Zwei Aufgaben zur Lochkamera: die Bildgröße berechnen und untersuchen, was Größe und Anzahl der Löcher bewirken.
Aylin baut aus einem Schuhkarton eine Lochkamera: vorn ein winziges Loch, hinten ein Stück Transparentpapier als Schirm. Der Abstand vom Loch zum Schirm beträgt 20 cm.
Sie stellt sich damit 6 m vor einen Baum, der 4,5 m hoch ist (Material M1 zeigt den Strahlengang schematisch).
Von jedem Punkt des Gegenstands kommt nur ein einziger schmaler Strahl durch das Loch. Oben und unten vertauschen sich dabei.
Das Bild steht auf dem Kopf (und ist zusätzlich seitenverkehrt).
Grund: Durch das kleine Loch passt von jedem Punkt des Gegenstands nur ein einziger, geradliniger Strahl. Der Strahl von der Spitze läuft schräg nach unten und trifft den Schirm unten; der Strahl vom Fuß läuft schräg nach oben und trifft den Schirm oben. Alle Strahlen kreuzen sich im Loch — dadurch wird das Bild umgedreht.
Gegenstandsweite g = 6 m = 600 cm, Bildweite b = 20 cm, Gegenstandshöhe G = 4,5 m = 450 cm.
b : g = 20 cm : 600 cm = 1 : 30 — das Bild ist also 30-mal kleiner.
Bildhöhe B = 450 cm : 30 = 15 cm.
1. Den Karton verlängern (größere Bildweite): Die Strahlen laufen hinter dem Loch weiter auseinander, bevor sie den Schirm treffen. Bei 40 cm Kartonlänge wäre das Bild doppelt so hoch (30 cm). Nachteil: Das Licht verteilt sich auf eine größere Fläche, das Bild wird dunkler.
2. Näher an den Baum gehen (kleinere Gegenstandsweite): Bei 3 m Abstand ist das Verhältnis 20 cm : 300 cm = 1 : 15, das Bild wird 30 cm hoch.
Nicht hilfreich wäre ein größeres Loch: Das Bild würde zwar heller, aber unscharf.
Die Klasse untersucht die Lochkamera weiter. Drei Gruppen tauschen die Vorderwand aus:
Gruppe A nimmt ein Loch von 1 mm. Gruppe B sticht fünf Löcher von je 1 mm nebeneinander in die Pappe. Gruppe C schneidet ein einziges großes Loch von 2 cm hinein.
Anschließend berichten die Gruppen: Ein Bild war scharf, aber dunkel; eines war hell, aber völlig verschwommen; bei einem sah man mehrere Kerzenbilder nebeneinander.
Gruppe A (1 mm): scharf, aber dunkel.
Gruppe B (fünf Löcher): mehrere Kerzenbilder nebeneinander — jedes Loch erzeugt sein eigenes vollständiges Bild.
Gruppe C (2 cm): hell, aber völlig verschwommen.
Ein großes Loch wirkt wie sehr viele kleine Löcher dicht nebeneinander. Jedes davon entwirft ein eigenes, leicht verschobenes Bild. Diese vielen Bilder überlagern sich zu einem verwaschenen Fleck — das Bild wird unscharf.
Gleichzeitig kommt durch die größere Öffnung mehr Licht hindurch, deshalb wird es heller. Bei der Lochkamera muss man sich also immer zwischen scharf und hell entscheiden.
Der Fotoapparat hat zusätzlich eine Sammellinse. Sie kann alle Strahlen, die von einem Punkt des Gegenstands ausgehen und durch die ganze Öffnung fallen, wieder in einem Bildpunkt vereinigen.
Dadurch darf die Öffnung groß sein — es kommt viel Licht herein — und das Bild bleibt trotzdem scharf. Der Widerspruch „hell oder scharf" gilt also nur für die Lochblende, nicht für die Linse. Man muss allerdings die Entfernung einstellen (scharfstellen), was bei der Lochkamera nicht nötig ist.