MINT lernen

Textaufgaben:
Kompass

Zwei Sachaufgaben zum Kompass — vom selbst gebauten Schwimmkompass bis zur Wanderung, bei der die Nadel plötzlich falsch zeigt.

1

Kompass aus Nähnadel und Kork

AFB I–II

Aus einer Nähnadel, einer dünnen Korkscheibe, einer flachen Schüssel mit Wasser und einem Stabmagneten lässt sich ein einfacher Kompass bauen (Material M1).

Die Bauschritte stehen absichtlich in der falschen Reihenfolge.

M1Die vier Bauschritte — durcheinander
P Die Nadel liegt auf dem Kork und schwimmt frei. Q Die Nadel wird 30-mal in dieselbe Richtung bestrichen. R Die Nadel wird quer auf die Korkscheibe gelegt. S Die Schüssel wird mit Wasser gefüllt.

Die Korkscheibe soll die Nadel tragen, ohne sie am Drehen zu hindern.

  1. Gib die richtige Reihenfolge der vier Bauschritte an.
  2. Begründe, wozu das Wasser und der Kork gebraucht werden — die Nadel ist doch schon magnetisch.
  3. Ein Schüler möchte statt der Schüssel aus Glas eine aus Eisenblech nehmen. Beurteile diesen Vorschlag.
Tipp zu Aufgabe a)
Überlege, welcher Schritt das eigentliche Ergebnis beschreibt — der gehört ans Ende. Und die Nadel muss magnetisch sein, bevor sie ins Wasser kommt.
Tipp zu Aufgabe b)
Eine Kompassnadel muss sich frei drehen können. Was würde passieren, wenn die Nadel einfach auf dem Tisch läge?
Tipp zu Aufgabe c)
Aus welchem Material besteht die Nadel — und wie reagiert Eisenblech auf einen Magneten? Erinnere dich an die Regel zum Gehäuse eines echten Kompasses.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes Urteil mit fachlicher Begründung.
Lösung zu Aufgabe a)

Richtige Reihenfolge: Q – S – R – P.

Zuerst wird die Nadel bestrichen und dadurch magnetisiert (Q). Dann wird die Schüssel mit Wasser gefüllt (S). Anschließend legt man die Nadel auf den Kork (R). Zuletzt schwimmt beides frei im Wasser und die Nadel dreht sich nach Norden (P).

Lösung zu Aufgabe b)

Eine magnetisierte Nadel richtet sich nur dann nach dem Erdmagnetfeld aus, wenn sie sich frei drehen kann. Das Erdmagnetfeld ist nämlich sehr schwach — schon ein wenig Reibung hält die Nadel fest.

Auf dem Tisch bliebe sie deshalb einfach liegen. Der Kork trägt sie, das Wasser lässt den Kork fast reibungsfrei gleiten.

Kork und Wasser übernehmen also die Aufgabe, die beim echten Kompass das Drehlager auf der feinen Spitze hat.

Lösung zu Aufgabe c)

Der Vorschlag ist ungeeignet. Die Schüssel aus Eisenblech besteht aus einem magnetischen Stoff und wird deshalb von der Nadel angezogen — und zieht die Nadel ihrerseits an.

Weil diese Anziehung viel stärker ist als die Wirkung des Erdmagnetfeldes, würde die Nadel zum nächstgelegenen Rand zeigen statt nach Norden. Der Kompass wäre unbrauchbar.

Aus demselben Grund besteht das Gehäuse eines echten Kompasses aus Kunststoff, Aluminium oder Messing — also aus nichtmagnetischem Material.

2

Die Wanderung mit der falschen Richtung

AFB II–III

Eine Klasse wandert auf einem geraden Waldweg, der laut Karte genau nach Norden führt. An vier Stellen bleibt die Gruppe stehen und liest den Kompass ab. Der Weg macht dabei keine Kurve.

Die Messungen und die Umgebung stehen in Material M2. Der Wert 0° bedeutet „genau nach Norden“.

M2Vier Messungen auf demselben Weg
StelleUmgebungAnzeige des Kompasses
1freies Feld3°
2direkt an einem Metallzaun aus Eisen68°
3Waldweg, Handy in der anderen Hand4°
4Lichtung, nichts in der Nähe3°

In Deutschland weicht die Kompassnadel derzeit um etwa 3° vom geografischen Norden ab (Missweisung).

  1. Gib an, welche Messung unbrauchbar ist, und erkläre die Ursache.
  2. Drei Messungen zeigen 3° oder 4° statt 0°. Deute diese Abweichung.
  3. Eine Schülerin schlägt vor, den Kompass wegzulassen und stattdessen nur die Handy-App zu benutzen. Beurteile den Vorschlag für eine mehrtägige Wanderung.
Tipp zu Aufgabe a)
Vergleiche die vier Werte miteinander. Einer fällt deutlich aus der Reihe — schau in derselben Zeile nach, was dort in der Nähe war.
Tipp zu Aufgabe b)
Die Bildunterschrift nennt genau diese Größenordnung. Wie heißt der Fachbegriff dafür, und woher kommt der Unterschied?
Tipp zu Aufgabe c)
Denk daran, was eine Handy-App zum Funktionieren braucht — und was auf einer mehrtägigen Tour ohne Steckdose damit passiert.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes Urteil mit fachlicher Begründung.
Lösung zu Aufgabe a)

Unbrauchbar ist Messung 2 mit 68°. Der Weg macht keine Kurve, alle anderen Werte liegen bei 3° bis 4° — dieser Wert kann nicht stimmen.

Die Ursache steht in derselben Zeile: der Eisenzaun. Eisen ist magnetisch und wird von der Nadel angezogen; gleichzeitig verzerrt es das Magnetfeld in seiner Umgebung.

Die Nadel richtet sich deshalb nach dem Zaun statt nach dem viel schwächeren Erdmagnetfeld aus. Beim Ablesen muss man Abstand zu Eisen, größeren Metallteilen und Stromleitungen halten.

Lösung zu Aufgabe b)

Die Abweichung von etwa 3° ist kein Messfehler, sondern die Missweisung.

Der magnetische Nordpol der Erde liegt nicht genau am geografischen Nordpol. Die Kompassnadel zeigt zum magnetischen Pol, die Karte richtet sich nach dem geografischen — und dazwischen liegt in Deutschland zurzeit rund 1 bis 3 Grad.

Der Wert 4° bei Messung 3 unterscheidet sich davon nur um ein Grad; das liegt im Bereich der Ablese-Ungenauigkeit und ist kein Hinweis auf eine Störung durch das Handy.

Lösung zu Aufgabe c)

Als alleinige Lösung ist der Vorschlag riskant. Die App braucht einen geladenen Akku, und auf einer mehrtägigen Tour gibt es oft keine Lademöglichkeit. Kälte entlädt den Akku zusätzlich schneller.

Außerdem steckt im Handy ebenfalls nur ein Magnetfeldsensor — er wird von Eisen und Magneten genauso gestört wie die Nadel, wie Messung 2 zeigt.

Sinnvoll ist die App als bequeme Ergänzung, der einfache Kompass aber als Reserve: Er braucht keinen Strom, ist robust und funktioniert auch bei Regen und Kälte. Genau deshalb gehört er auf Schiffen und Flugzeugen bis heute zur Notausrüstung.