es richtig

Der Mond wird von der Sonne immer genau zur Hälfte beleuchtet. Was sich ändert, ist allein dein Blickwinkel auf diese helle Hälfte. Bei Neumond zeigt die beleuchtete Seite von uns weg — deshalb sehen wir nichts. Im Modellversuch mit Lampe, Styroporball und deinem Kopf ist der Ball auch hinter dem Kopf noch voll beleuchtet; der Ball selbst verändert sich nie.

Mondphase ist nicht Mondfinsternis. Der Erdschatten erklärt die Mondfinsternis — die Phasen erklärt er nie.

Mini-Check 7 · Klickfrage

Wie viel vom Mond wird bei Neumond von der Sonne beleuchtet?

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Gruppe 3 · Fehler 8–10An den Grenzflächen

8Winkel zur Spiegelfläche statt zum Lot

So sagt man es oft

„Der Einfallswinkel ist der Winkel zwischen dem Strahl und der Spiegelfläche.“

Warum das schiefgeht

Das ist der häufigste Fehler in Klassenarbeiten zur Reflexion. Er ist besonders tückisch, weil das Reflexionsgesetz trotzdem noch zu stimmen scheint: Man rechnet nur eben durchgehend mit dem Fehlbetrag zu 90° und liegt bei jedem einzelnen Winkel daneben.

So ist es richtig

Alle Winkel werden gegen das Lot gemessen — das ist die senkrechte Linie zur Spiegeloberfläche. Es gilt: Winkel zur Fläche + Winkel zum Lot = 90°. Erst dann stimmt das Reflexionsgesetz Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Der Winkel zwischen einfallendem und reflektiertem Strahl ist doppelt so groß wie der Einfallswinkel.

Lot zum Lot 25° zur Fläche Ausfall Spiegel
Rot: der Winkel zur Spiegelfläche. Braun: der Winkel zum Lot — nur dieser zählt.
Mini-Check 8 · Winkeleingabe

Ein Strahl trifft den Spiegel 25° über der Spiegelfläche. Wie groß ist der Einfallswinkel zum Lot?

°

9„Oben und unten sind vertauscht“

So sagt man es oft

„Im Spiegel sind oben und unten vertauscht — und hinter dem Spiegel steht wirklich ein zweites Ich.“

Warum das schiefgeht

Zwei Fehler in einem Satz. Erstens: Oben bleibt oben. Zweitens: Hinter dem Spiegel ist gar nichts — dort steht kein Gegenstand, den man anfassen oder auf einem Schirm auffangen könnte.

So ist es richtig

Vertauscht wirken links und rechts — das nennt man seitenverkehrt. Selbstkontrolle: Stell dich vor den Spiegel und hebe die rechte Hand; dein Spiegelbild hebt scheinbar die linke. Das Bild ist virtuell: Es scheint nur hinter dem Spiegel zu liegen, und zwar genauso weit dahinter, wie du davor stehst.

Übrigens hängt damit auch die Spiegelgröße zusammen: Für einen Ganzkörperspiegel genügt die halbe Körpergröße — unabhängig davon, wie weit du weggehst.

Mini-Check 9 · Zwei-Wege-Entscheidung

Du stehst vor dem Spiegel und hebst die rechte Hand. Was stimmt?

10„Der Strohhalm ist wirklich geknickt“

So sagt man es oft

„Der Strohhalm im Wasserglas ist wirklich geknickt — und den Fisch treffe ich genau da, wo ich ihn sehe.“

Warum das schiefgeht

Der Strohhalm ist kerzengerade — nimm ihn heraus, dann siehst du es. Geknickt wird nicht der Halm, sondern der Lichtweg: Beim Austritt aus dem Wasser wird das Licht gebrochen, weil es den Stoff wechselt. Und dein Auge kennt keine Brechung: Es verlängert den ankommenden Strahl einfach geradlinig nach hinten und vermutet den Gegenstand am scheinbaren Ort.

So ist es richtig

Wasser lässt Dinge flacher und näher erscheinen: Die scheinbare Tiefe beträgt nur etwa drei Viertel der echten Tiefe. Der wirkliche Fisch liegt also tiefer und weiter vom Ufer entfernt als sein scheinbares Bild — man zielt unter den sichtbaren Fisch. Genau darum sind Nichtschwimmerbereiche oft tiefer, als sie aussehen: Springe nie ins Wasser, nur weil es flach aussieht.

Kein Knick gibt es übrigens in zwei Fällen: bei senkrechtem Einfall genau längs des Lots und wenn das Licht keine Grenzfläche überquert.

