MINT lernen

Textaufgaben:
Das Erdmagnetfeld

Zwei Sachaufgaben zum Erdmagnetfeld — von den Kompassnadeln rund um den Globus bis zum magnetischen Nordpol, der jedes Jahr weiterwandert.

1

Kompassnadeln rund um den Globus

AFB I–II

Material M1 zeigt die Erde mit dem gedachten Stabmagneten in ihrem Inneren. An vier Stellen liegt eine Kompassnadel; drei sind schon eingezeichnet, bei der vierten fehlt die Richtung.

Die rote Hälfte jeder Nadel ist ihr Nordpol.

M1Die Erde mit ihrem inneren Magneten
S N geografischer Nordpol geografischer Südpol Nadel A (Nordpolgebiet) Nadel B Nadel C ? Nadel D (Südpolgebiet) rot = Nordpol der Nadel

Die Nadeln A, B und C zeigen mit ihrer roten Hälfte nach oben, also zum geografischen Norden.

  1. Gib an, in welche Richtung die rote Hälfte von Nadel D zeigt.
  2. Erkläre, warum der Magnet im Erdinneren mit seinem Südpol nach oben zeigt und nicht mit dem Nordpol.
  3. Ein Schüler meint, das sei ein Fehler im Bild: „Am Nordpol muss auch ein Nordpol sein.“ Widerlege seine Aussage.
Tipp zu Aufgabe a)
Auch am Südpol der Erde funktioniert ein Kompass. Die rote Hälfte einer Nadel zeigt überall auf der Welt in dieselbe Himmelsrichtung.
Tipp zu Aufgabe b)
Die rote Hälfte der Nadel ist ihr Nordpol und wird nach oben gezogen. Welche Pol-Sorte muss dort oben liegen, damit ein Nordpol angezogen und nicht abgestoßen wird?
Tipp zu Aufgabe c)
Nimm einmal an, der Schüler hätte recht, und überlege, was ein Kompass dann anzeigen würde. Passt das zu dem, was man in Wirklichkeit beobachtet?„Widerlegen“ heißt: zeigen, dass die Aussage nicht zutreffen kann.
Lösung zu Aufgabe a)

Auch Nadel D zeigt mit ihrer roten Hälfte nach oben, also zum geografischen Norden — genau wie A, B und C.

Ein Kompass zeigt überall auf der Erde nach Norden; auch in der Antarktis weist die rote Spitze vom Südpol weg.

Lösung zu Aufgabe b)

Die rote Hälfte jeder Kompassnadel ist ihr Nordpol, und sie wird nach oben, also zum geografischen Norden, gezogen.

Angezogen werden aber nur verschiedene Pole. Damit dort oben ein Nordpol angezogen wird, muss dort ein magnetischer Südpol liegen.

Deshalb zeigt der gedachte Stabmagnet im Erdinneren mit seinem Südpol nach oben. Läge dort ein Nordpol, würde die Nadel abgestoßen und die rote Spitze nach Süden zeigen.

Lösung zu Aufgabe c)

Die Aussage ist falsch. Hätte der Schüler recht, stünden sich am Nordpol zwei Nordpole gegenüber — der der Erde und der der Nadel. Gleiche Pole stoßen sich ab, die rote Spitze würde also nach Süden zeigen.

Beobachtet wird aber genau das Gegenteil: Jede Kompassnadel zeigt mit Rot nach Norden. Damit ist die Aussage widerlegt.

Der Grund für die Verwirrung ist die Namensgebung. Die Pole der Nadel wurden nach der Richtung benannt, in die sie zeigen — der „nordweisende“ Pol heißt Nordpol. Erst später erkannte man, dass im Norden der Erde magnetisch gesehen ein Südpol liegt.

2

Der Pol, der davonläuft

AFB II–III

Der magnetische Nordpol der Erde bleibt nicht an derselben Stelle. Früher lag er in Kanada, heute liegt er schon fast bei Sibirien. Material M2 zeigt, wie schnell er sich in verschiedenen Zeiträumen bewegt hat.

Deshalb ist auf guten Wanderkarten immer vermerkt, für welches Jahr die angegebene Missweisung gilt.

M2Wanderung des magnetischen Nordpols
Zeitraumungefähre Geschwindigkeit
um 1900etwa 10 km pro Jahr
um 1990etwa 15 km pro Jahr
heuteetwa 50 km pro Jahr

Zusätzlich ist die magnetische Achse der Erde gegenüber der Drehachse um rund 11° geneigt.

  1. Beschreibe, wie sich die Geschwindigkeit des magnetischen Nordpols seit 1900 verändert hat.
  2. Berechne, wie weit der Pol bei der heutigen Geschwindigkeit in 20 Jahren wandert, und vergleiche das mit der Strecke Hamburg–München (rund 600 km).
  3. Ein Wanderer sagt: „Dann ist mein Kompass in zwanzig Jahren wertlos.“ Beurteile seine Aussage.
Tipp zu Aufgabe a)
Vergleiche die drei Werte der Reihe nach. Wird der Abstand zwischen ihnen gleichmäßig größer, oder springt er irgendwo besonders stark?
Tipp zu Aufgabe b)
Pro Jahr sind es 50 km. Rechne aus, wie viel das in 20 Jahren ergibt, und stelle das Ergebnis den 600 km gegenüber.
Tipp zu Aufgabe c)
Was zeigt der Kompass an — die Lage des Pols oder die Richtung des Magnetfeldes an deinem Standort? Und was steht deshalb auf Wanderkarten dazu?„Beurteilen“ verlangt ein eigenes Urteil mit fachlicher Begründung.
Lösung zu Aufgabe a)

Die Geschwindigkeit hat deutlich zugenommen: von etwa 10 km pro Jahr um 1900 auf etwa 15 km pro Jahr um 1990 und auf etwa 50 km pro Jahr heute.

Auffällig ist, dass die Zunahme ungleichmäßig ist. In den ersten 90 Jahren kamen nur rund 5 km pro Jahr dazu, in den letzten Jahrzehnten dagegen etwa 35 km pro Jahr. Der Pol ist heute also ungefähr fünfmal so schnell unterwegs wie vor gut hundert Jahren.

Lösung zu Aufgabe b)

Rechnung: 50 km pro Jahr · 20 Jahre = 1000 km.

Der Pol wandert in 20 Jahren also etwa 1000 km — das ist deutlich mehr als die rund 600 km von Hamburg nach München, ungefähr das Anderthalbfache.

Der Wert ist eine Abschätzung: Sie gilt nur, solange die Geschwindigkeit gleich bleibt. Nach M2 hat sie sich in der Vergangenheit aber stark geändert.

Lösung zu Aufgabe c)

Die Aussage ist übertrieben. Der Kompass misst nicht, wo der Pol liegt, sondern in welche Richtung das Magnetfeld an deinem Standort verläuft. Diese Richtung ändert sich in Mitteleuropa nur um Bruchteile eines Grades pro Jahr — auch nach zwanzig Jahren zeigt die Nadel praktisch noch dieselbe Richtung.

Ein Kern von Wahrheit steckt aber darin: Die Missweisung, die man von der Kompassrichtung abziehen oder dazurechnen muss, verändert sich langsam. Deshalb steht auf Karten immer ein Jahr dabei, und der Wert wird regelmäßig neu veröffentlicht.

Sinnvolles Urteil: Das Gerät bleibt brauchbar, nur die Zusatzangabe auf der Karte muss aktuell sein.