Mini-Check 10 · Klickfrage

Du stehst am Ufer und siehst einen Fisch im klaren Wasser. Wohin muss der Speer zielen?

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Gruppe 4 · Fehler 11–12Bilder und Farben

11„Größeres Loch — schärfer, größer, heller“

So sagt man es oft

„Ich steche ein größeres Loch in die Alufolie, dann wird das Bild schärfer — und größer und heller wird es gleich mit.“

Warum das schiefgeht

Drei Irrtümer auf einmal. Ein großes Loch wirkt wie viele kleine Löcher nebeneinander: Ihre leicht verschobenen Bilder überlagern sich zu einem verwaschenen Fleck. Die Bildgröße hat mit dem Loch gar nichts zu tun. Und „größer“ heißt bei der Lochkamera nie automatisch „heller“ — dieselbe Lichtmenge verteilt sich dann nur auf eine größere Fläche.

So ist es richtig

Je kleiner das Loch, desto schärfer — aber auch dunkler. Die Bildgröße hängt allein von den beiden Abständen ab: Bildgröße : Gegenstandsgröße = Bildweite : Gegenstandsweite. Schiebst du den Schirm doppelt so weit weg, wird das Bild doppelt so groß, aber viermal dunkler. Das Bild steht in jedem Fall auf dem Kopf und seitenverkehrt, weil sich die Strahlen im Loch kreuzen.

Der Grundkonflikt der Lochkamera heißt also: scharf oder hell. Nur eine Sammellinse hebt ihn auf — große Öffnung, viel Licht und trotzdem scharf. Genau so arbeitet dein Auge: Die Pupille ist die Blende und regelt die Lichtmenge, die Augenlinse regelt die Schärfe, und auf der Netzhaut steht das Bild ebenfalls auf dem Kopf.

Mini-Check 11 · Klickfrage

Du stichst ein größeres Loch in die Alufolie deiner Lochkamera. Was passiert mit dem Bild?

12„Das Prisma färbt das Licht ein“

So sagt man es oft

„Cooles Glas — das Prisma färbt das Licht ein!“

Warum das schiefgeht

Kein optisches Bauteil kann Farben erschaffen. Es kann sie nur trennen, mischen oder wegfiltern — farbige Folien nehmen sogar Farben weg. Wenn das Prisma Farbe hinzufügen könnte, müsste ein zweites Prisma alles noch bunter machen. Tut es aber nicht.

So ist es richtig

Weißes Licht ist bereits ein Gemisch aller Regenbogenfarben. Das Prisma sortiert sie nur, weil die Brechung für jede Farbe unterschiedlich stark ist (Dispersion). Dafür gibt es zwei Beweise: Ein zweites Prisma oder eine Sammellinse setzt die Farben wieder zu weißem Licht zusammen. Und eine einzelne Farbe wird im zweiten Prisma nur abgelenkt, nicht weiter zerlegt — Grün bleibt Grün.

Die Reihenfolge ist immer dieselbe — im Prisma, im Regenbogen und in der Ölpfütze: rot – orange – gelb – grün – blau – indigo – violett. Rotes Licht wird am wenigsten abgelenkt, violettes am stärksten. Isaac Newton hat das um 1666 als Erster gezeigt.

weißes Licht rot violett Prisma
Rot wird am wenigsten abgelenkt, Violett am stärksten. Neu ist keine einzige Farbe.
Mini-Check 12 · Zwei-Wege-Entscheidung

Du blendest alle Farben ab und lässt nur den grünen Streifen in ein zweites Prisma fallen. Was passiert?

Die drei hartnäckigsten Fehler des Kapitels

Wenn du dir vor der Klassenarbeit nur drei Dinge merken kannst, dann diese hier. Sie tauchen jedes Jahr wieder auf — und sie kosten die meisten Punkte, weil sie gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig kippen.

  1. 1Der Sehstrahl (Fehler 1). Licht läuft vom Gegenstand zum Auge, nie umgekehrt. Geh im Zweifel immer die drei Stationen ab: Sender — Übertragungsweg — Empfänger.
  2. 2Mondphasen durch den Erdschatten (Fehler 7). Beleuchtet ist immer genau die Hälfte; es ändert sich nur dein Blickwinkel. Der Erdschatten erklärt allein die Mondfinsternis.
  3. 3Winkel zur Spiegelfläche statt zum Lot (Fehler 8). Erst das Lot einzeichnen, dann messen. Winkel zur Fläche + Winkel zum Lot = 90°.